Musik

Die Malmö Arena

Die Malmö Arena, 2008. Foto: Jorchr /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Die Malmö Arena, 2008. Foto: Jorchr /commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

 

Geht es um die Austragung von Großveranstaltungen in Schweden, führt an Malmö kein Weg vorbei. Selbstverständlich ist das nicht. Bis vor wenigen Jahren fehlte der Metropole am Öresund ein adäquater Ort. Mit der Eröffnung der Malmö Arena 2008 mauserte sich Schwedens drittgrößte Stadt zu einer bedeutenden Adresse für nationale wie internationale Musik- und Sportveranstaltungen. (mehr …)

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Musik-Tipp: Royal Republic

Royal Republic Foto: royalrepublic.net

Dass die Schweden etwas von guter Musik verstehen, dürfte hinreichend bekannt sein. Der Erfolg von Bands wie Mando Diao oder The Hives zeigt, dass gerade der Rock’n’Roll made in Sweden Anklang findet. Seit einiger Zeit hat die schwedische Rockfront nun Verstärkung. (mehr …)

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Doobidoo – Spiel, Spaß und jede Menge Musik

Lasse Kronér

Lasse Kronér – Moderator der Musikshow Doobidoo

Doobidoo – neue Bedeutung für bedeutungslose Silben. Doobidoo ist der Titel einer beliebten schwedischen Freitagabend-Show, in der sich alles um Musik dreht. Die Gäste sind schwedische Größen, jeweils zwei Paare, die gegeneinander antreten und sich in der Unterhaltungsmusik der letzten 50 Jahre gut auskennen sollten. Das Publikum besteht aus – CHÖREN. Denn spontane Gesangseinsätze gehören mit zum Programm. Als Mitglied eines Chores erhalte ich die einmalige Möglichkeit, bei der Aufzeichnung der 90. Sendung innerhalb der neuen Herbst-Staffel dabei zu sein. An einem Freitagnachmittag im Juni mache ich mich also mit einigen Chorkollegen auf den Weg zu SVT nach Göteborg.

Aufzeichnung der Sendung

Drei Stunden sind für die Aufzeichnung angesetzt und zunächst werden wir von einem Publikumsbetreuer auf der kleinen Tribüne im Aufnahmestudio verteilt. In engen Reihen sitzen wir zusammengequetscht auf schmalen Stühlen, die kaum ausreichend Armfreiheit zum Klatschen erlauben. Drei Stunden soll ich hier nun aushalten? denke ich noch als ein kleiner, untersetzter Mann mit Halbglatze ins Studio gelaufen kommt und die Zuschauer mit Beifall reagieren. Ich bin vermutlich die Einzige, die Lasse Kronér, den Moderator der Show, nicht sofort erkennt. Ein „snygging“ ist der auffällig unauffällige Mann in Jeans, kariertem Hemd und offenem Jacket vielleicht nicht gerade, dafür, wie sich schnell herausstellt, ein begnadeter Entertainer, der selbst abgegriffene Witze so lässig rüber bringt, dass die Zuschauer schnell alle Spannung und Nervosität verlieren, die möglicherweise mit so einem „Fernsehauftritt“ verbunden sind. Und genau das ist der Zweck: das Publikum wird erst einmal warm gemacht. Dazwischen probt die Studioband ein letztes Mal und immer wieder werden bekannte internationale oder schwedische Songs eingespielt, die sofort vom Publikum aufgenommen und mitgesungen werden. Und jetzt weiß ich auch, warum nur Chöre im Publikum sitzt sollten: Die Gesangseinsätze sind Programm und eine gewisse musikalische Qualität muss gewährleistet sein, wenn die Zuschauer ohne vorherige Probe spontan alte Schlager mitgrölen. Bevor es richtig losgeht, werden noch einige Beifälle eingespielt. Zuerst ein kräftiger Beifall mit Blick nach vorne rechts zu den Gästepulten. Die Aufnahmeassistentin gibt Zeichen und es wird heftig geklatscht, während etliche Kameras aus verschiedenen Winkeln Menschen aufnehmen, die überaus begeistert niemandem Beifall klatschen. Jetzt ein frenetischer Beifall. Das Publikum trampelt, pfeift, johlt, klatscht was das Zeug hält, während die Assistentin herumhüpft, Grimassen schneidet und der Gruppendynamik ordentlich einheizt. Ein etwas schwächerer Beifall noch, dann ist alles im Kasten. Ein Drittel der Zeit ist um, jetzt kann die eigentliche Show beginnen. Lasse Kronér verschwindet, die Erkennungsmelodie wird angespielt und der Moderator betritt unter erneutem Jubel die Bühne. Es folgen die Gäste, die sich nach kurzer Vorstellungsrunde und Smalltalk auf ihre Plätze an den Stehpulten begeben.

