Uppsala

Ganz schön alt – Gamla Uppsala

Die Kirche mit dem Grab von Anders Celsius

Die Kirche mit dem Grab von Anders Celsius

Etwa siebzig Kilometer nördlich der schwedischen Hauptstadt Stockholm liegt Uppsala. Die meisten Schwedenfans kennen Uppsala als Universitätsstadt mit durchaus sehenswertem Stadtkern. Doch nur wenige Kilometer weiter nördlich liegt Gamla Uppsala, gemeinhin mit Alt-Uppsala übersetzt. Was auch so stimmt, denn Gamla Uppsala ist nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, die Altstadt von Uppsala, sondern deren direkte Vorgängerin.

Ich will euch nicht mit Geschichtsdaten unnötig langweilen. Die findet ihr auch im Internet bei den üblichen Quellen. Ein paar Infos dazu müssen aber doch sein. Denn die Anfänge gehen bis in das fünfte Jahrhundert zurück.

Gamla Uppsala war religiöses und machtpolitisches Zentrum. Die ersten Schwedenkönige regierten von hier aus. Nach der Christianisierung wurde Gamla Uppsala 1164 sogar Erzbischofssitz. Erst nach dem 1240 die Bischofskirche abbrannte, wurde der Bischofssitz 1273 in das heutige Uppsala verlegt. An der Stelle des ehemaligen Bischofssitzes wurde eine sehr viel kleinere Kirche errichtet. Dort ist auch das Grab von Anders Celsius.

Am Rande von Gamla Uppsala findet ihr das riesige Gräberfeld mit etwa 3000 Gräbern aus der Eisenzeit. Außer dem mehrere große Grabhügeln, einem Tinghügel und Bootsgräber aus der Wikingerzeit. Ich erwähne diese Dinge auch nur, weil dieser Beitrag sich im Wesentlichen auf diesen geografischen Bereich konzentriert.

Wenn ihr von der Autobahn E4 kommend in Richtung Gamla Uppsala fahrt und auf dem Weg schöne, alte Häuser oder markante Bauwerke erwartet, werdet ihr enttäuscht werden. Als kleine Entschädigung dafür gibt es jedoch, in Laufentfernung vom Gamla-Uppsala-Museum, das Freilichtmuseum Disagården mit Gebäuden aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. 

Der Eingang zum Gamla-Uppsala-Museum

Der Eingang zum Gamla-Uppsala-Museum

Das findet ihr aber nur, wenn ihr vorher nicht den kleinen Parkplatz des Museums übersehen habt. Sucht euch ein schattiges Plätzchen. Denn bei echtem Interesse werdet ihr mehrere Stunden unterwegs sein. Vielleicht auch eine gute Gelegenheit, vorher den kleinen Verkaufsstand mit frischen Beeren zu besuchen, den man dort regelmäßig finden kann. Die Beeren schmecken wirklich gut, ich kann aber nicht für den biologischen Anbau der Ware garantieren…

Schon vom Parkplatz aus kann man die bereits erwähnte Kirche und die ersten der Grabhügel sehen. Der Zugang zum Gräberfeld und zum Kirchengelände ist jederzeit möglich und frei. Der Eintritt zum Museum kostet 80 Kronen. Einmal bezahlt, könnt ihr das Museum innerhalb eines Jahres so oft besuchen, wie ihr wollt. Und ihr wollt es unbedingt besuchen!

Aus meiner Sicht ist es taktisch am klügsten, zunächst das Museum zu besichtigen. Denn dort ist in den Sommermonaten der Startpunkt für Führungen durch das Museum und über das angrenzende historische Gelände. Ihr solltet die Größe des Geländes und damit auch die Dauer der Führung nicht unterschätzen. Ihr seid eine ganze Zeit unterwegs.

Das erste Hügelgrab in Gamla Uppsala. 70 Meter im Durchmesser

Das erste Hügelgrab in Gamla Uppsala. 70 Meter im Durchmesser

Nehmt ihr nicht an einer Führung teil, dann erhaltet ihr in jedem Fall schon die eine oder andere Information für die spätere Wanderung. Außerdem gibt es dort ein Café für eine kleine Stärkung. Das Museum hat die Form eines Wikinger-Langhauses und ist sehr hell und übersichtlich gestaltet.  Über zwei Etagen bietet es alle Informationen zu den Mythen, Sagen und archäologischen Besonderheiten von Gamla Uppsala. Und sehr interessante Artefakte. Eine Kinderecke gibt es übrigens auch.

