Lycksele – die älteste Stadt Lapplands

Früher Siedler, heute Touristen - ein Ort mit Anziehungskraft

In der Einsamkeit von Zentral-Västerbotten im südlichen Lappland, sticht selbst ein Ort mit 8.000 Einwohnern als „Metropole“ hervor. Lycksele ist so ein Ort, der aufgrund seiner Bedeutung für die dünnbesiedelte Region sogar den Namen „Lappstockholm“ erhalten hat. Genau in der Mitte zwischen Umeå und Storuman – beide rund 130 Kilometer entfernt – ist die Ansiedlung am Umeälven aus einem samischen Marktplatz hervorgegangen. Lycksele erhielt, als erste Gemeinde überhaupt in Lappland, 1946 die Stadtrechte. Erst zwei Jahre später folgte Kiruna.

Lycksele konnte bereits sein 400-jähriges Jubiläum feiern – doch die Entwicklung des Ortes ging nicht immer geradeaus in Richtung Wachstum. Dynamik im modernen Industriezeitalter bescherte zwar der Anschluss an das Eisenbahnnetz (1924) sowie eine rege Bergwerkstätigkeit. Doch später in den Siebzigerjahren litt die Stadt unter verstärktem Wegzug der Bevölkerung. Der Personenverkehr auf der Verbindungslinie Umeå-Storuman wurde eingestellt – bis heute. Das soll sich jedoch wieder ändern, wenn im kommenden Jahr der „Norrtåg“ – ein ehrgeiziges Verkehrsprojekt fürs schwedische Norrland – den Linienbetrieb aufnimmt.

Heute ist Lycksele Versorgungszentrum und vor allem Krankenhaus-Stadt für die sehr abgeschiedenen Gemeinden im Västerbotten. Rund 30 Prozent der Einwohner arbeiten im öffentlichen Dienst und in der Pflege – eine Quote weit über Landesdurchschnitt.

Die "Lycksele kyrka" von 1799

Für den Besucher empfiehlt sich Lycksele mit kleinen, aber feinen Sehenswürdigkeiten. Neben der Kirche von 1799 und dem renommierten „Hotell Lappland“ hat die Stadt auch das alte samische Marktzentrum („Gammplatsen“) als Freilichtmuseum bewahrt. In Lycksele befindet sich außerdem der nördlichste Tierpark Europas, mit einem Schnellstrom-Aquarium und zahlreichen heimischen Tieren. Jedes Jahr im März findet überdies ein traditioneller Markt statt, zu dem die samische Bevölkerung vorzugsweise in ihren Trachten erscheint (und das nicht etwa für die wenigen Touristen, die sich zu diesem Anlass einfinden). Ein sehr authentisches Volksfest, das Ortsfremde besser verstehen lässt, wie es ist, im „glesbygd“ von Norrland zu leben.

Quellhinweis Bilder: David Castor (wikimedia.commons)

Autor(in): Katja Singer – katja-singer@gmx.de

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