Krankenversicherung in Schweden – kein Rundum-Sorglos-Paket

Ein Verordnungswirrwarr, das eigentlich gar keins ist

Menschen stehen im Zusammenhang mit einer geplanten Auswanderung vor vielfältigen Aufgaben und Fragestellungen. Plant man einen dauerhaften Umzug von Deutschland nach Schweden, so gestaltet sich dies aufgrund der EU-Zugehörigkeit beider Staaten in vielen Bereichen recht einfach. Die Mitgliedstaaten haben in den zurückliegenden Jahren durch entsprechende Vereinbarungen versucht sich anzugleichen, um die teilweise doch äußerst unterschiedlichen Systeme aufeinander abzustimmen. So gibt es beispielsweise bilaterale Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Schweden und Deutschland, die Freizügigkeit ist innerhalb der EU geregelt und es existieren noch unzählige andere Verordnungen, die die Beziehungen aller Mitgliedstaaten zueinander in möglichst allen Bereichen reglementieren aber auch vereinfachen sollen.

So müssen sich viele deutsche Auswanderer unter anderem mit steuerrechtlichen Aspekten beschäftigen oder auch mit der Vorgehensweise, wie man beispielsweise seinen in Deutschland zugelassenen PKW für den schwedischen Straßenverkehr zulassen kann. Viele Deutsche in Schweden beschäftigt aber vor allem die Frage, wie man möglichst schnell an die schwedische personnummer kommt, eine 10-stellige Nummer, die in Schweden viele Dinge des täglichen Lebens erheblich erleichtert. Die personnummer begleitet einen gebürtigen Schweden sein ganz Leben lang. Von Geburt an ist jeder Schwede mit dieser Nummer vollumfänglich in das schwedische Sozialsystem integriert, zum Beispiel auch vom ersten Lebenstag an krankenversichert.

Foersaekringskassan

(Foto: Kristin Lidell / imagebank.sweden.se).

Die Krankenversicherung ist ein absolutes Muss

Die Krankenversicherung ist aufgrund ihrer immensen individuellen Bedeutung dann wohl auch eine der wichtigsten Dinge für die Menschen, die in Schweden einen neuen Lebensabschnitt beginnen möchten. Die Gegebenheiten in Bezug auf die Krankenversicherung sind oftmals sehr verschieden. Wie bin ich beispielsweise als Student krankenversichert, wie als zunächst Arbeitssuchender, als Rentner/Pensionär und auch als jemand, der über viele Jahre von seinem Ersparten oder beispielsweise einer Erbschaft in Schweden ein gutes Leben führen möchte? Es gibt aber auch die Menschen, die nach Schweden umziehen und bereits einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit einem schwedischen Unternehmen in der Tasche haben, vielleicht verfügt man aber auch über gute Voraussetzungen sich in Schweden selbständig zu machen. Wie ist es in einem solchen Fall mit denen? Oder mit Empfängern einer Hinterbliebenenrente, die sich noch nicht im Altersruhestand befinden?

Immer wieder liest man, dass man mit dem Erhalt der schwedischen personnummer auch automatisch in Schweden krankenversichert ist. Viele alteingesessene Deutsche raten dann in diversen Internet-Foren sogar dazu eine noch vorhandene deutsche Krankenversicherung mit Erhalt der personnummer sofort zu kündigen, weil man von diesem Tag an angeblich doppelt versichert wäre! Eine solche generelle Aussage ist aber nur in den wenigsten Fällen richtig und demzufolge auch besonders gefährlich, denn die personnummer sagt tatsächlich nichts darüber aus, ob man in Schweden krankenversichert ist. Mit der personnummer wird lediglich bestätigt, dass man in Schweden amtlich gemeldet ist. Mehr aber auch nicht!

Keine Leistung ohne Beiträge

Das schwedische Sozialsystem wird allein über die sich aus einer Einkommenssteuerpflicht ergebenen Abgaben von Arbeitnehmern und Selbständigen finanziert. Zum Sozialsystem gehört auch die einzige schwedische Krankenversicherung, die staatliche försäkringskassa. Somit sind in Schweden auch nur die Einwanderer vollumfänglich über den schwedischen Staat krankenversichert, die durch ihre selbständige oder nichtselbständige Tätigkeit, mit der sich daraus ergebenen Einkommenssteuer in das dortige Sozialsystem eingezahlt haben.

Ein Art Sonderstellung nehmen die deutschen Rentner ein, die ihren Lebensabend in Schweden verbringen möchten und ihren Hauptwohnsitz dort anmelden. Altersrentner bekommen dann auch ohne Probleme eine personnummer, wenn sie nachweisen können, dass sie sich mit ihrer deutschen Rente in Schweden hinreichend versorgen können UND über eine umfassende deutsche Krankenversicherung verfügen. Letzteres ist über die Kranken- und Pflegeversicherung der Rentner gewährleistet, deren Beitrag monatlich von der deutschen Rentenzahlung einbehalten wird. Als Versicherungsnachweis lässt das schwedische Finanzamt (skatteverk), bei dem der zukünftige ständige Wohnsitz für einwandernde EU-Bürger angemeldet werden muss, das EU-einheitliche Formular S1 gelten.

