Wasserkraft auf Gotland – Aner vattenkvarn

Aner Vattenkvarn, die Wassermühle von Aner. Foto: Rindert Bolt /de.wikipedia.org

Aner Vattenkvarn, die Wassermühle von Aner. Foto: Rindert Bolt /de.wikipedia.org

 

Es wird herbstlich. Die Zeit der fallenden Blätter und des ein oder anderen Regentages war und ist die auch Zeit der Aner vattenkvarn, der Wassermühle von Aner auf Gotland.

Dass Mühlen einen wichtigen Platz im Leben auf Schwedens größter Insel einnahmen, lässt sich auch heute noch unschwer erkennen. Sie waren unverzichtbar für die Selbstversorgung der Gotländer. Im Mittelalter hielten Mühlen Einzug, um 1650 gab es 134 auf Gotland. Mitte des 19. Jahrhunderts stieg ihre Zahl sprunghaft an, da auf das Mahlen keine Steuern mehr erhoben wurden. Zumeist wurde die Kraft des Windes zum Kornmahlen genutzt, es gab aber auch einige Wasserräder, die die Mühlsteine in Bewegung setzten. Eine dieser alten Wassermühlen ist im Nordosten von Gotland zu finden.

Zwei Mal im Jahr dreht sich das Wasserrad

Die Aner vattenkvarn ist eine der wenigen alten Mühlen, die über die Zeiten gerettet wurden und heute noch bzw. wieder betriebsbereit sind. Zu verdanken ist das dem Heimatverein der Kirchengemeinde Othem-Boge.

Der Betrieb von Wassermühlen trifft auf der eher flach geratenen Ostseeinsel nicht unbedingt auf die besten Voraussetzungen. Erst recht nicht seit der Trockenlegung von Mooren. Doch im Frühjahr und Herbst, im April und Oktober, wenn ausreichen Wasser vorhanden, können Besucher dabei sein, wenn durch das Zusammenspiel von Wasserkraft, Gestängen, Zahnrädern, Mühlsteinen am Ende das Mehl aus Weizen oder Roggen abgepackt wird – und eine Kostprobe für die heimische Küche erstehen.

Frühling und Herbst waren schon vor über hundert Jahren die Phasen als sich das Wasserrad von Aner drehte. Erbaut wurde die Mühle um 1890. Rund ein halbes Jahrhundert stand sie im Dienst, bis sie in den 1940er Jahren stillgelegt wurde.

Angetrieben wird das Rad der Mühle, ein sogenanntes Unterfallrad oder unterschlächtiges Wasserrad, vom Wasser des Flüsschens Anerån, das in den nahen Bogeviken mündet. Von einem Damm aufgestaut, schießt das Wasser durch den kurzen Mühlgraben, trifft auf die Schaufeln des Rades uns setzt den Mechanismus im Mühlhaus in Bewegung. In zwei Mahlgängen wird das Korn von doppelten Mühlsteinpaaren zerrieben.

Die Aner vattenkvarn bei der Arbeit:

Aner finden

Wer einen Abstecher zur rund 30 Kilometer von Gotlands Hauptstadt Visby und nur einen Steinwurf von Slite entfernten Mühle unternehmen möchte, sollte die Augen offen halten. Die Wegweiser sind eher unscheinbar. Eine Karte sowie Telefonnummern zur Anmeldung für Besucher gibt es auf http://www.gotland.net/de/platser/aner-vattenkvarn.

Autor(in): Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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