Mittelalter

Ganz schön alt – Gamla Uppsala

Die Kirche mit dem Grab von Anders Celsius

Die Kirche mit dem Grab von Anders Celsius

Etwa siebzig Kilometer nördlich der schwedischen Hauptstadt Stockholm liegt Uppsala. Die meisten Schwedenfans kennen Uppsala als Universitätsstadt mit durchaus sehenswertem Stadtkern. Doch nur wenige Kilometer weiter nördlich liegt Gamla Uppsala, gemeinhin mit Alt-Uppsala übersetzt. Was auch so stimmt, denn Gamla Uppsala ist nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, die Altstadt von Uppsala, sondern deren direkte Vorgängerin.

Ich will euch nicht mit Geschichtsdaten unnötig langweilen. Die findet ihr auch im Internet bei den üblichen Quellen. Ein paar Infos dazu müssen aber doch sein. Denn die Anfänge gehen bis in das fünfte Jahrhundert zurück.

Gamla Uppsala war religiöses und machtpolitisches Zentrum. Die ersten Schwedenkönige regierten von hier aus. Nach der Christianisierung wurde Gamla Uppsala 1164 sogar Erzbischofssitz. Erst nach dem 1240 die Bischofskirche abbrannte, wurde der Bischofssitz 1273 in das heutige Uppsala verlegt. An der Stelle des ehemaligen Bischofssitzes wurde eine sehr viel kleinere Kirche errichtet. Dort ist auch das Grab von Anders Celsius.

Am Rande von Gamla Uppsala findet ihr das riesige Gräberfeld mit etwa 3000 Gräbern aus der Eisenzeit. Außer dem mehrere große Grabhügeln, einem Tinghügel und Bootsgräber aus der Wikingerzeit. Ich erwähne diese Dinge auch nur, weil dieser Beitrag sich im Wesentlichen auf diesen geografischen Bereich konzentriert.

Wenn ihr von der Autobahn E4 kommend in Richtung Gamla Uppsala fahrt und auf dem Weg schöne, alte Häuser oder markante Bauwerke erwartet, werdet ihr enttäuscht werden. Als kleine Entschädigung dafür gibt es jedoch, in Laufentfernung vom Gamla-Uppsala-Museum, das Freilichtmuseum Disagården mit Gebäuden aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. 

Der Eingang zum Gamla-Uppsala-Museum

Der Eingang zum Gamla-Uppsala-Museum

Das findet ihr aber nur, wenn ihr vorher nicht den kleinen Parkplatz des Museums übersehen habt. Sucht euch ein schattiges Plätzchen. Denn bei echtem Interesse werdet ihr mehrere Stunden unterwegs sein. Vielleicht auch eine gute Gelegenheit, vorher den kleinen Verkaufsstand mit frischen Beeren zu besuchen, den man dort regelmäßig finden kann. Die Beeren schmecken wirklich gut, ich kann aber nicht für den biologischen Anbau der Ware garantieren…

Schon vom Parkplatz aus kann man die bereits erwähnte Kirche und die ersten der Grabhügel sehen. Der Zugang zum Gräberfeld und zum Kirchengelände ist jederzeit möglich und frei. Der Eintritt zum Museum kostet 80 Kronen. Einmal bezahlt, könnt ihr das Museum innerhalb eines Jahres so oft besuchen, wie ihr wollt. Und ihr wollt es unbedingt besuchen!

Aus meiner Sicht ist es taktisch am klügsten, zunächst das Museum zu besichtigen. Denn dort ist in den Sommermonaten der Startpunkt für Führungen durch das Museum und über das angrenzende historische Gelände. Ihr solltet die Größe des Geländes und damit auch die Dauer der Führung nicht unterschätzen. Ihr seid eine ganze Zeit unterwegs.

Das erste Hügelgrab in Gamla Uppsala. 70 Meter im Durchmesser

Das erste Hügelgrab in Gamla Uppsala. 70 Meter im Durchmesser

Nehmt ihr nicht an einer Führung teil, dann erhaltet ihr in jedem Fall schon die eine oder andere Information für die spätere Wanderung. Außerdem gibt es dort ein Café für eine kleine Stärkung. Das Museum hat die Form eines Wikinger-Langhauses und ist sehr hell und übersichtlich gestaltet.  Über zwei Etagen bietet es alle Informationen zu den Mythen, Sagen und archäologischen Besonderheiten von Gamla Uppsala. Und sehr interessante Artefakte. Eine Kinderecke gibt es übrigens auch.

Wenn euch die Geschichte dieses Ortes interessiert, solltet ihr wenigstens eine gute Stunde einplanen. Das Museum liegt nur wenige Meter von den großen Grabhügeln entfernt. Auf dem Weg dorthin kommt man unweigerlich am „Sockenmuseum“ vorbei. Es hat von Mai bis August an den Wochenenden geöffnet und der Eintritt ist frei. Wenn ihr nun aber glaubt, ihr könntet im „Sockenmuseum“ möglicherweise dem Geheimnis auf die Spur kommen, warum ihr immer ein Paar Socken in die Waschmaschine gebt, um am Ende nur eine Socke wieder heraus zu holen, werdet ihr enttäuscht. 

Im Schwedischen bedeutet „Socken“ so etwas wie Gemeinde oder Kirchspiel. Ihr steht also vor dem Gemeindemuseum. Und dieses wird daher auch vom örtlichen Heimatverein betrieben.

