Bauwerk

Habo kyrka – „Die Holzkathedrale am Vättern“

Habo kyrka

Die Kirche von Habo, auch als „Holzkathedrale am Vättern“ bezeichnet, August 2016. Foto: Helen Simonsson /https://commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 4.0)

Die Habo kyrka, die Kirche von Habo, liegt nicht etwa im Zentrum des Städtchens am Vättern, sondern etwas außerhalb. Eine Kirche aus Holz. An sich nichts Außergewöhnliches in Schweden. Vom typischen Rot ganz zu schweigen. In seiner Architektur hebt sich der hölzerne Sakralbau dennoch hervor. Erst recht bemerkenswert ist die innere Ausgestaltung der Kirche von Habo.

Habo ist ein rund 7800 Einwohner zählender Ort am südwestlichen Ufer des Vättern, etwa 15 Kilometer Luftlinie von Jönköping entfernt. Auf der Straße sind es rund 20 Kilometer. Ungefähr 5 Kilometer liegen zwischen Habo und seiner Kirche, die weiter südwestlich des Ortes liegt. Einst stand sie im Zentrum: An einem Punkt, wo sieben Straßen aufeinander trafen. Mit dem Bau der Eisenbahn jedoch geriet die Kirche etwas ins Abseits. Zumindest was die Örtlichkeit betraf. Fast wäre sie sogar nach Stockholm umgesetzt worden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekundete der Skansen sein Interesse. Die Gemeinde lehnte den Verkauf zu guter Letzt aber ab.

Holzkirche in Form einer Basilika

Heute gehört die Kirche von Habo zu den markantesten Holzkirchen Schwedens. Was zum einen in der Architektur begründet ist. Denn mit ihrem hohen Mittelschiff und den zwei niedrigeren Seitenschiffen hat das Gotteshaus die Form einer Basilika. Der Kirchturm ist mehr Zier. Die Kirchenglocken läuten  im Turm neben der Kirche.

Das – für Holzbauwerke ungewöhnliche – an eine Kathedrale erinnernde heutige Aussehen erhielt die Kirche durch einen Umbau 1723. Die Bezeichnung „Holzkathedrale am Vättern“ kommt nicht von ungefähr. Lediglich die Sakristei ist aus Stein erbaut. Diese stammt noch von einem Vorläufer und bildet den ältesten baulichen Teil der heutigen Holzkirche.

Erstmals erwähnt wurde eine Kirche in Habo in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die ältesten Objekte in der Kirche, eine Holzskulptur, die Johannes den Täufer darstellt sowie das Taufbecken aus Sandstein werden ebenfalls auf das 13. Jahrhundert datiert. Zwischenzeitlich als Mörser zum Anmischen roter Farbe genutzt, erfüllt das Taufbecken zwar wieder seine ursprüngliche Aufgabe, doch zeigt es nach wie vor die Spuren der Zweckentfremdung.

Ferner sind der Altar aus Sandstein, hölzerne Heiligenbilder sowie die eiserne Tür zur Sakristei weitere Zeugnisse des Mittelalters.

Innenraum der Kirche von Habo

Bildfülle in der „malerischen Holzkathedrale“, 2004. Foto: Åke Persson /https://commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Die „malerische“ Kirche von Habo

Das Außergewöhnliche und charakteristische an der Kirche von Habo ist jedoch die reichhaltige Ausgestaltung mit Schnitzereien und vor allem mit Wand- und Deckenmalereien, deren Anblick reicht als Erklärung, weshalb hin und wieder von der „malerischen Holzkathedrale“ die Rede ist.

In einem auch als „Bauernbarock“ bezeichneten Stil wurde in den Jahren 1741 bis 1743 Luthers kleiner Katechismus illustriert. So werden die Zehn Gebote, das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis dargestellt. Die Decke des Mittelschiffs zeigt Motive wie Taufe, Erlösung, Abendmahl und Segen.

Zum Teil werden die Malereien von schriftlichen Erklärungen ergänzt. Die Bilder sind nicht nur als reine Zier entstanden. Sie sollten vielmehr beim Unterrichten und Lernen unterstützen.