Ein S1-Formular bekommen ebenfalls die deutschen Einwanderer von der Gesetzlichen Krankenkasse ausgestellt, in der sie zuletzt versichert waren. Dies betrifft Personen, die nach Schweden umziehen und dort künftig von ihrem Ersparten leben möchten oder weil sie beispielsweise über regelmäßige Einkünfte, wie eine Hinterbliebenenrente, Leistungen aus einer Unfallkasse oder auch anderen höheren Einkünften aus Deutschland verfügen, die ihnen regelmäßig zur Verfügung stehen, wie beispielsweise in Deutschland erzielte Mieteinnahmen. Diese Personengruppen müssen sich jedoch vor ihren Umzug nach Schweden freiwillig in der deutschen Gesetzlichen Krankenversicherung versichern, um das besagte S1-Formular für die schwedische Wohnsitzanmeldung zu erhalten. Ihren monatlichen Krankenversicherungsbeitrag zahlen diese Personen dann eigenständig an die deutsche Krankenversicherungsgesellschaft.

Eine EU-einheitliche Regelung

Wichtig ist jedoch, was sich eigentlich hinter diesem S1-Formular verbirgt. Die formularausstellende Krankenversicherungsgesellschaft bestätigt dem ausländischen Sozialversicherungsträger mit diesem Dokument nämlich, dass für den Versicherten in Deutschland eine gültige Krankenkasse existiert, die auch noch wenigstens ein Jahr lang nach dem Ausstellungsdatum gültig sein muss. Mit dem Formular stellt die jeweilige Krankenversicherungsgesellschaft aber auch sicher, dass sie sich an die EG-Verordnungen 883/2004 und 987/2009 gebunden sieht, die die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit der EU-Mitgliedstaaten untereinander zum Inhalt haben.

Unter anderem sind in diesen beiden Verordnungen die Verfahrensweisen und Kostenerstattungen im Krankheitsfall aber auch bei Inanspruchnahme der Gesundheitsvorsorge geregelt, für die Bürger eines EU-Mitgliedstaates, die sich dauernd oder auch nur vorrübergehend in einem anderen EU-Mitgliedstaat aufhalten. Im Fall der Vereinbarung zwischen Schweden und Deutschland bedeutet dies, dass die deutsche Krankenkasse, für die im S1-Formular näher benannte Person, an den schwedischen Sozialversicherungsträger jährlich einen Pauschalbetrag zahlt, mit dem die Kosten des schwedischen Gesundheitssystems abgedeckt werden. Dieser Pauschalbetrag richtet sich nach dem Alter des Versicherten und wird regelmäßig angepasst.

Dieses Prozedere wird für den weiterhin in Deutschland Krankenversicherten nicht wahrnehmbar unter den Sozialversicherungsträgern organisiert. Der deutsche Auswanderer hat nur dafür zu sorgen, dass er aus seinen zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln monatlich seinen Beitrag an die deutsche Gesetzlichen Krankenversicherung überweist. Dann kann dieser Versicherte, im gleichen Maße wie jeder andere in Schweden wohnende Bürger auch, das schwedische Gesundheitssystem nutzen. Wie jeder Schwede auch muss er beispielswese seine Medikamente selbst zahlen, bis er eventuell die dafür vorgesehene Höchstgrenze pro Jahr erreicht hat, und leistet bei seinen Arzt- und Krankenhausbesuchen seine Patientenabgabe. Zu Vorsorgeuntersuchungen wird der nach Schweden eingewanderte Deutsche durch die försäkringskassa eingeladen und selbstverständlich muss er dafür auch nichts aus eigener Tasche bezahlen. Der Eingewanderte gibt zukünftig bei Arztbesuchen oder Krankenhausaufenthalten nur seine personnummer an und muss nichts weiter beachten, denn abgerechnet wird ja untereinander.

Das Gleiche gilt beispielsweise auch, wenn ein zuvor in Deutschland wohnhafter Schwede, der dort auch lange Zeit gearbeitet hat, seinen Wohnort wieder nach Schweden zurückverlegt. War er aufgrund seiner vorherigen Beschäftigung in Deutschland gesetzlich krankenversichert, muss er sich auch weiterhin in Deutschland krankenversichern, und dass obwohl er immer noch seine seit seiner Geburt gültige schwedische personnummer besitzt. Auch von ihm verlangt das schwedische Finanzamt das hier mehrfach erwähnte S1-Formular von seiner deutschen Krankenkasse.

Privaten Krankenversicherungsgesellschaften dürfen das S1-Formular nicht ausstellen, aber ähnlich lautende Dokumente, die vom schwedischen Finanzamt in gleicher Weise anerkannt werden. Dies betrifft dann frühere Selbständige oder Beamte.

Kündigt man seine deutsche Krankenversicherung, obwohl man nie in das schwedische Sozialsystem eingezahlt hat, dann ist man theoretisch ohne jeglichen Krankenversicherungsschutz. Ohne Probleme kann das Versicherungsverhältnis gekündigt werden, wenn der in Schweden Wohnende dort eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nachgeht, egal ob als Arbeitnehmer oder aufgrund einer selbständigen Tätigkeit.

