Bauwerk

Das Skandia-Theater in Stockholm

Skandia-Theater in Stockholm

Das Skandia-Theater in der Drottninggatan, einer von Stockholms bedeutendsten Fußgängerzonen. Foto: Holger.Ellgaard/ https://commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Von außen verrät das Skandia-Theater wenig. Auffällig vielleicht die geschwungenen Buchstaben des Schriftzuges, der im Herzen der schwedischen Hauptstadt zur belebten Drottninggatan hin leuchtet. Doch das Skandia-Theater ist eines der bekanntesten, wenn nicht gar das berühmteste Lichtspielhaus Stockholms.

Im Alltag hauptsächlich ein Wochenendkino, rückt das Skandia-Theater, schwedisch Skandia-Teatern oder einfach Skandia genannt, alljährlich im November stärker in den Blickpunkt. Wenn der rote Teppich zu Vorführungen und Veranstaltung anlässlich der Stockholmer Filmfestspiele ausgerollt wird. (mehr …)

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Wadköping – Vom alten Örebro

Freilichtmuseum Wadköping

Freilichtmuseum Wadköping, Örebro: Idyll am Svartån. Foto: gula08/ flickr.com (CC BY-ND 2.0)

Wadköping scheint einem Bilderbuch entsprungen: Kopfsteinpflaster, alte Holzhäuser und Höfe, mal prächtig, mal geduckt und etwas windschief erscheinend. Natürlich mangelt es nicht roter Farbe. Grüne Umgebung. Ruhig fließt der Svartån vorbei. Dabei haben die Gebäude eine Menge zu erzählen – Geschichte und Geschichten des alten Örebro.

Es ist nur ein kleiner Spaziergang am Svartån entlang vom modernen Örebro ins historische Örebro, ins Freilichtmuseum Wadköping. Genauso lässt sich vom Kulturzentrum oder von einer Museumsstadt Wadköping sprechen. Wie eine kleine Stadt in der Stadt präsentieren sich Gebäude unterschiedlicher Epochen und zeigen das alte Örebro. In dem es nicht immer so idyllisch zuging, wie im heutigen Museum. (mehr …)

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Gamla bankhuset – Die „Butterdose“ von Umeå

Alte Bank, Umeå

Gamla bankhuset in Umeå. Wegen seiner Form trägt der Bau den Spitznamen „Smörasken“, „Butterdose“. Foto: Mikael Lindmark /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Das Gamla bankhuset, das alte Bankgebäude, ist eines der ältesten Steingebäude in Umeå. Ein kleiner Stadtpalast im Stil der Neorenaissance. Nicht weit vom Fluss, in der Storgatan 34. Vom schwedischen Staat als kulturhistorisch wertvoll eingestuft und zum Baudenkmal erklärt. Vom Volksmund Smörasken genannt.

Den Spitznamen Smörasken, zu deutsch „Butterdose“, verdankt das Gamla bankhuset in Umeå seinen abgerundeten Ecken. Im Erdgeschoss des zweistöckigen, gelben Bauwerks befanden sich einst die Schalterhalle und Büros. In der oberen Etage war die Wohnung des Bankdirektors. Sechs Zimmer sowie ein Raum für Junggesellen und Blick auf den Garten und zum Umeälven.

Grün und Aussicht wurden durch Parkplatz und Bürogebäude ersetzt. Bank ist das Gamla bankhuset schon lange nicht mehr. Heute beherbergt der Bau Tagungs- und Schulungsräume sowie UmeNet. Ein Unternehmen von Umeå Energi AB, dem Eigentümer der alten Bank.

Gamla bankhuset von 1877 bis 1879 erbaut

1865 wurde die Westerbotten enskilda banks gegründet. Die erste Geschäftsbank in Västerbotten. 1877 erfolgte der Spatenstich für das erste Bankgebäude der Gesellschaft. Den Entwurf für das Gamla bankhuset lieferte Axel Cederberg (1837-1913). Cederberg war Hofrat in Västerbotten, später Reichstagsabgeordneter. Vor allem war er Offizier und Ingenieur beim Väg- och vattenbyggnadskåren und diente von 1866 bis 1885 als Bezirksingenieur unter anderem der Stadt Umeå als technischer Berater.