Die Bilder sind heute noch weitestgehend original. Zwar wurden die Bilder mehrfach restauriert, zudem gereinigt und gesichert. Allerdings wurden sie, wie es in anderen Kirchen häufiger vorkam, nie übermalt.

Habo kyrka als Briefmarke

2002 wurde die Kirche von Habo als eine von vier „Romantischen Kirchen zur Weihnachtszeit“ für die Weihnachtsbriefmarken der schwedischen Post auserwählt.

 

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

Weiterlesen

Der thailändische Pavillon von Utanede

Thailändischer Pavillon Utanede

King Chulalongkorn’s Memorial Building. Der thailändische Pavillon von Utanede. Foto: Carlstaffanholmer /https://commons.wikimedia.org/

Utanede ist ein Dorf im östlichsten Zipfel Jämtlands. Den Indalsälven zur einen, den Riksväg 86 zur anderen Seite. 146 Einwohner leben in dem zur Gemeinde Ragunda gehörenden Ort. Es gibt jede Menge Birken, Land- und Energiewirtschaft und etwas Industrie in der Umgebung und immer weniger Menschen. Die Landschaft hat ihre Reize, doch wohl kaum jemand würde hier südostasiatische Architektur und eines der bemerkenswertesten Bauwerke Schwedens vermuten: den thailändischen Pavillon von Utanede. (mehr …)

Weiterlesen

Malmö Opera – Ein Meisterwerk

Malmö Opera, die Oper von Malmö, bietet ein breit gefächertes Programm. Ob klassische Oper, Operette, Kammerkonzerte, Musical, Tanz oder zeitgenössisches Musiktheater. Fast täglich wird eine Veranstaltung geboten. Doch auch ohne Aufführung lohnt ein Besuch des Opernhauses von Malmö. Es gilt als Meisterwerk funktionalistischer Architektur und wartet mit einem der größten Konzertsäle Nordeuropas auf.

Die Malmö Opera nahm und nimmt eine hervorgehobene Stellung ein. Sowohl im Kulturbetrieb wie auch in der Architektur der Öresundmetropole.

Vom Stadttheater zur Malmö Opera

In zentraler Lage erschaffen, wurde das Bauwerk als Stadttheater Malmö eingeweiht. Sprechtheater, Oper, Operette, Ballett und Symphonieorchester waren unter einem Dach. In den frühen 1990er Jahren setzten Umstrukturierungsmaßnahmen ein. Es wurden eigene Gesellschaften für die verschiedenen Sparten gegründet. Beispielsweise wurden Sprechtheater und Ballett ausgelagert. Der Bereich Oper und Musiktheater firmierte zeitweilig unter Malmö Opera och Musikteater. Die heutige Malmö Opera.

Ob als Stadttheater oder Malmö Opera. Es sind Namen wie Ingmar Bergman, Max von Sydow, Bibi Andersson oder Birgit Nilson sind mit dem Haus ebenso verbunden wie Björn Ulvaeus und Benny Andersson, deren Musical Kristina från Duvemåla 1995 im Opernhaus von Malmö uraufgeführt wurde.

Nicht weniger klangvoll sind die Namen der Architekten und der an der Gestaltung beteiligten Künstler.

Theaterbau in Kriegsjahren

Fast drei Jahrzehnte nachdem die Frage eines Theaterneubaus aufgeworfen wurde, nahmen 1931 die Planungen ernste Züge an. In zwei Architekturwettbewerben setzten sich Sigurd Lewerentz, David Helldén und Erik Lallerstedt durch. Man ging Kompromisse ein und einigte sich zur Zusammenarbeit.

Als der endgültige Entwurf vorlag, brach der Zweite Weltkrieg aus. Der Bau wurde zunächst gestoppt. Zwei Jahre später, im März 1941, erfolgte dennoch der erste Spatenstich. Der Bau der heutigen Malmö Opera war eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Trotz der kriegsbedingten Probleme und Verzögerungen fand am 23. September 1944 die Einweihung des neuen Stadttheaters von Malmö statt.