 

Wie funktioniert das Gesundheitssystem in Schweden?

Zuallererst setzt man in Schweden auf die Eigenverantwortung der Patienten. Für eine erste telefonische Beratung im Krankheitsfall steht jedem, der über eine personnummer verfügt die landesweit einheitliche Servicenummer 1177 zur Verfügung. Nach der telefonischen Erstberatung treten die rezeptfreien Medikamente bei einfacheren Beschwerden oftmals in den Vordergrund des Behandlungsverlaufs. Sofern nach einigen Tagen keine Besserung eingetreten ist, wird jedoch eine ärztliche Untersuchung empfohlen. Für Arzt- und Krankenhausbesuche müssen Patienten einen Eigenanteil tragen. Die Höhe kann dabei zwischen 100 und 400 SEK betragen und ist abhängig davon, ob man als Patient von einer Krankenschwester oder von einem Hausarzt in der vårdcentral behandelt wird oder von einem Facharzt im Krankenhaus (sjukhus). Auch für Besuche, beispielsweise beim Chiropraktiker, Physiotherapeuten oder Diätassistenten, werden diese Patientenabgaben erhoben und betragen im Raum Stockholm in diesen Fällen 200 SEK je Besuch, können je nach Region aber auch etwas abweichen. Ab einem bestimmten Maximalbetrag pro Jahr sind Patienten von der Zuzahlung für Behandlungen und Medikamente befreit.

Für die üblichen Impfungen werden keine zusätzlichen Kosten berechnet, genauso wenig wie für Vorsorgeleistungen, beispielsweise der Mammografie bei Frauen über 40, auch eine Patientenabgabe fällt dann nicht an.

Lange Wartezeiten 

Fast schon sprichwörtlich ist in manchen Gegenden Schwedens die lange Wartezeit auf einen Facharzttermin oder auf eine Krankenhausbehandlung. In den dünnbesiedelten nördlich gelegenen Regionen Schwedens ist auch die medizinische Versorgung oft nicht mit dem Standard zu vergleichen, mit dem man im Süden des Landes rechnen kann. Aber egal wie mitunter auch über das schwedische Gesundheitssystem im Vergleich mit dem deutschen diskutiert wird. Man sollte dabei nicht vergessen, dass die Lebenserwartung der Schweden höher ist als die der deutschen Bevölkerung (Schweden: Männer = 81,3, Frauen = 84,7; Deutschland: Männer = 78,6, Frauen = 83,4, Stand: 2019). Nun könnte man natürlich anfügen, dass in Schweden allgemein ein stressfreieres Leben möglich ist und dieser Unterschied nicht unbedingt auf das Gesundheitssystem beider Länder zurückzuführen ist, dennoch wird einem auch in Schweden im Krankheitsfall geholfen.

Von langen Wartezeiten kann man hingegen nicht sprechen, wenn es beispielsweise darum geht ein Rezept zu erneuern. Man muss sich dafür nur über seine personnummer auf der Homepage 1177.se einloggen und kann darüber sein Rezept bei seiner vårdcentral anfordern. Dies erfolgt elektronisch und so muss man letztendlich später bei einer schwedischen Apotheke nur noch seine personnummer angeben und bekommt die verschriebenen Tabletten, egal wo auch immer man sich im Land befindet. Auf der Homepage 1177.se beispielsweise kann auch jeder seine Befunde einsehen, seine Impfungen, gebuchte Termine werden dort hinterlegt und man ist stets informiert über die Summe, die innerhalb eines Jahres noch gezahlt werden müsste, bis der Maximalbetrag erreicht ist. Die Digitalisierung macht tatsächlich vieles einfacher.

Die Zahnbehandlung im schwedischen Gesundheitssystem

Auch für die Zahnbehandlung muss man in Schweden einen gewissen finanziellen Eigenanteil selbst tragen. So können Leistungen für einige Altersgruppen günstiger ausfallen. Menschen bis zu einem Alter von 24 Jahren zahlen für die Zahnpflege beispielsweise nichts dazu. Die Höhe des Eigenanteils richtet sich aber auch nach der zu zahlenden Gesamtsumme. So kann sich bei einer zu zahlenden Gesamtsumme von 20.000 SEK die Zusammensetzung des Eigenanteils beispielsweise wie folgt berechnen:

Bis zu einer Summe von 3.000 SEK muss der Patient die Rechnung allein zahlen. Für die nächsten 12.000 SEK, also 3.001 SEK bis zu 15.000 SEK, müsste er die Hälfte übernehmen. Das macht dann 6.000 SEK. Für die Kosten, die die 15.000 SEK letztendlich übersteigen, zahlt der Zahnarztpatienten dann einen Eigenanteil von 15%. Bei der so entstandenen Differenz von 5.000 SEK (von 15.001 SEK bis 20.000 SEK) macht dies nur noch 750 SEK aus. Somit zahlt man für diese zahnärztliche Leistung in Schweden insgesamt einen Eigenanteil von 9.750 SEK (3.000 + 6.000 + 750). Jedoch muss man auch stets darauf achten, dass für zahnmedizinische Leistungen Referenzpreise gelten, die bei der försäkringskassa geltend gemacht werden können. Manche Zahnärzte weichen mitunter bei ihrer Preisgestaltung von denen ab und möchten einige Leistungen besser bezahlt bekommen. Die Differenz zwischen den festgelegten Referenzpreisen der försäkringskassa und der tatsächlichen Abrechnung des jeweiligen Zahnarztes hat der Patient dann zu 100% selbst zu zahlen.