1879 wurde das an einen Renaissancepalast erinnernde Gebäude fertiggestellt, das auch in Florenz stehen könnte – dem Ursprungsort des Bankwesens.

Bank blieb das Bauwerk gerade mal anderthalb Jahrzehnte. Zwar überlebte der Steinbau den großen Brand von 1888. Jedoch nutzte die Gesellschaft die Chance, nach dem Feuer eine zentraler gelegene und repräsentativere Geschäftsstelle zu eröffnen. So geschehen 1895 am Rådhusparken.

Das Gamla bankhuset wurde fortan zum Wohnhaus umfunktioniert, wurde Stadtbibliothek, Lagerraum vom Västerbottens Museum, Handelsschule. Der einstige Bankpalast kam herunter.

1980 wurde der „Repräsentant des amtlichen Baustils norrländischer Kleinstädte im 19. Jahrhundert“ unter Denkmalschutz gestellt. 1992 unterzog Umea Energi das Gamla bankhuset einer umfangreichen Restaurierung und zumindest nach außen strahlt die gelbe „Butterdose“ wie einst.

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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Das Stockholmer Konzerthaus

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Das Stockholmer Konzerthaus. Der rote Teppich wurde in diesem Fall anlässlich der Feierlichkeiten zur Hochzeit von Kronprinzessin Victoria und Daniel Westling ausgerollt. Foto: Holger Motzkau 2010, Wikipedia/Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Das Stockholmer Konzerthaus, das blaue „Konserthuset“, ist eines der bekanntesten Häuser der Welt. Zum einen ist das dem über hundert Jahre dauernden Wirken der Königlichen Philharmonie Stockholm zu verdanken. Deren Können einmal im Jahr weltweit zu vernehmen ist: Zu den Bildern vom blauen Teppich mit dem Logo „N“ und der königlichen Familie auf dem Podium unter der eindrucksvollen Orgel. Es sind die Bilder der feierlichen Verleihung der Nobelpreise.

Seit 1926 werden die Nobel-Medaillen ihren Trägern im großen Saal des Stockholmers Konzerthauses überreicht. Mit Ausnahme des Friedensnobelpreises. Dafür seit 1992 der Polar Music Prize, der inoffizielle Musik-Nobelpreis. Bei der Gelegenheit kommt, wenn auch nur Ausschnittsweise, die Architektur des Baus zur Geltung. Das Konserthuset zählt zu den bedeutendsten Beispielen des Neoklassizismus in Schweden.

Konzerthaus im geschäftigen Zentrum Stockholms

Das zwischen 1924 und 1926 erbaute Stockholmer Konzerthaus liegt an der Ecke Sveavägen und Kungsgatan in „Stockholm City“. Wie Norrmalm, das geschäftige Zentrum der schwedischen Hauptstadt, auch genannt wird. Der von Granitsäulen umrahmte Eingang des sonst einfachen und strengen Bauwerks ist auf der Seite zum Hötorget. Zum Portal führen Stufen, gerne auch als Sonnenbank genutzt. Es ist vielleicht die bekannteste Treppe Schwedens. Mit der Orpheus-Gruppe – eine der Figuren trägt Beethovens Gesichtszüge – des Bildhauers Carl Milles im Vordergrund ein Wahrzeichen Stockholms.

Gebaut wurde nach Plänen Ivar Tengboms, der den Architektenwettbewerb zu Stockholms konserthus gewann. Zu Beginn der 1970er Jahre führte Tengboms Sohn, Anders, Renovierungsarbeiten durch. Da hatte er sich bereits den Ruf als einer der Großen der nordischen Moderne erarbeitet. Unter anderem durch einen der fünf Hötorgsskraporna in unmittelbarer Nachbarschaft des Stockholmer Konzerthauses.

Orpheus-Gruppe, Hötorget

Die Orpheus-Gruppe (Orpheus-Brunnen) von Carl Milles vor dem Konzerhaus. Foto: iMaffo (Alessio Maffeis) /flickr.com (CC BY 2.0)

Das Innenleben der Kulturinstitution gestalteten unter anderem Ewald Dahlskog, Einar Forseth und Isaac Grünewald, nach dem ein Saal im Konzerthaus benannt ist, aus. Zudem finden sich auch im Inneren Arbeiten von Carl Milles wieder. Allem gemein ist die Widerspiegelung zweier Motive: das klassische Griechenland und die Geschichte der Musik.

