Systembolaget – Alkohol nur in dafür vorgesehenen Läden

Ein moderner Systembolaget in Schweden. Bild aus Wikipedia. Fotograf: Dmitry G

Ein moderner Systembolaget in Schweden. Bild aus Wikipedia. Fotograf: Dmitry G

Manchen Schwedenreisenden kommt es immer noch etwas komisch vor. Was ist das für ein Laden, der Systembolaget? Warum gibt es in Schweden alkoholische Getränke nur im Systembolaget? Und ist das der Grund, warum die Schweden so gerne und bei ihren Festen oft auch übermäßig Alkohol trinken? Oder ist es genau umgekehrt, man hat den Systembolaget eingeführt, WEIL die Schweden gerne so viel trinken?

Die Einrichtung des Systembolaget ist in Schweden ein staatliches Unternehmen, welches als einziges das Recht hat, alkoholische Getränke mit einem Alkoholgehalt über 3,5 % zu verkaufen. Eingeführt hat man dieses System, um den Alkoholkonsum in Schweden zu kontrollieren.

Im 18. und 19. Jahrhundert war der Alkoholkonsum in Schweden ein Problem. Die Ursache lag häufig in sozialen Problemen und die wirtschaftlich benachteiligte Bevölkerung sah keinen anderen Ausweg, als ihre Probleme in erhöhtem Alkoholkonsum zu „lösen“. Zudem brannten immer mehr Haushalte ihren eigenen Alkohol. Kartoffeln und Getreide, wichtige Lebensmittel wurden in Alkohol umgesetzt. Es entstanden Vereinigungen, die den Alkoholkonsum eindämmen wollten. Man begann Herstellung und Einfuhr alkoholischer Getränke zu regeln. Der erste Systembolaget wurde 1850 in Falun in Dalarna von Bergleuten eingerichtet. Man wollte die Bevölkerung zu einem vernünftigen Umgang mit dem Alkohol führen. Das Unternehmen durfte keinen Gewinn erzielen, die Einnahmen wurden daher für gemeinnützige Zwecke verwendet. 1860 wurde das private Brennen verboten. Im Laufe der Jahre entstanden nun immer mehr dieser Geschäfte in verschiedenen schwedischen Städten.

Noch strenger wurde das Ganze dann 1914. Jetzt wurde die Rationierung alkoholischer Produkte eingeführt. Weiterhin hat man Import, Export und Vertrieb von Alkohol monopolisiert. Nur der Staat hatte das Recht, Alkohol zu verkaufen. Jeder Kunde erhielt nur noch 2 Liter Spirituosen in einem Zeitraum von 2 Monaten. Auch nach dem Krieg wurde die Rationierung aufrecht erhalten. Von Geschlecht, Einkommen und sozialem Status hing es ab, wieviel Alkohol man kaufen durfte. Arbeitslose und verheiratete Frauen bekamen gar keinen Alkohol. 1955 wurde diese Regelung wieder aufgehoben, jedoch entstand das staatliche Unternehmen „Nya Systemaktiebolage“, in welchem die lokalen Systembolaget-Unternehmen integriert wurden. Von nun an konnte wieder frei eingekauft werden und der Alkoholkonsum stieg, aufgrund dessen man deutlich erhöhte Steuern auf alkoholische Produkte einführte.

Auch heute noch ist der Verkauf vom Staat kontrolliert und geregelt, auch wenn es heute etwas lockerer zugeht. Früher fühlte man sich schon fast als Sträfling oder Säufer, wenn man dem Verkäufer hinter der Ladentheke seine Wünsche äußerte. Heute herrscht im Systembolaget Selbstbedienung und man kauft eigentlich genauso ein wie in einem Supermarkt. Im Gegenteil, in den großen Systembolagets in den großen schwedischen Städten, ja eigentlich oft auch in relativ kleinen Ortschaften, wird ein erstaunlich gutes Angebot präsentiert, oft steht mehr zur Auswahl als in einem deutschen Supermarkt. Das Angebot ist nicht schlecht, man kann Weine aus allen Weinregionen der Welt kaufen. Zugegeben, was aus Deutschland angeboten ist, ist meistens nicht gerade das, was ein deutscher Weinkenner trinken möchte. Zudem steht ein aktueller Katalog zur Verfügung, aus dem man alles, was nicht auf Lager ist, bestellen und am nächsten Tag abholen kann.

Nach dem Beitritt Schwedens zur Europäischen Union im Jahre 1995 blieb Systembolaget weiterhin bestehen, auch wenn in Frage gestellt wurde, ob dieses System nun überhaupt noch einen Sinn hat. 2007 wurde vom Europäischen Gerichtshof ein Urteil gefällt, dass die Schwedische Alkoholpolitik hier gegen den Grundsatz des freien Warenverkehrs verstößt. Seither können die Schweden nun alkoholische Produkte direkt aus anderen EU-Staaten kaufen und bestellen und müssen ausländische Spirituosen nicht mehr über Systembolaget beziehen.

Heute betreibt Systembolaget in ganz Schweden über 100 Geschäfte und ca. 3000 Verkaufsstellen. „Jeder“ kann nach Lust und Laune hier einkaufen. Die einzigen Bedingungen: man muss mindestens 20 Jahre alt sein. Außerdem haben die Verkäufer Anweisung, keinen Alkohol an Leute zu verkaufen, die einen angetrunkenen Eindruck machen. Somit hat sich die Situation in Schweden, was Alkohol angeht gegenüber noch vor 100 bis 150 Jahren grundlegend geändert und der Systembolaget wird heute als ein ganz normales Geschäft angesehen.

Autorin: Heide – Heide.Walker@conductix.com

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