Wenn euch die Geschichte dieses Ortes interessiert, solltet ihr wenigstens eine gute Stunde einplanen. Das Museum liegt nur wenige Meter von den großen Grabhügeln entfernt. Auf dem Weg dorthin kommt man unweigerlich am „Sockenmuseum“ vorbei. Es hat von Mai bis August an den Wochenenden geöffnet und der Eintritt ist frei. Wenn ihr nun aber glaubt, ihr könntet im „Sockenmuseum“ möglicherweise dem Geheimnis auf die Spur kommen, warum ihr immer ein Paar Socken in die Waschmaschine gebt, um am Ende nur eine Socke wieder heraus zu holen, werdet ihr enttäuscht. 

Im Schwedischen bedeutet „Socken“ so etwas wie Gemeinde oder Kirchspiel. Ihr steht also vor dem Gemeindemuseum. Und dieses wird daher auch vom örtlichen Heimatverein betrieben.

Der Eingang zum Sockenmuseum

Der Eingang zum Sockenmuseum

Hat man die Grabhügel von Gamla Uppsala erreicht, erkennt man: Die sind wirklich riesig! Die ersten drei Hügel haben alle einen Durchmesser von fünfzig bis siebzig Metern. Und eine Höhe von etwa sieben Metern. Dabei waren sie schon mal höher. Heute werden daher Besucher gebeten, die Grabhügel nicht mehr zu betreten. Mythen besagen, in den Gräbern liegen die drei Gottheiten Thor, Odin und Frey begraben. Was aber zumindest nicht auf Thor zutreffen kann. Den habe ich vor kurzem erst im Fernsehen gesehen. Archäologen glauben daher auch, es liegen drei frühe Könige aus dem Geschlecht der Ynglinger dort begraben. Ich persönlich tendiere eher dazu, den Wissenschaftlern Recht zu geben. Der vierte Hügel ist ein Tinghügel, war also eine Versammlungsstätte. Hier soll auch der spätere König von Schweden, Gustav I. Vasa, gesprochen haben. Wahrscheinlich noch, bevor er auf seiner Flucht vor den Dänen im 16. Jahrhundert so ganz nebenbei den Vasalauf erfand. 

In unmittelbarer Nähe des Gräberfeldes von Gamla Uppsala steht auch die Kirche mit dem Grab von Celsius. Die gesamte Anlage wird gut gepflegt und auch für Veranstaltungen des Heimatvereins genutzt. Habt ihr alles besichtigt, kann ich euch noch das Restaurant Odinsborg empfehlen, ganz in der Nähe der Kirche. Hier gibt es gutes Essen in gemütlicher Atmosphäre. Zu moderaten Preisen.

Das Restaurant "Odinsborg"

Das Restaurant „Odinsborg“

Gamla Uppsala erreicht man mit dem Auto am besten über die E4 oder von Uppsala aus bequem und schnell mit dem Bus.

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Sigtuna und seine Holzhäuser

Hauptstrasse von Sigtuna. Bild aus Wikipedia. Fotograf: Brorsson

Hauptstraße von Sigtuna. (Foto: Brorsson [CC BY-SA 3.0 from Wikimedia Commons)

Sigtuna – das ist Schweden wie aus dem Märchenbuch. So stellt man sich eine schwedische Kleinstadt vor – viele farbige Holzhäuser, kleine gemütliche Cafés und eine entspannte Atmosphäre.

Sigtuna liegt etwas nördlich von Stockholm, lässt sich also gut mit einem Besuch von Stockholm kombinieren – ein interessanter Gegensatz zur Großstadt.

Der kleine Ort hat etwa 8000 Einwohner und liegt schön gelegen am Mälaren. Sigtuna gehört zur gleichnamigen Gemeinde Sigtuna und zur historischen Provinz Uppland.

Kommt man nach Sigtuna so fühlt man sich auch heute noch in die Zeit um die Jahrhundertwende zurückversetzt. Sicher gibt es Freiluftmuseen, die ebenfalls diese frühere Zeit verkörpern, wo man Gebäude nachgebaut, bzw. Gebäude und Gegenstände aus verschiedenen Regionen hier angesammelt hat, wie z.B. Skansen in Stockholm oder Jämtli in Östersund. Aber Sigtuna ist kein Museum, Sigtuna ist Realität. Die meisten der Holzhäuser stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Doch hier wohnen Menschen, hier sind Geschäfte untergebracht und hier gibt es Cafés.

Besonders schön und farbig ist die Hauptstraße durch die Innenstadt. Hier findet man auch alles, was zu einer modernen Stadt in Schweden gehört, wenn auch untergebracht in den alten Gebäuden aus Holz: Banken, Sportgeschäfte, einen ICA Supermarkt und natürlich viele Cafés und Restaurants. Zu einem Besuch dieser Stadt gehört auch unbedingt das Einkehren in einem dieser gemütlichen Cafés, wie zum Beispiel in der Tant Bruns Kaffestuga. Man fühlt sich zurückversetzt in alte Zeiten, egal ob man seinen Kaffee drinnen in der gemütlichen Stube oder draußen im blühenden Garten trinkt. Gebäck und Kuchen, alles typisch schwedisch. Und Kaffee aus der Kupferkanne, wie es sich für das historische Schweden gehört.