Stora salen – „Das rote Herz“

Der Stora salen, der große Saal, ist das Prunkstück im Stockholmer Konzerthaus. 1.782 Sitzplätze verteilt auf Parkett, Balkone und Chorumgang.

Nach Ivar Tengbom sollte der „Tempel, um die Musik in der Nähe des Polarkreises zu ehren“ ein „rotes Herz“ bekommen. Der Entwurf zum großen Saal sicherte dem Architekten den Zuschlag. Er plante einen offenen von Säulen umgebenen Raum, der quadratisch erscheinen sollte. Die Bestuhlung wurde in tiefes rot getaucht, Boden und Wände in Grau- und Brauntöne, eingerahmt von sanft scheinender Beleuchtung. Die Farbschattierungen wurden heller je weiter sie sich der Decke näherten. Dem „offenen“ Himmel.

Während der großen Renovierung von 1971 bis 1973 wurde es Nacht im Hauptsaal des Konzerthauses. Der Himmel wurde finster, die Decke erhielt ein samtenes Schwarz. Ebenfalls in den 70ern ging man die Aufgabe an, eine Konzertorgel einzubauen. Dank Spendenbereitschaft konnte 1982 die imposante Grönlund-Orgel eingeweiht werden: 69 Register, 6.100 Pfeifen. Die längste Orgelpfeife misst 11 m, die kleinste ein paar Millimeter.

Orgel-Impressionen aus dem Stockholmer Konzerthaus:

Mittlerweile ist die Orgel digitalisiert, wie überhaupt im Laufe der Jahrzehnte den technischen Neuerungen Rechnung getragen wurde. Zu den jüngsten Renovierungsmaßnahmen zählt auch der Austausch der Bestuhlung. Nach Skizzen Tengboms und tiefrot.

Ebenso bemerkenswert ist der Grünewald-Saal mit seinen Wandgemälden und einem monumentalen Deckengemälde. Wesentlich nüchterner ist der nach Tor Aulin, einer der Orchesterbegründer, benannte Proben- und Tagungssaal. Schließlich der Sitzungssaal. Ausgestattet mit Mahagonimobiliar erinnern die Wände an das Blau der Fassade vom Stockholmer Konzerthaus.

https://www.konserthuset.se/

Autor(in): Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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Stadtbummel durch Karlskrona: Die Insel Stumholmen

Blick auf Stumholmen

Die Insel Stumholmen von Trossö aus gesehen. Foto: Marinmuseum /flickr.com (CC BY 2.0)

Für 300 Jahre war die Insel Stumholmen militärisches Sperrgebiet. Seit zwei Jahrzehnten ist das Eiland „zivilisiert“. Karlskrona erwuchs östlich des Stadtzentrums ein neuer Stadtteil, der sich beim Stadtbummel erkunden lässt: Wohnen, Geschäfte, Freizeit und Kultur im historischen Erbe. Ein Teil dieses Erbes beherbergt das Marinemuseum. Welches wie die ganze Insel Stumholmen ein bedeutender Bestandteil des Welterbes „Marinestadt Karlskrona“ ist.

Die Insel Stumholmen lässt sich ohne Mühe in einen Stadtbummel durch Karlskrona einbeziehen. Rund 1 km, etwa fünf Minuten zu Fuß sind es vom Stortorget, die Kyrkogatan entlang. Die letzten Meter von Trossö nach Stumholmen führen über eine Brücke. Wer mit dem Auto anreist, findet in der Nähe Parkmöglichkeiten. Stumholmen ist autofreies Gebiet. Wobei es Ausnahmen für Menschen mit Einschränkungen sowie die gut 270 Bewohner der Insel gibt.