Der Eingang zum Sockenmuseum

Der Eingang zum Sockenmuseum

Hat man die Grabhügel von Gamla Uppsala erreicht, erkennt man: Die sind wirklich riesig! Die ersten drei Hügel haben alle einen Durchmesser von fünfzig bis siebzig Metern. Und eine Höhe von etwa sieben Metern. Dabei waren sie schon mal höher. Heute werden daher Besucher gebeten, die Grabhügel nicht mehr zu betreten. Mythen besagen, in den Gräbern liegen die drei Gottheiten Thor, Odin und Frey begraben. Was aber zumindest nicht auf Thor zutreffen kann. Den habe ich vor kurzem erst im Fernsehen gesehen. Archäologen glauben daher auch, es liegen drei frühe Könige aus dem Geschlecht der Ynglinger dort begraben. Ich persönlich tendiere eher dazu, den Wissenschaftlern Recht zu geben. Der vierte Hügel ist ein Tinghügel, war also eine Versammlungsstätte. Hier soll auch der spätere König von Schweden, Gustav I. Vasa, gesprochen haben. Wahrscheinlich noch, bevor er auf seiner Flucht vor den Dänen im 16. Jahrhundert so ganz nebenbei den Vasalauf erfand. 

In unmittelbarer Nähe des Gräberfeldes von Gamla Uppsala steht auch die Kirche mit dem Grab von Celsius. Die gesamte Anlage wird gut gepflegt und auch für Veranstaltungen des Heimatvereins genutzt. Habt ihr alles besichtigt, kann ich euch noch das Restaurant Odinsborg empfehlen, ganz in der Nähe der Kirche. Hier gibt es gutes Essen in gemütlicher Atmosphäre. Zu moderaten Preisen.

Das Restaurant "Odinsborg"

Das Restaurant „Odinsborg“

Gamla Uppsala erreicht man mit dem Auto am besten über die E4 oder von Uppsala aus bequem und schnell mit dem Bus.

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Schloss Kalmar

IMG_4520Die Geschichte von Schloss Kalmar beginnt im 12. Jahrhundert. Damals wurde ein Verteidigungsturm gegen Piraten und andere Feinde an dem Platz errichtet, an dem das Schloss heute steht, nämlich auf einer Halbinsel an der Ostsee, umgeben von einem heute mit Gras überwachsenen Burggraben. Zu jener Zeit wurde Kalmar offiziell zur Stadt ernannt. Unter der Regentschaft von König Magnus Barnlock wurden Ende des 13. Jahrhunderts mehrere Türme und eine Ringmauer gebaut. Durch den Eingang, der sich im großen Turm befindet, gelangte man damals wie auch heute noch ins Schloss. Bei seiner Fertigstellung war das Schloss Kalmar eines der modernsten Gebäude Schwedens.

Während mehreren Jahrhunderten war Schloss Kalmar eine mächtige Festung. Das Schloss lag dank seiner Nähe zu Dänemark strategisch günstig. Bis 1658 waren Schonen, Bleckinge und Halland dänisches Territorium, bis es von den Schweden erobert wurde.

Im Mittelalter war das wichtigste Ereignis in Kalmar die Bildung der Kalmarer Union. Im Jahr 1397 wurde innerhalb der Schlossmauern das erste Abkommen von Vertretern von Dänemark, Norwegen und Schweden unterzeichnet. Königin Margaret war die große Treiberin dieser Union. Die Absicht war, die drei Königreiche in einer einzigen Monarchie mit gemeinsamer Außenpolitik näher zusammen zu bringen. Diese starke Allianz würde ein Gegengewicht zur politisch mächtigen Gemeinschaft der deutschen Stadtstaaten der Hanse bilden. Die Union wurde erst mit der Krönung Gustav Vasas im Jahre 1523 aufgelöst.

Schloss Kalmar war der erste Aufenthaltsort für Gustav Wasa nach seiner Flucht aus Dänemark. Es gibt deswegen auch einen Brunnen und ein Monument zu seinen Ehren. In der Zeit der frühen Vasakönige wurde die mittelalterliche Festung in einen Renaissancepalast nach dem Vorbild europäischer Höfe umgebaut. Der damalige Stil wurde in vielen Teilen des Schlosses bis heute beibehalten. Die Könige dieser Zeit heuerten berühmte Künstler und Zimmerleute an, um das Schloss zu modernisieren. In der Goldenen Halle befindet sich die goldene Decke, heute einer der besterhaltenen Schätze von Schloss Kalmar.

Nach dem Friedensvertrag von Roskilde im Jahr 1658 verlor Schloss Kalmar seine Bedeutung als wichtigste militärische Bastion Südschwedens. Königlicher Besuch wurde selten und sogar die luxuriösesten Zimmer des Schlosses wurden für weniger vornehme Zwecke verwendet. So wurden einige Räume zu Verließen, Lagerräumen und sogar eine Distillerie fand dort für kurze Zeit Platz.

Das Schloss Kalmar ist ein bedeutendes Wahrzeichen der Stadt. Historisch betrachtet war es Schauplatz bedeutender internationaler Politik, höfischer Intrigen, feuriger Belagerungen und heftiger Kämpfe. Heute ist das Schloss Kalmar ein lebhafter und wandlungsfähiger Ort, der von vielen Leuten besucht wird.