Die Spiele

Das Spiel beginnt. In „Första minuten“ stehen sich die beiden Team-Kandidaten gegenüber. Auf einem Bildschirm hinter Kandidat 1 wird der Titel eines Musikstücks gezeigt, den Kandidat 2 pantomimisch darstellen muss,etwa „Red Red Wine“ oder „Sexbomb“. Sobald Kandidat 1 den Titel erraten hat, wird getauscht.

Nun wird „Textremsan“ gespielt. Lasse Kronér zeigt einen Textstreifen. „Anybody could be that guy“, wer zuerst den Song erkennt muss diesen anstimmen. Mitraten ausdrücklich erlaubt. „You can dance, you can jive, Having the time of your life, oh, see that girl watch that scene dig in the Dancing Queen…“, fallen Studioband und Zuschauer mit ein. Die Stimmung ist Bestens.

In „Arkivet“ wird ein Ausschnitt aus eine alten TV-Show oder einem Film gezeigt. Danach stellt Lasse Kronér eine Frage mit inhaltlichem Zusammenhang zu diesem Ausschnitt. Es gibt noch einige weitere Spiele wie „Signaturen“, bei dem die Studioband einen Hit anspielt und die Kandidaten den Künstler raten müssen. „Minnesluckan“ ist ein Memory-Spiel, in dem die Kandidaten, nachdem sie eine Karte umgedreht haben, einen Song anstimmen müssen, der irgendeine Assoziation zu der Abbildung weckt. So ist auf einer Karte eine Ente zu sehen – der Kandidat stimmt „My way“ an. Warum? Weil der Song von Paul Anka ist (schwedisch „anka“ = Ente).

Die Show endet mit „Sista minuten„, ein ähnliches Spiel wie zu Beginn. Diesmal sieht Kandidat 1 auf dem Bildschirm einen Künstler und muß ein bekanntes Stück von diesem vortragen – Kandidat 2 muss den Künstler erraten.

Und dann ist es auch schon vorbei. Fehlt nur noch der Auftritt des „Blumenmädchens“. Dazu hat Lasse Kronér einen jungen Mann aus dem Publikum ausgewählt, der mit seinem Pferdeschwanz und schottischem Kilt alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Drei Stunden sind um, als die Gäste sich winkend verabschieden und die Aufnahmeleiterin mit einer Liste das Studio betritt. Ein paar Quizfragen müssen noch nachgedreht werden, bei denen sich Lasse Kronér verhaspelt hatte. Wegen der Kameraeinstellung geht das zwar ohne Kandidaten, aber nur mit Publikum im Hintergrund. Und dann ist auch das abgedreht. Lasse Kronér bedank sich bei uns als dem weltbesten Publikum aller Zeiten und wünscht einen guten Nachhauseweg. Man darf gespannt sein, was von den drei Stunden Aufnahmematerial zu der einstündigen Sendung zusammen geschnitten wird.

