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Einkommen in Schweden: schwankend und transparent

Gehalt in Schweden

Schweden hat kein Steuergeheimnis. Dadurch kann jeder erfahren, was der andere verdient (Foto: Sofia Sabel / imagebank.sweden.se)

Schweden eilen zwei Vorurteile voraus: gut zu verdienen und immens viel Steuern zu zahlen. Beide sind wahr. Trotzdem hilft alles nichts: Wer wissen möchte, ob der schwedische Job finanziell mit dem in Deutschland konkurrieren kann, muss genauer hinschauen.

Im Grunde ähnelt die schwedische Gehaltsstruktur der deutschen: Man verdient in der Stadt deutlich mehr als auf dem Land, gleichzeitig schlagen dafür die Lebenshaltungskosten insbesondere durch höhere Mieten stärker zu Buche. Sonderzahlungen oder ein 13. Monatsgehalt sind bestimmten Branchen und Führungspositionen vorbehalten. Außerdem verzichtet Schweden auf einen gesetzlichen Mindestlohn, wovon die einen profitieren, die anderen nicht. Und natürlich spielen viele andere Faktoren eine Rolle, wie viel Geld am Ende des Monats noch übrig ist. Einer davon sind die Steuern. Ein anderer ist das persönliche Konsumverhalten.

Schwankende Gehälter

Das schwedische Zentralamt für Statistik (SCB) hat neue Zahlen zum mittleren Einkommen herausgegeben. Stand 2017. Demnach lag das Medianeinkommen brutto bei 30.900 Kronen im Monat. Wie auch in Deutschland verdienen Frauen im Schnitt weniger als Männer – im mittleren Einkommen beträgt der Unterschied genau 2.300 Kronen, also knapp über 200 Euro.

Meeting

Bestverdiener in Schweden sind Banker, Finanzmakler und hohe Angestellte im öffentlichen Dienst. Foto: Henrik Trygg, Imagebank Sweden

In den einzelnen Berufsgruppen gibt es natürlich große Unterschiedede im mittleren Brutto-Gehalt: Die bestbezahlten Berufsgruppen sind Bankangestellte in leitender Position mit einem Medianeinkommen von 104.200 Kronen. Es folgen Finanzmakler (91.900 kr) und leitende Angestellte im öffentlichen Dienst, Städten und Gemeinden (85.500 kr). Am unteren Ende der Gehaltsskala liegen Haus- und Reninungspersonal (20.400 kr), Servicepersonal in Cafés und Konditoreien (21.500 kr) sowie Marketing-Interviewer (22.700 kr).

Tabelle zum Median-Einkommen von Berufsgruppen in Schweden

Wie erwähnt, unterscheiden sich die Löhne regional sehr stark. Die höchsten Einkommen werden in Großstädten und deren „Speckgürteln“ erzielt. Dies ist nicht verwunderlich, denn hier konzentrieren sich die Arbeitgeber, und der Zuzug in diese Gegenden ist ungebremst stark.

Doch keine Statistik ohne Ausreißer: So liegt die nordschwedische Region Gällivare auf Platz 10 der Gemeinden mit höchsten Medianeinkommen. Die Stadt Malmö kommt hingegen auf einen der untersten Plätze. Drei Beispiele: Liegt das mittlere Jahreseinkommen für einen Arbeitsnehmer in Danderyd bei Stockholm bei 430.000 Kronen, sind es in Gällivare immerhin 370.000 und in Malmö nur noch 270.000.

Tabelle zu regionalen Lohn-Unterschieden

Höhere Steuern

Steuererklärung

Digitale Steuererklärung. Die Steuermoral ist in Schweden erstaunlich hoch und im Vergleich zu anderen Ländern wird weniger gemogelt. Foto: Fialotta Bratt – Skatteverket

Die von den schwedischen Arbeitnehmern zu tragende Einkommensteuer ist vergleichsweise hoch. Sie setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Die einkommensunabhängige Kommunalsteuer wird von jeder Gemeinde festgelegt und liegt zwischen 29 und 34 Prozent. Die staatliche Einkommenssteuer ist nach dem Einkommen des Arbeitnehmers gestaffelt, und die Grenze für die staatliche Einkommenssteuer ändert (=erhöht) sich jährlich.

Wer 2017 umgerechnet über 438.900 Kronen im Jahr verdiente, muss 20 Prozent an den Staat abführen; Wer die obere Grenze überschritt, 2017 waren das 638.500 Kronen, muss weitere 5 Prozent „Vermögenssteuer“ zahlen. Im Höchstfall gehen also 57 Prozent des Einkommens an Steuern ab. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Spitzensteuersatz bei derzeit 42 Prozent. => Mehr zum schwedischen Steuersystem.

Wer sein schwedisches Nettogehalt wissen möchte, kannst sich dies unter www.ekonomifakta.se berechnen lassen. Einfach unter Räkna ut din skatt die jeweilige Region auswählen, den Bruttoverdienst in SEK eingeben und auf Beräkna klicken.

Berufstätige Frauen
Vor diesem Hintergrund interpretieren kritische Stimmen den hohen Anteil berufstätiger Frauen in Schweden nicht ausschließlich als Zeichen der Gleichberechtigung, sondern als logische Konsequenz der wirtschaftlichen Gesamtsituation. Das Lohnniveau in Verbindung mit den hohen Steuern und Lebenshaltungskosten (unter anderem Mehrwertsteuer von 25 Prozent) lässt den meisten Familien keine andere Wahl, als zusammen arbeiten zu gehen.

Gläserne Gehälter
In einem aber unterscheiden sich die schwedischen Löhne völlig von den deutschen: In ihrer Transparenz. Während hierzulande Fragen nach dem Einkommen selbst unter Freunden oft tabu sind und der Austausch darüber in so manchem Arbeitsvertrag gemaßregelt wird, wissen die Schweden bestens übereinander Bescheid. Schweden hat nämlich kein Steuergeheimnis. Wer wissen möchte, welche Summe der Nachbar gegenüber versteuert, kann beimSkatteverket, dem schwedischen Finanzamt, Auskunft darüber verlangen. Oder wartet den jährlich erscheinenden Taxeringskalender ab, in dem alle Zahlen schriftlich erfasst sind. Einzig der schwedische König und die Königin genießen Immunität.

Trotz hohen Steuern ist die Steuermoral in Schweden relativ hoch. Mogeleien auch der reichsten Schweden halten sich im Vergleich zu anderen Ländern in Grenzen.  Das haben u.a. die „Panama-Papiere“ gezeigt. Aber immerhin: 2017 gingen dem schwedischen Staat rund 43 Milliarden Steuerkronen durch die Lappen.

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