Aber nun noch etwas zur Geschichte und den Sehenswürdigkeiten von Sigtuna.

Neben Lund in Südschweden gilt Sigtuna als die älteste Stadt Schwedens. Gegründet wurde sie um 980 von Erik Segersäll. Sigtuna hatte damals eine zentrale Bedeutung, sogar die ersten schwedischen Münzen wurden hier geprägt. Mitte des 11. Jahrhunderts wurde die Stadt Bischofssitz und es wurde die Domkirche sowie weitere Kirchen gebaut. Auch wenn der Bischofssitz später nach Östra Aros verlegt wurde, so blieb Sigtuna doch eine wichtige Stadt. Erst im späten Mittelalter wurde sie durch Großstädte wie Stockholm und Uppsala in den Hintergrund gedrängt. So ging dann auch die Einwohnerzahl zurück und die Kirchen verfielen zusehends. Erst im 20. Jahrhundert ging es wieder aufwärts. Es wurden Schulen und Ausbildungsstätten eröffnet und im geschäftlichen Bereich erlebte die Stadt einen Aufschwung. Und dann kamen die Touristen und entdeckten das nette Städtchen. Heute gehört es zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Schwedens.

Und was kann man hier nun außer den Holzhäusern noch besichtigen? Da sind die zerfallenen Kirchen zu nennen, aber auch die noch erhaltene Marienkirche aus dem 13. Jahrhundert. Daneben gibt es ein Museum, das Sigtuna-Museum, das über die Geschichte Sigtunas informiert. Auch die zahlreichen Runensteine im Stadtgebiet sind sehenswert.

Sigtuna ist einfach zu erreichen, einfach 50 km von Stockholm nach Norden und man fährt gleichzeitig zurück in die schwedische Vergangenheit.

Autorin: Heide Walker – Heide.Walker@conductix.com

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Otto Nordenskjöld – schwedische Spuren in Patagonien

Der Lago Nordenskjöld, benannt nach Otto Nordenskjöld. Foto aus Wikipedia. Fotograf: Philipp Ross

Der Lago Nordenskjöld, benannt nach Otto Nordenskjöld. Foto aus Wikipedia. Fotograf: Philipp Ross

Otto Nordenskjöld war ein schwedischer Geologe und Polarforscher, der am anderen Ende der Welt seine Spuren hinterlassen hat. Weit weg von Schweden stößt man auf diesen Namen, der sofort an einen Schweden denken lässt.

Reist man durch den wunderschönen Torres del Paine Nationalpark in Patagonien, so kommt man auch zum türkisfarbenen Lago Nordenskjöld. Ein etwas seltsamer Name für einen See im Süden Chiles, den die Chilenen zu dem auch gar nicht aussprechen können. Dieser See wurde nach Otto Nordenskjöld benannt, der ihn Anfang des 20. Jahrhunderts auf seiner ersten Forschungsreise entdeckte.
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Ingmar Bergman – Szenen eines Leinwandlebens

Ingmar Bergman 1957.

Ingmar Bergman 1957.

Was macht einen Schweden zum wohl besten Filmregisseur aller Zeiten? Ingmar Bergman erhielt 1997 bei den Filmfestspielen in Cannes die „Palme der Palmen“ – Auszeichnung für einen Filmemacher, der zum Vorbild für viele erfolgreiche Regisseure wurde. Der Schwede zählt mit seinen Beiträgen zu den wichtigsten Leinwandregisseuren des 20. Jahrhunderts, wobei sein Werk vor allem für das Theater und den Film in Schweden eine beachtliche Bedeutung hat.

Die Kunst des Ingmar Bergman

Neben Woody Allen und Ang Lee bewundert auch der dänische Regisseur Lars von Trier die Arbeit Bergmans. Mag sein, dass einige Kinogänger die schwarz-weißen, zum Teil depressiven und melancholischen Szenen, für die Ingmar Bergman überwiegend bekannt ist, nicht zu ihrem Lieblingsmaterial zählen. Doch der Schwede hat eines verkörpert, wie kein anderer: Film ist Kunst. Gemeinsam mit seinem langjährigem Kameramann Sven Nykvist schufen sie Filme, deren Ästhetik mitunter von Nykvists Spiel mit dem Licht herrührte. Möglichst wenig künstliches Licht bei emotionalen Szenen sollte als Markenzeichen der beiden gelten. Einfache Nahaufnahmen machten dabei die Filme von Bergman unter anderem so expressiv.