 

Autorin: Angelika – angelika@schulze-uebersetzungen.eu

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„Ahh! Monica!“ – Die schwedische Sängerin und Schauspielerin Monica Zetterlund (1937–2005)

Monica Zetterlund (2. v.l.) auf der Bühne im Jahr 1997 (Foto: Holger Ellgaard; commons.wikimedia.org; CC BY 3.0)

Als einen Höhepunkt ihrer Karriere als Musikerin sah Monica Zetterlund das 1964 zusammen mit dem amerikanischen Pianisten Bill Evans aufgenommene Album Waltz for Debby an, von dem vor allem die schwedisch gesungene Version des Titelsongs bis heute nachwirkt. Doch auch ohne diese legendäre Aufnahme ist Zetterlunds Leistung als Künstlerin – im Bereich der Musik wie in dem des Schauspiels – beeindruckend: Über 20 Schallplatten und CDs sowie diverse Auftritte in Filmen und Fernsehserien haben zu anhaltender Popularität beigetragen. Im Jahre 2005 ist Monica Zetterlund auf tragische Weise ums Leben gekommen – in diesem Monat wäre sie 75 Jahre alt geworden. (mehr …)

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Hippe Gypsytöne mit Jazzallüren – Miss Li

Miss Li

Copyright by mathei

Anscheinend scheint man geradezu prädestiniert für eine gelungene musikalische Karriere zu sein, wenn man in Borlänge geboren wurde. Nicht nur Mando Diao und Sugarplum Fairy stammen von dort, sondern dies ist auch die Geburtsstadt der Sängerin Linda Carlsson, bekannter unter Miss Li.

Allerdings unterscheidet sie sich stark von dem eher gewohnten Schwedenrock der beiden genannten Bands. Sie scheint gegen nordische Düsterheit ankämpfen zu wollen, sowie gegen das ungeschriebene Gesetz der Gleichheit: Jeder sollte gleich angezogen sein, nicht auffallen, nicht herausstechen. Wenn man sie sieht, fällt einem schon der eigenwillige Kleidungsstil ins Auge. Wer sie dann auch noch hört, erkennt die ebenso vielfältige Stimme der Sängerin. Mal düsterer, als DarkCabaret, mal fröhlicher und beschwingter. Sie sticht heraus, probiert etwas Neues, vermischt viele Musikstile zu einem hippen Mix. So, als ob sie das Leben einer erwachsenen Pippi Langstrumpf vertonen würde. Über Freundschaft, Liebe, aber auch dem ein oder anderen unerfreulichen Thema.

Bekannt wurde sie, als ihre Songs in einigen bekannten Serien wie Grey’s Anatomy und Weeds verwendet wurden. Ebenfalls wurde auch Apple auf sie aufmerksam und vertonte einen iPod-Werbespot mit einem ihrer Songs. Ihrem ersten Album Late Night Heartbroken Blues folgten weitere, bis 2011 ihr neuestes, sechstes Album Beats & Bruises erschien. Mit diesem Album schaffte sie es, ein wenig Abstand von dem immerzu fröhlich-beschwingten Image zu erlangen, das sie sich, ob freiwillig oder nicht, mit den eingängigen Melodien ihrer Popsongs aufgebaut hatte. Dieses Album ist etwas nachdenklicher und düsterer, ohne dabei an Stück mit Humor einzubüßen, wie zum Beispiel Arrested.

Was man aus ihrer Musik mitnehmen kann, sind gut Laune, eine beschwingte Melodie für den Tag und vielleicht auch Mut zu Eigensinn und Spontanität. Miss Li selbst wachte mit dem Gedanken auf, unbedingt Klavier spielen lernen zu müssen. Kurze Zeit später stand es auch schon in ihrem Stockholmer Appartment, heute begleitet sie sich selbst auf Konzerten mit dem Piano.

Dies tut sie weiterhin mit großen Erfolg, denn sie findet nicht nur in Schweden und Deutschland, sondern auch im restlichen Europa, Asien, Amerika Anklang.