Funktional und offen

Das Gesamtgebäude mit seinen klaren Formen vereint verschiedene kleinere Baukörper, die ihrem Zweck entsprechend aufgeteilt sind. Für Offenheit stehen die großen Fenster der Eingangsfassade und das imposante Foyer. Weitläufig, berühmt für seine Marmortreppe, geschmückt mit Kunstwerken von Carl Milles und Isaac Grünewald.

Volkstheater Malmö Opera

Für Offenheit beziehungsweise für die Idee ein Volkstheater, ein Haus, in dem sich jeder Willkommen fühlt zu sein, steht auch das Herzstück des Opernhauses. Der Opernsaal in Form eines geschlossenen Amphitheaters verzichtet auf die typischen Logen. Vielmehr sollten möglichst viele gleichwertige Plätze geschaffen werden. Mit möglichst gleichwertige Sicht auf die Bühne – für bis zu 1.511 Zuschauer.

Die Bühne wurde mit unter Zurateziehung des legendären Theaterregisseurs Max Reinhardt entworfen. Reinhardt empfahl eine Drehbühne. Mit ihren 600 m² Bühnenfläche eine der größten Europas.

Musiktheater der Zukunft

Seit 1994 steht das Bauwerk unter Denkmalschutz. Zuletzt vor rund zehn Jahren auf Vordermann gebracht, vor allem in technischer Hinsicht bietet Malmö Opera heute ein Repertoire von klassischen Opern, Musicals, Themenkonzerten, Galaabenden, Gastspielen und klassischem Ballett zu Neuproduktionen schwedischer Opern und Musicals sowie modernem Tanztheater.

Es ist eines der Ziele mit Musiktheater in seiner ganzen Bandbreite und hoher Qualität ein breites Publikum zu erreichen und Musiktheater weiter zu entwickeln. So sollen sich Sänger, Dirigenten, Regisseure und Bühnenbildner entfalten können.

Für das Musiktheater der Zukunft hat Malmö Opera zudem ein besonderes Augenmerk auf Kinder und Jugendliche – Werke für sie und Werke mit ihnen.

 

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

Weiterlesen

Gamla Linköping – Zeitreise ins alte Linköping

Hauptplatz Gamla Linköping

Gamla Linköping: Der zentrale Platz mit Post und Polizeimuseum (rechts) und einem Café (links). Foto: Clemensfranz / https://commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Gamla Linköping entführt Besucher zu einer Zeitreise. Zurück ins alte Linköping. Zurück ins südschwedische Kleinstadtleben, wie es sich um 1900 darbot. Gamla Linköping ist ein Freilichtmuseum. Eines, das mit seinen Gärten, Läden und Handwerk, Cafés und heute noch zumindest teilweise bewohnten Holzhäusern wie lebendiger historischer Stadtteil anmutet.

Rund zwei Kilometer westlich des Zentrums der Universitäts- und Industriestadt Linköping können Besucher in das Leben einer schwedischen Kleinstadt, wie es sich vor rund 100 Jahren darstellte, eintauchen. (mehr …)

Weiterlesen

Die Masthuggskirche – Wahrzeichen mit Ausblick

Die Masthuggskirche ist ein Wahrzeichen Göteborgs. Schon aus der Ferne ist der eher einem Wehrturm ähnelnde mächtige Kirchturm sichtbar. Zugleich markiert die Kirche einen der schönsten Aussichtspunkte der westschwedischen Metropole. Doch nicht nur deshalb ist die Masthuggskirche ein lohnenswertes Ziel.

Er ist das Erste und das Letzte, was Seefahrer von Göteborg sehen, heißt es vom Turm der Masthuggskirche. Mit seinen 60 Metern Höhe beherrscht den Hügel oberhalb des Stigbergstorgets, den Masthugget. Der Hahn auf der Kirchturmspitze schaut in 127 Metern über dem Meeresspiegel über die westschwedische Hafenstadt .