Im Sommer wird das Schloss ganz in Kinderhand gegeben. Die Mädchen können sich als Prinzessinnen verkleiden und sogar eine echte treffen. Die Jungs, oder natürlich auch Mädchen können den schwarzen Ritter zum Kampf auffordern und eine Ritterprüfung mit verschiedenen Aufgaben ablegen. Am Schluss werden sie feierlich zum Ritter geschlagen und erhalten eine Urkunde und eine Kette. Auch eine spannende Schatzsuche steht auf dem Programm.

Schloss Kalmar ist also wirklich für die ganze Familie einen Besuch wert, der sich auch gerne immer wieder wiederholen lässt.

 

 

 

 

Autor(in): Karin – kainer@sfw-media.com

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Donnerstag: Erbsensuppe – Eine Spezialität mit eigenem Wochentag

Foto: Susanne Walström, imagebank.sweden.se

Foto: Susanne Walström, imagebank.sweden.se

Schwedische Hausmannskost hat vor allem im Winterhalbjahr Hochkonjunktur. Und wenn es ein Gericht gibt, das sich dabei besonders nach dem Kalender richtet, dann ist es die Erbsensuppe. Denn die schwedische „ärtsoppa“ gibt es von September bis Mai immer donnerstags: in den Lunch-Restaurants, in Schulen, in Altersheimen und in der Armee.

Wirte und Großküchen sind auf diese Tradition eingestellt. Und die Gäste sind es auch! Die Erbsensuppe muss mit ins Angebot an einem Donnerstag, – selbst wenn zahlreiche Alternativen auf der Speisekarte stehen. Dabei fragt man kaum noch nach den Hintergründen. Warum gerade Donnerstag? Die deftige Spezialität hat ihre Wurzeln in frühen Zeiten, vielleicht sogar bei Thor – dem Donnergott, nach dem der Donnerstag benannt wurde. (mehr …)

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Die mittelalterliche Kirche von Hjärtlanda

Die Kirche von Hjärtlanda mit freistehendem Kirchturm

Die Kirche von Hjärtlanda mit freistehendem Kirchturm

 

Die mittelalterliche Kirche von Hjärtlanda befindet sich in der Gemeinde Sävsjö in Småland. Ursprünglich gehörte Hjärtlanda zur gleichen Kirchgemeinde wie Hultsjö und Skepperstad. Erst im zwanzigsten Jahrhundert wechselte sie zu der Kirchgemeinde von Sävsjö. Die Kirchgemeinde war sehr klein und wechselte in den letzten 2 Jahrhundert in verschiedene Gemeinden.

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Sölvesborg und die leuchtenden Bögen über Sölvesborgsviken

Sölvesborgs-Brücke

Neues Wahrzeichen von Sölvesborg: Die Sölvesborgsbron. Foto: Adville /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Sölvesborg ist ein 8.400 Einwohner zählendes Städtchen und Hauptort der gleichnamigen Gemeinde an der südschwedischen Küste. Der Ort hat eine Burgruine, die mittelalterliche Kirche, den historischen Ortskern mit Kopfsteinpflastergassen, Wald und Strand. Und Sölvesborg hat die Sölvesborgsbron – die längste Fußgänger- und Radfahrerbrücke Europas.

Mittelalterliches Sölvesborg

Die Geschichte von Sölvesborg beginnt im Mittelalter. Ende des 12. Jahrhunderts wurde die Stadt zwischen Ryssberget und Ostsee, am westlichen Ufer der Sölvesborgsviken gegründet. Im Schutz der Burg, die der Stadt den Namen gab, gedieh der Ort an der Hauptverbindungsstraße zwischen den damals dänischen Provinzen Skåne und Blekinge zum Zentrum des im 14. Jahrhundert eingerichteten Sölvesborgs län. Während ihrer Blütezeit war die Stadt nicht selten Gastgeber dänischer Herrscher auf ihren Reisen.

Das einzige aus der Gründungszeit noch erhaltene Gebäude ist die Nikolaikirche. Bemerkenswerterweise lässt sich auch heute noch anhand des Straßenverlaufs im Zentrum von Sölvesborg die mittelalterliche Stadtplanung erkennen. Trotz des nahezu alles zerstörenden Feuers von 1801.

Nachdem in der Stadt Ende des 18. Jahrhunderts kurzeitig Porzellan hergestellt wurde, folgte Mitte des 19. Jahrhunderts eine Blüte durch Branntweinherstellung. Später kamen Glasfabrik und Werft. Beide schlossen die Türen 1982.

Urlaub in Sölvesborg 

Von den alten Industrien ist kaum etwas geblieben. Wichtige Arbeitgeber sind Papierfabriken und die Fischwirtschaft im Umfeld der Stadt. Sowie der Tourismus.

Sölvesborg Nicolaigården

„Nicolaigården“ in Sölvesborg. Im Hintergrund der Turm der Nikolaikirche. Foto: Henrik Sendelbach /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Während der Sommermonate zieht es Tausende Gäste in die Stadt und Gemeinde im südwestlichen Blekinge. Sei es zum Sweden Rock Festival in Norje auf das Stadtfest Killebom, in den Wald vom Ryssberget, auf die Halbinsel Listerlandet: Fischerdörfer, Strände wie Sandviken und Torsöviken, Natur und Vogelschutzgebiet(e). Zwischen Hanöbucht und Insel Hanö im Osten und der Bucht von Sölvesborg – mit der Sölvesborgsbron.

Mit Europarekord über die Bucht von Sölvesborg

Sölvesborg wächst. Am Westufer der Sölvesborgsviken die Altstadt, am Ostufer, auf Listerlandet, der neue Stadtteil Ljungaviken. Alt und neu sind mit über 500 Kubikmetern Beton, 800 Tonnen Stahl, Edelstahl und Eisen und mehr als 2000 Kilogramm Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben miteinander verbunden. Im Frühjahr 2013 wurde die Sölvesborgsbron von Fußgängern und Radfahrern eingeweiht.

