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Wettlauf um die Arktis

Polar Bear, Barter Island, Alaska

Polar Bear, Barter Island, Alaska
Foto: Alan Wilson commons.wikipedia.org (CC BY-SA 3.0)

Der Wettlauf um die Arktis – die Frage um Vormachtstellungen in der nördlichen Polarregion. Neben den starken Nationen Russland, Kanada oder Amerika verhandeln auch die Skandinavier um das eisreiche Gebiet. Gerade Norwegen stellt hohe Ansprüche, gefolgt von Dänemark, während Schweden als Beobachter neben dem wirtschaftlichen Fortschritt am Schutz der dort lebenden Menschen und der Umwelt interessiert ist.

Hintergrund

Vor 100 Jahren endete der Hochimperialismus, als Europas Großmächte um die territoriale Erschließung neuer Herrschaftsgebiete stritten. Bereits damals war von einem Wettlauf die Rede – dem „Wettlauf um Afrika“. Die Kolonialisierung der sogenannten „Wiege der Menschheit“ entfachte große Konflikte im weltpolitischen Machtstreben der europäischen Nationen. Die Folge war der Ausbruch des Ersten Weltkrieges, womit das Zeitalter des Imperialismus sein Ende fand. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts gerät viele Jahre nach der letzten Kolonialisierungsperiode abermals eine Region der Erde in den territorialen Fokus einiger Länder: Der Wettlauf um die Arktis hat begonnen. Hervorgerufen durch die globale Erwärmung nimmt das rasante Abnehmen der Eisflächen der Polarregionen seinen Anfang. Experten vermuten innerhalb der nächsten 20 bis 30 Jahre eine Eisfreiheit im Sommer.  Neben der umwelterhaltenden Brisanz tritt vor allem ein wirtschaftliches Interesse in den Vordergrund. Enorme Rohstoffvorkommen werden durch das Verschwinden der Eisdecke freigelegt, sodass die Frage nach der Ausbeutung der Öl-, Gas-, Gold- oder Eisenerzvorkommen aufkommt. Es herrscht Aufbruchsstimmung. Zum Politikum geworden, sieht sich die Arktis Propagandaaktionen und zunehmender militärischer Präsenz ausgesetzt. Nachdem bereits Russland im Jahr 2007 symbolisch die russische Flagge auf dem Meeresgrund des Nordpols aufgestellt hat, verstärken sowohl Kanada wie Dänemark, als auch Russland und die USA ihre militärischen Aufgebote zur Sicherung etwaiger Seegebiete.

Zwischen Kooperation und Konfrontation

Die unterschiedlichen Bestreben der einzelnen Interessenten zeigen neben kooperativem Handeln auch Anzeichen einer gefährlichen Konfliktsituation auf. Der militärische Aufmarsch scheint teilweise begonnen zu haben, doch inwieweit bewegt sich dies auch in der Virtualität eines erneuten „Kalten Krieges“ um die Eroberung der großen Öl- und Gasressourcen? Ist der Slogan „Wettlauf um die Arktis“ gerechtfertigt und tut sich hier ein geopolitisch gefährlicher Hotspot auf, oder überspitzt der aufkommende Medienrummel die Situation und verdeckt die eigentliche Kooperationsbereitschaft der Arktis-Staaten?

Die Arktis als Wirtschaftsbrennpunkt zu bezeichnen ist aufgrund ihrer Rohstoffvorkommen und deren Abbaumöglichkeiten, sowie neuer Schifffahrtsrouten durchaus legitim. Doch gilt es zu beachten, dass einige Gebiete kaum rentable Fördermöglichkeiten von Ressourcen bieten. Demnach stellt sich eine lukrative Ausbeutung der Polarregion in naher Zukunft als unrealistisch dar. Gerade im Bereich der Öl- und Gasförderung wäre die Arktis zwar eine friedvolle Alternative zum Nahen Osten als Rohstofflieferant, doch erhebliche Kosten und unbekannte Risiken werden die Erschließung weiter hemmen. Nichtsdestotrotz beginnt das Interesse an der Arktis stetig zu steigen.

