Jönköping

Blick vom Skänkeberg über Jönköping mit Sofiakirche

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Zwischen bewaldeten Anhöhen, umgeben von kleinen Seen, eingebettet in Wiesen trafen sich bereits im frühen 11. Jahrhundert Handelsreisende aus Småland, Väster- und Östergötland, am Bach June, der der Stadt ihren Namen gab. June kommt sehr wahrscheinlich von Eibe und Köping bedeutet Handelsplatz – also der Handelsplatz am Eibefluß. Wir sind Urlauber und kommen mit dem Auto aus Richtung Süden nach Jönköping, in die Stadt, die am 18. Mai 1284 die Stadtrechte von König Magnus Ladulås verliehen bekam.

Zuerst sieht man nur die Mehrfamilienhäuser und Sozialwohnungen in den Vierteln Torpa und Söder und ein Industriegebiet auf der östlichen Seite. Die Suche nach einem Parkplatz führt uns durch Väster, einen Stadtteil, geprägt von staatlichen Behörden, Schulen und Science Center. Kleinere, gepflegte Parks lockern das Gebiet auf.

Der zentrale Parkplatz neben dem Bahnhof bietet sich als idealen Ausgangspunkt für Erkundungen der Stadt an.
Begleitet uns auf einem Spaziergang durch die gepflegte Metropole am Vättern mit seinen 55 000 Einwohnern! Im Landkreis Jönköping, der nicht nur aus der gleichnamigen Stadt, sondern aus Huskvarna, Gränna, Visingö, Norrahammar sowie acht weiteren Gemeinden besteht, leben etwa 123 000 Personen.

Wir beginnen am Bahnhof, in dem sich auch die Touristeninformationen mit einem breiten Spektrum an Broschüren und Souvenirs befindet, gehen durch die für schwedische „Großstädte“ übliche gläserne Wartehalle für Busreisende in östliche Richtung über den Kanal und stoßen direkt auf das „Stora Hotellet“, welches 1860 nach einem Großbrand 1854 im Neorenaissance Stil erbaut wurde.
Östlich davon beginnt die Fußgängerzone. In der Smedjegatan (Schmiedegasse), welche ihren Namen durch die im 17. und 18. Jahrhundert dort ansässigen Waffenschmiede bekam, findet man einige gut erhaltene Holzhäuser aus dieser Zeit. Die ein- und zweigeschossigen Häuser dienten als Wohnstätte (zur Straße hin) und als Arbeitsplatz (zum Munksjön hin), denn so ließen sich die Waren gut verschiffen. Heute sind in einigen Häusern Butiken, in anderen Cafés und kleine Restaurants untergebracht.

Es ist mitten im Sommer, überall blühen hübsche Blumen und die Geschäfte locken mit „Rea“ (Sonderangebote) die Menschen in die Innenstadt. Am Ende der Smedjegatan steht ein großes Gebäude, das Oberlandesgericht aus dem Jahre 1665, umgebaut um 1780. Einige Jahre zuvor, der Krieg zwischen Dänemark und Schweden und der Brand in Jönköping sind vorbei, werden die Stadtprivilegien 1620 erneuert. Kurz darauf wird Jönköping Residenzstadt. Bewegt man sich Richtung Süden, so trifft man direkt auf den Museiparken, den Museumspark mit dem Länsmuseum (schwedische Kunst aus dem 20. Jahrhundert, Kulturgeschichte über die Region, www.jkpglm.se) aus dem Jahr 1956 und einem Nebengebäude von 1991 mit eigenwilliger Architektur. Hier ist auch das John Bauer Museum mit Zeichnungen aus seiner Märchenwelt. (www.johnbauersmuseum.nu) untergebracht.

Wir gehen zurück und sehen rechts das Viertel „Kvarteret Dolken“ aus dem Ende des 18. Jahrhunderts mit seinen Holzgebäuden. Geht man die Storgatan weiter Richtung Osten kommen wir an der Kristine Kirche vorbei, welche 1673 zwar eingeweiht, der Turm aber nach insgesamt 50 Jahren Bauzeit erst 1686 fertig wurde. 1794 wurde die Kirche nach einem Brand im Neuklassizistischen Stil restauriert.
Schräg gegenüber befindet sich eine weitere Kirche, die Allianskirche, leicht an der turmförmigen „Ecke“  zu erkennen.
1710 herrschte in Jönköping die Pest. Dabei starben etwa 1100 von 2500 Einwohner. Aber auch von der Cholera wurde die Stadt heimgesucht. Bei der ersten Epidemie 1834 starben 600 Einwohner, 1/7 der ganzen Bevölkerung. Weitere Epidemien folgten 1853 und 1866, ein Jahr zuvor bekam Jönköping deshalb kommunale Wasserleitungen als 3. Stadt in Schweden.

Wir gehen weiter und kommen an zwei Gebäuden aus dem späten 18. Jahrhundert vorbei. Das weiße Gebäude linker Hand ist die alte Residenz des Regierungspräsidenten und auf der rechten Seite findet man den Ulfsparregården, der heute Wohnungen und Büros der Schwedischen Kirche beherbergt.
Jetzt ist es nicht mehr weit zum Upptech. Ein spannendes Museum für alle mit naturwissenschaftlichem und technischem Interesse. Hier kann jeder, egal welchen Alters, nach Lust und Laune experimentieren, im Planetarium die Sterne anschauen, von der Ausstellung, Berg, Wald, Wasser lernen uvm. (www.upptech.se).