760 Meter lang ist der hölzerne Fuß- beziehungsweise Radweg über die Bucht von Sölvesborg. Vom Gästehafen, mit einem Knick über die Insel Kaninholmen und mehreren Aussichtspunkten zum neuen Wohnquartier und Erholungsgebiet auf Listerlandet. Es ist die mit Abstand längste Brücke für Fußgänger und Radfahrer Europas.

Markantes Merkmal der Brücke sind die drei 17 Meter hohen Bögen zur Stadt hin, in die 24 Beleuchtungskörper eingebaut wurden. Zusammen mit weiteren über die gesamte Länge verteilten Lichtquellen lassen sie die Brücke in nahezu allen möglichen Farben leuchten. Dabei ist die Farbfolge und Lichtintensität nicht willkürlich. Sie folgt – unter anderem aus Rücksichtnahme auf das hohe Vogelaufkommen – der Natur, den Jahres- und unterschiedlichen Nachtzeiten. Nebeneffekt dieses „leuchtenden Beispiels“ der Bemühungen zur „Förderung umweltfreundlicher Verkehrsträger“: Sölvesborg ist um eine Sehenswürdigkeit und ein Wahrzeichen reicher.

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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Schwedens Geschichte: Vom Wanderhandel zum städtischen Handel – Stadtgründungen im Mittelalter

Eine der ältesten Städte Schwedens: Skara. Das Modell im Västergötlands Museum zeigt die Stadt im 13. Jhd. Foto: Dagjoh /commons.wikimedia.org/ (CC BY 3.0)

Eine der ältesten Städte Schwedens: Skara. Das Modell im Västergötlands Museum zeigt die Stadt im 13. Jhd. Foto: Dagjoh /commons.wikimedia.org/ (CC BY 3.0)

Das Mittelalter in Schweden war die Zeit der Christianisierung, der Entstehung des Schwedischen Reiches und eine Zeit der Stadtgründungen. Die Städte waren religiöse und politische Machtzentren, vor allem waren sie Orte des Handels.

Die Kontrolle über den Handel zu erlangen, Wohlstand und Macht der Krone durch den Handel zu steigern und zu festigen war wesentlich für Stadtgründungen im mittelalterlichen Schweden. So entstanden ab dem 12. Jahrhundert mehr und mehr reine Handelsstädte.

Die frühen Städte

Die älteste (nach derzeitiger Erkenntnis) noch bestehende Stadt Schwedens ist Sigtuna. Um 980 gegründet wurde der Ort Bischofssitz, Münzprägestätte und Handelszentrum – als Nachfolger des zerstörten Birkas. Etwa 200 Jahre vor Sigtuna gegründet genießt Birka noch heute den Ruf so etwas wie Schwedens „Urstadt“ zu sein. Ob zurecht, darf bezweifelt werden – wie es Herbert Kårlin in seinem Beitrag „Geschiche der schwedischen Städte: Die Vorläufer“ darstellt.

Dennoch ist Birka als Handelsstadt bedeutsam, steht der Ort im Mälaren für den Übergang vom Wander- zum städtischen Handel bereits in der Wikingerzeit. Gegenüber dem besonders in Nordeuropa verbreiteten Wander-/Saisonhandel, den beispielsweise Bauern als Händler eigener wie auch fremder Produkte auf dem Land betrieben, bot Birka einen intensiveren und sichereren Warenaustausch. Zugleich erzielten die Svear-Könige Kontrolle über und gewinne aus dem Handel. Für zwei Jahrhunderte war Birka Handelsplatz für ganz Nordeuropa mit Kontakten in alle Himmelsrichtungen – Silber aus Arabien, Pelze aus dem Norden, Eisen aus Mittelschweden, Perlen aus Russland. Zur Hochzeit bevölkerten bis zu 1000 Personen die Siedlung.

Birka: Rekonstruierte Wikingerboote. Foto: Holger.Ellgard /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Birka: Rekonstruierte Wikingerboote. Foto: Holger.Ellgard /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Nach der Zerstörung Birkas durch Seeräuber wuchsen im 11. Jahrhundert neben Sigtuna mit Östra Aros in Uppland und Aros in Västmanland (Väster Aros, das heutige Västerås) neue Handelszentren. Ihnen wurde mit dem Aufstieg Uppsalas und Stockholms im 13. Jahrhundert der Rang abgelaufen.

Im Land der Götar wurde das 988 gegründete Skara um das Jahr 1000 Bischofssitz, entstanden mit Södertälje, Lödöse (dem Vorläufer von Göteborg) und Kalmar weitere Handelszentren.

Ein weiteres bedeutendes Zentrum war Visby. Das Gründungsdatum liegt im ungewissen. Die älteste schriftliche Quelle stammt von 1203, jedoch erhielt der Ort 1161 Handelsprivilegien durch Heinrich den Löwen. Vieles spricht dafür, dass die Stadt auf Gotland auf einem älteren Handelsplatz entstand – der möglicherweise bereits um 700 existierte. Eine andere Frage ist, ab wann von Visby als „schwedische“ Stadt gesprochen werden kann, da Gotland erst im 13. Jahrhundert zum Königreich kam.

