Warum wir einen Teil unserer Kindheit in Schweden verbracht haben

Als ich zum ersten Mal in Schweden war, spürte ich eine große Vertrautheit mit dem Land. Diese roten Häuser mit der weißen Veranda, die dunkelblauen Seen, die sich hinter weißen Birkenhainen verbargen, diese Briefkastenreihen an den Straßen mit der Aufschrift: „Lundgast“ oder „Svensson“, das alles war irgendwie ein Déjà-Vu-Erlebnis.

Und auf einer langen Wanderung durch die Wälder kam mir ein Satz immer wieder: „Wir gingen und gingen und gingen.“ Es war ein Satz aus dem Buch „Wir Kinder aus Bullerbü“, das ich bestimmt hundertmal gelesen hatte. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich hatte einen Teil meine Kindheit in Schweden verbracht. Hatte ich nicht in Bullerbü gewohnt, auf dem Mittelhof, dem mittleren der drei Häuser, die an der Hauptstraße lagen? Damals hieß ich Lisa, und ich hatte zwei schreckliche Brüder, Lasse und Bosse, die mich immer ärgerten.

Manchmal war ich auch Meisterdetektiv. Ich hieß Kalle Blomquist und streifte mit dem Schusterjungen Anders und der Bäckerstochter Eva-Lotte durch die Straßen, jagte Diebe, Kidnapper und sogar Mörder.

Meine Sommer verbrachte ich auf Saltkrokan, der Kräheninsel. Hier hieß ich Pelle und lag mit meinem Bernhardiner Bootsmann auf dem Bootssteg in der Sonne.

Dann wieder war ich Pipi Langstrumpf, setze mein Pferd auf der Veranda ab und führte Polizisten an der Nase herum.

Und als Ronja sprang ich mit einem gewaltigen Satz über den Höllenschlund, um Birk, dem Sohn der Borka-Bande, zu imponieren.

Dass so viele Kinder wie ich ihre Kindheit irgendwie in Schweden verbracht haben, haben wir Astrid Lindgren zu verdanken. Sie ließ uns durch ihre Bücher an ihrem Leben teilhaben und schenkte uns damit auch ihr Zuhause in Schweden. Wir feierten Mitsommer und Lucia, wir aßen Zimtschnecken und tranken Zitronenlimonade. Und wir lebten in Smaland, denn hier spielten fast alle Geschichten, die Astrid Lindgren schrieb.

Für Bullerbü (Bullerbyn) wählte die Autorin eigentlich das Dorf „Sevedstorp“ als Schauplatz für ihre Geschichte. In diesem Dorf war ihr Vater aufgewachsen, und auch sie verbrachte einen Teil ihrer Ferien hier.

Kalle Blomquist war in einer Kleinstadt unterwegs, die Astrid Lindgren „Kleinköping“ (Lillköping) nannte. Dort betrieb sein Vater in der Hauptstraße 14 einen Lebensmittelladen.

Lillköping ist ein Fantasiename, aber wahrscheinlich hat Astrid Lidgren beim Schreiben der Romane ihre Heimatstadt Vimmersby vor Augen gehabt. Dort gibt es tatsächlich eine Hauptstraße, einige kleine Straßen, den großen Markt und „viele kopfsteingepflasterte bucklige Gassen.“ Auch Lönneberga war eigentlich Vimmersby, und wahrscheinlich stand hier auch die Villa Kunterbunt.

Astrid Lindgren schenkte uns ihre unbeschwerte Kindheit, die sie mit ihren Geschwistern im Stadtteil Näs auf einem ehemaligen Bauernhof verbrachte. Die Landschaft, durch die sie lief, die Bäume, in denen sie sich versteckte, die Freunde und Geschwister, mit denen sie spielte, die Erwachsenen, mit denen sie sich auseinander setzen musste, sie alle finden einen Platz in ihren Büchern und damit auch in unserer Kindheit.

Danke, Astrid Lindgren!

Autor(in): Annette W. – ost@annette-weber.co

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