Bei all dieses Leitungen macht das schwedische Gesundheitssystem keinen Unterschied bei der Behandlung von Patienten, die über eine schwedische personnummer verfügen. Die Abrechnung der Ärzte, Krankenhausaufenthalte, Therapeuten usw. erfolgt über die försäkringskassa, auch für die deutschen Einwanderer mit personnummer aber ohne schwedische Einkünfte. Bei Letzteren schöpft die försäkringskassa aber aus der Pauschalsumme, die die deutsche Krankenkasse alljährlich an die försäkringskassa für den Patienten überweist.

 

Autorin: Ramona Heuckendorf – joergasmus@hotmail.com

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13 Responses to Krankenversicherung in Schweden – kein Rundum-Sorglos-Paket

  1. Bettina Ostertag 12. September 2021 at 19:24 #

    Danke,das war sehr informativ.

  2. Michaela Ehmann 12. September 2021 at 21:36 #

    Danke für den informativen Text. Eine kleine Nachfrage hätte ich noch. Sie schreiben, dass man mit Personennummer, aber ohne Einzahlung in das schwedische Gesundheitssystem nicht versichert ist. Im letzten Absatz lese ich jedoch, dass das schwedische Gesundheitssystem keinen Unterschied bei der Behandlung von Patienten mit Personennummer macht. Gilt ihre Aussage, die deutsche Versicherung nicht zu kündigen, dann nur für Rentner oder müsste man als Neu-Eingewanderter ohne Einkünfte und Angestelltenverhältnis eine private Krankenversicherung behalten? Das würde mich wundern, da ich bereits Einladungen zu Vorsorgeuntersuchungen bekommen habe.

    • Ramona Heuckendorf 13. September 2021 at 12:31 #

      Auf Ihren Kommentar möchte ich gern etwas ausführlicher antworten.

      Zunächst einmal zum schwedischen Gesundheitssystem. Die schwedische Krankenversicherung wird zum größten Teil über Einkommenssteuerzahlungen finanziert, außerdem spielen Ressourcen aus Gebühren eine Rolle und der Verkauf von Leistungen von einem Län an das andere. Nicht über die einzelnen Län abgedeckte Gesundheitsausgaben werden vom schwedischen Staat übernommen. Hinzu kommt dann noch, dass Patienten über verschiedene Gebühren, Zuzahlungen und selbst zu tragende Ausgabenanteile an der Finanzierung der medizinischen Versorgung beteiligt. werden. Somit trägt jeder in Schweden wohnende UND dort auch arbeitende Mensch ganz wesentlich zur Finanzierung dieses Systems bei.

      Wie jeder andere EU-Mitgliedsstaat musste auch Schweden sich Gedanken darüber machen, wie die Inanspruchnahme sozialer Leistungen in anderen Fällen geregelt werden kann, z.B. im Zusammenhang mit dem Recht auf Freizügigkeit von EU-Bürgern. Hierzu haben sich die EU-Mitgliedstaaten im Jahr 2004 auf die Verabschiedung der Verordnung (EG) 883/2004 geeinigt. Ziel dieser Verordnung ist die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit und dadurch die Gleichbehandlung im Zusammenhang mit dem Recht auf Freizügigkeit. Auf Grundlage dieser Verordnung können gesetzliche krankenversicherte Deutsche in ihrem Wohnsitzland Schweden zum Arzt gehen, selbst wenn oder gerade weil sie in Deutschland krankenversichert sind. Sie haben somit Anspruch auf Gesundheitsleistungen, wie sie auf Grundlage der schwedischen Gesetze für alle in Schweden wohnenden Personen getragen werden (als wären sie dort versichert). Aber!!! Anfallende Kosten im Wohnsitzland werden dann durch die Krankenversicherung in Deutschland übernommen.

      Die Verordnung (EG) 883/2004 bezieht sich somit auch auf alle Deutschen, die in Schweden wohnen möchten, die ABER durch eine fehlende sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Schweden selbst keinen eigenen Beitrag für das schwedische Sozialsystem leisten bzw. leisteten. Dies betrifft in erster Linie die Rentner, aber auch Menschen, die aufgrund einer gewissen finanziellen Grundlage in Schweden wohnhaft sein dürfen, dadurch letztendlich folkbokförd sind und ihre personnummer erhalten haben, also die Neu-Eingewanderte ohne Einkünfte und Angestelltenverhältnis.

      Sofern Neu-Eingewanderte (Frauen) ihre personnummer erhalten haben, werden ihnen kurz darauf zwei Einladungen zu Vorsorgeuntersuchungen (Gebärmutterhals-Biopsie sowie die Mammografie) zugeschickt, sofern dies entsprechend der Altersvoraussetzungen nach schwedischem Gesetz vorgesehen ist.

