Mariefred und Schloss Gripsholm

Gripsholm, das berühmteste Schloss Schwedens. Foto: Mattias Leppäniemi /imagebank.sweden.se

Gripsholm, das berühmteste Schloss Schwedens. Foto: Mattias Leppäniemi /imagebank.sweden.se

Mariefred ist ein kleines schnuckeliges Städtchen am Mälaren, ein Stück westlich von Stockholm. Im Stadtkern gibt es viele kleine Holzhäuser und an der Ecke Långgatan/Djurgårdsgatan ist noch das Haus zu sehen, in dem Bellman, der von Gustav III. öfter nach Mariefred eingeladen wurde, zeitweise lebte. Im Sommer fährt eine Schmalspurbahn durch Mariefred.
Interessant ist der kleine Friedhof des Ortes, wo Kurt Tucholsky begraben liegt, der sich, deprimiert über die Lage in Deutschland, 1935 in Mariefred das Leben nahm.

Noch viel bekannter als der Ort selber ist jedoch das unmittelbar daneben gelegene Schloss Gripsholm, das berühmteste Schloss Schwedens. Uns Deutschen ist das malerisch-mächtige Schloss vielleicht am ehesten von Tucholskys heiterem Sommerroman „Schloss Gripsholm“, der den leichten schwedischen Sommer so wunderbar beschreibt, bekannt.
Seinen Namen hat das Schloss von Bo Jonsson Grip, der es zwischen 1377 und 1383 als Festung errichtete. Seine heutige Form erhielt es auf Veranlassung Gustav Wasas. Der schwedische König ließ das Schloss ab 1537 zu einer sechseckigen Anlage mit Türmen und einem Innenhof umbauen, aber erst Karl IX. vollendete das Werk. In diesem seinem wuchtigen Königssitz verkündete Gustav Wasa 1547 die Erbmonarchie. Nach Wasas Tod war das Schloss Schauplatz bewegender und politisch brisanter Ereignisse Schwedens, etwa die Einkerkerung seines Sohnes Johan durch dessen Bruder, König Erik XIV.
1654 schenkte König Karl X. das Schloss seiner Frau Hedwig Eleonora und 1744 eröffnete Prinzessin Lovisa Ulrika, die Frau König Adolf Fredriks, hier eine rasch größer werdende Porträtsammlung. Ihr Sohn Gustav III. prägte das Gebäude durch mehrere Anbauten und das auch heute noch sehenswerte Turmtheater im Gustavianischen Rokokostil. Die Bühne im Schloss Gripsholm, eingeweiht 1783, ist – übrigens nach der von Schloss Drottningholm – die älteste der Welt, die noch mit Bühnenbildern im Original und einer einzigartigen, voll funktionstüchtigen Mechanik arbeitet. Das Theater wird heute allerdings nur noch zu feierlichen Anlässen benutzt, ist aber ansonsten zu besichtigen.
Die Porträtsammlung ist mit der Zeit immer stärker angewachsen und heute mit über 4.000 Werken die größte Nordeuropas. Persönlichkeiten aus der Geschichte bis in unsere Tage sind dort zu bestaunen.

Vor der Zugbrücke zum Schloss stehen übrigens zwei sehenswerte Runensteine. Diese legen Zeugnis ab von der verhängnisvollen Fahrt des Wikingers Ingvar Vidfamne nach Griechenland im Jahr 1040.

Am empfehlenswertesten ist ein Besuch Mariefreds und Schloss Gripsholms selbstverständlich im Sommer. Dann kann man sich auch vor dem Schloss ins Gras setzen oder legen und ein paar Zeilen in Tucholskys Roman lesen, wenn das Wetter mitspielt und einem danach ist.

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(Autor: Björn Kohlhepp)



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