Autorin: Tanja Brodbeck – tanja.brodbeck@yahoo.de

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Sommaren har kommit till Berlin – Midsommar 2012

Mittsommerfeier in der Schwedischen Gemeinde Berlin, 2012. Foto: Anna Engberg

Mittsommerfeier in der Schwedischen Gemeinde Berlin, 2012. Foto: Anna Engberg

Sommerlicher hätte er nicht sein können – der diesjährige Midsommarabend in der Schwedischen Victoriagemeinde in Berlin-Wilmersdorf. Bereits in den späten Nachmittagsstunden des 22. Juni war der durch und durch begrünte Innenhof voll von vergnügten Gästen, tanzenden und lachenden Kindern mit Midsommerkränzen im Haar und auch so mancher Nicht-Schwede ließ sich auf dem traditionellen Sommerfest blicken.
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Dalhalla – „Götterdämmerung“ im Steinbruch

Ein Blick auf Dalhalla. Foto: Johannes Schermann /de.wikipedia.org (CC BY 3.0)

Ein Blick auf Dalhalla. Foto: Johannes Schermann /de.wikipedia.org (CC BY 3.0)

Dalhalla – Dal-hal-la: Unweigerlich kommt die Ruhmeshalle der nordischen Mythologie in den Sinn. Walhall. Näher liegt, wer das Walhall aus Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ vor Augen, die „Götterdämmerung“ im Ohr hat. Deren Aufführung zu einem besonderen (Klang-)Erlebnis wird, findet sie in einem Steinbruch mitten im Wald statt – auf der Freilichtbühne Dalhalla.

Es war weniger die nordische Mythologie als Richard Wagners Werk, das die Namensgebung des Veranstaltungsortes inspirierte. Dalhalla setzt sich aus Walhall und Dalarna zusammen. Jene mittelschwedische Provinz, in der die beeindruckende Bühne liegt, rund 300 km nordwestlich von Stockholm, nicht weit von Rättvik am Siljan.

Kalksteinbruch oder ein „natürliches“ Amphitheater

Wo heute Konzerte, Theater- und Opernaufführungen stattfinden, wurde bis 1990 Kalk abgebaut. Meister Zufall wollte es, dass der Steinbruch die Form eines Amphitheaters annahm. Mit stattlichen Dimensionen: 400 Meter lang, 175 Meter breit und 55 Meter tief. Die Maße ergeben eine Art Goldenen Schnitt, nachdem schon die antiken Amphitheater erbaut wurden und einen Resonanzraum, der sich vor den großen Konzertsälen nicht verstecken muss. Dazu die Stille des Waldes. Als i-Tüpfelchen von Dalhalla der See am Grund des stillgelegten Steinbruchs.

Kleinste Kalkpartikel (Kolloide) und Tageslicht lassen das Wasser smaragdgrün leuchten.

„Grüne Akustik“

Lage und Beschaffenheit des Steinbruchs waren Ideal für die ehemalige Opernsängerin Margareta Dellefors, die hier in Mittelschweden bei Rättvik 1991 den Ort für „ihre“ Sommerbühne fand. Mit viel Energie konnte sie überzeugen und die Idee vom Freilichttheater umsetzen.

Waren es im Juni 1993 zum Probekonzert geladene Gäste können sich heute gut 4.000 Zuschauer von der besonderen Akustik Dalhallas überzeugen. Zu den Gegebenheiten des „natürlichen“ Amphitheaters gehören auch die rauen, unregelmäßigen Kalkwände, die ein weiches Klangbild ohne Echos erzeugen. Dank dieser sogenannten „grünen Akustik“, dem natürlichen Klang braucht es bei den meisten Opernaufführungen keiner elektrischen Verstärker.

