LKAB-Besucherzentrum Kiruna – Absolute Dunkelheit erleben

Kiruna liegt etwa zweihundert Straßenkilometer nördlich des Polarkreises und ist damit Schwedens nördlichste Stadt. Wahrscheinlich würde es sie heute gar nicht geben, hätte man nicht vor langer Zeit dort große Eisenerzvorkommen entdeckt. Und dann natürlich beschlossen, diese auszubeuten. Kiruna war lange Zeit die flächenmäßig größte Stadt der Welt. Mit 1,1 Einwohnern pro km². Erst im letzten Jahr wurde sie von Chongqing in China überholt.

Auch wenn die Region durchaus noch andere Highlights zu bieten hat, so verbinden doch die meisten, vor allem die Schweden, die LKAB mit Kiruna. LKAB steht als Abkürzung für Luossavaara-Kiirunavaara Aktiebolag. Luossavaara und Kiirunavaara sind zwei größere Hügel in unmittelbarer Nähe Kirunas. Die LKAB baut in dieser Region hauptsächlich Eisenerz ab. Dass beim Abbau auch noch Seltene Erden und in nicht unerheblicher Menge Gold geschürft werden, sei hier nur am Rande erwähnt.

Abenteuerausflug für den deutschen Gast

Es ist Februar, und ich habe Besuch aus Deutschland erhalten. Wir könnten natürlich Iglus bauen oder Schneeballschlachten veranstalten. Rohmaterial wäre genug vorhanden. Wir befinden uns auch gerade in einer Wärmeperiode, deshalb sind es nur Minus 16 Grad. Und der angekündigte Schneesturm ist an uns vorbei gezogen.

Beste Voraussetzungen also, um ein etwas weiter entferntes Ausflugsziel anzusteuern. Wir entscheiden uns für das LKAB-Besucherzentrum in Kiruna. Obwohl ich keinen großen Besucheransturm zu dieser Jahreszeit erwarte, buchen wir die Tickets online vor. Ein guter Gedanke, wie sich noch herausstellen sollte. Ein Ticket für Erwachsene kostet 380 SEK. Ich schaue noch nach einem Ticket für Senioren (280 SEK), aber dafür reicht es noch nicht…

Auf der Fahrt nach Kiruna über die E10 geraten wir dann doch in einen ausgewachsenen Schneesturm. Der sollte eigentlich schon vorüber gezogen sein, hat aber wohl den Wetterbericht nicht mitbekommen. Wie ich etwas später erfahre, mussten aufgrund des Sturmes drei deutsche Bergwanderer vom Kebnekaise, dem höchsten Berg Schwedens, geborgen werden.

Wir hingegen erreichen rechtzeitig und wohlbehalten Kiruna, auch wenn „The Beast“ (mein Reisegefährt) ziemlich durchgeschüttelt wird. Wir begeben uns zum „Folkets Hus“, der Touristen-Info. Von dort starten die Touren in das LKAB-Besucherzentrum. Entgegen meiner Erwartungen ist im „Folkets Hus“ richtig was los. Ob nun gerade wegen oder trotz des Wetters, vermag ich zunächst nicht zu sagen. Als sich die Besuchermassen etwas lichten, erkenne ich dann aber mehrere Verkaufs- und Info-Stände für andere Attraktionen in und um Kiruna und ein kleines Cafè. Auf Nachfrage erfahre ich auch, dass alle Touren in das LKAB-Besucherzentrum restlos ausgebucht sind.

Da ertönt die Stimme unseres Guides, der uns bittet, in den vor dem Touristenzentrum bereit stehenden Bus einzusteigen. Auf der Fahrt zum Minengelände gibt es eine Sicherheits-Einweisung und die ersten Infos zur Mine. Das LKAB-Besucherzentrum befindet sich in einer Tiefe von 540 Metern. Die Mine selbst ist hingegen 1400 Meter tief. Sie ist damit die größte und tiefste Eisenerz-Mine der Welt.

Abwärts auf 540 Meter Tiefe

Auf der Besucherebene angekommen, bittet uns der Guide, einen Halbkreis zu bilden und stehen zu bleiben. Am Bus wird das Licht ausgeschaltet. Dann geht auch jedes andere Licht aus… und für einen Augenblick bekommt man ein Gefühl dafür, wie es ist, von absoluter Dunkelheit umgeben zu sein. Nach diesem Erlebnis beginnt die eigentliche Führung durch das LKAB-Besucherzentrum. 20.000 Quadratmeter ist es groß. Es zeigt die Entwicklung von den kleinen und harten Anfängen bis hin zur modernen Eisenerzmine der Gegenwart.

