Stadtbummel durch Karlskrona: Marinehafen und Marinewerft

Karlskrona Repslagarbanan

Schwedens längstes Holzhaus und Welterbe: Die Repslagarbanan. Die „Reeperbahn“ auf Lindholmen, Karlskrona. Foto: Boatbuilder /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Im Schutz der Schären, Bastionen und dicker Mauern liegen im Süden der Insel Trossö Marinehafen und Marinewerft. Seit 300 Jahren Basis der schwedischen Marine und Herzstück(e) des Welterbes „Marinestadt Karlskrona“.

Einst führten Gleise vom Bahnhof unter dem Herzen – des zivilen – Karlskronas, dem Stortorget, durch den heutigen Admiralitätspark bis zur Marinebasis im Süden Trossös. Besucher die den Spuren dieser „geheimen“ Linie bei einem Stadtbummel durch Karlskrona folgen, erreichen bald das Tor zum Welterbe Örlogshamnen und Örlogsvarvet, zum Marinehafen und der Marinewerft, die 1684 von Vämö nach Trossö verlegt wurde.

Zugang bei einer geführten Tour

Das Tor ist die Högvakten, die 1821 bis 1826 erbaute Hauptwache. Das einzige dem zivilen Karlskrona zugewandte historische Gebäude der Marinebasis. Gewacht wird nach wie vor, dem Stadtbummel auf eigene Faust sind Grenzen gesetzt – Hafen und Werft sind Militärgebiet. Wo früher stolze Segelschiffe lagen, gebaut, gewartet wurden sind heute die 1. U-Boot-Flottille und die 3. Kriegsmarineflottille mit ihren Korvetten, Minensuchern und Patrouillenboote beheimatet. Das Bild der Schiffe hat sich verändert – einst aus Holz, später Stahlkolosse, mittlerweile findet Kohlefaser Verwendung. An der Kulisse lassen sich drei Jahrhunderte schwedische Marinegeschichte und Schiffsbautechnik ablesen. Gästen bietet sich diese Chance bei einem geführten Bummel durch Hafen- und Werftareal. Eine füßeschonendere Variante ist die Entdeckung vom Wasser aus. Im Sommer finden regelmäßig geführte Touren statt. Auskünfte gibt es im Touristenbüro bzw. unter www.visitkarlskrona.se  Speziell an Gruppen richtet sich ein Angebot des Marinemuseums.

Zur „Reeperbahn“ von Karlskrona

Repslagarbanan innen

Im Inneren der Repslagarbanan. Foto: Boatbuilder /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Hinter dem bewachten Zugang breiten sich der Marinestützpunkt im östlichen Bereich, die Gamla varvet und das durch die Varvsmuren von der Stadt abgegrenzte westliche Werftgebiet aus. Alte Werft und Hafen erstrecken sich bis nach Lindholmen und der früheren Insel Söderstjärna im Süden.

Die meisten der erhaltenen historischen Gebäude wie die Inventarkammer Nr.1 oder die Modell- und Musterräume – die untere Etage für die Musterung der Mannschaften, im oberen Stockwerk ein Raum für die auf der Werft gebauten Schiffe – und technischen Anlagen stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Zu den ältesten Bauwerken gehören die Kielholwerft und das alte Schiffsdock an der Durchfahrt vom Hafen nach Lindholmen. 1685-86 errichtet.

Auf Lindholmen wurde unter Leitung des Wissenschaftlers und Erfinders Christopher Polhem ein Dock aus dem Fels gesprengt. Das Polhemsdock entstand zwischen 1716 und 1724 und misst nach mehreren Ausbauten 74,2 m in der Länge, 16,3 m in der Breite und ist 4,8 m tief. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren 270 Mann nötig um das Dock im zu entwässern. Trotz drei Schichten dauerten die Arbeiten vier Tage. Mechanische Pumpen schufen Abhilfe. Neben diesem auch als „achtes Weltwunder“ bezeichneten Bauwerk befindet sich auf der Insel der Wasa-Schuppen. Benannt nach dem 1778 gebauten Linienschiff „Wasa“ bot der „Schuppen“ Raum zur Fertigung von Kriegsschiffen mit bis zu 70 Kanonen.

Karlskrona Finska kyrkan

Die „Finnische Kirche“ auf Söderstjärna. Foto: Boatbuilder /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Zudem auf Lindholmen ein zweistöckiges 300 m langes Gebäude – die Repslagarbanan. Auf Deutsch: die Reeperbahn. Dabei handelt es sich nicht um eine überdachte Amüsiermeile für Seeleute und Werftarbeiter, sondern um die Seilerei, in der das Tauwerk für die Kriegsschiffe gefertigt wurde. Der Bau ist einer der ältesten in Karlskrona und Schwedens längstes Holzhaus.

Einige Schritte weiter östlich, nun auf Söderstjärna, alleinstehend ein helles Gebäude: die „Finnische Kirche“. Hier wurde das Tauwerk geteert. Wer dieses feuergefährliche Handwerk verrichten „durfte“, lässt sich unschwer am Namen erkennen.

Im westlichen Werftgebiet

Außer der alten Mauer gehören im westlichen Werftgebiet der markante 42 m hohe alte Mastkran und das Femfingerdockan zum historischen Erbe. Von einst 31 geplanten Trockendocks in strahlenförmiger Anordnung wurden fünf fertiggestellt und bescherten dem technischen Werk die Bezeichnung 5-Fingerdock.

Gamla mastkranen Karlskrona

Alt und neu: Alter Mastkran im westlichen Teil der Marinewerft. Daneben ein neuere Ausführung. Foto: Boatbuilder /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Weitere Bauwerke im Marinehafen und Marinewerft sind Bildhauerwerkstatt, die Materialkammern I und III, die Hogvinden – einst zur Lagerung von Holz im Wasser, später zur Aufbewahrung kleinerer Boote – sowie das Chapman-Tor und das im Stil eines Herrenhauses erschaffene Heim des früheren Werftleiters und Modernisierers Fredric Henric af Chapman. Heute bewohnt das Haus der Leiter des Marinestützpunkts im lebendigen Weltkulturerbe von Karlskrona.

Eine bebilderte Auflistung mit kurzer Beschreibung der einzelnen Bauwerke und Anlagen mit Welterbestatus in Marinehafen und Marinewerft bietet www.karlskrona.se/varldsarvet-orlogsstaden-karlskrona/.

 

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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