Masthuggskirche als Beispiel schwedischer Nationalromantik

Es ist allerdings nicht nur die prominente Lage mit ihrer Aussicht, die jährlich rund 90.000 Touristen anzieht. Die Masthuggskirche (schwedisch: Masthuggskyrkan) ist ein architektonisches Kleinod. Sie ist eine der wenigen Kirchen in Schweden im Stil der Nationalromantik und gilt als eines der herausragenden Beispiele – wie auch das Rathaus von Stockholm – dieser Strömung.

Erbaut wurde das Gotteshaus zwischen 1910 und 1914 nach dem Entwurf des Architekten Sigfrid Ericson. Die mittelalterliche Kirchenarchitektur und altnordische Kultur bilden die Grundlage des dreischiffigen Gotteshauses.

Außen Naturstein und rote Ziegel, innen grauer Kalkstein, weiß getünchte Wände. Im Kontrast dazu eine Holzdecke, die den Bogen zu den Holzbauten der

Wikingerzeit schlägt und an einen Schiffsrumpf erinnert.

Größte Kirchenorgel von Göteborg

Die Masthuggskirche ist reich an künstlerischen Dekorationen und Verzierungen sowie Skulpturen. Zu den Schätzen gehört unter anderem der Altar. Ein Triptychon, das die Himmelfahrt darstellt.

Die Orgel der Masthuggskirche nimmt in ihrer künstlerischen Ausgestaltung, wie in ihrer Größe – 66 Register, 4320 Pfeifen – eine Ausnahmestellung in Göteborg ein.

Glockenläuten verkündete Kriegsbeginn

Die offizielle Einweihung der Masthuggskirche erfolgte 11. Oktober 1914. Jedoch nahm das Gotteshaus seinen Dienst schon zuvor auf. Gezwungenermaßen. Am 2. August 1914 verkündete das Läuten der beiden Kirchenglocken den Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

 

Die Masthuggskirche ist in der Zeit von Juni bis August täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. In den Monaten von Januar bis Mai sowie September bis Dezember Wochentags zwischen 9 und 16 Uhr.

https://www.svenskakyrkan.se/carl-johans-pastorat/masthugg (auf Schwedisch)

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

Weiterlesen

Malmö Live

Malmö Live

Malmö Live oder „Malmhattan“. Foto: Maria Eklind /flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Malmö Live ist ein weiterer Ausdruck des Wandels von Schwedens drittgrößter Stadt: Wo einst Fisch verkauft wurde, entstand ein neues Quartier mit der Herausforderung Altes und Neues zu verbinden. Malmö Live ist wie eine kleine Stadt in der Stadt. Ein neues Wahrzeichen in der „modernen skandinavischen Architekturtradition“.

Sie bildet – laut der Planer, dem Kopenhagener Architekturbüro Schmidt Hammer Lassen – den Ausgangspunkt für das Herzstück des neuen Ensembles: dem Hotel-, Kongress- und Konzertkomplex. Der neuen Heimstatt der Malmöer Sinfonieorchesters. (mehr …)

Weiterlesen

Die langen Kerle von Öland

Leuchtturm Långe Jan

Am südlichen Ende von Öland: Der Långe Jan. Foto: Kevin Cho/ https://commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 4.0)

Die langen Kerle von Öland sind Wächter und Orientierungspunkte. Manchmal schwankend, doch immer Achtung gebietend versehen sie ihren Dienst. Längst sind die langen Kerle Wahrzeichen der Sonneninsel in der Ostsee. Allen voran der Långe Erik und der Långe Jan.

Man muss einfach zu ihnen aufblicken. Majestätisch bauen sich die langen Kerle an den Küsten Ölands auf. Der Långe Erik (deutsch: Langer Erik) und der Långe Jan (deutsch: Langer Jan) sind im wahrsten Sinne des Wortes die herausragendsten Exemplare.