Städte im eroberten Finnland

Um 1300 wird von 20 Städten im Königreich Schweden ausgegangen. Darunter Viborg, das heutige Wyborg in Russland.

In Söderköping. Die Stadt am Göta-Kanal war im Mittelalter eine der wichtigsten Handels- und Hafenstädte in Schweden. Foto: Nysteanders /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

In Söderköping. Die Stadt am Göta-Kanal war im Mittelalter eine der wichtigsten Handels- und Hafenstädte in Schweden. Foto: Nysteanders /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Mit den schwedischen Eroberungen des 12. und 13. Jahrhunderts in Finnland entwickelten sich auch hier Städte – auf alten Handelsplätzen. So hat Viborg seinen Ursprung in einem karelischen Handelsplatz. Als Gründungsdatum der Stadt wird 1293 genannt, als Torgils Knutsson eine mächtige Burg errichten ließ. Viborg wurde königliche Pfalz, später Sitz eines Statthalters zur Grenzsicherung und eines Bischofs. Wie Viborg lag auch Åbo (Turku) am traditionellen Handelsweg nach Russland. Der vermutlich schon zur Wikingerzeit als Handelsplatz existierende Ort blühte ab Ende des 13. Jahrhunderts als Stadt auf, gewann als Verwaltungs- und Bischofssitz Bedeutung. Andere Handelstädte wie Borgå (Porvoo) oder Raumo (Rauma) blieben im Mittelalter unbedeutend.

Stadtgründungen durch den Hansehandel

Einen weiteren Impuls zu Stadtgründungen im Mittelalter gab die Ausbreitung des Hansehandels. Einerseits profitierten Städte wie Visby, Stockholm oder Söderköping davon, andererseits erwuchs der schwedischen Krone mit der Hanse ein starker – nicht nur wirtschaftlicher – Konkurrent im Ostseeraum. Um dem Entgegenzuwirken und den Handel unter königlicher Kontrolle zu behalten, entstanden zahlreiche neue Städte.

In den Städten entstand mit dem Stadtbürgertum eine eigene soziale Gruppe, die gerade aus  der Konkurrenz zur Hanse der Krone rechtliche und wirtschaftliche Freiheiten abringen bzw. abpressen konnte, weitgehende Autonomie genoss und im ausgehenden Mittelalter ein zu berücksichtigender Machtfaktor in Schweden war.

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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Schwedens Geschichte: Bergleute und Stadtbürgertum – Die Bevölkerungsdifferenzierung im Mittelalter (Teil 4)

Im mittelschwedischen Bergbaurevier Bergslagen: Flatenbergs hytta bei Smedjebacken im südlichen Dalarna. Foto: Holger Ellgaard /commons.wikimedia.org (CC BY-SA 3.0)

Im mittelschwedischen Bergbaurevier Bergslagen: Flatenbergs hytta bei Smedjebacken im südlichen Dalarna. Foto: Holger Ellgaard /commons.wikimedia.org (CC BY-SA 3.0)

Bauern, Adel, Geistlichkeit – daneben bildeten sich im mittelalterlichen Schweden mit Bergleuten und Stadtbürgertum weitere Rechts- bzw. Statusgruppen heraus. Bergbau breitete sich seit dem 12. Jahrhundert aus

Die Basis der Bevölkerungsdifferenzierung im Mittelalter lag in der Landwirtschaft. Daneben kam dem Bergbau eine wachsende Bedeutung zu. Synonym für den Bergbau in Schweden ist Falun in Dalarna. Hier ist seit dem 13. Jahrhundert Kupferbergbau bekannt. Schon im 12. Jahrhundert wurde auf Utö im Stockholmer Schärengarten Eisen gefördert. In der Folge breitete sich der Bergbau in Mittelschweden aus – heute ist Bergslagen mit seinen historischen Bergbau- und Industriestätten Urlaubsziel.

Der Begriff „Bergslagen“ weist auf einen eigenen Rechtsbereich hin. Mit dem Bergbau entstanden neue Eigentumsverhältnisse. Wie im landwirtschaftlichen Bereich resultierten daraus neue Status- bzw. Rechtsgruppen. So gab es die bergmanshemman, Bergleute mit eigenen Schürfarealen und –rechten. Wobei diese zum Teil den Mitgliedern der Bergfrälse –die Steuerfreiheit genossen – gehörten.

Nachgewiesenermaßen sind die schwedische Krone und Angehörige der allgemeinen frälse seit Beginn des 14. Jahrhunderts als Teileigner im Bergbaugeschäft. Ob ihr Status mit den Bergfrälse deckungsgleich war, ist nicht gänzlich geklärt.

Beliebtes Motiv: Die mittelalterliche Stadtbauer von Visby. Foto: Bochum1805 (Helen Simonsson) /flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Beliebtes Motiv: Die mittelalterliche Stadtbauer von Visby. Foto: Bochum1805 (Helen Simonsson) /flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Der Bergbau in Mittelschweden wurde zunehmend auch für ausländische Investoren interessant. So ab Mitte des 14. Jahrhunderts Kaufleute aus Lübeck. Die ausländischen Bergunternehmer bildeten eine eigene Rechtsgruppe.

