Umeå – die Stadt der Birken

„Gibts da oben überhaupt irgendwas?“ – das ist die übliche Reaktion, die ich bekomme, wenn ich die Lage meiner Wahlheimatstadt Umeå beschreibe: Gut 500 km Luftlinie nördlich von Stockholm.

Und genau zwischen diesen beiden Städten konnte ich wählen, als ich mich im Skandinavistikstudium nach möglichen Austausch-Unis erkundigte. Da ich lieber „richtiges Schweden“ als Großstadtflair erleben wollte, wählte ich die 110 000 Einwohner beherbergende Stadt – und bekam genau, was ich wollte: Klirrend kalte Winter, 20 Stunden Dunkelheit pro Tag und Unmengen an Schnee.

Der Name „Umeå“ ist eine Ableitung der alten Bezeichnung für den Fluss Uma, der nunmehr als Ume-älv die Stadt durchquert und sich seinen Weg ins Meer bahnt.

Bei einem Großbrand im Jahre 1888 stoppte ein kleines Birkenwäldchen die weitere Ausbreitung der Flammen und als Schutzmaßnahme wurden danach überall in der Stadt Birken angepflanzt, daher auch der Name „Björkarnas stad“.

Die Universität Umeå beherbergt viele unterschiedliche Fakultäten und der Zulauf ist mit gut 29000 Studenten dementsprechend groß. Mit den vielen Austauschstudenten und Einwandererfamilien hat sich Umeå zu einer bunten, modernen und vor allem jungen Stadt entwickelt. Ein Flugplatz, Anknüpfung an die Europastraße E4 und die im Enstehen begriffene Botniabahn machen Umeå leicht erreichbar und man fühlt sich hier absolut nicht so „weit ab vom Schuss“ wie beim Blick auf die Landkarte vielleicht anzunehmen wäre.

Nennenswert ist vor allem die aktive Kulturszene: Jährliche Musik- und Filmfestivals (Jazzfestival, Filmfest, Umeå Open, House of Metal…) sind nur die Spitze des kulturellen Angebots. Das Bildmuseum stellt moderne Kunst aus, während das Freilichtmuseum Gammlia sich auf die Wurzeln schwedischer und samischer Lebensart rückbesinnt. Architektonisch interessant sind das Rathaus, die Stadskyrka aus dem 17. Jahrhundert und mittlerweile auch die Universität, die soeben renoviert wird.

Umeå wird eindeutig geprägt von jungen Familien und Studenten. Im Sommer ist die Stadt wochenlang wie ausgestorben, da der Großteil der Studierenden aus anderen Teilen Schwedens oder dem Ausland stammt. Doch genau in dieser kurzen Zeit offenbart sich die wirkliche Schönheit der Stadt und man merkt wie alles aufatmet und aufblüht – im Fall der Vegetation sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Der Sommer in Umeå ist kurz, aber intensiv und während im Winter die Temperaturen auf bis zu 30 Grad unter Null sinken können, wird nun der gleiche Wert im Plusbereich erreicht. Und wer sich einmal 400 km vom Polarkreis entfernt einen Sonnenbrand geholt hat – der will hier vielleicht nie wieder weg. Zumindest bis zum nächsten Winter.

(Autor: Birgit Breinhölder)
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