Diejenigen, die eine Vorliebe für Botanik haben, laufen noch etwa 1 km weiter und treffen dann auf das Rosenlunds Rosarium. Dort gibt es schöne Rosen, exotische Bäume, einen Kräutergarten sowie Blumenzwiebeln zu bewundern. Bereits 1788 war hier ein Park angelegt, der jedoch bis etwa 1950 eher einem Garten mit Obstbäumen und Blumenrabatten glich. Erst 1978 wurde ein Rosarium angelegt. (www.jonkoping.se/tekniska).
Wir fahren jetzt in die Stadt Huskvarna, die mit Jönköping inzwischen zusammen gewachsen ist, wo das Husqvarna Fabriksmuseum besucht werden kann. Husqvarna dürfen jedem, von der Hausfrau an der Nähmaschine über den Waldarbeiter mit der Motorsäge bis zum Burschen mit dem Motorrad bekannt sein, denn alle diese Maschinen, sowie Waffen, Spießen, Fahrräder, usw. werden hier seit 1993 ausgestellt. (www.husqvarna-museum.nu).

Sonnenuntergang Vättern

Abendstimmung am Vättern

Inzwischen sind wir hungrig geworden und fahren zurück nach Jönköping. Die Straßenbahn, die 1907 in Jönköping eingeweiht wurde, existiert leider nicht mehr. Ein Spaziergang direkt am Vättern ist zu empfehlen, denn hier kann man praktisch mitten im Zentrum ein kühles Bad nehmen. Der südliche Zipfel des zweitgrößten schwedischen Sees ist geprägt von klarem Wasser und sauberem Sandstrand, denn Schweden hat auf die Flut der Einweggrills reagiert und große Abfallbehälter extra dafür aufgestellt. Auch Zugreisende können einen tollen Ausblick auf den Vättern genießen, denn die Bahnlinie führt gut einen Kilometer am See entlang. Am Hamnpiren (Hafenpier) essen wir preiswert zu Mittag und haben eine schöne Aussicht über den See inklusive.

Jetzt geht es in entgegen gesetzter Richtung weiter. Direkt neben dem Bahnhof befindet sich das Tändsticksmuseet (Streichholzmuseum) in einem schönen Holzgebäude. 1845 gründeten die Brüder John und Carl Lundström die Streichholzfabrik, welche Jönköping weltbekannt machte. Im Museum wird Geschichte der Streichhölzer und u.a. das Leben einer einfachen Arbeiterin erklärt, die verschiedensten Etiketten für Streichholzschachteln ausgestellt usw. (www.jonkoping.se/kultur/matchmuseum)

Wir spazieren durch das Viertel Väster und entdecken die Sofiakyrkan (Sofia Kirche), erbaut im neugotischen Stil und 1888 eingeweiht. Zwei Straßen weiter, an der Oxtorgsgatan, steht ein roter Holzbau, dem man seinen Zweck nicht ansieht, denn es ist die Immanuelskirche aus dem Jahr 1976.

Wir verlassen den Stadtteil über die Brücke, die über die Junegatan führt und kommen in ein ganz anderes Jönköping, in das Viertel Bäckalyckan, das vorwiegend aus schmucken Einfamilienhäusern besteht.
Nach soviel Kultur finden wir Entspannung auf dem Skänkeberg. Zuerst genießen wir die tolle Aussicht über Jönköping und erkunden dann den Stadtpark. Dort kommen nicht nur die kleineren Kinder, sondern die ganze Familie zu ihrem Recht. Wir durchstreifen den Park und finden einen riesigen Spielplatz für alle Altersgruppen, genügend Plätze fürs Picknick und einen kleinen Tierpark, der ebenso kostenlos ist wie das Freilichtmuseum. Hier laden verschiedene alte Gebäude zum Besuch ein, und im Sommer werden altes Handwerk und Traditionen gezeigt, wie z. B. das Herstellen von Waschmittel aus Asche und Talg. Einige Pfade durch den Park tragen  Frauennamen von herausragenden Småländerinnen, ein Gedenkstein mit den „Söhnen Smålands“ erinnert an 65 bedeutende Småländer.

Wer jetzt noch Zeit und Lust hat, kann ins direkt an der E 4 gelegene Einkaufszentrum A6-Center gehen. Dort findet man nicht nur IKEA, sondern über 100 weitere Geschäfte und ca. 8 Millionen Besucher jährlich.
Nicht nur für kulturell und geschichtlich Interessierte biete Jönköping viele Ziele, sondern auch für Geschäftsreisende und Studenten. Die Stadt liegt zentral in Schweden und lässt sich gut mit Zug, Auto oder Flugzeug über den internationalen Flugplatz Axamo erreichen. Die 1961 eröffneten Messehallen Elmia bieten bis zu 7000 Besuchern Platz. Mitten im Zentrum liegen gleich vier Hochschulen an denen bis zu 10 000 Studenten studieren können. Die Berufsaussichten sehen rosig aus, denn in der Gemeinde Jönköping gibt es ungefähr 9 600 Firmen, wie z. B. Saab oder Elektrolux  und eine niedrige Arbeitslosenquote.

Am Nachmittag verlassen wir Jönköping und können uns einen der unzähligen Hembygdsgårdar (Freilichtmuseum) in der näheren Umgebung anschauen oder an der Ostseite des Vätterns mit dem Auto nach Norden fahren. Man muß sich konzentrieren, um nicht nach links abzudriften, da man hier eine tolle Aussicht über den Vättern hat.

Wenige Kilometer nördlich von Jönköping liegt Gränna (www.grm.se ) der Ort, in dem die Polkagrisar (rotweiße Zuckerstange) erfunden wurden. Südlich von Jönköping liegt der 343 m hohe Taberg (www.taberg.info/gruvan ), der in jeder Hinsicht viel zu bieten hat. Von der Spitze aus hat man eine meilenweite Aussicht und durch die Grube mit besonderen Mineralien werden spannende Führungen angeboten.

(Autor: Alexandra Axt-Heidemann)

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