Wir erfahren eine Menge darüber, wie das Erz gewonnen und zu Pellets verarbeitet wird. Die Pellets erinnern in Größe und Form an Pistolenkugeln aus dem Dreißigjährigen Krieg. Jeder Besucher darf am Ende der Führung ein Tütchen davon mitnehmen. Da viele mehr als nur eine Tüte mitnehmen, wird das zulässige Gesamtgewicht des Tourbusses auf der Rückfahrt ganz sicher überschritten. Weiter sehen wir große Radlader und Transporter, in die man auch gerne einsteigen darf. Auch ist der Tourguide sehr bemüht, das gute Verhältnis zwischen der LKAB und der Stadt Kiruna heraus zu stellen. Davon profitieren beide Seiten: Schließlich zahlt die Minengesellschaft den Umzug der Stadt. Ohne den allerdings ein weiterer Bergbau nicht möglich wäre.

Das „gute Verhältnis“ scheint allerdings in letzter Zeit Risse bekommen zu haben. Die LKAB wirft der Stadt Kiruna laut Medienberichten neuerdings „Gangstermethoden“ vor (Info dazu). Aber dies sei nur am Rande erwähnt. Große Spreng- und Bohrmaschinen sind zu sehen. Der Guide erklärt euch auch, wie man in die derzeitige Tiefe von fast 1400 Metern vorgedrungen ist und wie die einzelnen Stollen abgesichert werden. Und dass in absehbarer Zeit eine weitere Erzader in Angriff genommen werden wird, die dann wohl in eine Tiefe von über 2000 Metern gehen wird. Aber noch ist das Zukunftsmusik.

Fast am Ende der Tour erhaltet ihr dann die Gelegenheit, euch das LKAB-Museum genauer anzusehen. Ich persönlich hätte gerne mehr Zeit dort verbracht, nur leider gab man uns nur zwanzig Minuten. Die Tour endet mit Kaffee und Keksen im kleinen Cafè. In einer Ecke des Cafès könnt ihr sehen, wie die Förderkörbe mit dem Erz auf ihrem Weg nach Oben an einem vorbei rauschen. Irgendwann wird es dann per Eisenbahn in die norwegische Stadt Narvik transportiert. Und von dort aus in die ganze Welt. Per Schiff.

Vom Café sieht man die Förderkörbe

Nach etwas mehr als drei Stunden endet die Tour. Wir sehen wieder das Tageslicht. Ich fand diesen Ausflug nach Kiruna in das LKAB-Besucherzentrum durchaus lohnenswert. Selbst wenn ihr euch in keinster Weise für Bergbau interessiert, man bekommt etwas nicht Alltägliches geboten. Und wie häufig befindet man sich schon über 500 Meter unter der Erde? Das LKAB-Besucherzentrum ist behindertengerecht. Allerdings bitte vor Beginn der Tour bereits im Touristen-Info darüber informieren, sollte man Hilfe benötigen. Kinder unter sechs Jahren können an dieser Tour leider nicht teilnehmen. Auch außerhalb der Urlaubs-Saison solltet ihr die Tickets vorbuchen. Die Touren sind zu allen Jahreszeiten erfahrungsgemäß fast immer ausgebucht.

Als Abschluss noch ein paar Sätze außerhalb des Beitrages. Auch, um eventuellen Diskussionen in diese Richtung vorzubeugen. Ich lebe schon seit ein paar Jahren hier oben im nördlichen Lappland. Daher bin ich mir durchaus dessen bewusst, dass Bergbau immer Einfluss auf die Natur nimmt. Es spielt dabei keine Rolle, ob Tagebau oder unter der Erde. Auch wenn sich gerade die ganze Welt mit der Umwelt auseinander setzt, so ist das nicht Thema dieses Beitrages.

Wen es wirklich interessiert, der sei darauf hingewiesen, dass ich derzeit an einer Beitragsserie über Minen im nördlichen Schweden arbeite. Darin wird genau dieses Thema behandelt. Die Recherchen dazu benötigen aber noch etwas Zeit.

(Text und Bilder: Joerg Solheid/Go North-The Beast)

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