Landskrona – Parks, Geschichte und viel Meer

Das ist Schweden, Geographie, Wissenswertes

„„För en grönare Landskrona“ steht als große Aufschrift auf allen umweltfreundlichen grünen Stadtbussen: „Für ein grüneres Landskrona“. Und grün sind in der kleinen Stadt an der Westküste der südschwedischen Provinz Skåne (Schonen) nicht nur die Busse: Parks und grüne Wiesen am Meer kann man vom Stadtzentrum aus bequem zu Fuß erreichen. Kommt man am Busbahnhof an, ist man schon mittendrin im Ort. Vom neuen Bahnhof, der 2001 im Zuge der neuen Strecke „Västkustbanan“ außerhalb des Stadtzentrums gebaut wurde, fahren in engem Takt Shuttlebusse ins Zentrum. Seitdem ist Landskrona, mit 40 000 Einwohnern immerhin Skånes siebtgrößte Stadt, verkehrstechnisch noch besser in die Öresundregion eingebunden. Aber nicht nur die kurzen Wege nach Helsingborg, Lund oder Malmö machen Landskrona attraktiv: Wer hier keine hippen Läden oder Szenecafés erwartet sondern Südschweden im Kleinen kennen lernen will, sich für Geschichte interessiert oder einfach nur auf der Wiese liegen und den Blick aufs Wasser genießen möchte, der ist in der kleinen Stadt am Meer richtig.

Auffällig: Der Wasserturm am Strand

Auffällig: Der Wasserturm am Strand

Skånska und Döner

Landskrona im Sommer, das heißt: lange Strände, grüne Parks und, wenn man will, auch viel Historie. Sommer in Landskrona, das kann aber auch bedeuten: Viele Schilder mit der Aufschrift „“sommarstängt““ (den Sommer über geschlossen) und wenig Trainingsmöglichkeiten für alle, die zuhause schwedisch gelernt haben. Letzteres hat drei Gründe: Erstens tauchen die echten „Landskroniter“ besonders im allgemeinen schwedischen Urlaubsmonat Juli im Stadtbild kaum auf. Trifft man sie doch, sprechen sie meist „skånska“, und dieser Dialekt ist nicht für jeden unmittelbar als schwedisch zu identifizieren. Und schließlich hat Landskrona einen Migrantenanteil, der beinahe dem in süddeutschen Großstädten entspricht: 20 Prozent der Einwohner sind keine gebürtigen Schweden. So befindet sich in den urigen kopfsteingepflasterten Gässchen der Altstadt im ein oder anderen niedrigen alten Häuschen schon einmal ein Döner-Laden.

Kanonen am Strand erinnern an die Zeit als Garnisonsstadt

Kanonen am Strand erinnern an die Zeit als Garnisonsstadt

Kanonen am Strand

Mag die Altstadt an manchem heißen Sommerwochenende leer erscheinen, wird das durch das Besucheraufkommen in den Parkanlagen und am Strand ausgeglichen. Der Wasserturm, der aussieht wie ein riesengroßes Ufo auf drei Beinen, markiert den südlichsten Punkt des Strandes. In nördliche Richtung führt der Weg am alten Badehaus vorbei stetig bergauf, das Ufer erhebt sich immer höher über das Wasser. Von den Bänken auf der Wiese unter den alten Bäumen genießen viele Besucher den Sommerfrische-Blick auf das Meer, die Insel Ven und – natürlich – ein paar rot-weiße Holzhäuschen in der Ferne. Die Insel Ven ist landschaftlich reizvoll und in den Sommermonaten in einer halben Stunde mit dem Ausflugsboot zu erreichen. Der Blick bleibt allerdings früher oder später an etwas hängen, das nicht so richtig in das schwedische Sommeridyll passen will: Auf der Anhöhe über dem Meer stehen große schwarze Kanonen aus Gusseisen, die an die bewegte Geschichte Landskronas als Festungs- und Garnisonsstadt erinnern.

