Literatur

Geschichte des Albert Bonniers Förlag, Henning Mankell, Håkan Nessers Kim Novak badete nie im See von Genezareth, Schwedischer Literaturpreis und vieles mehr.

Henning Mankell

Henning_Mankell

Henning Mankell. Foto: Lina Ikse / Leopard Förlag. (Creative Commons Attribution 3.0) 

 

Charisma. Das bedeutet in unserem Sprachgebrauch „gewinnende Ausstrahlung“. Ein Mann, der diese Gabe besitzt, heißt Henning Mankell. Der schwedische Autor zählt zu den Aushängeschildern der schwedischen Kriminalliteratur, nicht zuletzt durch den großen Erfolg der Wallanderreihe. Hauptfigur ist der Anti-Held Kurt Wallander, ein Kriminalkommissar in der südschwedischen Küstenstadt Ystad. Doch Mankell hat mehr zu bieten als bloß Kurt Wallander. Das zeigt das bemerkenswerte Leben des Autors. (mehr …)

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Warum wir einen Teil unserer Kindheit in Schweden verbracht haben

Als ich zum ersten Mal in Schweden war, spürte ich eine große Vertrautheit mit dem Land. Diese roten Häuser mit der weißen Veranda, die dunkelblauen Seen, die sich hinter weißen Birkenhainen verbargen, diese Briefkastenreihen an den Straßen mit der Aufschrift: „Lundgast“ oder „Svensson“, das alles war irgendwie ein Déjà-Vu-Erlebnis.

Und auf einer langen Wanderung durch die Wälder kam mir ein Satz immer wieder: „Wir gingen und gingen und gingen.“ Es war ein Satz aus dem Buch „Wir Kinder aus Bullerbü“, das ich bestimmt hundertmal gelesen hatte. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich hatte einen Teil meine Kindheit in Schweden verbracht. Hatte ich nicht in Bullerbü gewohnt, auf dem Mittelhof, dem mittleren der drei Häuser, die an der Hauptstraße lagen? Damals hieß ich Lisa, und ich hatte zwei schreckliche Brüder, Lasse und Bosse, die mich immer ärgerten.

Manchmal war ich auch Meisterdetektiv. Ich hieß Kalle Blomquist und streifte mit dem Schusterjungen Anders und der Bäckerstochter Eva-Lotte durch die Straßen, jagte Diebe, Kidnapper und sogar Mörder.

Meine Sommer verbrachte ich auf Saltkrokan, der Kräheninsel. Hier hieß ich Pelle und lag mit meinem Bernhardiner Bootsmann auf dem Bootssteg in der Sonne.

Dann wieder war ich Pipi Langstrumpf, setze mein Pferd auf der Veranda ab und führte Polizisten an der Nase herum.

Und als Ronja sprang ich mit einem gewaltigen Satz über den Höllenschlund, um Birk, dem Sohn der Borka-Bande, zu imponieren.

Dass so viele Kinder wie ich ihre Kindheit irgendwie in Schweden verbracht haben, haben wir Astrid Lindgren zu verdanken. Sie ließ uns durch ihre Bücher an ihrem Leben teilhaben und schenkte uns damit auch ihr Zuhause in Schweden. Wir feierten Mitsommer und Lucia, wir aßen Zimtschnecken und tranken Zitronenlimonade. Und wir lebten in Smaland, denn hier spielten fast alle Geschichten, die Astrid Lindgren schrieb.

Für Bullerbü (Bullerbyn) wählte die Autorin eigentlich das Dorf „Sevedstorp“ als Schauplatz für ihre Geschichte. In diesem Dorf war ihr Vater aufgewachsen, und auch sie verbrachte einen Teil ihrer Ferien hier.

Kalle Blomquist war in einer Kleinstadt unterwegs, die Astrid Lindgren „Kleinköping“ (Lillköping) nannte. Dort betrieb sein Vater in der Hauptstraße 14 einen Lebensmittelladen.