      Die Inanspruchnahme all dieser Dinge wird über die Verordnung (EG) 883/2004 geregelt und ist ein Zeichen dafür, dass die Gleichbehandlung, die in dieser Verordnung verankert ist, in Schweden auch tatsächlich gelebt wird. Im Artikel 4 (Gleichbehandlung) der Verordnung (EG) 883/2004 steht:

      „Sofern in dieser Verordnung nichts anderes bestimmt ist, haben Personen, für die diese Verordnung gilt, die gleichen Rechte und Pflichten aufgrund der Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats wie die Staatsangehörigen dieses Staates.“

      Die Abrechnung der Leistungen zwischen den Sozialversicherungsträgern ist in der besagten Verordnung ebenfalls festgehalten. Dort steht im Artikel 35 (Erstattung zwischen den Trägern):

      „(1) Die von dem Träger eines Mitgliedstaats für Rechnung des Trägers eines anderen Mitgliedstaats nach diesem Kapitel gewährten Sachleistungen sind in voller Höhe zu erstatten.

      (2) Die Erstattungen nach Absatz 1 werden nach Maßgabe der Durchführungsverordnung
      festgestellt und vorgenommen, und zwar entweder gegen Nachweis der tatsächlichen Aufwendungen oder auf der Grundlage von Pauschalbeträgen für Mitgliedstaaten, bei deren Rechts- und Verwaltungsstruktur eine Erstattung auf der Grundlage der tatsächlichen Aufwendungen nicht zweckmäßig ist.“

      Die Erstattungen zwischen den Leistungen deutscher und schwedischer Träger erfolgt in diesem Fall nach Artikel 35 Abs. 2. Der Deutsche Träger (Krankenkassen) zahlt für die bei ihnen dann freiwillig gesetzlich versicherten Mitglieder an den schwedischen Sozialversicherungsträger einen Pauschalbetrag, der nach dem Alter des jeweiligen Mitglieds berechnet wird. Diese Modalitäten dazu werden in der Verordnung (EG) 987/2009 näher aufgeführt und sehen im Fall der Beziehung zwischen Schweden und den anderen EU-Mitgliedstaaten (also auch Deutschland) vor, dass Schweden einen Pauschalbetrag verlangt.

      Dies war jetzt sicherlich etwas an viel an Reglementierungen. Wie Ihnen aber selbst bei Antragsstellung Ihres „Flytta till Sverige“ noch in Erinnerung sein wird, mussten Sie beim skatteverk ein S1-Formular vorlegen, dass zu diesem Zeitpunkt mindestens noch ein Jahr Gültigkeit besitzen musste. Dieses S1-Formular bezieht sich ausnahmslos auf die beiden zuvor genannten Verordnungen und bescheinigt dem Sozialversicherungsträger im neuen Wohnstaat (Schweden) folgendes:

      „Mit diesem Dokument wird Ihr Anspruch und der Anspruch Ihrer Familienangehörigen auf Sachleistungen bei Krankheit und Mutterschaft sowie gleichgestellte Leistungen bei Vaterschaft (d. h. Gesundheitsversorgung, ärztliche Behandlung usw.) in Ihrem Wohnstaat bescheinigt. Familienangehörige sind nur dann anspruchsberechtigt, wenn sie die in den Rechtsvorschriften des Wohnstaats festgelegten Bedingungen erfüllen. Die Bescheinigung muss dem Krankenversicherungsträger des Wohnorts so bald wie möglich übermittelt werden.“

      Dies heißt nichts anderes als dass die deutsche Krankenversicherung für die genannten Sachleistungen auch an den schwedischen Staat zahlen wird und darum sind die beiden oben genannten EG-Verordnungen auch direkt in dem S1-Formular aufgeführt. Hier der Link zu dem Muster

      https://www.krankenkassen.de/static/common/files/view/5183/Dokument_S1_Eintragung%20zwecks%20Inanspruchnahme%20des%20Krankenversicherungsschutzes.pdf

      Wäre der schwedische Staat grundsätzlich dazu bereit jeden EU-Bürger auch ohne jegliche Voraussetzung in das dortige Gesundheitssystem zu integrieren, ungeachtet also ob Neu-Eingewanderte eine deutsche Krankenversicherung besitzen oder nicht, dann frage ich mich, warum man seitens des skatteverk bei der Antragstellung des „Flytta till Sverige“ so viel Wert auf das S1-Formular legt, nämlich auf eine abgesicherte Kostenübernahme der deutschen Krankenkasse von erbrachten Sachleistungen aus dem schwedischen Gesundheitssystem? Zumal man ja nach Ansicht einiger deutscher Einwanderer mit Erhalt der personnummer in das schwedische Sozialsystem integriert sein soll!

      Eine länger gültige Krankenversicherung scheint also für die Menschen, die nach Schweden einwandern und danach keiner sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung mehr nachgehen, ein wichtiges Kriterium zu sein, um überhaupt die personnummer zu erhalten. Warum soll diese Voraussetzung denn plötzlich wegfallen, wenn man diese personnummer zugeteilt bekommen hat?

      Wir können uns aber auch gern einmal telefonisch zu dieser Thematik verständigen. Schreiben Sie mir eine E-Mail und ich teile Ihnen meine Telefonnummer mit.