Arctic Council

Die Hauptakteure bilden die sogenannten „Arktis-Staaten“, deren acht Mitgliedsstaaten aus Kanada, Russland, USA, Norwegen und Dänemark, sowie Finnland, Island und Schweden bestehen. Die Nationen mit direkten Gebietsansprüchen werden „Artic Five“ genannt, demnach Kanada, Russland, USA, Norwegen und Dänemark (Grönland). Die restlichen drei Nationen fordern keine konkreten Territorien ein, aber sie sind um die Stabilität und Sicherheit der an ihre Länder angrenzenden Region bemüht.

Arctic Sky

Himmlischer Horizont in der Arktis
Foto: U.S. Geological Survey (CC BY 2.0)

Entscheidend für die Bestimmung der jeweiligen Grenzen des Festlandsockels unter Wasser ist das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen. Dies legt fest, dass Förderlizenzen  bis zu 350 Seemeilen als zusätzliche Gebietsansprüche geltend gemacht werden können, falls nachgewiesen werden kann, dass sich der Festlandsockel des jeweiligen Landes eben bis in jenes Seegebiet erstreckt. Ansonsten bleibt die Souveränität des betroffenen Landes zur Förderung von Rohstoffen auf 200 Seemeilen begrenzt.  Nachdem Norwegen bereits im Jahr 2009 erfolgreich jenen Gebietsanspruch geltend gemacht hatte, planen sowohl Russland und Kanada, als auch Dänemark (Grönland) denselben Schritt. Dies führt zwangsläufig zu Überlappungen der Grenzen. Streitpunkte sind folglich der Lomonossow-Rücken, die Fischereizone um die Insel Spitzbergen oder die Seegrenze in der Beaufortsee zwischen Kanada und den USA, um nur ein Paar Beispiele zu nennen.

Unter Einhaltung des internationalen Rechts konkurrieren diese Staaten auf legale Weise, doch wer entscheidet nun über Lösungen der Konflikte. Der UN-Kommission bleibt in diesem Fall nicht mehr, als den Festlandsockel festzulegen. Die Schiedsrichterrolle zur Schlichtung von Grenzstreitfällen bleibt offen. Der Zusammenschluss der Arktis-Staaten als Arktischer Rat trägt zwar zur Entscheidungsfindung bei, doch konkrete Beschlüsse können von diesem koordinierenden Forum nicht gefasst werden. Die Spannung rund um Verhandlungen bleibt demnach bestehen. Verstärkt wird diese zusätzlich durch steigendes Interesse externer Beteiligter, wie zum Beispiel der EU oder der NATO. Der Arktische Rat beinhaltet nämlich nicht nur jene acht Arktis-Staaten, sondern er wird komplettiert durch sogenannten Beobachter. Diese werden repräsentiert durch nicht-arktische Länder wie Deutschland, Großbritannien oder China, welche die Vormachtstellung der Arktis-Staaten akzeptieren. Des Weiteren finden sich ebenfalls zahlreiche Nichtregierungsorganisationen wie der World Wide Fund For Nature WWF unter den Mitgliedern.  Deren Engagement in Arbeitsgruppen soll zur koordinierten Erschließung der Arktisregion unterstützend wirken. Eine Bewerbung als solcher Beobachter seitens der Europäischen Union wird dennoch von Arktisstaaten wie Kanada oder Russland abgewiesen, da der Trend mancher „Observer“ in Richtung direkter Teilhabe an der Arktis geht. Diese Akteure scheinen sich ihren Platz am Verhandlungstisch durch politische und wirtschaftliche Macht erzwingen zu wollen. Die Brisanz wird dadurch zunehmend größer.