Lillköping ist ein Fantasiename, aber wahrscheinlich hat Astrid Lidgren beim Schreiben der Romane ihre Heimatstadt Vimmersby vor Augen gehabt. Dort gibt es tatsächlich eine Hauptstraße, einige kleine Straßen, den großen Markt und „viele kopfsteingepflasterte bucklige Gassen.“ Auch Lönneberga war eigentlich Vimmersby, und wahrscheinlich stand hier auch die Villa Kunterbunt.

Astrid Lindgren schenkte uns ihre unbeschwerte Kindheit, die sie mit ihren Geschwistern im Stadtteil Näs auf einem ehemaligen Bauernhof verbrachte. Die Landschaft, durch die sie lief, die Bäume, in denen sie sich versteckte, die Freunde und Geschwister, mit denen sie spielte, die Erwachsenen, mit denen sie sich auseinander setzen musste, sie alle finden einen Platz in ihren Büchern und damit auch in unserer Kindheit.

Danke, Astrid Lindgren!

Autor(in): Annette W. – ost@annette-weber.co

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Buchtipp: Håkan Nessers Kim Novak badete nie im See von Genezareth

Nesser: Kim Novak badete nie im See von Genezareth

Håkan Nessers Roman Kim Novak badade aldrig i Genesarets sjö (deutsch: Kim Novak badete nie im See von Genezareth, 2003) aus dem Jahr 1998 ist mittlerweile zu einem Klassiker im schwedischen Schulunterricht geworden. In seinem Roman schildert Nesser mit viel Liebe zum Detail und einigem Sinn für Humor das Leben und die Sorgen eines heranwachsenden Jungen im schwedischen Arbeitermilieu der sechziger Jahre. Zu dem gelingt es ihm einen Kriminalfall in die Handlung einzuflechten. Folglich liegt dem Leser hier nicht nur eine psychologische Studie über das Erwachsenwerden sondern auch eine spannende Kriminalgeschichte vor. Die Hauptfigur sieht sich nicht nur mit den ersten pubertären Gefühlen wie Eifersucht und sexueller Begierde konfrontiert, sondern auch mit Themen wie Gewalt und Tod. (mehr …)

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Schwedischer Literaturpreis: Augustpris 2012

Die Preisträger: Göran Rosenberg, Ingrid Carlberg, Nina Ulmaja, Ulrika Nettelblad, Foto: Sören Andersson.

August Strindbergs Name stand Pate für den Preis, der gestern abend im Stockholmer Konzerthaus verliehen wurde. Seit 1989 ehrt die Schwedische Verlagsvereinigung jährlich die besten Neuerscheinungen auf dem schwedischen Buchmarkt Der Preis wird in drei Kategorien verliehen: Belletristik, Sachbuch und Kinder- und Jugendliteratur. (mehr …)

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Im Namen Alfred Nobels: Preisträger der Nobelpreise 2012 verkündet

Stifter des Nobelpreises Alfred Nobel (1833–1896) (Quelle: Wikipedia)

Mit dem Nobelpreis vergibt die Nobelakademie bzw. die Schwedische Reichsbank jährlich die höchste Auszeichnung in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Wirtschaft sowie für Friedensbemühungen. Schwedenstube stellt die diesjährigen Preisträger vor.

Der Nobelpreis für Physik geht an Serge Haroche aus Frankreich und David Wineland aus den USA „für bahnbrechende experimentelle Methoden, die das Messen und Manipulieren einzelner Quantensysteme ermöglichen“.

Der Nobelpreis für Chemie geht an die amerikanischen Forscher Robert J. Lefkowitz und Brian K. Kobilka „für ihre Studien an G-Protein gekoppelte Rezeptoren“.

Der Nobelpreis für Medizin oder Physiologie geht an John B. Gurdon aus Großbritannien und Shinya Yamanaka aus Japan „für die Entdeckung, dass bereits ausdifferenzierte Zellen sich wieder zurück in wandlungsfähige Stammzellen umprogrammieren lassen“.