  3. Elke Friedrich 13. September 2021 at 13:35 #

    Vielen Dank für diesen ausführlichen und wirklich hilfreichen Beitrag zu einem sehr wichtigen Thema. Ich habe mich bereits umfassend damit beschäftigt, falle aber offenbar in keine der genannten Kategorien. Als pensionierte Beamtin bin ich weder in der gesetzlichen Krankenkasse noch in einer „richtigen“ privaten, sondern bei einer Selbsthilfeeinrichtung der ehemaligen Deutschen Bundespost krankenversichert und zudem zu 70 % beihilfeberechtigt. Meine Krankenversicherung teilte mir mit, dass zwischen ihr und dem schwedischen Staat keinerlei Vereinbarung über Ausgleichszahlungen bestehe. Ich könnte aber sämtliche Arztrechnungen wie bisher als Selbstzahler bei meiner Kasse einreichen und bekäme das Geld erstattet. Dieses System kennt man aber in Schweden nicht.

    Ich weiß einfach nicht, an wen ich mich in diesem Fall wenden kann. Meine Krankenversicherung meinte, ich könne aus der Versicherung heraus bzw. sie ruhend stellen. Aber ich zahle in Schweden keine Einkommenssteuer.

    Ich wäre SEHR dankbar, wenn man mir sagen könnte, von wem ich eine verbindliche Auskunft erhalten könnte.

    • Ramona Heuckendorf 13. September 2021 at 14:06 #

      Hallo,

      die Aussage Ihrer (wahrscheinlich) privaten Krankenversicherung ist tatsächlich richtig so. Private Krankenversicherungen dürfen für ihre Versicherten kein S1-Formular ausstellen, dies ist nur den gesetzlichen Krankenversicherungen vorbehalten. Ehemalige Beamte müssen sich von ihrer Krankenversicherung dann die „Bescheinigung des Anspruchs zu Krankheits- und Mutterschaftsleistungen für Personen die sich außer-halb Deutschlands in einem Mitgliedsstaat der EU, dem EWR oder der Schweiz befinden“ ausstellen lassen, um in Schweden folkbokförd zu werden. Diese Bescheinigung erfüllt letztendlich den gleichen Zweck, nur dass die Träger nicht direkt untereinander abrechnen (können). Wichtig ist aber, dass das skatteverk diese Bescheinigung als Ersatz für das sonst übliche S1-Formular anerkennt. …und dass tut man ja.

      Nach dem Erhalt der personnummer soll es bei pensionierten Beamten dann tatsächlich so gehandhabt werden, dass die försäkringskassa dem Inhaber der personnummer die in Anspruch genommenen Leistungen aus dem Gesundheitssystem in Rechnung stellt. Der Pensionär zahlt diese dann zunächst selbst und reicht die ihm so entstandenen Kosten bei seiner Krankenversicherung (30 Prozent) und der Beihilfe (70 Prozent) ein. Also genau wie in Deutschland auch. Die Rechnungen werden also nicht vom Arzt ausgestellt, sondern von der försäkringskassa. Ob dies dann tatsächlich auch so gehandhabt wird, steht zunächst einmal auf einem anderen Blatt.

      Dennoch würde ich die Krankenversicherung keinesfalls kündigen oder ruhend (Anwartschaft) stellen, sollte Ihnen die försäkringskassa dann tatsächlich einmal eine Rechnung schreiben, müssten Sie diese aus eigener Tasche bezahlen, zumindest die 30 Prozent, die Sie dann nicht an Ihre PKW weiterreichen können.

      Wir können uns zu dieser Thematik sehr gern auch telefonisch verständigen. Denn außerdem sind nämlich auch einige Dinge hinsichtlich der Pflegeversicherung bei ehemaligen Beamten zu beachten, da erteilen die deutschen PKV mitunter auch falsche Auskünfte. Mein Lebensgefährte ist ebenfalls pensionierter Beamter und hat sich mit der Gesamtproblematik ausgiebig beschäftigt. Schreiben Sie mir bitte eine E-Mail und teilen mir Ihre Telefonnummer mit, sofern in dieser Sache Gesprächsbedarf besteht.

      • Bettina Krause 16. September 2021 at 13:22 #

        Hallo,
        die deutsche Krankenversicherung wirkt nur, wenn Du aus verschiedenen Gründen pflichtversichert bist, z.B. als Rentner. Wir sind vor 2 Jahren als Rentner dauerhaft nach Schweden gegangen und hatten im Vorfeld bereits Kontakt zur Krankenkasse UND zum Rententräger. Von der Rente werden bereits in Deutschland die normalen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung einbehalten und dem entsprechenden EU-Fonds zugeführt. Es ist bei der Anmeldung in Schweden sehr wichtig, sowohl ein Dokument über die Höhe der (Netto) Rente vorlegen zu können als auch das benannte Dokument der Krankenkasse. Die Erteilung des Daueraufenthaltes für Rentner ist auch abhängig vom monatlichen Einkommen. Schweden setzt pro Person 1200 EUR an und betrachtet dabei unverheiratete Paare (sambo) wie verheiratet.
        Auch wenn alle Dokumente bei der Anmeldung vorliegen und der Aufenthalt u.a. mit Vergabe der Personennummer bestätigt wird, heißt es nicht, automatisch bei försäkrinkskassa gemeldet zu sein. Das ist erst der Fall, wenn von dort ein entsprechender Brief gekommen ist. Es wird damit aber keine medizinische Versorgung versagt , es kann nur sein, dass man in (nicht unerhebliche) Vorkasse gehen muss. Die Rückzahlung des Stützbeitrages (staatlicher Anteil) ist aber dann unproblematisch. Grundsätzlich ist man in Schweden immer mit einem Eigenanteil dabei, der pro Jahr aber gedeckelt ist. Das trifft auch für rezeptpflichtige Medikamente zu.