Eindrücke von und während einer Aufführung: Mozarts „Zauberflöte“ in Dalhalla 2010

Nach der ersten öffentlichen Aufführung im Juli 1994 und der offiziellen Einweihung am 21.Juni 1995 pilgern mittlerweile teils über 100.000 Zuschauer zu den rund 30 Veranstaltungen von Mai bis September. Sei es Kinderoper, Musical oder Ballett, Volksmusik, Norah Jones oder Hammerfall. Höhepunkte sind das Opernfestival im August und das Feuerwerkskonzert, mit dem die Saison in einer der besten Freiluftarenen der Welt endet.

Ausführliche Infos zu Dalhalla, Programm, Tickets und Unterkünften gibt es auf www.dalhalla.se (schwedisch).

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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Vorhang auf für Spira, das neue Kulturhaus in Jönköping

Kulturhaus Spira

Kulturhaus Spira

Jönköping ist um eine Attraktion reicher. Ganz aus Glas und Holz – den typischen Baumaterialien Smålands – liegt das Kulturhaus Spira ganz nahe am Stadtzentrum und gleichzeitig in herrlicher Lage am Munksjö-Strand.

Nachdem im Juni 2006 der Bau eines neuen Kulturhauses vom Provinziallandtag (landsting) beschlossen wurde, erfolgt Anfang 2009 der erste Spatenstich. Zweieinhalb Jahre später, im November 2011 wurde Spira eingeweiht.

Kultur für Herz und Hirn

Beim Bau, den man hier im Zeitraffer verfolgen kann, wurde sehr viel Wert auf umweltfreundliche Materialien und Bauweise gelegt, da man für das Kulturhaus eine Umweltzertifizierung erreichen möchte. Nach dem Motto „Kultur für Herz und Hirn“ will das Lansdting auf diese Weise auch für das kulturelle Wohlbefinden seiner Bürger sorgen.

Der mächtige Bau fällt schon von weitem durch seine Fassade mit den orangen und weißen Feldern auf, die an ein Gemälde von Mondrian erinnern. Diese Farben setzen sich im Innenbereich fort, ergänzt durch viel helles Holz. Die Lampen im Foyer wurden von Ingegerd Råman, einer der bedeutendsten Glaskünstlerinnen Schwedens, exklusiv für Spira gestaltet. Fünf hochmoderne Bühnen auf fast 15000 m² wurden mit neuester Technik ausgestattet und bieten Platz für insgesamt 1700 Besucher. Die beiden größten Bühnen sind der Teatersalongen und Konsertsalen. Für kleinere Ereignisse stehen noch weitere Bühnen zur Verfügung.

Aufgang vom Foyer

Aufgang vom Foyer

„Soundflower“ – die Schallblumen

Die Installation auf dem Vorplatz des Spira nennt sich Soundflower, ein interaktives Kunstwerk des Künstlers Milo Lavén. Fünf Trichter laden ein zum Horchen, Hüpfen und Musik machen. Jeder Trichter besitzt einen charakteristischen Schall. Hüpft man vor den Trichtern – am Besten mit mehreren Personen – so werden die Schwingungen der Schritte aufgefangen, der Trichter beginnt zu leuchten und wirft den Schall zurück. So kann man kleines Orchester mit unterschiedlichen Frequenzen und Rhythmen schaffen.

Soundflower

Soundflower von Milo Lavén

Bei geführten Touren durch das Kulturhaus erfährt man z. B., wie die Scheinwerfer bedient werden, wofür der Requisiteur zuständig ist und was sich hinter dem Vorhang abspielt. Und wer jetzt Lust auf einen Konzert- oder Theaterabend bekommen hat, kann sich hier  das Programm herunterladen. Oder einfach so vorbei kommen.