Die Anfänge

Ingmar Bergman wurde 1918 als Sohn eines Pastors in Uppsala geboren. Seine frühe Kindheit war geprägt von strenger, religiöser Erziehung. Das Interesse für Film und Literatur begann zu wachsen, als er sich zunehmend mit Autoren wie August Strindberg auseinandersetzte und ihn seine Großmutter immer wieder ins Kino mitnahm. Nach einem angefangenen Studium der Literaturgeschichte in Stockholm schloss sich Bergman dem Stockholmer Studententheater an. Hier inszenierte er seine ersten Stücke.

Die Aufmerksamkeit, die er dank seiner Theaterinszenierungen erhalten hatte, ebnete ihm schließlich den Weg als Drehbuchautor und Regisseur. In der Folgezeit bildete sich ein Stamm von Schauspielern heraus, denen Bergman über Jahre hinweg wichtige Rollen anvertraute. Nach Filmerfolgen wie Abend der Gaukler oder Das Lächeln einer Sommernacht machten ihn die Filme Das siebente Siegel und Wilde Erdbeeren auch international bekannt.

Der Erfolg als Leinwandregisseur

Ingmar_Bergman_&_Sven_Nykvist

Ingmar Bergman und Sven Nykvist ,1960.

Die Schauspieler Max von Sydow und Liv Ullman zählten dabei zu Bergmans gewohnter Besetzung, so auch in den Filmen Schande, Die Stunde des Wolfs und Passion. Die Norwegerin Liv Ullman verhalf schließlich auch dem Fernsehdrama Szenen einer Ehe zu Erfolg, nachdem die Schauspielerin und der Regisseur zuvor auch privat ein Paar waren.

Seinen offiziellen Leinwandabschied feierte Ingmar Bergmann 1982 mit dem Drama Fanny und Alexander, das neben zahlreichen Auszeichnungen auch vier Oscars unter anderem als „Bester fremdsprachiger Film“ erhielt. Während er weiterhin für das Theater inszenierte, waren wenige TV-Produktionen der Abschluss seiner Karriere als Filmemacher. Sein letzter Fernsehfilm sollte Sarabande, eine Fortsetzung seines Serienerfolgs Szenen einer Ehe, sein.

Das Vermächtnis von Ingmar Bergman

Ingmar Bergman verstarb schließlich am 30. Juli 2007 im Alter von 89 Jahren in seinem Haus auf der Ostseeinsel Fårö, wo er seit 1965 seinen Hauptwohnsitz hatte. Er war insgesamt fünfmal verheiratet und hat neun Kinder.

Einer der wichtigsten Regisseure in der Geschichte des Films prägte existenzielle Themen wie den Tod, die Suche nach Gott, die Einsamkeit des Menschen und zwischenmenschliche Beziehungen. Ob Ingmar Bergman schließlich dem Titel als bester Filmemacher aller Zeiten gerecht wird, bleibt offen. Unbestritten bleibt jedoch sein Einfluss auf die Filmwelt. Wer Bergman gesehen hat, darf sich als Filmkenner und Kunstliebhaber fühlen.

Autor: Hannes – hofer.hannes@web.de

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Artur Hazelius – Der Gründer von Skansen

Artur Hazelius. Bild aus Wikipedia. Fotograf: Emil Hildebrand.

Artur Hazelius.
Bild aus Wikipedia. Fotograf: Emil Hildebrand.

Artur Immanuel Hazelius, ein schwedischer Philologe wurde bekannt als Gründer des bekannten schwedischen Freiluftmuseums Skansen. Er wurde am 30. November 1833 in Stockholm geboren. Seine Mutter entstammte einem Adelsgeschlecht und sein Vater, Johann August Hazelius war Offizier, Politiker und Schriftsteller. Schon im 15. Jahrhundert war die Familie Hazelius in der Gemeinde Hassela in Hälsingland ansässig, damals noch unter einem anderen Namen. Der Stammvater Jonae nahm im 17. Jahrhundert den Namen Hazelius, passend zur Herkunft der Familie an. Nach seinem Schulabschluss studierte Artur Hazelius an der Universität von Uppsala und promovierte 1860 als Philologe. Er arbeitete zunächst als Lehrer und Lektor, fühlte sich dabei aber nicht wirklich zufrieden und ausgelastet. So widmete er sich mehr und mehr der Schriftstellerei und der Rechtschreiberei und brachte auch mehrere Lehrbücher und Bücher über Rechtschreibung heraus.