Bis 1993 militärisches Gebiet

Karlskrona_Stumholmen_Kronobageriet

Heute Wohngebäude: „Kronobageriet“, die königliche Bäckerei auf Stumholmen. Im Hintergrund (rechter Bildrand) die frühere Kleiderwerkstatt. Foto: Henrik Sendelbach /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Eines der ersten Gebäude nach dem Überqueren der Stumholm-Brücke ist die Kronobageriet, die königliche Bäckerei direkt am Ufer. In dem Bauwerk aus den 1730er Jahren wurde einst Knäckebrot für die Seefahrer und Kommissbrot für die Zivilbevölkerung gebacken. Die Bäckerei ist eines der Gebäude, die während der umfassenden Sanierung in den 1990er Jahren zu Wohngebäuden umfunktioniert wurden.

Zu dieser Sanierung und Restaurierung kam es im Zuge des Rückzugs der schwedischen Marine. Nach dreihundertjähriger Militärgeschichte – Stumholmen erhielt im Festungsplan von 1683 die Rolle als Produktions- und Versorgungsinsel – wurde „eine qualitätsbewusste Umwandlung einer historischen Umgebung“ durchgeführt und die Insel im Rahmen einer Baumesse 1993 ziviler Stadtteil von Karlskrona.

Das zeigt sich spätestens ein paar Schritte hinter der ehemaligen Bäckerei. Am alten Wachhaus. Eines der wenigen erhaltenen Wachhäuser Schwedens aus dem 18. Jahrhundert. Anders als am Wachhaus vom Marinehafen können Besucher hier einfach vorbei spazieren bzw. bummeln. Beispielsweise zum Südende der Bastionsgatan. Zur Bastion Kungshall mit dem Kungshalls magasin.

Kanonendonner von Stumholmen

Die Bastion Kungshall war ebenfalls bereits 1683 vorgesehen und bald errichtet. Für ein Jahrhundert diente sie als Verteidigungsbollwerk. Ende des 18. Jahrhunderts wurden ein kleineres Magazin und das große Kungshallmagazin zur Lagerung von Pökelwaren, Fleisch, Gewürzen und mit einer Schlachterei ausgestattet errichtet.

Hin und wieder erschallt heute noch der Kanonendonner von der Bastion. Es ist eine von festen Batterien in Schweden, die zu nationalen Feiertagen Ehrensalute abfeuern. Daneben bietet sich von der Bastion ein Blick zum Marinehafen und auf Teile der Befestigungsanlagen im Schärengarten.

„Ein historisches Gebäude ohne Gegenstück“

Andere geschichtsträchtige Gebäude auf Stumholmen sind die Bootsmannkaserne aus dem 19. Jahrhundert, das Fässerlager, das Gefängnis, die Kleiderwerkstatt aus dem Jahr 1921. Der Bau wurde zum Vorbild europaweit und ist heute ebenfalls Wohnhaus.

Eines der bemerkenswertesten Bauwerke auf der Insel wie ganz Karlskronas ist der Slup- och barkasskjulet, der Schaluppen- und Barkassenschuppen. Wie es heißt „ein historisches Gebäude ohne Gegenstück, was die Funktion und Konstruktion betrifft.“ Errichtet wurde dieses architektonische Kleinod 1787 als Winterlager von Barkassen und Schaluppen. Den kleineren Booten der schwedischen Marine. Heute dient das Bauwerk als Ausstellungsraum des Marinemuseums, als Schulungsraum für Schiffbaukurse. Nach wie vor auch als Aufbewahrungs- und Wartungsgebäude sowie zur Fertigung von Barken, Jollen und Schaluppen.

Schaluppen- und Barkassenschuppen

Der Schaluppen- und Barkassenschuppen mit der „eierkartonartigen“ Dachkonstruktion und Blick auf den Schärengarten von Karlskrona. Foto: Marinmuseum /flickr.com (CC BY 2.0)

Die Besonderheit des Schuppens ist die Dachkonstruktion. Sie erinnert an einen Eierkarton, wenn auch an einen quadratischen. Es ist die Lösung des 18. Jahrhunderts ein 3.600 qm großes Gebäude zu bedecken.

