Doch Saab galt auch als sicheres Familien-Auto. „Elch-Schutz“ bot bereits das Ur-Modell 92 mit Seitenaufprall-Verstärkung. Bevor der Wagen in Serie ging, hängten die Ingenieure ihn sogar kopfüber auf und ließen ihn zu Boden krachen. So sollte die Festigkeit der Fahrgastzelle geprüft werden.

Vorreiter bei Komfort och smarter Technik

In Europa bekannte langjährige Modellreihen waren der kleinere Saab 900 (auch als Cabriolet) und der größere 9000. Besonderheiten, die viele Fahrer zu schätzen wissen, sind unter anderem die aktiven Kopfstützen, ventilierte Vordersitze, das Night-Panel im Cockpit und die Trionic-Motorsteuerung. Zur Verwirrung zahlreicher Mietwagen-Fahrer, die zum ersten Mal in einen Schweden-Saab stiegen, befand sich das Zündschloss nicht am Lenkrad, sondern in der Mittelkonsole. Auch dieses Extra konstruierte der Hersteller aus Sicherheitsgründen.

Saab Werk

Das Saab-Werk in Trollhättan hatte inzwischen viele Besitzer und Nutzer. Foto: Sono Motors

Die Zusammenarbeit mit General Motors seit 1989 und die spätere 100%-ige Übernahme im Jahr 2000 haben der Firma mit Stammwerk in Trollhättan kein Glück gebracht. Mit Ausnahme einer kürzeren Phase des Erfolgs in den 90er-Jahren, erwirtschaftete Saab Automobile seit 1989 stets Verluste, die durch die entsprechende Verbuchung von Umsätzen durch den Mutterkonzern GM verursacht wurden. Dann ging es nur noch abwärts: Im Jahr 2008 verkaufte das Unternehmen weltweit noch 93.000 Autos, der Weltmarktanteil sank auf 1,1 Prozent.

2009 dann der Anfang vom Ende für den großen Namen und den Produktionsstandort Trollhättan: Kurz vor Weihnachten gibt der Mutterkonzern General Motors die Suche nach einem Käufer auf und schickt 3400 Mitarbeitern die Kündigung. Zähe Übernahme-Verhandlungen hatte es zuvor mit dem Autozulieferer Magna, der russischen Bank Sberbank, mit der schwedischen Luxusmarke „Königsegg“ und mit der niederländischen Firma „Spyker Cars“ gegeben.

Eine neu gegründete Holding „Saab Spyker Automobiles“ versucht, die Marke am Leben zu erhalten, doch Schulden, Liquiditätsprobleme und weiter sinkende Verkaufszahlen geben ein trauriges Bild der ehemals glänzenden Marke ab. 2011 konnte man zeitweise nicht einmal die Löhne der Angestellten bezahlen. Die Produktion wurde zudem immer wieder wegen Materialmangels gestoppt. All diese Nachrichten lösen weit über Schweden hinaus Enttäuschung und Bestürzung aus. Doch nach wie vor  weigerte sich die schwedische Regierung, das Unternehmen mit staatlichen Mitteln zu retten. Ende 2011 geht Saab endgültig in Konkurs.

Neustart mit E-Motoren unter Nevs‘ Flagge

Ein Neustart mit Elektromotoren und smarten Technologien erhofften sich Mitarbeiter und Kunden, als das Unternehmen NEVS die Konkursmasse aufkaufte. Nevs steht für „National Electric Vehicle Sweden AB“, Hauptanteilseigner sind allerdings chinesische Großkonzerne. Tatsächlich rollten 2013 nochmal „echte Saabs“ unter Nevs Regie vom Band: Der Saab 9-3 Aero wird beworben und bis 2014 produziert.

Saab Museum

Das Saab-Museum ist weiterhin ein Wallfahrtsort für Fans der kultigen Pkw-Marke. Foto: Saab Car Museum

Tatsächlich schafft Nevs die Rekonstruktion und baut alle Altlasten mit Hilfe von chinesischen Geldgebern bis 2015 ab. Allerdings teilt das Unternehmen bereits 2016 mit, den Markennamen Saab zugunsten von Nevs aufzugeben. Das traurige Ende einer schwedischen Institution…

Der letzte, 2014 gebaute Saab, wird 2019 für einen wohltätigen Zweck versteigert. Nach Dänemark! Saab-Fahrzeuge aus der langen bewegten Geschichte der Marke sind jedoch weiterhin im Saab-Museum Trollhättan zu bewundern. Die hier ausgestellten Wagen werden in fahrbaren Zustand gehalten und für Testfahrten und Filmproduktionen mitunter auch ausgeliehen.

(Autorin: Katja Singer)

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