Der Weihnachtsleuchter: eine schwedische Erfindung

Lichterbogen im Fenster

Ein Weihnachtsklassiker in Schweden. Die Lichtpyramide fürs Fenster.

Wer kennt nicht die zierlichen Lichterbögen in Dreiecksform, die zur Weihnachtszeit viele heimische Fensterbretter zieren? Mit fünf bis sieben Lichtern sehen sie aus wie kleine Pyramiden und sind ein willkommener Anblick im Winterdunkel. Als Adventsleuchter mit echten Kerzen haben sie eine lange Tradition. Aber die „Elektrifizierung“ dieser typisch geformten Bögen ist eine Erfindung aus Schweden! Erstmals 1934 entzündete Oscar Andersson aus Göteborg seinen eigenen elektrischen Lichterbogen im Fenster des Elternhauses.

Man könnte meinen, die traditionellen Weihnachtsleuchter stammen aus dem Erzgebirge, einer Hochburg des hölzernen Weihnachtsschmucks. Aber während dort eher runde Bögen vorherrschen („Schwibbogen“), kommen die spitz zulaufenden Lichterreihen, genau: aus Schweden! Sie werden daher im Handel auch „Schwedenleuchter“ genannt. Erfunden hat sie Oscar Andersson, ein Elektriker aus Göteborg, der bei der Firma Philips angestellt war. Er war gerade 25 Jahre alt als er mit der „Elektrifizierung“ von Weihnachtsleuchtern experimentierte.

Oscar Andersson

Oscar Andersson (1909-1996) ist der Erfinder des elektrischen Weihnachtsleuchters und brachte von 1934 an millionenfach Weihnachtsstimmung in schwedische Haushalte. Hier ein Bild aus Familienbesitz.

Der bahnbrechenden Innovation von Oscar Andersson ging ein Flop bei Philips voraus: denn die Firma hatte um 1930 die ersten elektrischen Lichterketten mit 14-Volt-Lampen auf den Markt gebracht. Im weitläufigen Schweden gab es aber unterschiedliche Stromspannung in den Netzen – auf dem Lande zum Beispiel 220 Volt. Zuviel für die damaligen Lampen der Philips-Licherketten, von denen folglich viele reklamiert wurden. Bei Philips in Göteborg war es der junge Oscar Andersson, der sich um die beschädigte Retour-Ware kümmern musste.

Not macht bekanntlich erfinderisch, und so rettete Andersson alle Lampen, die noch halbwegs heil waren. Sein erster Lichterbogen war ein pyramidförmiges Holzgestell mit sieben Lampen à 14 Volt samt Zwischenschaltung über eine 75 Watt-Leuchte.

Nur fünf Jahre später, 1939, war der elektrische Lichterbogen Philips‘ neuer Verkaufsschlager! Unter dem Namen „Julottestake“ oder „julstake“ gingen die Schmuckbögen weg wie warme Semmeln. Um sie nicht mit den vier traditionellen Adventslichtern zu verwechseln, wurden die neumodischen „julstake“-Pyramiden erst ab dem Lucia-Fest (13. Dezember) angemacht. Angepriesen wurde vor allem die Sicherheit gegen Brandgefahr. Und natürlich die Elektrizität als „letzter Schrei“ im Weihnachtsrummel.

Lichterbogen Schwedenleuchter

Der Prototyp von Anderssons Erfindung wird im Nordiska Museum aufbewahrt. Foto: Ridde Johansson/ Nordiska museet

„Winterdunkel, Modernisierungseifer und Sicherheitsdenken: Diese drei Voraussetzungen liegen dem elektrische Lichterbogen zugrunde“, schrieb das Svenska Dagbladet über die schwedische Weihnachtserfindung. Das Produkt wurden seither millionenfach in alle Welt verkauft! Noch heute besitzen rund 90 Prozent der schwedischen Haushalte eine solche „Pyramide“, und die meisten stellen sie „alle Jahre wieder“ ins weihnachtlich dekorierte Fenster.

Allerdings dauerte es noch eine ganze Weile, bevor Oscar Andersson die volle Würdigung für seine Entdeckung erhielt. Der bescheidene Angestellte arbeitete sich vom Lagerarbeiter bis zum Internrevisor hoch und war in 49 Jahren bei Philips nur 15 Tage krank. Kurz vor seinem Tod 1996 erhielt er offiziell die Anerkennung als „Erfindung des elektrischen Weihnachtsleuchters“. Eine eigene kleine => Webseite ist seinem Andenken gewidmet. Der Prototyp seines Produkts ist im => Nordiska Museum in Stockholm zu bewundern.

Text: Katja Singer

Es liegen bisher noch keine Kommentare vor.

Schreibe einen Kommentar

Facebook
Twitter
Google+
https://www.schwedenstube.de/der-weihnachtsleuchter-eine-schwedische-erfindung