Schwedisch lernen



Helsingborg – das Tor nach Schweden

Für viele Reisende ist die Skyline von Helsingborg mit dem hohen Rathausturm das erste, was sie von Schweden sehen – ja, auch in Zeiten von Billigflügen und Öresundbrücke schätzen zahlreiche deutsche Schwedenfans die sogenannte „Vogelfluglinie“ über Dänemark. Der Weg auf schwedischen Boden führt in diesem Fall über die Fährverbindung Helsingør – Helsingborg – mit 125 ablegenden Schiffen am Tag immer noch eine der am meisten befahrenen Wasserstraßen der Welt. Helsingborg als Tor zum Norden also – und auch umgekehrt hat die Stadt an der schmalsten Stelle des Öresunds zwischen Dänemark und Schweden eine traditionelle Brückenfunktion: „Här börjar kontinenten“ sagen die Schweden, hier fängt für sie Kontinentaleuropa an.

Erste Schritte in Helsingborg

Egal, ob man mit Zug, Bus oder Fähre in Helsingborg ankommt, erste Station ist immer der „Knutpunkten“ am Hafen. Das 1991 fertiggestellte Reisezentrum ist Fährterminal, Bahnhof, Busbahnhof und Einkaufszentrum zugleich und trägt Helsingborgs traditioneller Funktion als Verkehrsknotenpunkt Rechnung. Wer den Weg hinaus zum Kungstorget (Königsplatz) gefunden hat, der bemerkt gleich am Verkehrsaufkommen, dass Helsingborg keine kleine Stadt ist – mit gut 120 000 Einwohnern für deutsche Verhältnisse zwar auch keine große, in Schweden aber immerhin landesweit auf dem neunten Rang. Inzwischen ist die Stadt sogar Hochschulstandort: Angehende Ingenieure der Technischen Hochschule Lund studieren am „Campus Helsingborg“. Am nördlichen Kungstorget sieht man blau: Aus zwei kniehohen, mit Mosaiksteinen in verschiedenen Blautönen gekachelte Flächen hat die dänische Künstlerin Betty Engholm einen Brunnen gestaltet. Durch das Wasser, das über die Mosaiksteine fließt, leuchten die Blautöne im Sonnenlicht ungewöhnlich intensiv. Geht man die Hauptverkehrsstraße ein Stück weiter, steht am Hamntorget Hafenplatz) rechter Hand, in seiner roten Farbe kaum zu übersehen, das 1897 im neugotischen Stil  erbaute Rathaus mit seinem 65 Meter hohen Turm. Im Erdgeschoss befindet sich die Touristinformation. Wer sich am Rathaus weiter rechts hält, kommt in den alten Stadtkern, der 2003 den landesweit ausgelobten Preis als „Årets stadskärna“ (Innenstadt des Jahres) erhielt. Die Haupteinkaufsstraße Kullagatan war bei ihrer Einweihung 1961 die erste Fußgängerzone Schwedens. Einen Besuch wert ist auch der Festungsturm „Kärnan“, der als einziges Bauwerk von der mittelalterlichen Festung „Helsingborgs slott“ übriggeblieben ist und von dem man die Aussicht über den Öresund genießen kann.

Dunkers Kulturhus: „Vikten av Vatten“

Dunkers Kulturhus. Foto: Anna Nilsson/ imagebank.sweden.se

Dunkers Kulturhus. Foto: Anna Nilsson/ imagebank.sweden.se

Auf der anderen Seite der Hauptverkehrsstraße, zum Hafen hin, liegt das neue kulturelle Wahrzeichen der Stadt, „Dunkers Kulturhus“. 2002 von Kronprinzessin Viktoria eingeweiht, vereint das Kulturzentrum Kunsthalle, Stadt- und Kulturgeschichtliche Ausstellungen, Räume für Musik- und Theaterveranstaltungen sowie Restaurant und Bistro unter einem Dach.

Helsingborg ist rund 900 Jahre alt und damit eine der ältesten Städte Schwedens. Mit viel museumspädagogischem Ideenreichtum führt im Erdgeschoss von Dunkers Kulturhus die Dauerausstellung „Vikten av Vatten“ (die Bedeutung des Wassers) durch die Geschichte der Stadt, die in allen Jahrhunderten durch die Nähe zum Wasser geprägt wurde – so erklärt sich auch der Ausstellungstitel.

Schon für die Wikinger soll die Küste bei Helsingborg ein wichtiger Anlegeplatz gewesen sein. Besonders im Mittelalter gewann die Stadt durch Handel und Seefahrt an Bedeutung und wurde im 19. Jahrhundert zu einer der wichtigsten Industriestädte Schwedens. Heute hat das Wasser für die Stadtentwicklung eine ganz neue Bedeutung: So wurde der Stadtteil „Norra Hamnen“ in den 1990er-Jahren vom industriell geprägten Hafenviertel zum schicken Wohngebiet am Wasser umfunktioniert.

In der Ausstellung werden die wichtigsten geschichtlichen Stationen visualisiert – dabei steht das sinnliche Erleben stärker im Vordergrund als die historischen Fakten. In einem Raum sind beispielsweise der Öresund, die dänische und die schwedische Küste modellhaft nachgebaut – mit Kronborg, Hafen und Ruderbooten, die über das Wasser fahren. Auf Knopfdruck wird der Raum dunkel, man man hört Ruderschläge und Warnrufe. So erlebt der Besucher die nur von Mond und Sternen beleuchteten nächtlichen Bootsfahrten der Schmuggler nach: Diese wollten die hohen Zollabgaben, die beim Überqueren der Grenze über viele Jahrhunderte an die Dänen bezahlt werden mussten, umgehen. Helsingborg hat übrigens eine dänische Vergangenheit – wie die ganze Provinz Skåne, an deren Westküste die Stadt liegt: Erst nach dem Frieden von Roskilde 1658 wurde die Provinz schwedisch, der Kampf um Helsingborg hielt noch bis ins Jahr 1710 an.

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Helsingborg und die Öresundregion

Die Nähe zum dänischen Nachbarn ist auch heute noch unüberseh- und vor allem unüberhörbar: Der Dialekt im äußersten Süden Schwedens ähnelt sehr dem Dänischen und ist für alle, die als Ausländer die schwedische Schriftsprache gelernt haben, sehr schwer zu verstehen. Bürger mit dänischer Staatsangehörigkeit stellen in Helsingborg die zweitgrößte Einwanderergruppe. Umgekehrt arbeiten viele Pendler aus Helsingborg in Dänemark.

In den letzten Jahrzehnten konnte die Stadt ihr kulturelles Angebot ausbauen. Das ist unter anderem Henry Dunker zu verdanken, Namensgeber von Dunkers Kulturhus und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunders Direktor der gleichnamigen Gummifabrik, die damals der größte Arbeitgeber in Helsingborg war: Dunker vermachte der Stadt eine beträchtliche Summe, die nach seinem Tod 1962 in seinem Sinne für kulturelle Zwecke ausgegeben werden sollte. So positioniert sich Helsingborg heute nicht mehr primär als Industrie-, sondern als Kulturstadt und Teil der Öresundregion – gemeinsam mit Städten wie Malmö, Lund und dem Großraum Kopenhagen auf dänischer Seite. Wasser ist also nach wie vor das verbindenden Element und prägt wieder – oder immer noch – die Entwicklung der Stadt.

(Autor: Heike Wienholz)

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