Blekinge – Land des ruhigen Wassers

In Selma Lagerlöfs „Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ heißt es: „Småland ist ein hohes Haus,“ begann der Lehrer, „mit Tannen auf dem Dache; vor dem Hause aber ist eine breite Treppe mit drei Stufen, und diese Treppe wird Blekinge genannt.“ ¹ Blekinge, im Südosten des Landes, umrahmt von Skåne, Småland und der Ostsee scheint wie das wahr gewordene Traumbild Schwedens. Die vielfältige Natur, Dörfer und Gehöfte in hügeliger bewaldeter Landschaft, malerische Fischerdörfer, historische Orte auf kleinem Raum zeichnen die Provinz als „Garten Schwedens“ aus.

Das alte Ronneby. Foto: Jonas Bengtsson / flickr.com , (CC BY 2.0)

Das alte Ronneby. Foto: Jonas Bengtsson / flickr.com , (CC BY 2.0)

 

Was heute wie ein „gepflegter Garten“ erscheint, war jahrhundertelang Grenzregion zwischen Dänemark und Schweden, Ort blutiger Schlachten. Mensch und Land waren immer wieder Plünderungen und Brandschatzungen ausgesetzt, von dänischer wie schwedischer Seite. Infolge des Friedens von Roskilde 1658 fiel Blekinge gemeinsam mit Schonen und Halland an Schweden. Während der schwedischen Großmachtzeit blühte die für kurze Zeit Region auf, fiel dann aber in seiner Entwicklung gegenüber den anderen Landesteilen zurück. Die damals dominierende Landwirtschaft gehört heute noch als wichtiger Faktor zum Landschaftsbild, ebenso der Fischfang. Blekinge ist aber auch moderner Industriestandort. Neben Volvo, als einem der Hauptarbeitgeber, gibt es vor allem kleine und mittelständische Unternehmen. Blekinge hat eine führende Stellung im Bereich der Informationstechnologie. Zudem lebt Blekinge vom Tourismus. Der heutige Blekinge län entspricht der historischen Provinz Blekinge und ist beliebtes Reiseziel.

Die Provinz Blekinge oder die Treppe, wie sie Selma Lagerlöf auf wunderbare Weise beschreibt, erstreckt im Südosten Schwedens knapp 100 Kilometer von West nach Ost und etwa 30 Kilometer von Ostsee im Süden nach Norden. Mit rund 3000 km² nimmt Blekinge län 0,7% des Staatsgebiets ein und ist die kleinste der 21 Regionen. Gleichzeitig zählt die südliche Provinz mit insgesamt etwa 152.000 Einwohnern (51 Einwohner pro Quadratkilometer) zu den dichtest besiedelten Gebieten Schwedens. Blekinge ist in fünf Kommunen unterteilt, Hauptort ist Karlskrona. Die Marinestadt an der Hanöbucht mit ihren früheren Werften und Verteidigungsanlagen ist UNESCO-Weltkulturerbe.

 

Nicht weniger sehenswert sind die anderen Städte: Das historische Karlshamn mit seinem alten Holzhäusern, Ronneby mit Kuranlage und Brunnspark, dem schönsten Park Schwedens 2005 oder Sölvesborg. Das alte Städtchen an der Grenze zu Skåne zieht nicht nur mit seinem mittelalterlichen Stadtkern Besucher an. Alljährlich findet in der Nähe das Sweden Rock Festival statt. Vom 8. bis 11. Juni ist es wieder soweit.

Marinemuseum Karlskrona. Foto: Marinmuseum / flickr.com, (CC BY 2.0)

Marinemuseum Karlskrona. Foto: Marinmuseum / flickr.com, (CC BY 2.0)

 

Olofström, im Nordwesten Blekinges, ist die einzige Kommune der Region ohne Ostseeküste. Dafür lassen sich in der Heimat der Nobelpreisträger Harry Martinson und Sven Edvin Salje weitläufige Wälder durchstreifen, ausgedehnte Paddel- oder Radtouren unternehmen. Zudem kann man im nordwestlichen Zipfel Blekinges die höchste Erhebung der Provinz erklimmen – den Rävabacken mit 189 Metern über dem Meeresspiegel.

 

Das Bild der Treppe vor Augen, ist der höher gelegene Norden mit kargen Böden und felsiger Landschaft die oberste Stufe. Nadelwälder und Sumpfgebiete sind hier prägend. Folgt man der sich langsam nach Süden und Osten senkenden Landschaft nehmen Laubwälder mit Buchen, Linden oder Ahorn, Wiesen und Felder zu. Bis hin zu den ertragreichen Böden des waldreichen Küstenstreifens mit seinen Buchten und den vorgelagerten Schären, sanft umspült von der Ostsee. Hier lässt sich erahnen, woher die Region ihren Namen hat.

 

Blekinge leitet sich von „bleke“ ab, was sich mit „Windstille“ übersetzen lässt oder – etwas poetischer – „ruhiges Wasser“.

Der Mörrumsån. Foto: Guillaume Baviere / flickr.com, (CC BY 2.0)

Der Mörrumsån. Foto: Guillaume Baviere / flickr.com, (CC BY 2.0)

 

„Ruhiges Wasser“ ist aber nicht allein der Küste vorbehalten. Im Hinterland gibt es eine Vielzahl von Seen, etwa 950. Daneben werden zwölf Flüsse gezählt, die mal still durch die Täler und Hügellandschaft fließend, an anderer Stelle gebaren sie sich als reißende Naturgewalt. Die Flüsse und Seen bieten gute Vorraussetzungen für Angler. Hier sei der Mörrumsån hervorgehoben, einer der bekanntesten Lachsflüsse Schwedens, der sich aber auch für Kanu- oder Kajaktouren anbietet. Ob zu Wasser, per pedes, auf dem Fahrradsattel oder hoch zu Ross: Die ausgedehnten Wälder, fischreiche Fluss und Seenlandschaften, Pilzgebiete, die Kulturlandschaft mit ihren roten Holzhäusern, Obstgärten oder die Schärenlandschaft lassen sich auf mannigfaltige Weise entdecken.

 

Das sonnige und trockene Klima bringt eine Blütezeit von etwa 240 Tagen im Jahr mit sich – im „Garten Schwedens“.

 

 

¹ Lagerlöf, Selma: Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen. Ein Kinderbuch., January 29, 2010 [EBook #31114], S.63, www.gutenberg.org/files/31114/31114-h/31114-h.htm#kap7

 

Autor(in): Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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