Der eine steht an der Nordspitze der Ostseeinsel, wo der starke Ostwind schon manch Schiff in flaches Gewässer trieb und auf Grund laufen ließ. Der andere markiert die Südspitze von Öland, wo gefährliche Riffs lauern. An diesen Unwägbarkeiten vorbei geleiten die langen Kerle – der ein nahezu, der andere bereits über zwei Jahrhunderte – Schiffe mit ihrem weithin sichtbaren Leuchtfeuer.

Wahrzeichen im Norden von Öland

Im äußersten Norden von Öland, auf der Insel Stora grundet, steht der Långe Erik. Mit seinen 32,1 m geleitet der Leuchtturm seit 1845 Schiffe durch die tückische See. 13,8 Seemeilen, rund 26 km weit reicht sein Leuchtfeuer.

Ursprünglich gab der Leuchtturm drei Personen Beschäftigung, die mit ihren Familien am Fuße des aus Kalkstein gemauerten Turmes lebten. 1976 wurde auf unbemannten Betrieb umgestellt.

Mittlerweile ist der lange Erik eines der bekanntesten Wahrzeichen von Öland und im Sommer für Besucher geöffnet. Gegen Eintritt führen 138 Stufen zum

Leuchtturm Långe Erik

Der Långe Erik an der Nordspitze von Öland. Foto: David Castor/ https://commons.wikimedia.org/

Aussichtsbalkon in 28 m Höhe. Belohnung ist der Blick über den Norden Ölands und vielleicht eine Ahnung über die Gefahren für die Schifffahrt. Bei starkem Wind bewegt sich die Spitze des Leuchtturms bis zu 60 cm.

Schwedens höchster Leuchtturm

Auf der Landzunge im Süden von Öland thront der „große Bruder“ von Erik. Der Långe Jan. Er ist einige Jahre älter und überragt mit 41,6 m sein Pendant im Norden um einiges. Der lange Jan ist Schwedens höchster Leuchtturm. Um auf dieses stattliche Maß zu kommen, brauchte Jan einige Jahre. Als 1785 sein Licht erstmals erstrahlte, brachte es das Bauwerk auf „nur“ 36 m.

Bereits ein Jahrhundert zuvor gab es Pläne für einen Leuchtturm an Ölands Südzipfel. Doch erst 1784, andere Angaben nennen das Jahr 1778, wurde mit dem Bau begonnen. Vorlage waren Zeichnungen von Carl Johan Cronstedt.

Das Baumaterial für den im Durchmesser 12 m messenden Turm lieferte die Sankt-Johannes-Kapelle des Fischerdorfes Kyrkhamn. Im Zuge der Reformation wurde die Kirche zerstört. Heute erinnert ein Steinkreuz an das Gotteshaus.

Seit 1980 arbeitet auch der Långe Jan automatisiert. Sein Licht trägt 26 Seemeilen weit, fast 50 km.

Wie sein „kleiner Bruder“ im Norden ist auch der lange Kerl im Süden Ölands für Besucher zugänglich. Diesmal müssen ein paar Stufen mehr genommen werden. 197 sind es bis zur Aussichtsplattform mit Blick über den Süden der Insel und den Kalmarsund.

Die Gebäude zu Fuße des langen Jan gehören zur Vogelwarte Ottenby.

 

 

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

Weiterlesen

Die Zitadelle Landskrona – Gärten, Geister und ein betrunkener Elch

Die Zitadelle von Landskrona

Die Zitadelle Landskrona bei Nacht, 2012. Foto: Francois Polito/ https://commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Die Zitadelle von Landskrona galt einst als flächenmäßig größte Festungsanlage Europas. Heute gilt sie als eine der besterhaltenen Skandinaviens und ist ein monumentales Wahrzeichen der Hafen- und Industriestadt am Öresund. Die Zitadelle hat in ihren 450 Jahren eine bewegte Geschichte erlebt. Und wie es bei alten Gemäuern so ist, birgt Landskronas Zitadelle manch Kurioses.

Die Zitadelle von Landskrona wird hier und da auch als Schloss Landskrona bezeichnet. Mag der Ausbau zum repräsentativen Schloss ursprünglich mal angedacht gewesen sein, vollführt wurde er nie. Die Landskrona citadell wurde als Zeichen der Macht und als Verteidigungsbollwerk erbaut.