Der Literaturnobelpreis geht an den chinesischen Schriftsteller Mo Yan, „der mit halluzinatorischem Realismus Volksmärchen, Geschichte und Zeitgenössische Kunst verbindet”.

Der Friedensnobelpreis geht an die Europäische Union „für mehr als sechs Jahrzehnte, in der sie zur Förderung des Friedens und der Versöhnung, Demokratie und Menschenrechte in Europa beitrug“.

Der Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank im Gedanken an Alfred Nobel geht zu gleichen Teilen an die beiden US-Ökonomen Alvin E. Roth und Lloyd S. Shapley „für die Theorie der stabilen Allokation und der Beschaffenheit von Märkten“.

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Kurt Tucholsky und das Schloss Gripsholm

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1931 wird Kurt Tucholsky von seinem Verleger angefleht, eine Liebesgeschichte zu schreiben. Er antwortete daraufhin ironisch „Eine Liebesgeschichte? Lieben Sie? Wer liebt denn heute noch?“

Dennoch verfasste er eine heiter-melancholische Sommergeschichte vor der Kulisse des Schlosses Gripsholm.

Sie erzählt vom Urlaub des Ich-Erzählers mit seiner Freundin Lydia, genannt „die Prinzessin“, in Schweden. Dort suchen die beiden nach einer Unterkunft und stoßen dabei auf das Schloss Gripsholm. Die drei Wochen Aufenthalt werden luftig leicht im Roman beschrieben und das erotische Ménage á trois sinnlich erzählt –  allerdings durchzieht ein eher dramatischer Erzählstrang diese heile Stimmungswelt: Die beiden begnegnen auf einem Spaziergang einem kleinem Mädchen, das in einem Kinderheim lebt und sich tagtäglich mit der Leiterin und deren sadistischen Ausbrüchen ausgesetzt sieht. Mit großem Eifer beschließen sie die Rettung des Mädchens und scheuen keine Mühen, es nach Hause zu seiner Mutter in der Schweiz zurück zu bringen.

Diese Geschichte beschreibt in meinen Augen sehr schön die Sicht auf Schweden, wie sie viele Deutsche besitzen: Die schöne, heile Welt und das Bullerbü-Syndrom kommen zusammen – doch das Böse findet sich in dem ein oder anderen Krimi, im ein oder anderen dunklen Schatten Schwedens wieder.

Doch was bewegte Tucholsky zu dieser Erzählung, warum dieses Schloss?

Eine Rolle spielt seine Geliebte, Lisa Matthias, welche verschlüsselt in der Widmung zu finden ist – „Für IA 47 407“ – das Autokennzeichen Lisas. Mit Schweden verbindet den Autor ebenfalls einiges, was ihn zu der Entscheidung trieb, 1929 dorthin umzusiedeln. Zunächst fand er Unterschlupf im Haus Fjälltorp in Läggesta, was nahe des Schlosses Gripsholm liegt. Allerdings war diese Unterkunft nur temporär, sodass er eine stetige Bleibe suchte. Dieses fand er in einer kleineren Stadt nahe Göteborg. Nach seinem Tod kam er allerdings wieder in die Nähe von Gripsholm, da er auf dem Friedhof in Mariefred beerdigt wurde.

Doch trotz all dieser Parallelen ist es ein großes Anliegen Tucholskys, dass seine Erzählung nur wenig Autobiographisches enthält. So hat er selbst nie in Gripsholm gelebt und die meisten der Protagonisten sind erfunden und haben keinerlei Verbindungen mit wirklichen Personen. Auch Lisa Matthias nimmt beherrscht Abstand davon, als „Lottchen“ angesehen zu werden.