Deutscher Einfluss in schwedischen Städten

Während des Mittelalters vervielfachte sich die Zahl der Städte im Land der Svear und Götar, auch in den finnischen Eroberungen. In den Städten wuchs das Bürgertum als eigene soziale Statusgruppe, eine, die ihre Rechte stetig ausbauen konnte. Die erste einheitliche rechtliche Grundlage für Städte und deren Bürger schuf „Erik Magnussons allgemeines Stadtrecht“ Mitte des 14. Jahrhunderts. Es beinhaltete unter anderem Erbrecht, Baurecht, städtisches Prozessrecht wie auch Fragen der Schifffahrt. Vorbild war das Stadtrecht von Stockholm, dessen Bürgerschaft im Mittelalter zu einem großen Teil von Deutschen geprägt wurde. Deutscher Einfluss in schwedischen Städten machte sich mit der Unterteilung in „Quartiere“, Gilden und Zünften, die Berufsgemeinschaften eigenen Rechts bildeten, bemerkbar.

Waren die frühen Städte sowohl Handelsstützpunkte als auch politische und religiöse Zentren, kamen ab dem 12. Jahrhundert reine Handelsstädte auf. Begünstigt durch die Einbeziehung in den Hansehandel stieg beispielsweise Visby zu einem Zentrum der frühen Hanse auf. Zugleich setzten die regen Handelsbeziehungen Impulse für weitere Stadtgründungen. Diese sollten jedoch die Ausbreitung der hansischen Vorherrschaft eindämmen und vielmehr der Kontrolle der Krone über den Handel dienen.

Ein Umstand, den die Städte bzw. das Stadtbürgertum reichlich nutzten, um dem König rechtliche und wirtschaftliche Vorteile abzuringen. Die Hochzeit weitreichender Eigengesetzlichkeit der Städte war das späte Mittelalter – eigene Rechtssprechung, eigenes Militär, Hoheit über Kirchen- und Bildungswesen, das Recht auf Selbstbesteuerung und –regierung sowie Freiheiten in Handelsangelegenheiten und in Fragen der städtischen Einkünfte.

Neben Adel und Geistlichkeit war es die eigene Status- und Standesgruppe des Stadtbürgertums, die bis ins 17. Jahrhundert ihre (Vor-)Rechte stetig ausbauen und verteidigen konnte.

Die Bevölkerungsdifferenzierung im Mittelalter, die daraus resultierende Ständeordnung sollte die schwedische Bevölkerung bis ins 19. Jahrhundert strukturieren, bis sich aus Bauern, Adel, Geistlichkeit, Bergleuten und Städtern der „schwedische Staatsbürger“ entwickelte.

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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Schwedens Geschichte: Bauern, Adel, Geistlichkeit – Die Bevölkerungsdifferenzierung im Mittelalter (Teil 3)

Die Überreste von Alsnö hus auf Adelsön. Foto: Holger Ellgaard /commons.wikimedia.org (CC BY-SA 3.0)

Die Überreste von Alsnö hus auf Adelsön. Foto: Holger Ellgaard /commons.wikimedia.org (CC BY-SA 3.0)

Im Schweden des Mittelalters begründeten militärische Aufgaben, umfangreicher Landbesitz und Dienst für den König eine hervorgehobene Position, eine privilegierte soziale Gruppe – den Stand des Adels.

Wie der Geistlichkeit mit dem Privilegienbrief von 1281 gewährte die schwedische Krone auch dem Adel aufgrund besonderer Aufgaben, wie etwa Verteidigung bzw. Kriegsdienst einen privilegierten sozialen und rechtlichen Status. Dazu gehörte allem voran die allgemeine Abgabenfreiheit, sprich Steuerfreiheit.

„Statut von Alsnö“ schreibt besondere Stellung fest

Diese Abgabenfreiheit (frälse) gewährte König Magnus Ladulås mit der Alsnö stadga, dem „Statut von Alsnö“. Heute nur noch in Abschriften erhalten ist das mittelalterliche Dokument eines der meistdiskustierten in der schwedischen Geschichtsforschung. Verabschiedet wurde die Satzung auf Alsnö hus, auf der Insel Adelsön im Mälaren. Wann das geschah, ist nicht endgültig geklärt. Als Datierungen werden die Jahre 1279, 1280 oder 1281 genannt.

Die durch die Alsnö stadga privilegierten waren Ritter, Knappen, königliche Dienstmannen und Bischöfe. Zwar nennt die Satzung auch Männer, die Kriegspferde bereitstellen, doch ist umstritten, ob auch ihnen die königlichen Freiheiten im vollen Umfang gewährt wurden. Nicht umstritten ist hingegen, dass das Statut eine soziale Gruppe, die sich aus den Geschlechtern der (ehemaligen) Stammeshäuptlinge, Großbauern, königlichen Dienstleuten und königlicher Gefolgschaft zusammensetzte in einen bevorzugten Stand hob. Dieser Stand, durch Lehnsordnung und Treueeid dem König eng verbunden, lässt sich mit dem mittelalterlichen Adel, dem Geblüts- und Dienstadel auf dem „europäischen Festland“ vergleichen. Das „Statut von Alsnö“ schuf bzw. legitimierte den schwedischen Adel. Mit der Zeit wurden dem Adel bzw. errang der Adel zur Steuerfreiheit weitere Sonderrechte. So die Befreiung von Sondersteuern, das exklusive Jagdrecht auf eigenen Gütern sowie das Recht böter, bäuerliche „Schuldigkeiten“ zu beanspruchen.

Differenzierung des Adels

Formell waren die Angehörigen des Adelsstandes rechtlich gleichgestellt, doch wie die gesamte Bevölkerung des damaligen Schwedens differenzierte sich auch diese soziale Gruppe während des Mittelalters in sozialer, ökonomischer und politischer Hinsicht in hohe und niedere frälse aus. Durch den Besitz von immer größeren Lehen wuchs die Macht der hohen frälse, insbesondere des Ratsadels gegenüber dem König. Die niedere frälse hingegen stand den Bauern nah. wobei die Standesschranke lange Zeit durchlässig war und Bauern, die Rossdienst leisteten zur frälse zählten.