Mitte des 16. Jahrhunderts, Landskrona wie ganz Skåne waren dänisch, ließ König Christian III. die Festung zur Sicherung der Macht über den Öresund errichten. Aus dieser Zeit zeugen heute noch der quadratische Grundriss, das Hauptgebäude und die Ecktürme.

Tycho Brahe betrauert seinen Elch in der Zitadelle Landskrona

Nicht lange nach der Fertigstellung der Anlage kam der Adlige und Astronom Tycho Brahe in die Gegend von Landskrona, um auf der ihm zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellten Öresundinsel Ven die Sternwarte Uraniborg zu erschaffen.

Im Jahr 1591 , so die Erzählung, begab sich Brahe in Begleitung seines zahmen Elches zur Zitadelle. Der Elch muss wohl mächtig dem Met zugesprochen haben. So dass er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Er stürzte schließlich, betrunken wie er war, eine Treppe hinab und brach sich ein Bein.

Trotz aller Anstrengungen war dieser Beinbruch sein Ende. Der Elch beschloss seine Tage in der Zitadelle Landskrona.

Rittergelage werden auch heute noch in der Zitadelle geboten. Elche haben keinen Zutritt.

Von dänischer Festung zu schwedischem Gefängnis

Während des Torstenssonkriegs konnte Schweden 1644 die Zitadelle erobern. Eine kurzzeitige Siegesfreude. Ein Jahr später herrschte wieder Dänemark in Landskrona bis Landskrona, seine Festung sowie ganz Schonen im Frieden von Roskilde 1658 an Schweden fiel.

Die neuen Herren bauten die Zitadelle Landskrona zur modernsten Verteidigungsanlage Skandinaviens aus. Bastionsgürtel, Wassergräben, Wallanlagen stammen aus den Aus- und Umbauten, die bis ins 18. Jahrhundert andauerten.

Von der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis 1940 diente die Zitadelle als Gefängnis. Ab 1902 als Frauengefängnis.

Der Geist der „Engelmacherin“

Eine der bekanntesten Insassinnen war Hilda Nilsson. Die „Engelmacherin“. Sie nahm Kinder an, deren Mütter nicht für sie sorgen konnten oder wollten. Anstatt die Kinder großzuziehen, ertränkte und verbrannte sie sie. Zum Tode verurteilt, beging sie Selbstmord. Was Hilda Nilsson nicht wusste: Sie wäre am gleichen Tag zu lebenslanger Haft begnadigt worden. Seit ihrem Suizid sollen merkwürdige Geräusche aus ihrer Zelle – Nr. 5 – zu hören sein. Hunden soll sich das Fell sträuben, wenn sie nur in die Nähe kommen.

Vielleicht machen – nicht nur den Tieren – auch die Verwünschungen eines Abtes zu schaffen. Der wehrte sich auf seine Art gegen den Abriss seines Kloster für den Bau der Zitadelle von Landskrona.

Gärten erobern Befestigungswall

Während innerhalb der Mauern Gefangene ihre Strafen absaßen oder auf die Vollstreckung ihres Urteils warteten, eroberten draußen Kleingärtner die Erdwälle. Die Zitadellenkolonien. Es sind die ältesten erhaltenen Schrebergartensiedlungen Schwedens. Auf dem Gelände befindet sich mit der 1903 begründeten Rothoffska kolonin Schwedens einzige Museumskolonie. Hier können nicht nur Blütenpracht, sondern auch die Baukunst der traditionellen Stugor besichtigt werden.

http://www.landskrona.se/Turist.aspx

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

Weiterlesen

Hjo – Muße in Holz

Holzvillen in Hjo

Holzstadt Hjo: Villen des späten 19. Jahrhunderts im früheren Kurgelände. Foto: Harri Blomberg /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Hjo ist eine Kleinstadt am Vättern. Eine Kleinstadt mit einer ganz eigenen Atmosphäre. Alles scheint gemütlich und gelassen in Hjo. Kopfsteinpflasterstraßen und –gassen, ein idyllischer Hafen, der fast allgegenwärtige See und besonders die schmucken Holzhäuser und –villen: Hjo gilt als eine der schönsten Holzstädte Schwedens. (mehr …)

