Trachten in Schweden

Tracht aus Östra Härad in Jönköpingslän, Foto Göran Sandstedt, mit freundlicher Genehmigung von Jönköpinslänsmuseum

In Schweden werden die Volkstrachten (folkdräkten) definiert als die Bekleidung, die die Menschen in einer bestimmten Region, z.B. einem Kirchspiel (socken) oder einer kleinerern Verwaltungseinheit wie der Harde (härad) vor Beginn der Industrialisierung, also um 1850 trugen. Damals wurde die Bekleidung komplett selbst herstellt, d.h. auch die Stoffe wurden aus der Wolle der eigenen Schafe bzw. dem selbst angebauten Leinen gewebt. Mit Beginn der Industrialisierung, der Flurbereinigung und dem Bau der Eisenbahn kam die Landbevölkerung nun in Kontakt mit der Mode aus der Stadt, man konnte nun Stoffe und fertige Bekleidung kaufen und die Volkstrachten verschwanden. Um 1900 herum begannen nun städtisch und mehr intellektuell geprägte Leute im Zuge der Nationalromantik nach den alten Trachten zu suchen. Es wurden Trachtenvereine (dräktråd) gegründet, die es sich zur Aufgabe gemacht haben das Wissen über die Trachten zu bewahren und weiter zu geben.

Man unterscheidet heute die dokumentierte Tracht,  die rekonstruierte Tracht und die komponierte Tracht. Bei der dokumentierten Tracht handelt es sich um eine Tracht, die, wie der Name schon sagt, genau dokumentiert ist, d.h. man fand komplett erhaltene Kleidungsstücke mit allem Zubehör, und man konnte genau sagen woher sie stammen. Da nicht in allen Regionen komplette Volkstrachten erhalten geblieben sind, hat man versucht die Trachten so gut wie möglich zu rekonstruieren. Manchmal fand man einzelne original Teile oder wenigsten Lumpen und Stoffreste.  Teilweise wurden die Trachten aber auch nur anhand von Abbildungen rekonstruiert. Je weniger man gefunden hatte, desto freier wurden nun die Trachten nachempfunden und schliesslich wurden Trachten frei komponiert.

In den Städten gab es nie Volkstrachten, doch in der Nationalromantik bestand nun auch hier ein Bedürfnis nach Tracht. Aus diesem Grunde  wurde auf Initiative von Märta Jörgensen im Jahre 1902 der schwedische Nationaltrachtenverein (Svenska Nationaldräktvöreningen) gegründet. Zusammen mit Künstlern wie Anders Zorn u.a. entwarfen sie nun die Nationaltracht (Sverigedräkt). Diese Sverigedräkt hat sich jedoch nicht durchgesetzt und ist bald wieder in Vergessenheit geraten.

In den 1970-er Jahren gab es wieder eine nationalromantische Bewegung und noch einmal versuchte man, die Nationaltracht zu beleben. Doch auch wenn die Königin Silvia alljährlich am Nationalfeiertag mit dieser Sverigedräkt auftritt, hat sie sich nicht wirklich durchsetzen können.

In den 1970-er Jahren war es teilweise noch üblich, Volkstrachten zur Hochzeit oder Konfirmation zu tragen, doch heutzutage werden die Volkstrachten eigentlich nur noch im Zusammenhang mit Volkstanz- und Volksmusik-Aufführen getragen. In einigen besonders touristisch geprägten Regionen, wie etwa Dalarna, gibt es natürlich auch noch ein paar ‚Trachtler vom Dienst‘.

 

Tracht aus Västbo Härad, Jönköpings län, Foto Göran Sandstedt, mit freundlicher Genehmigung von Jönköpingslänsmuseum

 

 

Wer sich gerne eine Volkstracht oder Sverigedräkt kaufen möchte findet hier die nötigen Adressen. Ausserdem gibt es hier eine Vielzahl Bilder, die ich aus urheberrechtlichen Gründen nicht kopieren darf.

http://hoglundsskradderi.com

www.sverigedräkten.se

www.folkdrakt.se

www.sverigedrakten.se

http://www.charlotte-weibull.se

Wer nur eine ganz billige einfache Sverigedräkt für den einmaligen Gebrauch sucht, der wir din Stockholm in der Västerlanggatan fündig. In der Touristenmeile gibt es billige Teile made in Fernost.

Autor(in): Birgit – birgit.nibler@gmx.de

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