Tschüss Nils! Abschied vom 20 Kronen-Schein.

Die schwedische Reichsbank führt neue Geldscheine ein. Ziel: Eine Modernisierung der Scheine, sowohl was (sicherheits-)technische Belange angeht als auch die Motive. Jeder neue Schein wird eine andere schwedische Landschaft repräsentieren und dazu jeweils eine Berühmtheit aus ebenjener Gegend abbilden.

Die Schweden selbst haben über die Motive abgestimmt und auch wenn – oder gerade weil – es keine Überraschungen gibt, kann man die Ergebnisse gut nachvollziehen. Evert Taube wird den 50-Kronen-Schein zieren, Greta Garbo gibt’s für 100 Kronen. Der neu eingeführte 200-Kronen-Schein wird durch das Bildnis von Ingmar Bergman veredelt, die berühmte Operndiva Birgit Nilsson ist auf dem 500er abgebildet und Dag Hammarskjöld wird auf dem 1.000er zu sehen sein.

Der wahrscheinlich am häufigsten gebrauchte Schein ist der für 20 Kronen. Dort wird die Lieblingsschwedin überhaupt, Astrid Lindgren, abgebildet sein. Unter anderem deshalb, weil dieser Schein am ehesten von Kindern gebraucht wird.

Doch Moment! Der 20-Kronen-Schein war ebenjener, der bisher von Lindgrens Autorenkollegin Selma Lagerlöf geziert wurde. Und auf dessen Rückseite ihre berühmteste Schöpfung, Nils Holgersson zu sehen war, wie er auf dem Rücken einer Gans über die småländische Landschaft fliegt.

Rückseite des 20-Kronen-Scheins. Bild: Tina

Eben jener Schein ist für mich schon immer ein Symbol für Schweden gewesen – genauso wie Seen und Wälder, rote Holzhäuser oder Dalapferdchen. Gerne habe ich diesen Schein Freunden gezeigt, als Symbol der besonderen Kultur unserer Freunde aus dem Norden. Nils Holgersson auf einem Geldschein! Wo sonst wäre so was möglich? Sieht man bei uns etwa Max und Moritz auf einem Zahlungsmittel? Eben. Das ist ganz einfach typisch Schweden. Wo hat man es sonst, dass einem bei fast jedem Zahlungsvorgang das Herz aufgeht? Und darauf soll ich nun verzichten?

Sicher, es dauert noch ein paar Jahre, bis die neuen Scheine kommen, frühestens 2014 wird es soweit sein. Bis die alten aus dem Verkehr gezogen werden, dauert es wahrscheinlich noch sehr lange. Die Reichsbank ist sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal sicher, wie sie dabei überhaupt verfahren soll. Trotzdem: Der Abschied wird wohl kommen.

Soviel ist klar: Astrid Lindgren ist auf jeden Fall eine würdige Nachfolgerin. Und, wer weiss, vielleicht, begegnen wir ja auf dem neuen Schein einer ihrer unsterblichen Schöpfungen, wie Pippi Langstrumpf. Und doch: Ich vermisse ihn schon jetzt. Den kleinen Nils, der mir so viele schöne Momente beschert hat.

Tschüss, kleiner Junge, mach’s gut. Hoffe, Du findest Dein Glück. Wo immer Du auch hinfliegst.

Autor(in): Sven Weiss – sv.weiss@gmx.de

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Weitere Beiträge

Schwedenkalender 2024

Schwedenkalender 2024

Unser beliebter Schwedenkalender 2024 zeigt die Schönheit Schwedens in all ihren Facetten. Er enthält die deutschen und schwedischen Feiertage (zweisprachig!), die Geburts- und Namenstage der schwedischen Königsfamilie sowie eine Übersicht über die deutschen...

mehr lesen
Schwedisch

Schwedisch

Alles über die schwedische Sprache, Sprachkurse und Dialekte. Deutscher Einfluss Die deutsche Sprache, in erster Linie das Niederdeutsche (Plattdeutsche), übte in der Vergangenheit enormen Einfluss auf das Schwedische aus. So haben bis zu 50% aller schwedischen Wörter...

mehr lesen
Hildegard Sakerwalla: Dazugehören

Hildegard Sakerwalla: Dazugehören

Hildegard Sakerwalla, geboren 1941, wuchs in der streng katholischen zwölfköpfigen Familie Kettelhoit in Langenberg bei Velbert auf. Nach den eindrücklich geschilderten Kindheitsjahren in der von Armut und konservativen Werten geprägten Nachkriegszeit wagt sie mit 19...

mehr lesen