Der Säfflekanal – Auf dem „Wikingerpfad“ in Värmland

Die einzige Schleuse des Säfflekanals in Säffle. Foto: Meleagros /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0 DE)

Die einzige Schleuse des Säfflekanals in Säffle. Foto: Meleagros /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0 DE)

 

Der Säfflekanal verbindet den Glafsfjorden mit dem Vänern, führt von Schwedens „Binnenmeer“ nach Arvika, dem Zentrum Westvärmlands. Heute ausschließlich touristisch genutzt ließ die dem Byälven folgende Wasserstraße im 19. Jahrhundert Wirtschaft und Städte der Region aufblühen. Bedeutsam war die Route jedoch schon lange zuvor: Der Säfflekanal ist auch als Vikingaleden bekannt.

Durch Flusslandschaft und Seen, entlang kleiner Städtchen und idyllischer Natur, vorbei an Herrenhäusern, sechs Brücken, darunter Klapp- und Schwenkbrücken, passierend führt der Säfflekanal laut Broschüre „zumeist wie ein schmales Band“ rund 91 Kilometern vom Vänern ins westliche Värmland. Nach Arvika, am Ufer der Kyrkviken, einer Bucht des Glafsfjorden gelegen – die am weitesten im Landesinneren gelegene Hafenstadt des Landes.

Verbindung zur Welt

Nach nur einjähriger Bauzeit wurde der Säfflekanal am 11. Oktober 1837 durch König Karl XIV. offiziell eingeweiht. Die Zeremonie fand in Säffle statt. Der Ort erhielt erst 1951 Stadtrechte, ist Schwedens jüngste Stadt. Mitten hindurch fließt der Byälven. Dessen Unwegsamkeiten mittels einer Schleuse in Säffle behoben wurde. Der einzigen des Wasserwegs. Das Bauwerk überwindet einen Höhenunterschied von 0,65 Metern. Auch sonst hielt sich der Bauaufwand in Grenzen. Lediglich 12,8 Kilometer des Säfflekanals wurden gegraben.

Mit der Fertigstellung des Kanals erfuhr das westliche Värmland einen Aufschwung, Holz- und Papierindustrie erhielten einen schnellen und günstigen Transportweg, Ortschaften wie Säffle und Arvika und Nysäter wuchsen. Mit dem Säfflekanal wurde die Verbindung zur Welt hergestellt. Erst einmal im Vänern konnte und kann sind die Wege frei – über den Trollhätte kanal zum Hafen von Göteborg sowie in anderer Richtung zur Ostsee über den Göta-Kanal. Wie dieser entsprang auch der Säfflekanal der ehrgeizigen Plänen des Baltzar von Platen. Die Umsetzung der Wasserstraße in Värmland erlebte der 1829 verstorbene Staatsmann jedoch nicht mehr.

Ein Teil des Glafsfjorden: Blick über die Kyrkviken auf Arvika. Foto: Musicus /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Ein Teil des Glafsfjorden: Blick über die Kyrkviken auf Arvika. Foto: Musicus /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Seine wirtschaftliche Bedeutung behielt der zwischen 1866 und 1870 modernisierte Säfflekanal bis ins 20. Jahrhundert. 1939 passierten 290.000 Tonnen Fracht die Schleuse in Säffle – ein Rekord für die Ewigkeit. Der Konkurrenz von Schiene und Straße war auch dieser Kanal nicht gewachsen.

Auf Spuren von Wikingern und Pilgern

Geblieben sind dem Säfflekanal Idylle, Häfen, die für Bootstouristen offen stehen, die Zeugnisse längst vergangener Zeiten. Besonders deutlich treten die in und um Nysäter zutage. Reich an Funden aus Eisenzeit und der Zeit nach Christi Geburt ist hier Värmlands Vikingacenter beheimatet: Wikingermuseum und –dorf, Hof- und Kunstgewerbeläden und im Hafen der Nachbau eines Wikingerschiffs aus dem 11. Jahrhundert.

Doch nicht nur die Wikinger waren auf der Route des heutigen Säfflekanals zugange. Auch Pilger auf dem Weg zum Grab des Heiligen Olav in Nidaros (Trondheim) nahmen diesen Weg.

Ein weiteres Besuchsziel – neuerer Zeit – auf dem „Wikingerpfad“ in Värmland ist die Leinenweberei in Klässbol. Der Familienbetrieb ist Lieferant des schwedischen Hofes, hat gleichzeitig zahlreiche Auszeichnungen und Tourismuspreise erhalten.

Weitere Informationen, Sehenswertes und Ziele am Säfflekanal bieten die Broschüre der Touristeninformation Säffle (auf Deutsch) sowie www.saffle.se und www.arvika.se.

Autor(in): Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

Es liegen bisher noch keine Kommentare vor.

Schreibe einen Kommentar

Facebook
Twitter