Fårö – die kleine Schwester von Gotland

Foto: Diane

Nach kurzer 5-minütiger, kostenloser Überfahrt durch den Fårösund erreicht man mit der Autofähre die kleine nordöstlich von Gotland gelegene Insel Fårö. Bereits nach wenigen Metern hat man das Gefühl in einem anderen Jahrhundert angekommen zu sein. Die Bauernhäuser sehen ursprünglicher aus als auf Gotland und viele Schafställe und Wohngebäude sind mit Schilfgras sog. Reet bedeckt. Die Landschaft ist karg, hat aber durchaus ihren Charme. Sie zeigt wie Gotland vor ungefähr 100 Jahren ausgesehen hat, vor der Zeit der großen Entwässerungen. Einerseits prägen baumlose Kalksteinflächen die Landschaft auf der anderen Seite finden sich Kiefernwälder und wunderschöne, einsame Sandstrände.

Kleine Äcker und Schafweiden, eingerahmt durch Kalksteinmauern prägen die Kulturlandschaft. Überhaupt spielen Schafe für die Insel eine wichtige Rolle. Außerhalb der Urlaubszeit gibt es mehr Schafe als Einwohner auf Fårö. Heute ist die Kombination aus Schafzucht und Tourismus die wichtigste Einnahmequelle der Insulaner. Bis Mitte der 90er Jahre konnten Ausländer das militärische Sperrgelände auf Fårö nur mit Genehmigung aufsuchen.

Der wohl bekannteste Bewohner Fårös ist der 2007 verstorbene und auf dem kleinen Friedhof der Inselkirche begrabene Ingmar Bergman. Er entdeckte die Insel in den 60er Jahren und fühlte sich dort sehr wohl. Er suchte einen Drehort für seinen Film „Wie in einem Spiegel“ und wurde auf Fårö fündig. 1965 wurde der Film „Persona“ dort teilweise gedreht und Bergman baute mit Liv Ullmann, in die er sich bei den Dreharbeiten zu diesem Film verliebte, sein Haus in unmittelbarer Nähe zum Drehort direkt ans Meer. Im Laufe der Jahre kaufte der Regisseur immer neue Ländereien und Gebäude hinzu und viele seiner neun Kinder verbrachten auch ihre Ferien auf der Insel. Die einheimischen Insulaner verehrten ihren berühmten Bewohner und verrieten den neugierigen Fans nicht wo er wohnte.

Foto: Diane

Ende Juni / Anfang Juli findet die jährliche Bergmanveckan (Bergmanwoche) auf der Insel statt. Das Festival zeigt ein Programm aus Seminaren, Ausstellungen und Filmvorführungen im Sudersandsbion (Sudersand Kino). Bergman selbst drehte 2 Dokumentarfilme über die Insel und produzierte mehrere Filme und eine Fernsehserie auf Fårö. Darüber hinaus eröffnet dieses Jahr ein Bergmancenter in der Schule von Fårö.  Über die Sommermonate kann man mehrere Ausstellungen sowohl über Bergmans privates als auch professionelles Leben besichtigen.

Eine weitere Berühmtheit der Insel sind die Raukgebiete von Langhammaren und Digerhuvud.  Letzteres ist Schwedens  größtes Raukargebiet. Mehrere Kilometer lang kann man die von der Natur geformten Steinskulpturen im Wasser bestaunen, die bis zu 8 m hoch sein können. Im nördlichen Teil der Insel liegt ein Dünenreservat Ulla Hau genannt. Die ehemalige Wanderdüne ist heute mit Kiefern bewachsen und ebenfalls ein sehenswertes Naturschutzgebiet.

Einer der größten und schönsten Strände ist Sudersand. Hier verbrachte Olaf Palme einen Urlaub, bevor er ermordet wurde.

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Die achtgrößte Insel Schwedens weist einen einzigartigen Charakter auf und ist wegen ihres hohen Natur- und Kulturwertes vom Schwedischen Reichstag als Reichsinteresse ausgewiesen worden.

Autorin: Diane – dianet@gmx.de

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