Schwedische Skurrilität auf Finnisch – Mikael Niemi

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Aus Schweden kommen nicht nur hervorragende Kriminalromane, sondern auch einiges Skurriles. Eine Art Verschrobenheit oder auch nordische Melancholie. Mir begegnete sie schon öfters, aber zum ersten Mal im Film und auch Buch „Populärmusik aus Vittula“ des schwedischen Autors Mikael Niemi. Jener schrieb nach seinem Debüt einen weiteren Roman „Das Loch in der Schwarte“, sowie auch einen schon beinah typischen Kriminalroman mit dem rätselhaften Namen „Der Mann, der starb wie ein Lachs“.

Was Niemi immer wieder in seinen Werken verarbeitet, ist die Zweisprachigkeit seines Geburtsortes Pajala, der auch Handlungsort beider Romane ist. In diesem nördlichsten Teil Schwedens wird auch Finnisch gesprochen, was auch seinen Einfluss auch in Niemis Romanen fand. Der Ort seiner Kindheit wird, wie er in einem Interview erzählt, immer am prägendsten für ihn sein und das ausmachen, was er ist und schreibt. Immer wieder durchziehen surreale Elemente seine Texte – Übersinnlichkeit und übersinnliche Erlebnisse sind in Tornedalen, seiner Heimatregion, bis heute verbreitet.

Irgendwie entrückt scheint dieser Ort nahe der finnischen Grenze. Man träumt sich in die Ferne, die Leben und Rebellion verspricht – während in der ländlichen Gegend doch allzu oft ein strenger, sittengetreuer Geist weht. So in etwa geht es in den beiden Protagonisten des Debüts Niemis vor, zwei Jungen, die Köpfe voll 60er, Rebellion und Rock’n’Roll. Umgeben von der alltäglichen Skurrilität des Lebens und der Menschen in Pajala. Doch trotz des Fernwehs der beiden Jungen zielt der Roman nicht darauf ab, die Großartigkeit außerhalb Pajalas zu beschreiben – vielmehr gibt er der Minderheit im Norden Schwedens eine Stimme. Ab und an mag dies in Übertriebenheit und Klischee enden – doch nicht in einem größeren Maße, als das Leben selbst es ist.

Erstaunlich, welche Welten der Autor, der sich schon mit 15 zu diesem Beruf entschieden hat, entstehen lässt. Er hat zunächst Elektrotechnik studiert, bevor er dieser inneren Bestimmung nachging. Und dabei die skurrile Welt von Pajala (Populärmusik von Vittula), eine völlig entrückte Welt der Science Fiction (Das Loch in der Schwarte) und die groteske Welt der Morde (Der Mann, der starb wie ein Lachs) und Verbrechen beschreibt.

Das Debüt des Autors gibt es im Schwedenshop zu erwerben. Auch die Verfilmung des Werkes ist ansprechend, wobei ein Film natürlich kaum an die literarische Vorlage heranreichen kann.

Autor(in): Tanja Brodbeck – tanja.brodbeck@yahoo.de

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