        Zur Steuerzahlung als Rentner noch ein Hinweis, da dies in den nächsten Jahren auf immer mehr Rentner in Deutschland zutreffen wird. Wer nur Steuer auf die Rente zu zahlen hat und keine weiteren steuerpflichtigen Einnahmen aus Deutschland bezieht, kann mit dem Finanzamt ein vereinfachtes Steuerverfahren vereinbaren. Hierzu ist zwar auch ein Dokument von skatteverket einzuholen, die bestätigen müssen, dass man tatsächlich in Schweden auch keine steuerpflichtigen Einkünfte bezieht aber das war unkompliziert, da das Formular aus Deutschland dazu hier nicht unbekannt ist. Dann bekommt man aus Deutschland von Finanzamt einen Steuerbescheid mit einer Angabe für die 4x jährlich zu zahlende Steuer, ohne die jährliche Erklärung machen zu müssen.

        Unabhängig von der aus Deutschland „nachwirkenden“ Krankenversicherung kann man sich in Schweden natürlich auch privat versichern. Das macht für „normale“ Rentner auf Grund der Kosten aber wenig Sinn. Empfehlen können wir aber schwedische Unfallversicherungen, die es für auch speziell für Rentner gibt. Sie sind sehr günstig und decken auch teilweise Kosten für Krankenhaus, Ersatzbeschaffung mit Hilfsmitteln etc ab. Am besten die schwedische Versicherung des Vertrauens kontaktieren.

        • Ramona Heuckendorf 17. September 2021 at 11:36 #

          Hallo Bettina,

          vielen Dank für diesen Beitrag, der neben den Hinweisen zur Krankenkasse auch noch nützliche Angaben zu den Steuermodalitäten für deutsche Altersrentner in Schweden enthält. Um vielleicht Missverständnisse zu vermeiden möchte ich an dieser Stelle noch anfügen, dass mit der einer Pflichtversicherung in der deutschen Krankenversicherung nicht nur die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) gemeint ist, in der man nach Erfüllung einer festgelegten Vorversicherungszeit automatisch aufgenommen wird und die dann die Kosten des Rentners für die Inanspruchnahme des Gesundheitssystems in Schweden übernimmt.

          Auch Deutsche, die finanziell unabhängig sind und sich in Schweden dauerhaft niederlassen möchten, können sich je nach Voraussetzung privat krankenversichern oder auch freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert bleiben. Diese Personen können dann, genauso wie die deutschen Altersrentner auch, das schwedische Gesundheitssystem im vollen Umfang nutzen. Die jeweiligen Kosten werden auch in diesem Fall von der in Deutschland ansässigen privaten bzw. gesetzlichen Krankenkasse ausgeglichen. So ist es bei meinem sambo und mir.

  4. Jens Bernhardt 13. September 2021 at 14:08 #

    Die Kernfrage ist tatsächlich: wie geht das bei in Deutschland privat Versicherten, die in Schweden zwar dann Einkommensteuern zahlen, aber nicht arbeiten. Interessefrage, möchte nicht auswandern.

    • Elke Friedrich 13. September 2021 at 14:43 #

      Wenn ich in Schweden nicht arbeite, dann zahle ich dort auch keine Einkommenssteuer.

  5. Ulrich Piethe 14. September 2021 at 7:57 #

    Hallo zusammen, sehr interessanter Bericht. Meine Frau und ich wollen 2022 ein Haus in Schweden kaufen und bis 2025 dahin auswandern. Meine Frau ist Angestellte und in einer GKV versichert. Da sie dann in Schweden weiter arbeitet, sollte das problemlos funktionieren. Ich bin selbstständig in der IT und werde mich – sofern ich keinen Job finde – in Schweden selbstständig machen. Besteht dann die Möglichkeit (werde im Oktober 2021 56 Jahre), dass ich meine deutsche PKV kündigen kann? Vielen Dank!

    • Ramona Heuckendorf 14. September 2021 at 10:33 #

      Hallo,

      sofern man in Schweden einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgeht zahlt man über seine Einkommenssteuer auch in das Sozialsystem ein. Dies ist in einem Angestelltenverhältnis der Fall aber auch wenn man in die Selbständigkeit geht. Als Selbständiger hat man dann mit Aufnahme in die försäkringskassa auch Anspruch auf Krankengeld. Jedoch würde ich vor einer geplanten Kündigung der deutschen PKV auf eine verbindliche Mitteilung der försäkringskassa warten, dass ich auch tatsächlich Anspruch auf diese und weitere Leistungen habe. Eine doppelte Krankenversicherung ist unzulässig und darum wird man auch ohne Weiteres die deutsche PKV kündigen können und die Beiträge der Überlappungszeiten von denen auch zurückerstattet bekommen.