1864 heiratete Hazelius Sofia Elisabet Grafström aus Umeå, die ebenfalls aus einer bekannten und gut situierten Familie stammte. Ihr Vater, Anders Abraham Grafström war Dichter und Mitglied der Schwedischen Akademie.

Schön früh interessierte er sich auch für die Etnographie, die soziale und politische Organisation und die kulturellen Ausprägungen einer Gesellschaft. Sein Vater legte viel Wert auf Bildung und war daran interessiert, dass sein Sohn schon früh sein Heimatland Schweden kennenlernte. Schon als Kind wurde er daher auf Reisen zu Verwandten im ganzen Land geschickt. Dabei lernte er die verschiedenen Volkstrachten kennen und legte sich eine Sammlung von Gegenständen der verschiedenen Volksgruppen an, Möbel, Kleidung, Haushaltsgegenstände, Spielzeuge. Er sammelte alles, was er im zunehmend moderner werdenden Schweden vor der Vergessenheit bewahren wollte. Teils kaufte er diese Gegenstände, teils wurden sie ihm geschenkt.

Aus dieser Sammlung entwickelte sich der Gedanke, ein Museum zu gründen. Vorbild war das von Gunnar Olof Hyltén-Cavallius 1867 gegründete Museum in Växjö. 1873 eröffnete er seine skandinavisch-ethnographische Sammlung in der Drottningsgatan in Stockholm.1880 erhielt das Museum den Namen „Nordisches Museum“, auf Schwedische Nordiska Museet, heute eines der bekanntesten und größten Museen Stockholms.

Schließlich waren es nicht nur Gegenstände, die Hazelius sammelte, er begann sich nun auch für Häuser zu interessieren, genau genommen für alte Bauernhäuser. Inspiriert vom Freilichtmuseum in Oslo, wollte er auch in Stockholm etwas Gleichwertiges aufbauen. So kaufte er alte Bauernhäuser im ganzen Land auf, die er auf die Stockholmer Insel Djurgården versetzen ließ. 1891 wurde hier das zweite Freilichtmuseum der Welt unter dem Namen Skansen eingeweiht.

Skansen wurde schnell in der Hauptstadt, aber auch im ganzen Land beliebt. Hier können Kinder, aber auch Erwachsene viel über ihr Land, über ihre Vergangenheit und die schwedische Kultur lernen. Skansen ist ein Schweden in Miniatur. Man begegnet der schwedischen Kultur, der Natur, Gebäuden, Trachten, Landschaften, Tieren, Pflanzen, auch Literatur und Kunsthandwerk. Traditionelle Häuser, Bauernhöfe wurden aus anderen Regionen nach Skansen gebracht, aber auch Lappenzelte und Koten. Traditionelle Veranstaltungen werden bewahrt, wie z.B. die Mittsommerfeier oder das Fest der heiligen Lucia am 13. Dezember.

Hazelius Motto war „Känn dig själv“, auf Deutsch „Kenne dich selbst“, was so viel bedeutete wie „Lerne dich selbst durch deine Vergangenheit kennen“.

Skansen zieht Sommer wie Winter viele Besucher nicht nur aus Skandinavien an. Es zählt heute zu den touristischen Hauptattraktionen Stockholms. Darüber hinaus diente Skansen als Vorbild für andere Freiluftmuseen, die nach dem Erfolg von Skansen in der ganzen Welt eröffnet wurden. Somit ist Hazelius genau genommen nicht nur der Gründer von Skansen, sondern ebenso der Gründer von Freiluftmuseen überhaupt.

Zum 50jährigen Jubiläum von Skansen im Jahr 1941 wurde sogar von der Post eine Sonderbriefmarke mit dem Bild von Artur Hazelius herausgegeben.

Daneben war Hazelius auch der Begründer der „Svenska Folkdansens Vänner“, eine Vereinigung, die es sich zum Ziel gemacht hat, die Kultur des schwedischen Volkstanzes, der Volksmusik und der Volkstrachten aufrecht zu erhalten.

Hazelius war eng mit seinem Freiluftmuseum Skansen verbunden. Es war ständig in das täglich Leben und die Verwaltung von Skansen einbezogen und genoss ein starke Bewunderung und Anerkennung.

Nachdem seine Frau gestorben war, widmete er sich noch intensiver seiner Museumsaufgabe, zog sich aber auch immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück und lebte die letzten Jahre zurückgezogen in einem Haus auf dem Gelände von Skansen. Am 27. Mai 1801 starb er mit 67 Jahren in seinem Haus. Die Stadt Stockholm organisierte ihm zu Ehren einen Trauerzug durch die Stadt. Auf Skansen bekam er seine letzte Ruhestätte.

Skansen war sein Lebenswerk, hier lebte und hier starb er.

