Pferdesport in Schweden

Das ist Schweden, Sport, Wissenswertes

In Schweden gibt es etwa 300.000 Pferde, Tendenz steigend. Viele davon stehen in den 900 Reitvereinen und 600 Reitschulen, in denen 500.000 Reiter organisiert sind. Ebenso viele haben Zugang zu einem Pferd oder teilen sich eins. Ein großer Teil der Tiere steht aber auch privat auf  Bauernhöfen. Da Pferde aber Herdentiere sind und sich nur in Gemeinschaft wohl fühlen, wird in Schweden die Einzeltierhaltung gesetzlich untersagt. Kein Pferd darf mehr alleine in Stall oder auf der Koppel stehen, sondern muß Gesellschaft von einem anderen Tier (nicht unbedingt Pferd) haben.

In Schweden gibt es nur drei einheimische Pferderassen:

  • das nordschwedische Arbeitspferd –- ein Kaltblut mit einer Widerristhöhe von 1,45 – 1,60 m in allen Färbungen. Es wird nicht nur in der Wald- und Landwirtschaft, sondern auch als Sport- und Fahrpferd eingesetzt
  • der Gotland Russe (russ ist die altgotländisch Übersetzung für Pferd) – eine Ponyrasse mit Ursprung auf Gotland, wird hauptsächlich als Reitpony und im Trabsport eingesetzt, Größe 1,15 -1,30 m. Der Gotland Russe kommt zwar in allen Farben vor, aber z. B. Schimmel dürfen nicht Stammbuch geführt werden
  • das schwedisches Warmblut -– entstanden aus dem schwedischen Landpferd, heute durchaus konkurrenzstark im Turniersport gegen andere internationale Rassen, 1,55 – 1,75 m groß, kommt in den Farben braun, fuchs, schwarzbraun, Rappe und Schimmel vor

Jeder kann reiten lernen. Das fängt mit „hästlekis“ (dem „Pferdekindergarten“) für Kinder von 4-7 Jahren an, geht über Erwachsene, bis zu Behinderten, von denen etwa 4000 dem schwedischen Reitsportverbund (SvRF) angehören. Des Weiteren gibt es oft auch spezielle Kurse z. B. für Eltern pferdebegeisterter Kinder oder Jungengruppen, ohne einschüchterndes Mädchengekicher.
Wie auch in anderen mitteleuropäischen Ländern sind es vor allem die Mädchen, die in den Pferdeställen anzutreffen sind.

Bei den „hästlekis“ treffen sich einmal wöchentlich bis zu 6 Kinder, die 40 Minuten lang im Stall den Umgang mit dem Pferd erlernen und anschließen noch 20 Minuten auf dem Pferd sitzen. Dabei ist es nicht wichtig, den Kindern erste Reitstunden zu geben, sondern Motorik und Sinneseindrücke werden dabei fokussiert.

Größere Kinder und Erwachsene nehmen Reitunterricht auf schuleigenen oder privaten Ponnies oder Pferden. Dazu meldet man sich für jedes Halbjahr erneut an und bekommt einmal wöchentlich Unterricht, praktisch, aber auch in der Theorie. In den meisten Reitschulen gibt es speziellen Unterricht für Dressur und Springen. Die Lektionen sind straff organisiert und in größeren Reitschulen werden bis zu 800 Einheiten wöchentlich erteilt.
In Schweden ist es üblich, daß auch die Pferde Urlaub haben. Da die schwedischen Sommerferien relativ lang sind, werden in der ersten Hälfte Reitkurse veranstaltet, und in der zweiten Hälfte dürfen die Pferde dann in ihre wohlverdienten Ferien – auf die Weide.
Der schwedische Reitsportverbund kontrolliert die Reitschulen und vergibt entsprechende Plaketten, an denen jeder erkennen kann, welche Anforderungen der Stall und das Personal erfüllen.

Später können sich die Reiter spezialisieren auf:

  • Dressur
  • Springen
  • Distanzreiten (Langstreckenritte zwischen 40 und 160 km)
  • Vielseitigkeit (Dressur, Springen, Gelände) („Fälttävlan“)
  • Western (relativ neuer Zweig im schwedischen Reitsport)
  • Ghymkana (Pferdesport, der ursprünglich aus England kommt (Mounted Games) und in einer Mannschaft geritten wird, z. B. Stafettenrennen im Slalom)
  • Fahren
  • Voltigieren (Turnen auf dem Pferd)

Aber auch der Trabsport und Galopprennen finden in Schweden großer Beliebtheit.
Schwedische Reitschulen sind sehr auf Wettkämpfe ausgerichtet und veranstalten viele Turniere für jede Alters- und Leistungsklasse.
Die Profireiter treffen sich dann auf nationalen und internationalen Turnieren wie z. B. der International Horse Show in Stockholm oder der Göteborg bzw. Falsterbo Horse Show.

Auch pferdebegeisterte Touristen kommen in Schweden auf ihre Kosten: Vom einstündigen Ausritt, über Reitstunden bis hin zum Mehrtagesritt ist alles möglich. Wer die Anfahrt nicht scheut, kann auch sein eigenes Pferd mitbringen, denn viele Bauernhöfe biete Gastboxen an.

Weiterführende Links:

(Autorin: Alexandra Axt-Heidemann)

1 Kommentar

  1. Fredy Ries

    Guten Tag.
    Wir werden im März für mindestens 1 Jahr nach Schweden (Lappland, Dorotea) ziehen und wollen unsere Pferde mitnehmen. Gibt es Stallungen, wo wir unsere Pferde unterbringen können? Vielen Dank für die Infos. Freundliche Grüße, Fredy Ries

    Antworten

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