Lasse-Maja – Meisterdieb in Frauenkleidern

Lars Larsson Molin Lasse Maja

Das einzige erhaltene Portrait von Lars Larsson Molin. Von einem unbekannten Künstler.

Eine kurze kriminelle Karriere und ein 25-jähriger Gefängnisaufenthalt machen sich nie gut im Lebenslauf. Das musste auch Lars Larsson Molin im Alter von 27 Jahren einsehen, als die Zellentür schwer hinter ihm ins Schloss fiel. Die Geschichte des jungen Mannes hätte hier enden können: Mit der lebenslangen Einkerkerung auf Marstrands Festung, in einer Zeit der Strafe und Härte. Wir schreiben das Jahr 1813.

Um den Lebenslauf etwas zu glätten, oder vielleicht als Beschäftigungstherapie für die lebenslange Haft, schrieb Lars fortan seine Memoiren. Natürlich nicht selbst, denn der Dieb aus Bergslagen war des Schreibens gar nicht mächtig. Stattdessen war Lars – „Lasse“ – ein Meister der Manipulation, und damit auch hinter Gittern erfolgreich. Er muss sein Werk in die Feder eines Freundes oder „Fans“ diktiert haben. Am Ende stand „Lasse-Majas seltsames Schicksal“ in Buchform – ein Bestseller des frühen 19. Jahrhunderts.

Stille Bewunderung für den unrühmlichen Dieb zieht sich seither durch die Geschichte. Lasse-Maja ist eine schillernde Figur und wohl der bekannteste Kriminelle Schwedens. Das liegt zunächst an den Frauenkleidern! Für seine Diebstähle und Betrügereien ging Lasse als Maja verkleidet in die reichen Herrenhäuser im Raum Stockholm und Mälaren.

Buchtitel Lasse Maja

Seine Autobiografie mit Untertitel „Der hosenlose Abenteurer“. Nordlitt förlag.

Der hosenlose Abenteurer

Sein Trick: Er heuerte als Dienstmädchen an und überzeugte vollauf! Nicht nur, dass er alle Hausarbeiten geschickt verrichtete, er legte auch eine überzeugende Weiblichkeit an den Tag und flirtete mit dem ein oder anderen hohen Herren. Auf diese Weise kam Lasse-Maja sehr nah an die Nachtschränke mit Wertsachen, – und am nächsten Morgen war von der bezaubernden Kammerjungfrau keine Spur mehr zu sehen.

Die Diebestouren der Lasse-Maja zogen immer weitere Kreise, und der Verwandlungskünstler flog mehr als einmal auf. Von „milderen“ Strafen wie der Büßerbank und dem öffentlichen Pranger bis hin zu Peitschenhieben wurde das Repertoire der damals zeitgemäßen Strafen angewandt. Doch Lasse-Maja ließ das Stehlen einfach nicht sein…

Sein letzter Einbruch galt der Sakristei in der Järnfälla Kirche, wo eine Menge Silber aufbewahrt wurde. Doch auch dabei wurde Lasse-Maja erwischt, und da das Fass nun übergelaufen war, gab es den Schuldspruch „Lebenslang“. Der Anblick der mächtigen Festung Marstrand auf den kahlen Klippen an der Westküste nahm dem Jüngling den letzten Mut: „Ein kalter Schauer überkam mich bei dem Gedanken, dass dies mein Grab sei“, schreibt Lars Molin in seinen Memoiren.

Doch er wäre nicht der berühmte Lars „Lasse-Maja“ Molin, wenn er sich nicht auch aus dieser Schlinge befreien könnte. Schon nach einiger Zeit auf Marstrand genoss Molin die Behandlung eines priviligierten Gefangenen. Dies hatte er seiner Kochkunst zu verdanken und einem Einfallsreichtum, der dem Gefängnisbetrieb organisatorisch wie wirtschaftlich zugute kam. Zu Beispiel hatte Lasse die Idee, zahlende Touristen ins Gefängnis Marstrand einzuladen und so die Kasse für alle Beteiligten aufzubessern – einschließlich seiner eigenen.

Spannende Unterhaltung für reiche Städter

Der Küsten-Tourismus nahm zu jener Zeit seinen Anfang, und eine frühe Form der „Krimi-Wanderung“ war für die reichen Sommergästen eine tolle Abwechslung. 1835 besuchte auch Kronprinz Oscar die Insel Marstrand und lud den bekannten Insassen zur Unterhaltung auf sein Schiff ein. Da hatte Lasse-Maja bereits sein => Buch geschrieben (= schreiben lassen) und war als „Meisterdieb in Frauenkleidern“ in ganz Schweden berühmt.

Gedenkstein Lasse-Maja

Lasse-Majas Gedenkstein in Ramsberg – ein Stück abseits der Kirche…

Lasse-Majas Zeit kannte weder Transvestismus noch das Konzept der Resozialisierung. Aber man kannte Gnade und gewährte sie nach Gutdünken. Nach 26 Jahren Gefängnis wurde Molin durch König Karl XIV Johan begnadigt. Anschließend machte Lasse-Maja das, was wenigen vergönnt ist, die sich nach einem Knick im Lebenslauf wieder berappelt haben: Er reiste durchs Land und hielt gut bezahlte Vorträge.

Es reichte für einen eigenen kleinen Hof außerhalb von Arboga. Dort starb Lasse-Maja 1845, doch sein Buch war noch lange Zeit die beliebteste Lektüre der kleinen Leute in Schweden – gleich nach der Bibel.

Zeitleiste Lars Larsson Molin, alias „Lasse Maja“

  • *1785 in Ramsberg, Västmanland als Lars Larsson
  • 1804 erste Dienstähle in Stockholm
  • 1804 – 1808 Einträge ins Rechtsprotokoll mit verschiedenen Strafen
  • 1809 Lars Larsson nennt sich Lars Molin
  • 1812 Einbruch in die Kirche Järfälla und Festnahme
  • 1813 Verurteilung zu lebenslanger Haft auf Marstrand
  • 1833 erscheint die Biografie „Lasse-Majas beynnerliga öden“
  • 1838 Begnadigung durch König Karl XIV Johan
  • + 1845 in Arboga, Västmanland

In der Kirche in => Ramsberg steht ein Gedenkstein für Lasse-Maja mit der Inschrift (übersetzt):
„In Ramsberg seine Wiege, in Arboga sein Grab, in dem Rechtsakten sein Andenken“.

Weitere Informationen auf schwedisch im schwedischen => riksarkivet.

=> Geocaching zu Lasse-Majas „Geheimversteck“.

(Autor: Katja Singer)



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