Artur und Elisabeth Hazelius Sohn Gunnar setze Artur’s Werk fort und wurde von 1901 bis 1905 der Leiter von Skansen.

Autorin: Heide Walker – Heide.Walker@web.de

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Mora – die besondere Kleinstadt am Siljansee

Die Kirche von Mora Fotograf: Heide

Die Kirche von Mora
Fotograf: Heide

In der schwedischen Provinz Dalarna, am Siljansee liegt ein netter kleiner Ort mit etwa 11.000 Einwohnern. Hier findet man noch das traditionelle, ländliche Schweden und für Besucher, die besten Voraussetzungen für einen erholsamen und abwechslungsreichen Urlaub.

Als Endstation des jährlichen Ski-Langlaufrennens „Vasalauf“ ist Mora weltbekannt geworden. Und schließlich entschied sich hier ein wichtiger Teil schwedischer Geschichte, als Gustav Vasa die Dalarner 1520 zum Widerstand gegen die Dänen aufrief!

Mora befindet sich am nördlichen Ende des Siljansees, der Ort ist Hauptort der gleichnamigen Gemeinde in Dalarna, umgeben von einer schönen Natur, einer Bilderbuchlandschaft, dem Schweden, wie man es sich vorstellt. Der Name Mora stammt vom altschwedischen Wort „mor“ ab, was so viel bedeutet wie „Wald auf feuchtem Untergrund“. Mora liegt auf einer Landzunge zwischen dem Siljansee und dem Orsasee. Hier fließen der Orsälven aus dem Orsasee und der Österdalälven zusammen und münden gemeinsam in den Siljansee.

Der älteste Ortsteil von Mora ist Mora Strand, das Zentrum um die Kirche. Weitere Ortsteile, unter anderem Lisselby, Mora-Noret usw. sind im Laufe der Zeit mit Mora zusammengewachsen.

Mora ist ein beliebter Fremdenverkehrsort. Reisende, die durch Dalarna reisen, kommen gerne nach Mora, denn der Ort und die Umgebung haben einiges zu bieten.

Mitten im Ort verläuft die kleine Fußgängerzone, die Kyrkogatan mit ein paar kleinen Geschäften und vor allem gemütlichen Cafés mit einem guten Angebot. Am nördlichen Ende befindet sich die schöne Kirche von Mora und nicht weit davon das Wasamuseum, neben dem Zieleinlauf für den berühmten Wasalauf. Dieser Lauf, auf dem Tausenden von Skilangläufern, die 90 km lange Strecke von Sälen bis Mora bewältigen, findet jedes Jahr im März statt. Er wird zum Andenken an Gustav Vasa durchgeführt, der 1520 in Mora zum Widerstand gegen die Dänen aufrief. Gleich neben dem Zieleinlauf steht die von Anders Zorn gestaltete Skulptur von Gustav Vasa.

Zorn und Vasa

Die größte Sehenswürdigkeit in Mora ist sicher das Zornmuseum, genau genommen die „Zornsamlingar“. Diese bestehen aus mehreren Teilen. Im Zornmuseum sind die Werke des Malers Anders Zorn, aber auch seine private Sammlung ausgestellt. Zorn wurde 1860 in Mora geboren und verbrachte hier den größten Teil seines Lebens. Neben dem Museum befindet sich der Zorngård. Hier wohnten Anders und Emma Zorn, nachdem sie von ihrem Aufenthalt im Ausland zurückgekehrt waren. Viele der Einrichtungsgegenstände hatte Anders Zorn selbst entworfen.

„Zorns gammelgård och textilkammare“ stellt ein weiterer Teil dieser Sammlung dar. 1914 begann Zorn mit dem Bau einer Art Freiluftmuseum, das erst nach seinem Tod fertig gestellt wurde. Im Gammelgård befinden sich etwa 40 Häuser aus der Zeit zwischen 1200 und 1700. Es wird somit veranschaulicht, wie ein typischer Hof der Region zu früheren Zeiten aussah. Ebenfalls zu der Zornausstellung gehört noch Gopsmor, eine etwas einfachere Unterkunft Zorns, in die er sich gerne zurückzog, die etwas 20 km nördlich von Mora lag und später in der Nähe des Zornmuseum wieder aufgebaut wurde.

In Nusnäs, nicht weit von Mora werden die berühmten roten Holzpferden hergestellt. In den beiden Werkstätten Grannas A Olssons und Nils Olsson kann man zusehen, wie die traditionellen Pferdchen immer noch in Handarbeit produziert werden, wie aus einem Stück Holz ein schönes bemaltes und lackiertes Holzpferdchen entsteht.