Blick von der Schrebergartenkolonie auf die Zitadelle

Blick von der Schrebergartenkolonie auf die Zitadelle

Sehenswürdigkeiten: Zitadelle und Kunsthalle

Wer darüber mehr erfahren möchte, läuft ein paar Meter landeinwärts über den Burggraben und kann eines der am besten erhaltensten Wasserschlösser Nordeuropas besichtigen: Die Zitadelle, Mitte des 16. Jahrhunderts von Dänenkönig Christian III. als „Landskrona slott“ erbaut. Die Festungsanlage mit Burggraben und Erdwall beherbergt unter anderem ein gemütliches Café und Verkaufsräume der Stiftung „Skånehantverk“ – hier sind für die Region typische, in traditioneller Handarbeit hergestellte Produkte wie Kleider, Keramik oder Schmuck zu erwerben. Um die Zitadelle herum wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Schrebergartenkolonie gegründet. Heute sind die „Citadellkolonierna“ die ältesten erhaltenen in Schweden und bestechen durch ihre fantasievoll gestalteten blühenden Gärten.

Nur wenige Gehminuten entfernt und nahe genug am Meer, um es hinter den Bäumen zu ahnen, befindet sich die Kunsthalle, ein flaches Gebäude mit viel Glas. Sie wurde 1963 zum 550-jährigen Stadtjubiläum als Ausstellungshalle für Industriedesign gebaut. Das Café hat seine Originaleinrichtung von 1963 behalten und wird vom „Landskrona Dagcenter“ bewirtet, einer Einrichtung für geistig und körperlich behinderte Menschen. Hier bekommt man zu sehr annehmbaren Preisen frisch gebackenen Kuchen serviert. Achtung: Sowohl Kunsthalle als auch Café haben nur nachmittags geöffnet!

Stadtmuseum: Reise von der Garnisons- zur Industriestadt

Von der Geschichte Landskronas als Garnisonsstadt zeugt auch der große „Kasernplan“ (Paradeplatz) im Stadtzentrum. In den angrenzenden Kasernengebäuden findet man das Stadtmuseum. Dieses bietet neben ambitionierten wechselnden Ausstellungen vor allem Exponate, anhand derer man auf Reise durch die Geschichte von Stadt und Region gehen kann. Landskrona wurde im Jahr 1413 als Handels- und Seefahrtsstadt gegründet. Seit der Errichtung der Zitadelle im 16. Jahrhundert prägte die Rolle als dänische Festungsstadt die weitere Entwicklung Landskronas. Nach dem Frieden von Roskilde im Jahr 1658 übernahmen die Schweden die Garnisonsstadt und bauten die Festung nach ihren Vorstellungen um.
Im frühen 19. Jahrhundert verlor die Stadt ihre Rolle als militärischer Stützpunkt. Erst ein halbes Jahrhundert später wurde der Ort durch die Anbindung an das neue Verkehrsmittel Eisenbahn und die Industrialisierung wieder zu einem aufstrebenden Zentrum in der Region. Die Werftenkrise in den 1980er- und die Konjunkturflaute in den 1990er-Jahren haben Landskrona schwer getroffen. Die Kräne der Werften prägen zwar noch das Bild am Hafen, werden aber nur noch für Reparaturarbeiten an Schiffen benötigt.

In allen Ausstellungen werden die Exponate liebevoll und kreativ in Szene gesetzt, zum Beispiel wird für Gegenstände wie Milchkannen oder Kinderwiegen aus alten Bauernhäusern mit traditionell gekleideten Puppen und echtem Stroh die damalige bäuerliche Lebenswelt nachgestellt.
Über die Datenbank www.landskronaminnesbank.se, die sich noch im Aufbau befindet, sind bereits zahlreiche Exponate und Stücke aus den Foto- und Kunstsammlungen des Stadtmuseums online zugänglich.

(Autor: Heike Wienholz)

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