      Die Einladung zu Vorsorgeuntersuchungen oder wie demnächst zu Corona-Impfaktionen ist noch lange kein Zeichen dafür, dass man in das schwedische Sozialversicherungssystem aufgenommen wurde. Diese Leistungen stehen jedem in Schweden Ansässigen zu; dies wird für eingewanderte EU-Bürger über die in diesem Beitrag bereits mehrfach erwähnten EG-VO geregelt.

  6. Christer Nyström 15. September 2021 at 18:33 #

    Hej. Ich habe eine Frage: wie ist es, wenn ich alt bin und gern in einem schwedischen Altersheim wohnen möchte: muss ich einen höheren Betrag bezahlen? Und müssen meine Kinder dazuzahlen? Denn für Schweden sind die Beiträge für Altersheime extrem niedriger als in Deutschland, und die Kinder brauchen nicht einzahlen für mich.

    • Ramona Heuckendorf 16. September 2021 at 12:17 #

      Hej Christer!

      Die Zahlung bei Pflegebedürftigkeit ist innerhalb der EU natürlich ebenfalls geregelt. Es werden an Pflegebedürftige mit Wohnsitz im EU-Ausland jedoch nur das Pflegegeld und nicht die Pflegesachleistungen gezahlt. Bestätigt wurde dies im Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 16. Juli 2009 (C-208/07). Bei einem Wohnsitz außerhalb der EU werden keine Leistungen von der deutschen Pflegeversicherung erbracht.

      Deutschland hat sich dazu entschieden, dass Leistungen der Pflegeversicherung bei längerem Aufenthalt des Pflegebedürftigen nicht ins Ausland exportiert werden. Bei Wohnsitz in einem EU-Land können die dem deutschen
      Sozialversicherungssystem angehörigen Personen grundsätzlich nur solche Leistungen beanspruchen, wie sie auch den Versicherten in diesem Land gewährt werden. Maßgeblich ist somit in Ihrem Fall das System in Schweden. Im Rahmen der so genannten „Sachleistungsaushilfe“ durch den Träger in Schweden (dies ist bei Pflegeleistungen die jeweilige Kommune in Schweden) rechnen dann die Träger untereinander die für die Versicherten eines anderen Systems bereitgestellten Leistungen ab. Auch hier gilt, genau wie bei der Krankenversicherung auch, dass sich Schweden für einen Pauschalbetrag entschieden hat.

      Gewährt ein EU-Staat seinen Bürgern beispielsweise gar keine Pflegesachleistungen, dann besteht auch kein Kostenerstattungsanspruch für Pflegesachleistungen gegenüber der deutschen Pflegeversicherung. So etwas kann in Einzelfällen sehr teuer für den deutschen Auswanderer werden, oder im Falle des Wohnsitzlandes Schweden auch günstiger im Vergleich mit dem deutschen Zuzahlungssystem.

      Durch diese, in der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 verankerte Sachleistungsaushilfe nach dem Wohnsitz- bzw. Aufenthaltslandprinzip ist gewährleistet, dass die Bewohner desselben Aufenthaltslandes tatsächlich auch die gleichen Leistungen erhalten. Mit dieser Regelung ist dann auch der Grundsatz der Inländergleichbehandlung gewährleistet, die sich ja gemäß dieser Verordnung auch auf die Krankenversicherung bezieht. Hinsichtlich des Pflegegeldes kann jedoch eine Ausnahme gewährt werden, so können Versicherte der sozialen Pflegeversicherung bei einem Aufenthalt in EU-Ländern das Pflegegeld zeitlich unbefristet erhalten, sofern Pflegebedürftigkeit vorliegt.

      Eine weitere Ausnahme gibt es hinsichtlich der Sachleistungsaushilfe dann aber noch, die bei privat versicherten beihilfeberechtigten Personen gilt. Diese Menschen haben einen Anspruch auf Kostenerstattung von Pflegesachleistungen bis zur Höhe der im Recht der Pflegeversicherung (SGB XII) vorgesehenen Leistungsbeträge, wenn der Versicherte sich nicht für das Pflegegeld entschieden hat.

      Wenn Sie noch nicht in Schweden wohnen und sich aufgrund der geringeren Kosten erst im Alter dazu entscheiden von Deutschland aus direkt in ein schwedisches Altersheim zu ziehen, könnte es schwierig werden. Zum einen sind die Plätze in derartigen Einrichtungen auch in Schweden knapp und man setzt auch hier darauf, dass ältere Menschen so lange wie möglich in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung verbleiben und dort dann im Bedarfsfall über ambulante Pflegedienste versorgt werden. Zum anderen müsste man vorher wahrscheinlich auch in Schweden mit seinem Hauptwohnsitz registriert sein, weil für die Inanspruchnahme von Pflegesachleistungen über die Kommune die berühmte personnummer für einen zu pflegenden Menschen vorhanden sein muss.

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