Schwedens Geschichte: Bergleute und Stadtbürgertum – Die Bevölkerungsdifferenzierung im Mittelalter (Teil 4)

Im mittelschwedischen Bergbaurevier Bergslagen: Flatenbergs hytta bei Smedjebacken im südlichen Dalarna. Foto: Holger Ellgaard /commons.wikimedia.org (CC BY-SA 3.0)

Im mittelschwedischen Bergbaurevier Bergslagen: Flatenbergs hytta bei Smedjebacken im südlichen Dalarna. Foto: Holger Ellgaard /commons.wikimedia.org (CC BY-SA 3.0)

 

Bauern, Adel, Geistlichkeit – daneben bildeten sich im mittelalterlichen Schweden mit Bergleuten und Stadtbürgertum weitere Rechts- bzw. Statusgruppen heraus.

Bergbau breitete sich seit dem 12. Jahrhundert aus

Die Basis der Bevölkerungsdifferenzierung im Mittelalter lag in der Landwirtschaft. Daneben kam dem Bergbau eine wachsende Bedeutung zu. Synonym für den Bergbau in Schweden ist Falun in Dalarna. Hier ist seit dem 13. Jahrhundert Kupferbergbau bekannt. Schon im 12. Jahrhundert wurde auf Utö im Stockholmer Schärengarten Eisen gefördert. In der Folge breitete sich der Bergbau in Mittelschweden aus – heute ist Bergslagen mit seinen historischen Bergbau- und Industriestätten Urlaubsziel.

Der Begriff „Bergslagen“ weist auf einen eigenen Rechtsbereich hin. Mit dem Bergbau entstanden neue Eigentumsverhältnisse. Wie im landwirtschaftlichen Bereich resultierten daraus neue Status- bzw. Rechtsgruppen. So gab es die bergmanshemman, Bergleute mit eigenen Schürfarealen und –rechten. Wobei diese zum Teil den Mitgliedern der Bergfrälse –die Steuerfreiheit genossen – gehörten.

Nachgewiesenermaßen sind die schwedische Krone und Angehörige der allgemeinen frälse seit Beginn des 14. Jahrhunderts als Teileigner im Bergbaugeschäft. Ob ihr Status mit den Bergfrälse deckungsgleich war, ist nicht gänzlich geklärt.

Beliebtes Motiv: Die mittelalterliche Stadtbauer von Visby. Foto: Bochum1805 (Helen Simonsson) /flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Beliebtes Motiv: Die mittelalterliche Stadtbauer von Visby. Foto: Bochum1805 (Helen Simonsson) /flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Der Bergbau in Mittelschweden wurde zunehmend auch für ausländische Investoren interessant. So ab Mitte des 14. Jahrhunderts Kaufleute aus Lübeck. Die ausländischen Bergunternehmer bildeten eine eigene Rechtsgruppe.

Deutscher Einfluss in schwedischen Städten

Während des Mittelalters vervielfachte sich die Zahl der Städte im Land der Svear und Götar, auch in den finnischen Eroberungen. In den Städten wuchs das Bürgertum als eigene soziale Statusgruppe, eine, die ihre Rechte stetig ausbauen konnte. Die erste einheitliche rechtliche Grundlage für Städte und deren Bürger schuf „Erik Magnussons allgemeines Stadtrecht“ Mitte des 14. Jahrhunderts. Es beinhaltete unter anderem Erbrecht, Baurecht, städtisches Prozessrecht wie auch Fragen der Schifffahrt. Vorbild war das Stadtrecht von Stockholm, dessen Bürgerschaft im Mittelalter zu einem großen Teil von Deutschen geprägt wurde. Deutscher Einfluss in schwedischen Städten machte sich mit der Unterteilung in „Quartiere“, Gilden und Zünften, die Berufsgemeinschaften eigenen Rechts bildeten, bemerkbar.

Waren die frühen Städte sowohl Handelsstützpunkte als auch politische und religiöse Zentren, kamen ab dem 12. Jahrhundert reine Handelsstädte auf. Begünstigt durch die Einbeziehung in den Hansehandel stieg beispielsweise Visby zu einem Zentrum der frühen Hanse auf. Zugleich setzten die regen Handelsbeziehungen Impulse für weitere Stadtgründungen. Diese sollten jedoch die Ausbreitung der hansischen Vorherrschaft eindämmen und vielmehr der Kontrolle der Krone über den Handel dienen.

Ein Umstand, den die Städte bzw. das Stadtbürgertum reichlich nutzten, um dem König rechtliche und wirtschaftliche Vorteile abzuringen. Die Hochzeit weitreichender Eigengesetzlichkeit der Städte war das späte Mittelalter – eigene Rechtssprechung, eigenes Militär, Hoheit über Kirchen- und Bildungswesen, das Recht auf Selbstbesteuerung und –regierung sowie Freiheiten in Handelsangelegenheiten und in Fragen der städtischen Einkünfte.

Neben Adel und Geistlichkeit war es die eigene Status- und Standesgruppe des Stadtbürgertums, die bis ins 17. Jahrhundert ihre (Vor-)Rechte stetig ausbauen und verteidigen konnte.

Die Bevölkerungsdifferenzierung im Mittelalter, die daraus resultierende Ständeordnung sollte die schwedische Bevölkerung bis ins 19. Jahrhundert strukturieren, bis sich aus Bauern, Adel, Geistlichkeit, Bergleuten und Städtern der „schwedische Staatsbürger“ entwickelte.

Autor(in): Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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