Landhebung – Skandinavien macht sich eis-frei

Eiszeit karte

Wie die Eismassen Skandinavien formten, zeigt das Welterbe-Museum „Höga kusten“ anschaulich. Illustration: Gunvor Ekström – http://varldsarvethogakusten.se

„Wenn die Steine aus dem Boden wachsen“ legen schwedische Landwirte und Grundbesitzer die Stirn in Falten. Was für uns seltsam klingt, ist in Schweden eine Altlast der Eiszeit. Die so genannte Landhebung schreitet voran, – und das 20000 Jahre nach der letzten Glazialperiode. Das Naturphänomen ist verantwortlich dafür, dass Schwedens Landmasse noch immer in die Höhe wächst: und mit ihr Berge, Felsen und Gesteinsbrocken.

Jedes Jahr steigt Schweden so um einige Millimeter an. Natürlich sind auch die Nachbarn Norwegen und Finnland betroffen. Denn ganz Skandinavien lag in der letzten Eiszeit unter einem dicken Panzer. Einzelne Gletscher verdichteten sich zu Inlandseis, etwa so wie es heute noch auf Grönland liegt. Es schichtete sich zu einer drei bis vier Kilometer dicken Lage auf und wog entsprechend schwer auf der Erdkruste, dem Urgestein.

Derart niedergedrückt und zusammengestaucht, lagen Süd- und Mittelschweden zu weiten Teilen unter dem Meeresspiegel, als vor 10000 Jahren endlich das Eis zu schmelzen begann. Befreit von der Last konnte sich das Land wieder aus dem Meer erheben – und schließlich für den Menschen fruchtbares Ackerland bilden. Der Norden kam erst später wieder frei aus dem frostigen Griff: vor nur 2000 Jahren war das Eis dort gänzlich weggeschmolzen. Durch die geografische und zeitliche Verschiebung machen sich Landhebungen heute noch besonders in Norrland bemerkbar: Rund um die Höga kusten und Umeå steigt die Landschaft pro Jahr um einen Zentimeter empor!

Die Landhebung in Skandinavien betrug seit Ende der Eiszeit insgesamt unglaubliche 800 Meter! Und das Phänomen bringt selbst im Lauf eines Menschenalters noch sichtbare Veränderungen: An den Flachküsten verlanden mit der Zeit Bootsstege, ältere Fischerhütten stehen plötzlich viel zu weit vom Ufer entfernt. In einer Kiesgrube in Uddevalla fand man Muschelanhäufungen, die von der früheren Küstenlinie stammen. Und wenn man heute auf einem Felsblock mitten im Wald versteinerte Meerestiere findet, kann man sich vorstellen, mit welcher Kraft die Gletscher einst Land bewegt haben.

(Autor: Katja Singer)

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