Ebenfalls zum Marinemuseum gehört eine der beiden Flugzeughallen, jedoch nicht für Besucher zugänglich. Doch die in den 1920er Jahren errichteten Hangars 3 und 4 sind auch von außen imponierend. Zumal es die einzigen erhaltenen Holzhangars in Schweden sind, die schon die Aufmerksamkeit von Charles Lindbergh bei seinem Aufenthalt in Karlskrona 1933 fanden.

Nicht minder eindrucksvoll ist das Mitte des 18. Jahrhunderts erbaute Hauptgebäude des 1997 eingeweihten Marinemuseums. Auf einem Pier erstreckt sich der Bau „ins“ Wasser und strahlt über die See. Nicht nur äußerlich besitzt das Museum Strahlkraft. Als eine von drei zentralen Einrichtungen des Museumsnetzwerkes „Das militärhistorische Erbe Schwedens“ genießt es überregionale Bedeutung – und ist einen eigenen Beitrag wert.

Zum Sommer 2014 soll die U-Boot-Halle des Museums eröffnen. Ein modernes Gebäude im historischen Umfeld und ein „garantiert außergewöhnliches Erlebnis“. Möglicherweise ist dann ein Tag für die Insel Stumholmen inklusive eines Besuchs des Marinemuseums viel zu kurz. Es lockt ja noch der – kinderfreundliche – Strand. Währenddessen können die Eindrücke vom bisherigen Stadtbummel durch Karlskrona sacken und die nächsten Ziele gekürt werden.

Eine Übersicht des Welterbes auf der Insel Stumholmen bietet www.karlskrona.se/varldsarvet-orlogsstaden-karlskrona/. Was es im Marinemuseum zu entdecken und erforschen gibt zeigt www.marinmuseum.se.

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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Der Kaknästurm – Auf einen Kaffee über Stockholm

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Der Kaknästurm. Fernseh- und Aussichtsturm in Djurgården, Stockholm. Foto: U3island /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Der Kaknästurm, auf Schwedisch Kaknästornet, war einmal das höchste Gebäude in Skandinavien. Diesen Nimbus hat das Bauwerk im Osten von Stockholm längst verloren. Geblieben sind der Stadt höchstes Restaurant und Café. Vor allem aber die Aussicht auf Schwedens Hauptstadt auf der einen, der Blick hin zu Stockholms Schärengarten auf der anderen Seite.

Den Rang des höchsten Gebäudes in Schweden und ganz Skandinavien mag der 34 Stockwerke zählende, 155 m Hohe (170 m mit Antenne) Kaknästurm im Stockholmer Stadtteil Djurgården – genauer Norra Djurgården – nicht erst mit der Fertigstellung des Turning Torsos in Malmö verloren haben. Gehalten hat sich, neben der Aussicht, der Ruf, das höchste (regulär) für Besucher zugängliche Bauwerk in Schweden zu sein.

Kaknästurm ist ein Knotenpunkt für Fernsehen und Radio

Der Turm als Ausflugsziel ist jedoch „nur“ ein Nebeneffekt. Bedeutender ist seine Funktion als Fernseh- und Funkturm. Der Kaknästornet ist ein Knotenpunkt für die Fernseh-, Rundfunk- und Satellitenkommunikation der schwedischen Radio- und Fernsehprogramme.

Die Plattformen für die Antennenanlagen, wie der gesamte Turm haben einen quadratischen Grundriss. Durch die Drehung in einem Winkel von 45 Grad zum Turmschaft, sowohl der Antennenplattformen als auch auf Restaurant- bzw. Caféebene ergeben sich einprägsame Formen.

Erdacht haben sich die Formgebung die Architekten Bengt Lindroos und Hans Borgström. Die Konstruktion verantwortete Sven-Olof Asplund, der unter anderem seinen Beitrag zur Dachkonstruktion des Ullevis und an der Älvsborgsbron in Göteborg leistete.

Kaknästornet Aussicht

Aussicht vom Kaknästurm: Bei einem Kaffee über Stockholm. Foto: hjjanisch /flickr.com (CC BY-ND 2.0)

Von 1964 bis 1967 wuchs der Kaknästurm in die Höhe, wo sich lange vor Funk- und Satellitenübertragung das Dorf Kaknäs befand und in der Umgebung verschiedene Schießwettbewerbe während der Olympischen Spiele 1912 stattfanden.