Also hält diese Geschichte dieses heitere, heile und unwirkliche fest, was uns nur zu gern Realität wäre. Irgendwie beschreibt sie unsere Gefühle, die wir oft in Bezug auf Schweden haben, außerordentlich gut. Wer in den Genuss dieser leichten Sommergeschichte noch nicht gekommen ist, kann sich im Herbst mit ein paar spätsommerlichen Zeilen aufwärmen.

Autorin: Tanja Brodbeck – tanja.brodbeck@yahoo.de

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Pär Lagerkvist – ein schwedischer Nobelpreisträger

Pär Lagerkvist Foto: nobelprize.org

1951 wird Lagerkvist der Literaturnobelpreis verliehen. Das Komitee ehrt damit seine außerordentlichen künstlerischen Fähigkeiten und seine Eigenständigkeit, mit denen er in seinen Werken die Antwort auf die ewigen Fragen des Menschen sucht.

Womit beschäftigte sich Lagerkvist nun eigentlich und was sind das für künstlerische Fähigkeiten? (mehr …)

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Bok och Bibliotek – die Göteborger Buchmesse

Ende September zeigte sich Göteborg wieder von seiner literarischen Seite und war Treffpunkt für Literaturbegeisterte und die nordische Buchbranche. Vom 27. bis 30. September konnten die Besucher der größten Buchmesse im skandinavischen Raum auf rund 12.000 qm einen Überblick über aktuelle Neuerscheinungen bekommen.

Ein umfangreiches Seminarprogramm mit Lesungen und Gesprächen macht die Besonderheit der Göteborger Buchmesse aus und verweist auf ihre Anfänge. Denn der Wunsch, Bibliotheksangestellten interessante Fortbildungsseminare anzubieten, brachte die Freunde Conny Jacobsson und Bertil Falck im Jahr 1985 auf die Idee, eine Buchmesse zu arrangieren, damals noch unter dem Namen Bibliotek 85. Im ersten Jahr kamen rund 5.000 Besucher, im Jahr darauf bereits 25.000 und so ging es kontinuierlich weiter. Mittlerweile ist Bok & Bibliotek mit rund 100.000 Besuchern die zweitgrößte Buchmesse in Europa nach der Frankfurter Buchmesse. Wie auch in Frankfurt steht jedes Jahr ein anderes Land im Fokus. Im vergangenen Jahr die Literatur deutschsprachiger Länder, 2012 war der Norden selbst an der Reihe. Zahlreiche skandinavische Autoren waren für Lesungen und Gespräche zu Gast, darunter sogar Autoren aus Grönland und von den Färöern.

Logo Bok och Bibliotek schweden schwedenstube

Eine lesende Seejungfrau ziert das Logo der Messe. Diese geht nicht etwa auf die Nähe zum Meer zurück, sondern auf eine Illustration aus dem ersten in schwedischer Sprache gedruckten Buch aus dem Jahr 1483. Der Designer Bo Berndal hat sie anlässlich des 500. Jubiläums schwedischer Buchkunst im Jahr 1983 abgewandelt und so war sie von Beginn an das Markenzeichen der Göteborger Buchmesse.

Einen Eindruck der Messe vermittelt die aktuellste Ausgabe der schwedischen Literatursendung Babel auf SVT Play.

https://www.bokmassan.se

 

Autorin: Caroline -skanskriva@gmail.co

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Schwedische Skurrilität auf Finnisch – Mikael Niemi

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Aus Schweden kommen nicht nur hervorragende Kriminalromane, sondern auch einiges Skurriles. Eine Art Verschrobenheit oder auch nordische Melancholie. Mir begegnete sie schon öfters, aber zum ersten Mal im Film und auch Buch „Populärmusik aus Vittula“ des schwedischen Autors Mikael Niemi. Jener schrieb nach seinem Debüt einen weiteren Roman „Das Loch in der Schwarte“, sowie auch einen schon beinah typischen Kriminalroman mit dem rätselhaften Namen „Der Mann, der starb wie ein Lachs“.

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