Wesen der nordischen Mythologie

Ein Hof-Tomte in der Vorstellung der Künstler Johan Thomas Lundbye und Andreas Flinch.

In Schweden sind Teile der alten nordischen Mythologie noch lebendig: Neben Relikten der nordisch-germanischen Mythen halten sich vor allem Märchen- und Sagengestalten in Erinnerung. Sie haben im Laufe der Geschichte Künstler inspiriert, Sitten und Bräuche geformt – und sie tauchen bis heute in Redensarten und Gute-Nacht-Geschichten auf.

So etwa Tomte, eigentlich eine Art graues, ernsthaftes Heinzelmännchen, das „ehrenamtlich“ und ungesehen auf dem Bauernhof arbeitet. Im Volksglauben bewacht der Tomte seit jeher den Stall und das Vieh. Allerdings ist der Tomte seit neuerer Zeit eine Art skandinavischer Weihnachtswichtel, der die Geschenke verteilt. Ihm wird als Dank dafür ein Teller Grütze spendiert, den man auf der Türschwelle abstellt. In einigen Haushalten Schwedens steht zur Weihnachtszeit deshalb ein Teller Grütze vor der Tür.

„Huldra des Frühlings“ – Gunnar Nilsson-Skulptur im Botanischen Garten Göteborg. Foto: Averater, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org

Nicht ganz so nett dagegen ist die Skogsvrå oder Huldra, eine wunderschöne junge Frau, die im Negligee durch den Wald läuft. Welch Wunder, dass ihr in allen Geschichten gerne junge Männer folgen! Hat Huldra sie weit genug in den Wald gelockt, bleibt die Schönheit endlich stehen … und verwandelt sich umgehend in einen hohlen Baum! Der ausgetrickste Mann findet nicht wieder zurück und wird früher oder später „Bärenfrühstück“…

Aber nicht nur schwedische Männer werden von mythologischen Wesen verführt! Für die Damenwelt gibt es auch etwas zu gucken: Sehr ansehnlich soll der Näcken sein: ein Adonis, der splitterfasernackt mitten in Wildbächen steht und schöne Lieder auf seiner Fiedel spielt! Will ihn die angelockte Frau näher kennenlernen, treibt sie bald schon als Wasserleiche den Fluss hinunter!

Naja, im Wald muss man ja nicht unbedingt Huldra oder Näcken begegnen … ein Troll tut es auch. Diese Wesen lauern hinter dicken Bäumen und Steinen auf den harmlosen Wanderer und verwandeln ihn in einen Nachmittagssnack. Das Überraschungsmoment einer „Troll-Begegnung“ ist in einige schwedische Sprichwörter eingeflossen. So wird das deutsche „Wenn man vom Teufel spricht…“ entsprechend auf die Trolle gemünzt: „När man talar om trollen… (så står de i farstun)“.

Riesen und Freya

Riesen sollen schon die Göttin Freya entführt haben. Illustration von Arthur Rackham.

Angler müssen wissen, dass es in der nordischen Mythologie auch den Trollfisk gibt, ein schreckliches Seeungeheuer. Und in manchen Gewässern, etwa dem Södreg-See, gibt es nach altem Volksglauben sogar einen Drake oder Lindorm, beides weithin „bekannte“ Drachenarten. Der Storsjön-See dagegen hat das Untier Storsjö-Odjuret, eine gehörnte Riesenschlange. 1894 versuchte die lokale Bevölkerung, die Schlange mit einem Käfig zu fangen. Vergeblich…! Immerhin steht der Käfig bis heute im Museum von Östersund.

Die Riesen in den Bergen sollte man verständlicherweise meiden, denn sie haben sich schon vor Urzeiten mit keinen geringeren als den Göttern angelegt! In unmittelbarer Nachbarschaft zu den Riesen wohnen unansehnliche Vättar (Wichtel) und Zwerge. Letztere sind nach der nordischen Mythologie hauptsächlich im Bergbau und der Eisenverarbeitung tätig. Durch ihren unterirdischen Arbeitsplatz sind sie selten zu sehen, und wenn sie nicht mal nicht unter Tage sind, setzen mythologische Zwerge oft ihre „Tarnkappe“ auf. Zwerge gelten im Volksglauben als verschlagen und missmutig, vor allem, wenn jemand ihnen auf die Nerven geht. Zum Beispiel Elfen, die auf Lichtungen tanzen…

Klingt alles wie „Herr der Ringe“? Genau! Denn ohne Zweifel schöpfte Tolkien – und viele andere Autoren – viele seiner Ideen aus dem reichen Schatz der nordischen Mythologie.

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