Am 12. Mai 1967 wurde der Stahlbetonbau im Beisein des damaligen Ministers für Kommunikation Olof Palme seiner Bestimmung übergeben.

In 30 Sekunden zur Weitsicht

Der Weg nach oben führt durch die Lobby des Turms, vorbei an Walter Bengtssons Werk „Spelrum Futurum“. Etwas länger dauert vielleicht das Vorbeikommen am Souvenir- und Geschenkeladen. Ein Entkommen ist kaum möglich. Neben dem Laden ist der Lift.

Der Aufstieg ist eine kurze Sache, Nonstop in 30 Sekunden. Im 28. Stock das Turmrestaurant. Bei einer Reservierung ist der Zugang zur Aussichtsplattform inklusive. 30. Stock: Café & Skybar. Darüber die Aussichtsplattform bzw. der Aussichtskäfig. Wobei an Fotografen mittels Aussparungen gedacht wurde.

Bei gutem Wetter reicht die Sicht 60 Kilometer weit über Stadt und Landschaft. Wer den Blick nicht ganz so weit schweifen lässt, dem liegt die Umgebung des Kaknästurms modellhaft zu Füßen. Das grüne Djurgården, Parks, das Freilichtmuseum Skansen, Vasa-Museum, Rosendals slott.

Ein Teil, dessen das Auge gewahr wird, der Kaknästurm selbst, ist Bestandteil des Königlichen Nationalstadtparks, dem weltweit ersten innerstädtischen Nationalpark.

Über Wege zum Kaknästurm, Öffnungszeiten und Preise für den Ausblick und einen Kaffee über Stockholm (oder eine Mahlzeit) informiert www.kaknastornet.se.

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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Der Säfflekanal – Auf dem „Wikingerpfad“ in Värmland

Die einzige Schleuse des Säfflekanals in Säffle. Foto: Meleagros /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0 DE)

Die einzige Schleuse des Säfflekanals in Säffle. Foto: Meleagros /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0 DE)

Der Säfflekanal verbindet den Glafsfjorden mit dem Vänern, führt von Schwedens „Binnenmeer“ nach Arvika, dem Zentrum Westvärmlands. Heute ausschließlich touristisch genutzt ließ die dem Byälven folgende Wasserstraße im 19. Jahrhundert Wirtschaft und Städte der Region aufblühen. Bedeutsam war die Route jedoch schon lange zuvor: Der Säfflekanal ist auch als Vikingaleden bekannt.

Durch Flusslandschaft und Seen, entlang kleiner Städtchen und idyllischer Natur, vorbei an Herrenhäusern, sechs Brücken, darunter Klapp- und Schwenkbrücken, passierend führt der Säfflekanal laut Broschüre „zumeist wie ein schmales Band“ rund 91 Kilometern vom Vänern ins westliche Värmland. Nach Arvika, am Ufer der Kyrkviken, einer Bucht des Glafsfjorden gelegen – die am weitesten im Landesinneren gelegene Hafenstadt des Landes.

Verbindung zur Welt

Nach nur einjähriger Bauzeit wurde der Säfflekanal am 11. Oktober 1837 durch König Karl XIV. offiziell eingeweiht. Die Zeremonie fand in Säffle statt. Der Ort erhielt erst 1951 Stadtrechte, ist Schwedens jüngste Stadt. Mitten hindurch fließt der Byälven. Dessen Unwegsamkeiten mittels einer Schleuse in Säffle behoben wurde. Der einzigen des Wasserwegs. Das Bauwerk überwindet einen Höhenunterschied von 0,65 Metern. Auch sonst hielt sich der Bauaufwand in Grenzen. Lediglich 12,8 Kilometer des Säfflekanals wurden gegraben.

Mit der Fertigstellung des Kanals erfuhr das westliche Värmland einen Aufschwung, Holz- und Papierindustrie erhielten einen schnellen und günstigen Transportweg, Ortschaften wie Säffle und Arvika und Nysäter wuchsen. Mit dem Säfflekanal wurde die Verbindung zur Welt hergestellt. Erst einmal im Vänern konnte und kann sind die Wege frei – über den Trollhätte kanal zum Hafen von Göteborg sowie in anderer Richtung zur Ostsee über den Göta-Kanal. Wie dieser entsprang auch der Säfflekanal der ehrgeizigen Plänen des Baltzar von Platen. Die Umsetzung der Wasserstraße in Värmland erlebte der 1829 verstorbene Staatsmann jedoch nicht mehr.

