Neptuni åkrar – Eindrücke aus der letzten Eiszeit

Auf den Spuren von Carl von Linné

Carl von Linné wurde am 5. Mai 1741 zum Professor für Medizin und Botanik an der Universität von Uppsala ernannt. Bereits eine Woche später hat er sich von dort aus auf eine Forschungsreise nach Öland und Gotland aufgemacht; die Expedition wurde vom Staat bezahlt. Zwar beschäftigte sich Linné vornehmlich mir der Tier- und Pflanzenwelt der Insel, aber eine Gegend im Norden von Öland bestaunte er in einem ganz anderen Zusammenhang. In einem seiner Reiseberichte aus dieser Zeit heißt es: „Im Norden der Insel haben Meeresstürme ständig Kieselsteine aufgeworfen, die wie riesige Wellen oder Furchen am Strand liegen.“.

Es handelt sich dabei um eine Geröllformation, die vom Inlandeis der letzten Eiszeit stammt. Die dortigen Stranddämme bestehen hauptsächlich aus flachen Steinen und Kies, die mit Hilfe der Wellen über oder parallel zur Wasserlinie aufgespült wurden. Linné gab diesem etwa 200 Meter breiten Deichsystem zwischen Norra udde und Byxelkrok den Namen „Neptuni åkrar“, benannt nach dem Meeresgott Neptun. Mit viel Fantasie kann durchaus der Anschein erweckt werden, dass Neptun diese Landschaft selbst geformt haben könnte. Linnés Fußspuren sucht man dort vergeblich. Auf dem sich ca. 1,5 Kilometer entlang der Küstenlinie ziehenden Gebiet stößt man jedoch auf andere faszinierende Dinge.

Reichhaltige Fossillandschaft

Das Gebiet ist reich an Fossilien, darunter besonders viele Versteinerungen von Trilobiten und Armfüßern. Trilobiten gehören zu den ersten Gliederfüßern (Arthropoda), sie verfügten über ein Außenskelett und zählen heute zur artenreichsten Gruppe unter allen ausgestorbenen Lebewesen. Noch heute werden alljährlich auf der ganzen Welt immer wieder neue Arten beschrieben und so sind in der Systematik gegenwärtig mehr als 15.000 unterschiedliche Spezies erfasst. Die Artenvielfalt der Armfüßer (Brachiopoda) scheint im direkten Vergleich dazu mit etwa 375 Spezies eher dürftig. Armfüßer ähneln äußerlich den Muscheln und einige Arten gibt es noch heute. Die zahlreichen Fossilien kann man in dem Gebiet von Neptuni åkrar vor allem direkt am Wasser finden. Das Gebiet ist in Bezug auf die fossile Fauna gut untersucht und heute als Naturreservat eingestuft, demzufolge verbietet sich die Mitnahme der Findlinge aus der Frühgeschichte, neben dem bestehenden ausdrücklichem Verbot, ganz von selbst.

Blaues Blütenmeer

Die Vegetation ist wegen des steinigen Untergrunds und des stetigen Windes sehr spärlich und besteht einzig und allein aus dürretoleranten Pflanzen. Auch wenn es widersprüchlich erscheint, so ist gerade die Vegetation einer der Gründe, warum Neptuni åkrar zu den meistbesuchten Gebieten Ölands gehören. Im Sommer verwandelt sich das Grau der Steine in ein Meer blaublühender Pflanzen. Dafür verantwortlich ist unter anderem der Gewöhnliche Natternkopf oder auch Blaue Natternkopf (Echium vulgare), eine krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 25 bis 100 cm erreichen kann. Eigentlich hat diese Pflanze hier gar nicht ihr eigentliches Habitat. 1934 nämlich kam in Byxelkrok eine Schiffsladung Kies von der schwedischen Insel Ven an, die im Öresund zwischen Schweden und Dänemark liegt. In diesem Kies befanden sich mehrere Samen dieser Pflanze, die sich auf diese Weise in einer relativ kurzen Zeit über Neptuns Felder ausbreiten konnte. Für Botaniker vielleicht ebenso interessant ist das dort vorkommende Kleine Habichtskraut (Pilosella officinarum), Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria), Golddistel (Carlina vulgaris), Echter Schaf-Schwingel (Festuca ovina), Wimper-Perlgras (Melica ciliata) und Sand-Thymian (Thymus serphyllum).

Ein Wanderweg mit geringem Schwierigkeitsgrad

Durch das Naturreservat führt eine etwa 3 Kilometer langer Wanderweg, der einfach zu bewältigen ist und über Kies, Geröll und Steinplatten führt. Es sind zwar keine Markierungen vorhanden, aber das Gelände ist sehr übersichtlich, so dass eine Orientierung dennoch nicht schwerfallen sollte. Man startet seine Wanderung am südlichen Parkplatz des Reservats, der etwa 2 Kilometer nördlich von Byxelkrok liegt. Die Wanderung führt schließlich über die Geröllfelder bis man nach einiger Zeit den Nordparkplatz erreicht hat. Zwischendurch lohnt es sich auch parallel direkt am Ufer der Ostsee entlang zu laufen, um vielleicht der dort vorkommenden Vogelwelt etwas näher zu kommen oder um sich die Fossilien genauer zu betrachten. Vom nördlichen Parkplatz führt schließlich ein Weg zurück nach Süden.

Spuren der Wikinger

Sofern der Wanderer noch nicht gänzlich erschöpft ist, lohnt es sich nach der Wanderung vom Südparkplatz aus noch ungefähr 100 Meter südlich zu laufen. Dort befindet sich das Forgalla-skepp, eine Schiffssetzung unserer Vorfahren, und Ölands nördlichstes Gräberfeld. Es wird auf circa 1.000 Jahre nach Christus datiert und ist 150 Meter lang sowie 30 Meter breit. 12 Steinanhäufungen (rösen) sind dort zu sehen, 32 runde Steinsetzungen und einem Treudd (Dreizack).

Südlich des Gräberfeldes befindet sich ein 1,7 Meter hoher Reststein namens Höga flisa. Der Überlieferung nach handelt es sich dabei um das Überbleibsel eines christlichen Gebetsortes für die Fischer von Byxelkrok.

Autorin: Ramona Heuckendorf – joergasmus@hotmail.com

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