Unterschliedliche Strategien zur Arktis-Frage

Die Arktis-Staaten sind zum Handeln gezwungen, das Tempo der Verhandlungen scheint anzuziehen. Einzelne Strategien wurden entwickelt, um durch klare Standpunkte optimale Kooperationsbasen zu schaffen. Während sich Schweden beispielweise darum bemüht, die Rechte, Traditionen und Territorien der einheimischen Betroffenen zu sichern und für eine friedliche Arktiszone zu sorgen, beschäftigt sich Dänemarks Strategie stark mit der wirtschaftlichen Ausbeute, dem Umweltschutz, sowie Handel und Tourismus.  Obwohl Konflikte bei der Grenzfestlegung herrschen und nicht jede Strategie der des Nachbarstaates entspricht, bleibt anzuzweifeln, dass die Arktis-Staaten auf eine multinationale Konfrontation zusteuern. Dies verdeutlicht beispielsweise die Zusammenarbeit Norwegens und Russlands in der Barentssee.  Es bleibt zu betonen, dass eine militärische Erweiterung durchaus normalen Charakter aufweist, wenn zum einen die Größe des zu erschließenden Gebietes in Betracht gezogen wird, und zum anderen kaum ausgebildete Kräfte vorhanden sind – schließlich steht das Projekt Arktis trotz des erhöhten Tempos noch relativ am Anfang.

Um von einem Wettlauf sprechen zu können, bedarf es eines Ziels, welches unterschiedliche Parteien so schnell wie möglich erreichen wollen. Dies trifft auf die Arktis zu, vor allem wenn das steigende Interesse und den Zuwachs an Beteiligten beachtet wird. Dass die Arktis-Staaten gegenseitig die Ellenbogen ausfahren, ist verständlich und nachvollziehbar, doch bisher haben alle das internationale Recht gemäß der Vereinten Nation eingehalten. Eine kriegerische Auseinandersetzung bleibt daher nach wie vor unwahrscheinlich. Das Potenzial hierzu ist jedoch stets vorhanden und kann im schlechtesten Fall durch Konflikte zwischen der NATO und der USA mit Russland verstärkt werden. International gemischte Forschungsprojekte zur  Erkundung der Arktis zeigen aber, dass momentan der Spagat zwischen nachhaltiger Nutzung sowie Schutz der gefährdeten Umwelt und lohnenswerter Ausbeutung ein deutlich größeres Gewicht genießt. Das Aufstellen der russischen Flagge darf nicht unbedingt als provozierendes Element in der Arktis-Debatte gewertet werden, sondern vielmehr als innerpolitische Demonstration von Visionen innerhalb der Wahlkampagne.

Wenn das Eis schmilzt

Eis auf dem arktischen Festland

Eis auf dem arktischen Festland
Foto: Mike Beauregard (CC BY 2.0)

Die wirtschaftlichen Chancen, welche die Arktis bergen, sind enorm. Wenige Regionen unserer Erde scheinen eine solche Spannung und Pioniergeist zu entfachen, wie die Arktis. In diesem Zusammenhang nehmen die Medien eine prekäre Rolle ein: Konflikte eignen sich besser für eine Story im allgemeinen Medienrummel, doch diese Berichterstattung verdeckt einen erheblichen Teil der tatsächlichen Sachlage. Von einem regelrechten Kampf in vermeintlich rechtsfreiem Raum kann keine Rede sein, der Slogan „Kalter Krieg in der Arktis“ ist eher Fiktion statt ernsthafter Tatsache.

Nichtsdestotrotz sind Spannungen zwischen den Arktis-Staaten weiter mit Vorsicht zu betrachten. Denn noch sind kaum Reaktionen absehbar, wenn das geschieht, worauf alles hinausläuft: Das Eis verschwindet und die Rohstoffe werden zugänglich, die Schifffahrtswege frei und der Tourismus entdeckt neue Welten.

 

Zur Vertiefung: Schwedens Strategie zur Arktisregion unter http://www.government.se/content/1/c6/16/78/59/3baa039d.pdf

Autor(in): Hannes – hofer.hannes@web.de

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