Ein Teil des Glafsfjorden: Blick über die Kyrkviken auf Arvika. Foto: Musicus /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Ein Teil des Glafsfjorden: Blick über die Kyrkviken auf Arvika. Foto: Musicus /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Seine wirtschaftliche Bedeutung behielt der zwischen 1866 und 1870 modernisierte Säfflekanal bis ins 20. Jahrhundert. 1939 passierten 290.000 Tonnen Fracht die Schleuse in Säffle – ein Rekord für die Ewigkeit. Der Konkurrenz von Schiene und Straße war auch dieser Kanal nicht gewachsen.

Auf Spuren von Wikingern und Pilgern

Geblieben sind dem Säfflekanal Idylle, Häfen, die für Bootstouristen offen stehen, die Zeugnisse längst vergangener Zeiten. Besonders deutlich treten die in und um Nysäter zutage. Reich an Funden aus Eisenzeit und der Zeit nach Christi Geburt ist hier Värmlands Vikingacenter beheimatet: Wikingermuseum und –dorf, Hof- und Kunstgewerbeläden und im Hafen der Nachbau eines Wikingerschiffs aus dem 11. Jahrhundert.

Doch nicht nur die Wikinger waren auf der Route des heutigen Säfflekanals zugange. Auch Pilger auf dem Weg zum Grab des Heiligen Olav in Nidaros (Trondheim) nahmen diesen Weg.

Ein weiteres Besuchsziel – neuerer Zeit – auf dem „Wikingerpfad“ in Värmland ist die Leinenweberei in Klässbol. Der Familienbetrieb ist Lieferant des schwedischen Hofes, hat gleichzeitig zahlreiche Auszeichnungen und Tourismuspreise erhalten.

Weitere Informationen, Sehenswertes und Ziele am Säfflekanal bieten die Seiten www.saffle.se und www.arvika.se.

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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Berns salonger – 150 Jahre Genuss und Amüsement

Nachfolger des ersten chinesischen Restaurants in Schweden: Das Asiatiska in Berns salonger. Foto: Jon Åslund /flickr.com (CC BY 2.0)

Nachfolger des ersten chinesischen Restaurants in Schweden: Das Asiatiska in Berns salonger. Foto: Jon Åslund /flickr.com (CC BY 2.0)

 

Es begann mit Kuchen, Abendrestauration und dem ein oder anderen stärkeren Getränk und zeitgemäßer Salonmusik in Berns salon. Stockholms „bessere Gesellschaft“ gab sich im Salon Genuss und Müßiggang hin – Inspiration für einen noch unbekannten Schriftsteller. Aus dem Salon wurde(n) Berns Salonger. Manch Verfechter von Sitte und Moral mag auf das Versinken des Etablissements im Morast, auf dem es gebaut war, gehofft haben. Stelzen verhinderten dieses Schicksal. Stattdessen wurde der Vergnügungstempel zu einer Institution Stockholms. In diesem Jahr feiert Berns salonger 150-jähriges Bestehen.

Nicht weit von Nationalmuseum, Königlicher Oper und Stockholmer Schloss, im Stadtteil Norrmalm befindet sich Berns Salonger. Ein von Johan Fredrik Åbom entworfenes Bauwerk im historistischen Stil, direkt am Berzelii Park. Zu den späteren Gestaltern des Gebäudes gehörte auch Architekt Gustaf Wickman, der maßgeblich Kiruna gestaltete. Doch sind es weniger die Architekten, denen Berns salonger seinen Ruf verdankt. (mehr …)

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Svampen – Der „Pilz“ von Örebro

Wasserturm Svampen, der "Pilz" von Örebro. Foto: Örebro kommun, Fredrik Kellén /flickr.com (CC BY 2.0)