Für die schwedischen Monarchen spielte diese Unterscheidung jedoch eine untergeordnete Rolle. Bedeutend war sie potenzielle Konkurrenten um den Thron an sich zu binden und sich die Unterstützung der Gruppe zu sichern, die für und mit Reiterei und Soldaten aufkam, der frälse-Bauern. Bauern, Adel, Geistlichkeit – zur (End-)Zeit der Kalmarer Union treten auch Hüttenunternehmer und Bergleute sowie Stadtbürger in Erscheinung. Zwei weitere rechtliche und soziale Statusgruppen, die im mittelalterlichen Schweden entstanden. Dazu mehr im nächsten Teil zur Bevölkerungsdifferenzierung im Mittelalter.

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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Schwedens Geschichte: Bauern, Adel, Geistlichkeit – Die Bevölkerungsdifferenzierung im Mittelalter (Teil 2)

St.-Laurentius-Kirche

Blick in die St. Laurentius Kirche in Söderköping. Hier wurde Magnus Ladulås Frau Helvig 1281 zur schwedischen Königin gekrönt. Zugleich wurden die Kirchenprivilegien in Söderköping verabschiedet. Foto: Xauxa 2003 /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Grundlage der sich im mittelalterlichen Schweden entwickelnden Ständeordnung war das Bauerntum. Unter Einflüssen wie der Entwicklung der Monarchie und Christianisierung wie auch Bevölkerungswachstum und Handelsbeziehungen differenzierte sich die schwedische Bevölkerung rechtlich und sozial weiter aus.

Wie im ersten Teil der Betrachtung zur Bevölkerungsdifferenzierung im Mittelalter dargestellt, fiel dem Landbesitz sowie der landwirtschaftlichen Entwicklung in diesem Prozess besonderes Gewicht zu. Daneben wuchs im Mittelalter die Bedeutung des Bergbaus, womit die Entstehung neuer Statusgruppen einherging. Entscheidenden Einfluss auf die entstehende Gesellschaftsordnung hatte, nicht zuletzt, die Verleihung besonderer Privilegien aufgrund besonderer Aufgaben durch die schwedische Krone. An erster Stelle die Abgabenfreiheit. Profiteure waren Geistlichkeit und Adel.

Privilegienbrief von 1281 vollendet die „Freiheit der Kirche“

Bereits im 11. Jahrhundert, der christliche Glaube fasste langsam Fuß im Land der Svear und Götar, räumten schwedische Monarchen einzelnen Bistümern und Klostergemeinschaften Sonderrechte ein. Diese gelten als Basis der weiteren Kirchenorganisation in Schweden, unter dem Vorbehalt, dass diese Annahme nur schwer zu belegen ist.

Die „Kirchensynode von Skänninge“ 1248 stellt sich schon klarer dar und brachte eine klare Trennung von kirchlichem und weltlichem Recht mit sich, führte zur Einführung des kanonischen Kirchenrechts und des Zölibats für Priester. Diesem Meilenstein auf dem Weg der Geistlichkeit zu einer eigenen Statusgruppe folgte 1281 ein großer Privilegienbrief.

Ausgestellt von König Magnus Ladulås (1275 – 1290) sichert das Dokument der Kirche Steuerfreiheit zu. Diese Sonderbehandlung schloss das damalige kirchliche Grundeigentum mit ein, dessen Erträge den Bischöfen zugesprochen wurden. Zudem sprach der Privilegienbrief der Kirche das Recht auf eigene Gerichtsbarkeit sowie auf die Besetzung der Bischofsämter nach eigenem Gusto zu. Somit war die libertas ecclesiae, die Freiheit und Unabhängigkeit besiegelt. Gleichzeitig wurde aus der landbesitzlichen Geistlichkeit ein andliga frälset, ein steuerfreier geistlicher Stand.

Klostergemeinschaften bildeten geistige und wirtschaftliche Zentren

Als eigene soziale Gruppe mit eigenem Recht etablierten sich auch die Klostergemeinschaften im Schweden des Mittelalters. Ab dem 12. Jahrhundert entwickelten sie sich zur geistigen und ethischen Instanz mit erheblicher Bedeutung im Wirtschaftsleben des Landes.

So führten die Zisterzienser in ihren Gründungen wie Alvastra in Östergötland oder Nydala in Småland nicht nur ein Leben des Gebets, der Lesung und Arbeit führten, sondern auch Einfluss – als einer der größten Landbesitzer – auf Landwirtschaft und Bergbau hatte. Der einzige Orden schwedischen Ursprungs, der Birgittenorden, wirkte vor allem im „Sozialwesen“, sorgte sich um Arme, Kranke und Alte. Das von den Birgitten begründete Kloster Vadstena wuchs zum wichtigsten geistlichen Zentrum Schwedens im Spätmittelalter.

Die Franziskaner, die zuerst Klöster in Visby (1233) und Söderköping (1235) gründeten, taten sich nicht nur als Prediger hervor, sondern richteten ihr Augenmerk auf Bildung und brachten unter anderem die Backsteinarchitektur nach Schweden. Ein Beispiel, das zeigt, dass mit den Orden neue Einflüsse vom „europäischen Festland“ nach Schweden schwappten, in kultureller wie wirtschaftlicher Sicht.

