Die Vogelstation Ottenby an Ölands Södra udde

Die Insel Öland zählt zu den beliebtesten Urlaubsorten in Schweden. Ganz besonders in den Norden zieht es alljährlich tausende Sonnenhungrige, was sehr wahrscheinlich auf den riesigen Campingplatz Böda Sands zurückzuführen ist. Aber auch im Süden Ölands wird man als Urlauber keinesfalls enttäuscht, sind dort die Stora Alvaret, die Burganlage Eketorp und das Gräberfeld von Gettlinge nur einige Beispiele für die dort zahlreich vorhandenen Sehenswürdigkeiten.

Ein oft besuchtes Ausflugsziel im äußersten Süden der Insel ist der Långe Jan, der mit 41,6 Metern höchste Leuchtturm Skandinaviens, mit dessen Bau bereits im Jahre 1784 begonnen wurde. Noch nicht einmal 100 Jahre alt ist hingegen die Ottenby fågelstation, die sich gleich in der Nachbarschaft des imposanten Leuchtturms befindet. 1946 wurde diese Vogelstation und gleichzeitig auch die Schwedische Ornithologische Vereinigung gegründet. Heute ist BirdLife Schweden für den Betrieb und die umfangreiche Forschungsarbeit dort verantwortlich. Die Forscher befassen sich in Ottenby mit den Geheimnissen des Vogelzugs, der Überwachung von Populationsveränderungen, der Beeinflussung der Vogelwelt durch den Klimawandel und auch welche Rolle Vögel als Krankheitsüberträger für den Menschen spielen können. Finanziert wird das Ganze über den Besuchertourismus, durch Führungen aber auch den Eintrittsgeldern, die anfallen, wenn man als Tourist die fantastische Aussicht von der Plattform des Lången Jan genießen möchte. Außerdem bezuschusst das schwedische Amt für Naturschutz den Betrieb der Vogelstation.

Der Stationsleiter Magnus Hellström ist zur Zeit der einzige festangestellte Mitarbeiter. Die Vogelberingung, Führungen und Vogelkartierung kann er natürlich unmöglich allein bewerkstelligen und so finden sich Jahr für Jahr 5 bis 10 gemeinnützige Mitarbeiter, die ihn bei seiner Arbeit unterstützen. Ein Beringungsleiter fungiert dabei als eine Art Aufsichtsperson für die täglich anfallenden Arbeiten. Zudem gibt es Beringer, Assistenten, Entenfänger, Kartierer, Touristenführer und „Leuchtturmwärter“. Auch das naturum (Naturschutzzentrum) und ein stundenweise geöffnetes kleines Ladengeschäft wird durch diese Belegschaft betrieben. Oft sind es engagierte junge Menschen, für die der Aufenthalt in der Vogelstation eine gute Inspiration und einen ersten Schritt in Richtung einer biologischen Hochschulausbildung darstellen.

Ornithologische Forschung wurde in Ottenby bereits seit dem 19. Jahrhundert betrieben, als dort Wilhelm Meves sowie Gustaf und Kjell Kolthoff erste Pionierarbeiten zur Ökologie der Zugvögel leisteten. Nun muss man aber auch wissen, dass sich die Schweden in manchen Dingen doch schon etwas von den übrigen Europäern unterscheiden. Ich erlebe es immer wieder, dass sie sich viel in der Natur aufhalten. Sie joggen, wandern und machen ihre fika unter freiem Himmel und dann gibt es auch noch die zahlreichen fågelskådare (Vogelbeobachter), die sich in den Wochen 20 und 21 sowie 40 bis 42 jeden Jahres in Scharen um Ottenby einfinden. Ausgerüstet mit Ferngläsern, Spektiven, Profikameraausrüstungen, ja selbst mit Richtmikrofonen begeben sich diese Hobbyornithologen dann auf die Suche nach den seltenen Vögeln, die man an diesem Ort dann auch durchaus antreffen kann. Genau über diese seltenen Sichtungen informieren sich die richtigen fågelskådare dann gegenseitig über eine eigens dafür geschaffene App. Es kommt dann schon mal vor, dass sich die richtigen Enthusiasten aus teilweise 100 Kilometer entfernten Orten sofort auf den Weg nach Ottenby begeben, um die Vogelart „xy“ ebenfalls in natura zu erleben. Für die Vogelbeobachter ist Södra udde wie ein Magnet, so wie auch für die Zugvögel, die im Frühjahr nach dem Flug über die Ostsee mit dem Lången Jan endlich Land in Sicht haben und auf Süd-Öland endlich ihre erste Rast einlegen können. Im Herbst ziehen dann Tausende von arktischen Watvögeln und Gänsen aus der russischen Tundra und Taiga wieder in Richtung Süden. In Ottenby ruhen sie sich dann eine Weile aus, bevor sie die lange Reise über die Ostsee nach Mitteleuropa oder Afrika antreten. Dabei wird die Ottenby fågelstation von Zugvögeln tatsächlich stark frequentiert. Am 28. September 2007, um 14.40 Uhr wurde dort der einmillionste Vogel beringt, ein Rotkehlchen. Inzwischen wurden insgesamt mehr als 1,2 Millionen Vögel mit einem Ring der schwedischen Beringungszentrale markiert. Um den Vögeln habhaft zu werden, werden in der Umgebung zwischen 9 und 12 kaum sichtbare Fangnetze aufgestellt und die beiden Helgolandfallen (auch Trichterfallen genannt) auf dem Gelände der Vogelstation verwendet.

Natürlich ist die südlichste Spitze Ölands nicht nur für Ornithologen ein lohnendes Ziel. Am Südkap von Öland führen Wanderwege über die weiten Wiesen und durch wunderbare Laubwälder; man ist bei dortigen Wanderungen immer begleitet von den Klängen der artenreichen Vogelwelt und dem Rauschen des Meeres. Der Långe Jan ist über einen großen Teil des Jahres geöffnet und im naturum befindet sich eine große sehenswerte und vor allen auch kinderfreundliche Ausstellung über die Natur und Kultur des südlichen Ölands. Dort kann man seine Karte für den Leuchtturmaufstieg erwerben oder eine geführte Tour buchen. Vom Frühjahr bis in den Herbst hinein werden die geführten Touren angeboten, bei denen man nicht nur verschiedensten Vogelarten begegnet, sondern auch den Kalmarsund-Seehunden und den ebenfalls dort vorkommenden Kegelrobben. Gleich neben dem naturum befindet sich ein Restaurant für das leibliche Wohl. Informieren Sie sich vor einem Besuch von Ottenby bitte über die Öffnungszeiten vom Restaurant und naturum.

(Autorin: Ramona Heuckendorf)

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