Buchtipp: Håkan Nessers Kim Novak badete nie im See von Genezareth

Nesser: Kim Novak badete nie im See von Genezareth

Håkan Nessers Roman Kim Novak badade aldrig i Genesarets sjö (deutsch: Kim Novak badete nie im See von Genezareth, 2003) aus dem Jahr 1998 ist mittlerweile zu einem Klassiker im schwedischen Schulunterricht geworden. In seinem Roman schildert Nesser mit viel Liebe zum Detail und einigem Sinn für Humor das Leben und die Sorgen eines heranwachsenden Jungen im schwedischen Arbeitermilieu der sechziger Jahre. Zu dem gelingt es ihm einen Kriminalfall in die Handlung einzuflechten. Folglich liegt dem Leser hier nicht nur eine psychologische Studie über das Erwachsenwerden sondern auch eine spannende Kriminalgeschichte vor. Die Hauptfigur sieht sich nicht nur mit den ersten pubertären Gefühlen wie Eifersucht und sexueller Begierde konfrontiert, sondern auch mit Themen wie Gewalt und Tod.

Erik, die Hauptfigur, soll den Sommer 1962 mit seinem Schulkameraden Edmund und seinem älteren Bruder Henry am See im Ferienhaus Genezareth verbringen, damit sich der Vater in Ruhe um die krebskranke Mutter kümmern kann. Henry ist der erste in der Familie, der sich durch ein Studium ein oder zwei Gesellschaftsschichten nach oben arbeiten soll. Stattdessen hat er jedoch die Schule geschmissen um eine Zeit lang die Weltmeere zu befahren und sich jetzt als freier Journalist und Schriftsteller zu versuchen. Theoretisch soll er die beiden Jungen beaufsichtigen, praktisch überlässt er sie jedoch größtenteils sich selbst. Die Jungen verbringen ihre Freizeit mit Fahrrad fahren, Krimis lesen und dem Bauen eines Stegs.  Abwechslung tritt erst in Gestalt von Ewa Kaludis auf. Die Aushilfslehrerin der beiden, die von allen mit der amerikanischen Schauspielerin Kim Novak verglichen wird, entpuppt sich als neue Geliebte Henrys. Einziges Problem ist jedoch der Verlobte Ewas. Handballlegende Berra Albertsson ist gar nicht begeistert von dieser Affäre und schlägt Ewa. Kurze Zeit später wird er dann selbst erschlagen aufgefunden. Im Fokus der Ermittlungen steht natürlich Henry, dem jedoch nichts nachgewiesen werden kann. Erst Jahre später, als der erwachsene Erik seinen alten Freund Edmund auf dem Sterbebett besucht, wird angedeutet wer der Mörder gewesen sein könnte.

Einen großen Anteil am Erfolg dieses Buches, dürfte die schnörkellose leicht zugängliche Sprache Nessers haben. Während die Jugendlichen

Nesser: Kim Novak badade aldrig i Genesarets sjö

unter sich eher in klaren Worten reden und die Dinge beim Namen nennen, werfen die Erwachsenen mit nichtssagenden Phrasen um sich. Diese klare Einteilung erleichtert den Zugang zur Handlung und den Charakteren. Vor allem die Nebencharaktere, wie Mitschüler, Verwandte und Lehrer werden durch kurze und knappe Beschreibungen auf witzige Weise umrissen.

Fans von Populärmusik aus Vittula werden auch dieses Buch mögen. Und genau wie Populärmusik aus Vittula wurde auch Kim Novak badete nie im See von Genezareth erfolgreich verfilmt.

Autor(in): Svenja Bichbäumer – svenjabich@web.de

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