Wasserturm Svampen, der „Pilz“ von Örebro. Foto: Örebro kommun, Fredrik Kellén /flickr.com (CC BY 2.0)

Er ist eines der bedeutendsten Bauwerke seiner Zeit und aus Örebro nicht mehr wegzudenken. Der Vattentornet Svampen. Es ist unschwer zu erraten, wie der Wasserturm im Norden der Stadt zu seinem Namen kam: Wie ein Pilz ragt das „Wunder aus Beton“ in die Höhe. Sein „Hut“ bietet Café und Konferenzräume und weite Sicht, die jährlich mehr als 100.000 Besucher genießen. Ganz nebenbei versorgt der Svampen nach wie vor die Stadt mit Trinkwasser.

Vor gut einem halben Jahrhundert wuchs der Svampen, weithin sichtbar, über die Dächer von Örebro. Schnell wurde er zum Symbol Örebros, zu einer Sehenswürdigkeit, die nicht hinter Schloss oder dem Freilichtmuseum Wadköping zurücksteht. Seit seiner Einweihung im Mai 1958 lockte die Aussicht über Schwedens siebtgrößte Stadt, zum Hjälmaren bis zu den Umrissen des Höhenzugs Kilsbergen am Horizont neun Millionen Gäste aus nah und fern auf den Turm. Der „Pilz“ von Örebro ist vielleicht der meistbesuchte Wasserturm der Welt. Ganz sicher war er mit seiner bis dato außergewöhnlichen Form stilbildend für Wassertürme in Schweden und weit darüber hinaus.

Sune Lindström schuf neue Form

Der Svampen gilt heute als eines der wichtigsten Beispiele moderner schwedischer Architektur, entstanden zu einer Zeit des Experimentierens mit Formen und (neuen) Konstruktionen, als schwedische Architekten und Stadtplaner international maßgebend waren bzw. wurden.

Die innovative Form mit der in zwei vertikal verlaufenden Grautönen gestalteten Fassade des Örebroer Wasserturms schuf der Architekt Sune Lindström. Zu dessen Werk unter anderem das Wenner-Gren-Center in Stockholm sowie die Planung des Stadtteils Reimersholme zählen.

Zwischen 1955 und 1958 wuchs der „Pilz“ in Betongusstechnik 58 Meter Höhe. Der Hut, das neun Millionen Liter fassende Wasserreservoir mit einem Durchmesser von 45,5 Metern und 3.200 Tonnen schwer, wurde am Boden gegossen und mit Hilfe von Hydraulikzylindern auf die Basis hochgezogen. Die Basis selbst hat auf Bodenhöhe 10,5 Meter Durchmesser und wurde 10 Meter unter der Erde im massiven Fels gegründet. Verstärkungen, die weitere 20 Meter in den Untergrund reichen stabilisieren das Bauwerk zusätzlich.

Svampen – ein „schwedisches Wunder aus Beton“

Mit der Fertigstellung des Svampen wurde der Betrieb der vorhandenen Wassertürme, einer im Norden, eine im Süden der Stadt am Hjälmare kanal eingestellt, der nördliche Turm 1968 abgerissen. Gleichzeitig diente der „Pilz“ von Örebro als Vorbild für andere Wasserspeicher in Schweden. Und nicht nur hier.

In Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad entstand eine Kopie, 33 Prozent größer. In Kuwait steht gleich eine ganze „Pilz-Gruppe“. Daneben zeichnet Sune Lindström in dem Emirat auch für die Kuwait-Towers verantwortlich.

Das Original steht seit 2005 unter Denkmalschutz und ist seit 2008 eines von „Schwedens sieben Wundern aus Beton“. 3.000 Menschen wählten über die Zeitschrift „Betong“ diese sieben Wunder. Mag die Abstimmung, gemessen an der Einwohnerzahl Schwedens, vielleicht nicht sonderlich repräsentativ sein, zeigt sie doch die Bedeutung des Svampen – in einer Reihe mit Öresundbrücke, Turning Torso und (neuer) Svinesundbrücke.

Der „Pilz“ von Örebro hat täglich von 10-18 Uhr geöffnet. Einen Vorgeschmack – die Menükarte – gibt es unter https://svampen.gastrogate.com/.

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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