Weiterlesen

Dunkers Kulturhus – Kultur zwischen Stadt und Meer

Dunkers Kulturhus

Dunkers Kulturhus von der Seeseite gesehen. Im Hintergrund weitere moderne Architektur in Helsingborgs Norra Hamn. Foto: Guillaume Baviere (Giåm)/ flickr.com (CC BY 2.0)

Dunkers Kulturhus ist das kulturelle Zentrum Helsingborgs und ein architektonischer Höhepunkt der Stadt wie der Region am Öresund.

Zur einen Seite tummeln sich Hasen, zur anderen Seite der Sund. Dessen Wellen im Dach des Kulturhauses weiterzuverlaufen scheinen. Daneben Oberlichter, die wie Periskope emporragen. Nun mag diese Dachkonstruktion vielleicht nicht ganz so imposant wie die des weltberühmten Opernhauses von Sydney erscheinen. Und doch gibt es eine Verbindung beider Häuser.

Dunkers Kulturhus steht (noch) nicht auf der UNESCO-Welterbeliste. Sicher hat Helsingborgs Kulturzentrum auch Rückstand als Fotomotiv. Doch verbindet das Opernhaus in Sydney und das Kulturhaus am Öresund mehr als Lage direkt am Wasser.

Dunkers Kulturhus verbindet ein Name mit Sydney

Die Parallele zwischen den beiden Kulturbauwerken findet sich in dem Namen Utzon. Der dänische Architekt Jørn Utzon entwarf mit dem Sydney Opera House eines der berühmtesten Gebäude des 20. Jahrhunderts.

Utzons Sohn Kim entwarf im Rahmen eines Architekturwettbewerbs 1997 zum Thema „Stadt am Wasser“ Dunkers Kulturhus und erhielt den Zuschlag. Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit und aufgewendeten 300 Millionen Schwedischen Kronen wurde das neue Kulturzentrum in Helsingborg 2002 von Kronprinzessin Victoria offiziell eingeweiht.

Kulturzentrum nach „Gummi-König“ benannt      

Skulpturen vor Dunkers

Hasen-(Skulpturen) vor Dunkers Kulturhus. Foto: Media Evolution /flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Das Kulturzentrum ist nach dem Unternehmer Henry Dunker benannt. Dem reichsten Mann Schwedens der 1940er Jahre. Dunker machte sein Vermögen mit Gummi. Baute die vom Vater mitbegründete Helsingborgs Gummifabrik AB zum internationalen Konzern Tretorn AB aus.

Zwar wurde die Produktion in Helsingborg 1991 eingestellt, doch kann die Stadt noch heute vom Vermögen Dunkers profitieren.

Das kinderlose Paar Henry und Gerda stiftete mit seinem Vermögen einen Fond zur Förderung des kulturellen Lebens in Helsingborg. So konnten Einrichtungen wie das Stadttheater oder eben auch das Dunkers Namen tragende Kulturzentrum finanziert werden.

„Treffpunkt für Kultur in all ihren Formen“

Vom Architekten als Bindeglied zwischen Meer und Stadt angelegt, soll Dunkers Kulturzentrum Treffpunkt und Raum für verschiedenste kreative und soziale Projekte sein. So sind neben dem Helsingborger Stadt- und Kunstmuseum unter anderem das Kulturzentrum für Kinder und Jugendliche, Theater, Konzertsaal, Tanz, Proberäume sowie Bildungsangebote und Workshops unter einem Dach.

Darüber hinaus beherbergt Dunkers Kulturhus einen Lesesaal mit Büchern und Zeitschriften aus verschiedenen Kulturbereichen, Bar und Restaurant und die Touristeninformation.

Henry Dunker

 

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

Weiterlesen