Wandern und Skilaufen

Rund um den See finden sich viele Wandermöglichkeiten oder auch Radwege, so z.B. der Siljansleden, den man vollständig oder auch Teile davon zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen kann.

Von Mora aus bietet sich auch eine Autofahrt rund um den Siljansee an, über die Insel Sollerön nach Leksand und Tällberg, weiter nach Rättvik und zurück nach Mora. Bei schönem Wetter lohnt sich auch ein Ausflug auf den Gesundaberget (zu Fuß oder per Seilbahn) wo man eine herrliche Aussicht hat. Dort kann man dann dem Nikolaus im Tomteland noch einen Besuch abstatten.

Auch im Winter hat Mora und die Region einiges zu bieten. Es finden sich einige Langlaufloipen in der Umgebung, wo man sich sportlich betätigen kann. Oder man kann auch einfach die verschneite Landschaft genießen. Um die Weihnachtszeit werden überall die traditionellen Weihnachtsbuffets angeboten.

Mora ist Ausgangspunkt bzw. Endstation der Inlandsbahn, die durch das Landesinnere von Mora über Östersund nach Gällivare verläuft. Auch die Dalabanan, die Bahnstrecke von Uppsala nach Mora endet hier.

Wie schon erwähnt ist Mora Endstation des berühmten Wasalaufs. In sportlicher Hinsicht sollte vielleicht  noch erwähnt werden, dass der Eishockeyclub Mora IK sehr erfolgreich ist und dass hier jedes Jahr an Weihnachten der FM Matsson Juniorencup stattfindet.

Wie überall in Dalarna wird Tradition in Mora großgeschrieben. Besonders ausgelassen gefeiert wird an Midsommar. Man tanzt um die Midsommarstången (vergleichbar mit dem deutschen Maibaum) und genießt den Tag mit ausgiebigem Essen und Trinken.

Was bringt man von Mora als Souvenir mit nach Hause? In erster Linie sind hier Handarbeiten zu nennen: Tücher, Tischdecken, Holzarbeiten, Dalarna-Pferdchen, Basteleien.

Es gibt übrigens auch ein Mora in den USA, im Bundesstaat Minnesota. Eigentlich nicht verwunderlich, da doch viele Schweden im 19. Jahrhundert nach Amerika ausgewandert sind. Gerade in Minnesota haben sich viele Schweden niedergelassen und dort viele Ortschaften gegründet, die an ihre Heimat erinnern. Im amerikanischen Mora findet sogar ebenfalls jedes Jahr ein Wasalauf statt. Selbstverständlich kann man dort auch Dala-Pferdchen kaufen. Und wie sollte es anders sein, Mora in Minnesota ist Partnerstadt von Mora in Dalarna.

 

Autorin: Heide Walker – Heide.Walker@web.de

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Carl von Linné und die Blumen

Gemälde von Carl von Linné Bild aus Wikipedia. Originalgemälde von Alexander Roslin. Fotograf: Greg L

Gemälde von Carl von Linné
Bild aus Wikipedia. Originalgemälde von Alexander Roslin. Fotograf: Greg L

Denkt man an Carl von Linné, dann denkt man automatisch an Blumen, Pflanzen, Tiere und an die Natur. Er war es, der den Pflanzen und Tiere ihren Namen gab und sie in seinen umfassenden Werken beschrieb.

Carl von Linné wurde am 23. Mai 1707 in Råshult in Småland als Carl Nilsson Linnæus geboren. Sein Vater war von Beruf Pfarrer und interessierte sich sehr für die Natur und für Pflanzen. Dieses Interesse übertrug sich schon früh auf den Sohn, der sich gerne mit den Pflanzen, die sein Vater im eigenen Garten kultivierte, beschäftigte und auch gerne die Umgebung erforschte, um immer neue Pflanzen kennenzulernen.

Der Wunsch des Vaters war, dass Carl, genau wie der Vater und auch schon der Großvater, Pfarrer werden sollte. Daher wurde er auf die Domschule nach Växjö geschickt, wo er sich aber überhaupt nicht wohl fühlte…
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Der schwedische Schriftsteller Hjalmar Bergman

Hjalmar Bergman. Foto aus Wikipedia. Fotograf unbekannt.

Hjalmar Bergman. Foto aus Wikipedia. Fotograf unbekannt.

Hjalmar Bergman, geboren 1883 in Örebro, gestorben 1931 in Berlin, war ein schwedischer Schriftsteller und Dramatiker, der in seinen Romanen das Leben in der Kleinstadt schilderte, wobei seine eigene Heimatstadt, Örebro als Vorlage diente.

Hjalmar Bergman wuchs in Örebro zusammen mit zwei Schwestern auf. Seine Kindheit war etwas problematisch, in der Schule wurde er wegen seiner Fettleibigkeit gehänselt. Diese Erfahrungen hinterließen ihre Spuren und beeinflussten sein späteres Leben und Denken.

