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Nobelpreis 2019 steht im Zeichen der „Handtke-Debatte“

Olga Tokarczuk

Olga Tokarczuk, Literatur-Nobelpreisträgerin 2018, stiftet dem Nobel-Museum ihr Tagebuch. Foto: © Nobel Media, Clément Morin

Alljährlich am 10. Dezember glänzt Stockholm ganz im Zeichen Nobelpreise. Traditionell werden dort am Todetag Alfred Nobels die Wissenschaftspreise in Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Wirtschaft gefeiert. In Oslo wird an diesem Tag – „Nobeldagen“ – der Friedensnobelpreis verliehen. Doch in 2019 war es wiederum der Literatur-Nobelpreis, der das meiste Aufsehen erregte.

Nachdem es 2018 gar keinen Literaturpreis gab, wurden nun gleich zwei Autoren gewürdigt: Olga Tokarczuk aus Polen und Peter Handtke aus Österreich. Handtke steht in der Kritik wegen seiner Haltung zu Serbien während der Balkankriege: 1996 veröffentlichte Suhrkamp „Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien“. Auch weil Handtke bei Slobodan Miloševićs Beerdigung die Trauerrede hielt, wurde er als Freund von Kriegsverbrechern verunglimpft.

Im Zusammenhang mit der Nobelpreisverleihung an Handtke gab es in Schweden sogar Demonstrationen. Von einem traditionellen Schul-Besuch des Literatur-Preisträgers wurde Handtke ausgeladen. In der aktuellen Kultur-Debatte steht also allein die infizierte Serbien-Frage auf dem Programm. Dabei umfasst Handtkes gesamtes literarisches Werk über 100 Romane, Aufsätze, Gedichtbände und Theaterstücke von 1966 bis heute. Angesprochen auf den Krieg in Jugoslawien, sagte Peter Handtke jetzt zu Journalisten: „Ich habe keine Meinung über den Krieg. Ich mag Literatur, keine Meinungen.“

Kopfschütteln über die Schwedische Akademie

Für die Wahl der Nobelpreisträger in Literatur zeichnet die Schwedische Akademie verantwortlich. Die Insitution von 1786 mit ihren 18 ständigen Mitgliedern hat gerade in den vergangenen Jahren für Negativ-Schlagzeilen gesorgt: zuerst, als mit Bob Dylan erstmals ein Musiker den Preis erhielt, dann durch Skandale in Zusammenhang mit „me-too“. Dies war auch der Grund, warum der Literaturnobelpreis 2018 komplett ausfiel und nun zwei Preise zugleich vergeben werden.

nobelbankett

Auch in diesem Jahr wird das Nobel-Bankett im Blauen Saal des Stockholmer Stadthauses serviert. Foto: © Nobel Media AB 2018. Alexander Mahmoud.

Im Schatten der öffentlichen Diskussion stehen die Preisträger, die ja für ihr Lebenswerk und bahnbrechende Forschung geehrt werden sollen. 2019 führen folgende Wissenschaftler das Erbe Alfred Nobels fort:

  • Physik: James Peebles, Michel Mayor und Didier Queloz für die Entdeckung von Exoplaneten in Sonnensystemen und theoretische Kosmologie.
  • Chemie: John Goodenough, M. Stanley Whittingham und Akira Yoshino für die Erforschung und Entwicklung der Lithium-Ionen-Batterie.
  • Medizin: William G. Kaelin Jr, Sir Peter J. Ratcliffe und Gregg L. Semenza für die Entdeckung von „Zell-Sensoren“ für Sauerstoff und deeen Einfluss auf Krankheiten wie Blutarmut und Krebs.
  • Literatur: Für Peter Handtke, „der mit linguistischer Originalität die Peripherien der menschlichen Erfahrung erforschte“ und Olga Tokarczuk, „die mit reicher Vorstellungskraft und enzyklopädischer Leidenschaft Grenzen erzählerisch überschreitet.“
  • Der Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank im Gedanken an Alfred Nobel: Abhijit Banerjee, Esther Duflo und Michael Kremer haben „Feldversuche“ zur Bekämpfung der Armut entwickelt.
  • Der Friedensnobelpreis geht an den Ministerpräsident von Äthiopien, Abiy Ahmed Ali, für seine Anstrengungen für den Frieden am Horn von Afrika.

Alle Infos zu den diesjährigen Nobel-Preisen unter => „nobelprize.org“


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