Autorin: Angelika – angelika@schulze-uebersetzungen.eu

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Jazz aus dem Norden und der Welt: das Tingvall Trio

Das Tingvall Trio

Das Tingvall Trio, v.l.n.r.: Omar Rodriguez Calvo (b), Jürgen Spiegel (dr), Martin Tingvall (p). (Foto: Steven Haberland)

Skandinavischer Jazz hat einen guten Klang. Und mit den Titeln seiner bislang vier Alben, „Skagerrak“, „Norr“, „Vattensaga“, „Vägen“ (alle: Skip Rec.) signalisiert auch das Tingvall Trio deutlich seine Verbundenheit mit dem europäischen hohen Norden. Dabei ist die musikalische Ausrichtung der Gruppe vielfältig und ihre Zusammensetzung international: Zwischen Jazz und Rock vermittelnd und auf unterschiedlichen Traditionen aufbauend, arbeiten der Schwede Martin Tingvall (Klavier), der Kubaner Omar Rodriguez Calvo (Bass) und der Deutsche Jürgen Spiegel (Schlagzeug) gleich in mehrfacher Hinsicht grenzüberschreitend.

Dazu trägt neben der geografischen Herkunft der drei Musiker vor allem die Mischung verschiedener musikalischer Sozialisationen bei. So kam Martin Tingvall, der Gründer und Namensgeber des Trios, über Erfahrungen mit durchaus bodenständiger Rockmusik zum Jazz, auf den er aber keineswegs fixiert ist – eine programmatische Offenheit, die sich hörbar in seine Kompositionen und in sein Spiel mischt. Omar Rodriguez Calvo dagegen, der in Kuba u.a. klassische Musik, Kontrabass und populäre Musik studiert hat und seit langem in Deutschland lebt, blickt auf musikalische Projekte mit Künstlern wie Ramon Valle, Nils Landgren, Orange Blue, Roy Hargrove und dem Gateway Symphonieorchester zurück. Jürgen Spiegel wiederum kennt Berührungsängste weder gegenüber Pop, Rock oder Hiphop, hat etwa auch mit dem Ex-Helloween-Sänger Michael Kiske gespielt, komponiert selbst und hat u.a. auch Klavier studiert.

Im Tingvall Trio entsteht aus dieser Mischung eine höchst eigenständige und unverwechselbare Musik. Auf den am Klavier von Tingvall entwickelten melodischen Ideen, die lyrisch verspielt oder balladenhaft sein, sich aber auch druckvoll zu einem wahren Tastensturm entfalten können, basieren viele der Stücke, die übrigens fast alle schwedische Titel tragen. Aufgenommen und weitergetrieben werden die Melodielinien dann von den beiden kongenialen Partnern Omar Rodriguez Calvo und Jürgen Spiegel, deren rhythmischer Unterbau der Garant der oft enormen Dynamik ist, die das Trio, ganz besonders live, entwickeln kann. Auch diese organische Geschlossenheit erinnert unwillkürlich an das schwedische Esbjörn Svensson Trio, das von 1993 bis zum plötzlichen Tod des Bandgründers im Jahr 2008, erfolgreich den Begriff des Jazz in Richtung auf Rock, Pop u.a.m. erweiterte. Allerdings geht die Arbeit mit klanglichen Experimentalformen bei Tingvall und Co. zumeist nicht ganz so weit, was beileibe kein Manko ist. Im Gegenteil: Romantische Tendenzen und eine gewisse Erdung in volksliedhaften Traditionen Schwedens scheinen die Grundlage für die Zugänglichkeit, aber auch die Wärme dieser Musik zu bilden; sehr schön nachzuhören ist dies etwa auf dem jüngsten Album „Vägen“, das erstmals auch Instrumente wie Violine und Cello integriert.

Ansässig war die Band, die 2010 mit einem „Jazz-Echo“ und 2011 mit dem Hamburger Musikpreis „HANS“ ausgezeichnet wurde, von Beginn an in Hamburg, wo sie z.B. auch beim letztjährigen Elbjazzfestival vor großer Kulisse auftrat. Kaum einmal aber vergisst Martin Tingvall auf das südschwedische Snårestad hinzuweisen, seinen Rückzugsort, in dessen Abgeschiedenheit viele Songs entstehen, die diese Atmosphäre dann wiederum den Hörer nachempfinden lassen.

www.tingvall-trio.de

Autor: Frank – fsommerkamp@gmx.de

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