Die Bedeutung der Klostergemeinschaften für das geistige Leben zeigt sich darin, dass Klöster auch die ersten Institutionen höherer Bildung waren. Der Einfluss als solche bröckelte allerdings spätestens mit der Gründung der Universität in Uppsala 1477, womit Schweden seine Selbstständigkeitsbestrebungen, den Willen zur Loslösung von Kalmarer Union,  gegenüber der dänischen Universität Lund im Speziellen und Dänemark im Allgemeinen unterstrich. Weitere Einbußen als Bildungsstätten mussten Klöster mit der Einführung des Buchdrucks in Schweden hinnehmen – 1483 durch den Lübecker Drucker Johann Snell.

Was für die Geistlichkeit der Privilegienbrief von 1281 ist dem schwedischen Adel das „Statut von Alsnö“ von 1279 – die Festschreibung einer herausgehobenen sozialen Stellung. Damit beschäftigt „Die Bevölkerungsdifferenzierung im Mittelalter“ im dritten Teil.

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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Schwedens Geschichte: Bauern, Adel, Geistlichkeit – Die Bevölkerungsdifferenzierung im Mittelalter (Teil 1)

In Hjulbäck. Der älteste Beleg des Dorfes am Siljan in Dalarna stammt von 1325. Foto: Calle Eklund/V-wolf /commons.wikimedia.org/ (CC BY 3.0)

In Hjulbäck. Der älteste Beleg des Dorfes am Siljan in Dalarna stammt von 1325. Foto: Calle Eklund/V-wolf /commons.wikimedia.org/ (CC BY 3.0)

Die treibenden Kräfte der schwedischen Unabhängigkeitsbestrebungen im Zeitalter der Kalmarer Union waren Adel, Bergleute und Hüttenunternehmer, die Bauern von Dalarna, die Stockholmer Bürgerschaft. Dabei zeigt sich fortgeschrittene Differenzierung der Bevölkerung, die mit dem politischen, wirtschaftlichen aber auch geistlichen Wandel im mittelalterlichen Schweden einhergeht. Zum Spätmittelalter hatte sich eine Ständeordnung entwickelt, die das gesellschaftliche Gefüge bis ins 19. Jahrhundert prägen sollte.

Basis der sich vollziehenden Bevölkerungsdifferenzierung war das Bauerntum, das bis in die jüngere Steinzeit zurückreicht. Im frühen Mittelalter erfuhr die schwedische Landwirtschaft einen Entwicklungsschub, dem neue soziale Strukturen folgten.

Landbesitz brachte Wohlstand

Aufgrund eines beachtlichen Bevölkerungswachstums wurden neue Flächen urbar gemacht. Zugleich hielten neue Agrartechniken wie Wechselfelderwirtschaft und Pflug Einzug und es wurde vermehrt Roggen statt Gerste angebaut. Aus diesen Neuerungen folgten bessere Ernten, höherer Viehbestand, Überschüsse, die verkauft weitere Investitionen (in Grund und Boden) ermöglichten. Wohlstand und Vermögen, Privatbesitz entstanden und mehrten sich über Landbesitz.

Zudem brachten die raumgreifende Erschließung und die neuen Techniken die Entstehung von Dörfern mit sich. Denn in der bäuerlichen Gemeinschaft waren Arbeitsteilung und Wechselfelderwirtschaft einfacher als auf Einzelhöfen möglich und vor allem Landgewinnung im großen Stil erst möglich.

Der expansiven Landwirtschaft des frühen Mittelalters folgte die Krise im späten Mittelalter. Nicht zuletzt durch die Pest im 14. Jahrhundert bedingt, die etwa ein Drittel der schwedischen Bevölkerung dahinraffte und gravierend ins wirtschaftliche und politische Leben des Reiches Einschnitt.

Boden und landwirtschaftliche Erzeugnisse verloren an Wert, Arbeitskräfte waren knapp, Boden und Siedlungen wurden aufgegeben. Andererseits stieg die Produktivität, konnte die Versorgung verbessert, Überschüsse generiert werden. Der Gewinn floss nun in Verbrauchswaren, förderte somit das Entstehen von (weiteren) Handelsplätzen und Städten.

Soziale Ordnung nach Landbesitz

Profiteure der (land)wirtschaftlichen Überschüsse waren in erster Linie die Monarchie, die jeweilige Dynastie an der Macht sowie Adel und Geistlichkeit. Die beiden Gruppen genossen aufgrund ihrer herausragenden Aufgaben wie Verteidigung des Landes bzw. Weltdeutung besondere Freiheit. Insbesondere die Abgabenfreiheit (frälse) ist hier zu nennen. Auf diesen von der Krone verliehenen Rechten gründeten jeweils eigene soziale Lebensordnungen.

Damit einher geht die Unterscheidung von Landbesitz nach rechtlichen Kategorien. Aus dem 13. Jahrhundert sind drei grundlegende Rechtskategorien bekannt. Danach werden die Höfe unterschieden in: „Steuerhöfe“, Höfe im eigenen Besitz von Bauern („Steuerbauern“); „Kronhöfe“, Höfe im Besitz der Krone, die von Pachtbauern oder „Kronbauern“ bewirtschaftet wurden und als Drittes die „Freienhöfe“. Diese waren im Besitz des abgabenbefreiten Adels bzw. der Geistlichkeit und wurden von frälsebönder, den frälse-Pachtbauern bewirtschaftet.

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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