Nach seinem Studium in Uppsala, verbrachte er zunächst einige Zeit in Florenz, wo er Kunst, Sprachwissenschaft und Literatur studierte und seinen ersten Roman verfasste, „Maria, Jesu moder“, der jedoch nicht sehr erfolgreich war. Durch die Kontakte seines Vaters mit dem Schriftsteller und Theaterdirektor August Strindberg lernte er dessen Tochter Stina kennen und heirate sie 1908. Die beiden reisten mehrere Jahre durch Europa, behielten aber auf Segelholmen in Stockholm ein Haus als Anlaufstelle. Dort verbrachten sie häufig den Sommer und dort schrieb er auch viele seiner Romane.

Mit seinem zweiten Roman „Hans nåds testamente“ verzeichnete er einen kleineren Erfolg. Über seinen Schwager Per Lindberg kam er mit der Theaterszene in Europa in Kontakt. Ein anderer Schwager besaß einen Verlag und half ihm, seine Bücher zu veröffentlichen. Seine Frau Stina war seine Sekretärin und sie unterstützte ihn in jeder Hinsicht beim Aufbau seiner Kariere und der Vermarktung seiner Bücher.

Es folgten weitere Romane in der Reihe der sogenannten Bergslagsromaner. Dazu gehört auch sein Werk „Makurells i Wadköping“, mit dem er 1919 den Durchbruch schaffte. Er schrieb Romane, Novellen, Theaterstücke, Filmdrehbücher. Viele seiner Werke sind durch seine Erfahrungen in der Kindheit geprägt. Sein Stil ist häufig von viel Mitgefühl gekennzeichnet, aber oft auch ironisch. Auch spiegeln sich in seinen Erzählungen die Orte wider, in denen er aufgewachsen ist. So hat z.B. die fiktive Stadt Wadköping viele Ähnlichkeiten mit Örebro und Västerås. Makurell i Wadköping ist immer noch eines der wichtigsten Werke von Hjalmar Bergman. Es wurde auch verfilmt und als Theaterstück aufgeführt. Auch viele andere Romane spielen in dem fiktiven Ort Wadköping und viele Figuren aus seinen Romanen kommen in mehreren seiner Werke vor.

Als weitere erfolgreiche Romane sind zu nennen: Vi Bookar, Krokar och Rothar (1912), Knutsmässo marknad (1914-16), Farmor och vår herre (1921) und Jag, Ljung och Medardus (1923). Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Er gilt als einer der größten Schriftsteller Schwedens. Sein letztes großes Werk war Clownen Jac, das 1930 veröffentlicht wurde.

In Örebro befindet sich das Hjalmar Bergman Museum, wo man alles über ihn erfahren kann, über seine problematische Kindheit und über den erfolgreichen Schriftsteller und seine Literatur. Das Museum befindet sich in Övre Vallbygården, einem Stadtteil von Örebro. Den Ort Wadköping gibt es übrigens auch, und zwar in Form eines Freiluftmuseums. Dieses befindet sich ebenfalls in Örebro. Hier sind alte Häuser aus Örebro ausgestellt und man kann erfahren, wie das Leben hier in früheren Zeiten war.

Privat war Hjalmar Bergman ein sehr labiler Mensch, der immer mehr dem Alkohol verfiel. Nichtsdestotrotz war er in der Lage, seine Romane zu verfassen. Er schrieb auch viele Filmmanuskripte und verbrachte auch einige Monate in Hollywood. Dabei lernte er den Schauspieler Gösta Ekman kennen, dem er seinen letzten Roman, Clownen Jac widmete. Im Jahre 1931 starb er in Berlin, vermutlich infolge von Alkohol in Kombination mit einer Überdosis Morphin.

Autorin: Heide Walker – Heide.Walker@web.de

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Rückkehr der Straßenbahn in schwedischen Kommunen?

Vorbild Göteborg: schwedische Kommunen planen (Wieder-)Einführung der Straßenbahn

Vorbild Göteborg: schwedische Kommunen planen (Wieder-)Einführung der Straßenbahn

Die Straßenbahn hat in Schweden wieder eine Zukunft. In mehreren Kommunen wird über die (Wieder-)Einführung eines Verkehrsmittels diskutiert, das in den sechziger Jahren in Nord- und Westeuropa in vielen Städten in Ungnade fiel. Derzeit fahren Straßenbahnen in Göteborg, Stockholm und Norrköping. Doch in einigen Jahren könnten es weitaus mehr Kommunen werden, die den „schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehr“ anbieten. (mehr …)

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