Königin Victoria von Schweden – eine aus Baden stammende schwedische Königin

Wie die derzeitige Königin Silvia ist schon vor etwa 100 Jahren bereits eine Deutsche durch Heirat Königin von Schweden geworden. Es handelte sich dabei um die aus Baden stammende Victoria, die den schwedischen Kronprinzen Gustav heiratete und dadurch ins schwedische Königshaus einzog und Königin wurde. Die jetzige Kronprinzessin Victoria von Schweden ist übrigens nach ihr benannt.

Sophia Maria Viktoria von Baden kam am 7. August 1862 in Karlsruhe als zweites Kind von Großherzog Friedrich I von Baden und seiner Frau Luise, Tochter des späteren Kaisers Wilhelm I, zur Welt. Sie war somit die Cousine von Kaiser Wilhelm II. Mit ihren beiden Brüdern Friedrich und Ludwig wuchs sie im Karlsruher Schloss auf, die Sommermonate verbrachte man in der Sommerresidenz, Schloss Mainau. Viktoria sprach mehrere Sprachen, sie war eine gute Reiterin, sie malte und fotografierte gerne und spielte Klavier. 1881 heiratete sie den Kronprinzen Gustav von Schweden und Norwegen, der 1907 als Gustav V König von Schweden wurde. Vor dieser Heirat war sie in den russischen Großfürsten Nikolaj verliebt, der Zar lehnte jedoch diese Verbindung ab, da Viktoria und Nikolaj Cousin und Cousine waren. Ihre Mutter Louise befürwortete dagegen eine Heirat mit dem deutschen Kronprinzen Wilhelm, aber das wurde vom Reichkanzler Bismarck ebenfalls abgelehnt. Gustavs Vater, König Oscar II war daran interessiert, eine stärkere Bindung an Deutschland zu erzielen, somit hatte die Hochzeit zwischen Gustav und Victoria einen politischen Hintergrund. Die beiden trafen sich 1879 zum ersten Mal, aber von richtiger Liebe konnte keine Rede sein. Trotzdem wurde Viktoria Königin von Schweden und bis zur Auflösung der Union mit Norwegen auch Königin von Norwegen. Von nun an wurde ihr Name Victoria geschrieben. Die Hochzeit fand in Karlsruhe statt, anschließend reiste das Königspaar nach Stockholm, wo ihm ein großer Empfang bereitet wurde. Die Hochzeitsfeierlichkeiten zogen sich über mehrere Tage hin. Viktoria engagierte sich stark im Wohltätigkeitsbereich, es fiel ihr jedoch schwer, sich an die schwedischen Traditionen zu gewöhnen.
Das Paar bekam 3 Kinder:
Gustav Adolf IV, der später ebenfalls König von Schweden wurde, geboren 1882
Wilhelm, Herzog von Södermalmland, geboren 1884
Erik, Herzog von Westermanland, geboren 1889

Nach der schweren Geburt ihres dritten Sohnes und einer darauf folgenden Lungenentzündung reiste das Königspaar nach Ägypten, wo sich Viktoria erholen sollte. Als sie anschließend nach Schweden zurückkehrten, begann sie sich für Archäologie zu interessieren, ließ Ausgrabungen durchführen und begann ägyptische Altertümer zu sammeln, die sie später dem Ägyptologischen Institut der Universität Uppsala vermachte. 1895 erhielt diese Sammlung mit Erlaubnis des Königshauses den Namen „Victoria Museum für ägyptische Altertümer“. Auch heute ist diese Sammlung immer noch Teil des Museums Gustavianum der Universität Uppsala.

Im Sommer wohnte die Königsfamilie gewöhnlich auf Schloss Tullgarn, was jedoch für den schon angeschlagenen Gesundheitszustand von Viktoria nicht förderlich war. Das Schloss war alt und überall war es feucht, so dass eine neue Sommerresidenz notwendig wurde. Auf Veranlassung Königin Victorias wurde 1903-1906 Schloss Soliden auf der Insel Öland erbaut. Als Vorbild für Soliden galt die Villa San Michele auf Capri des Arztes und Schriftstellers Axel Munthe. Schloss Soliden ist ja auch heute immer noch die Sommerresidenz des schwedischen Königspaares und Kronprinzessin Victoria feiert hier jedes Jahr ihren Geburtstag.

Aber zurück zur früheren Victoria. Die Ehe von Victoria und Gustav war nicht besonders glücklich, zumal sich Gustav auch immer mehr zu seiner Bisexualität bekannte. 1890 lerne Victoria auf einer Reise nach Italien in Capri den schon erwähnten Arzt und Schriftsteller Axel Munthe kennen. Die beiden verstanden sich großartig, führten viele Gespräche und 1893 wurde Munthe ihr Leibarzt. Sie verbrachte viel Zeit in Rom und Munthe kümmerte sich um ihren Gesundheitszustand. Auf einer Reise nach Venedig kamen sich die beiden dann näher. Zeit ihres Lebens war Victoria mit Axel Munthe in Liebe und Freundschaft verbunden, wobei sie während des Ersten Weltkriegs für sieben Jahre getrennt waren und nur brieflich in Verbindung bleiben konnten.

Nach dem Tod des schwedisches Königs Oscar II im Jahre 1907 wurde Gustaf König und Victoria somit Königin von Schweden. Die nächste Zeit war geprägt von vielen Reisen und Staatsbesuchen. 1908 heiratete Gustafs und Victorias Sohn Wilhelm die russische Großfürstin Maria Pavlovna, die Ehe wurde jedoch 1913 bereits wieder geschieden. Nach der Scheidung kümmerte sich Victoria um ihren vierjährigen Enkel Lennart, der daraufhin im Stockholmer Schloss einzog. Das war jener Lennart Bernadotte, der später seinen Wohnsitz auf die Insel Mainau verlegte (aufgrund einer Heirat mit einer bürgerlichen) und die Insel Mainau zu dem machte, was sie heute ist.

Victorias jüngster Sohn Erik starb 1918 an einer Lungenentzündung.
Zeitlebens litt Victorias an gesundheitlichen Problemen, vor allem ihre Atemwege waren seit der Lungenentzündung nach der Geburt ihres dritten Kindes stark angeschlagen. Das Klima in Schweden machte ihr zu schaffen und so verbrachte sie die Wintermonate in Italien, vor allem in Rom und später in Capri. Ab 1920 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand weiter, so dass sie schließlich ihren Wohnsitz ganz nach Rom verlegte. Nach Schweden kehrte sie nur noch selten zurück und am 4. April 1930 starb sie in ihrem Haus in Rom.

Autor(in): Heide – Heide.Walker@conductix.com

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