Sigtuna – Die älteste Stadt Schwedens

Die Stora Gatan in Sigtuna. Foto: Carles Tomás Martí /flickr.com (CC BY 2.0)

Die Stora Gatan in Sigtuna. Foto: Carles Tomás Martí /flickr.com (CC BY 2.0)

Sigtuna ist ein beschauliches Städtchen am Ufer des Mälaren. Mit seinen Holzhäusern, Cafés, Geschäften und Geschäftchen, Kunstgalerien. In der Stadt und ihrer Umgebung finden sich viele Runensteine. Sigtuna ist reich an Geschichte. Seit mehr als Tausend Jahren leben hier Menschen – es ist die älteste noch bestehende Stadt Schwedens.

Sigtuna, die idyllische Kleinstadt mit ihren knapp 8.500 Einwohnern, liegt am Sigtunafjärden, einem Seitenarm des Mälaren. Rund 50 Kilomter nordwestlich von Stockholm. Hinter oder besser unter der Beschaulichkeit kommt die lange Geschichte des Städtchens zum Vorschein.  Manches lässt sich bei Streifzügen durch den Ort und im Sigtuna-Museum entdecken.

Um 980 gegründet

Die Historie der Stadt findet in dem Slogan „Sigtuna – Where Sweden begins“ Widerhall. Tatsächlich scheint von Sigtuna die „Vereinigung“ der verschiedenen Herrschaftsgebiete zu einem Königreich Schweden ausgegangen zu sein. Der Ort war Zentrum der sich entwickelnden Zentralmacht. Für die einstige Bedeutung sprechen nicht nur archäologische Funde, sondern auch die mehrfache Erwähnung in den altwestnordischen Skaldengedichten.

Die Gründung der Stadt wird auf die Zeit um 980 datiert. Die Wikingerzeit ist im Ausklingen, das schwedische Mittelalter bricht an. Sigtuna entstand auf Betreiben des Svearkönigs Erik Segersälls, Erik VIII., der Siegesfrohe. Lange Zeit wurde ihm die Vereinigung des heutigen Mittelschwedens zugerechnet. Heute schreibt man dieses Verdienst seinem Sohn Olov Skötkonnung zu.

Königliches, wirtschaftliches und religiöses Zentrum

Ruine der St. Olofs Kirche. Foto: Udo Schröter /flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Ruine der St. Olofs Kirche. Foto: Udo Schröter /flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Zur Gründung Sigtunas führten wahrscheinlich mehrere Faktoren. Zum einen war es wohl der politische Ehrgeiz Erik Segersälls sich eine Machtbasis zu schaffen, von wo aus er die Mälaren-Provinzen unter seiner Kontrolle hatte. Zudem übernahm Sigtuna die Rolle von Birka als Handelszentrum. In beiden Fällen spielte sicher auch die strategische Lage eine Rolle.

Für Sigtuna als Macht- und Handelszentrum als Basis des frühen Zentralismus spricht auch, dass unter den König Olof Skötkonnung und später seinem Sohn Anund Jakob die ersten schwedischen Münzen geschlagen wurden.

Ein weiterer Faktor der Sigtuna entstehen ließ, dürfte die Christianisierung gewesen sein. Auch wenn Erik Segersäll nur zeitweilig den neuen Glauben annahm, war die neu gegründete Stadt von Anbeginn eine christliche – ein Gegenpol zum (noch) „heidnischen“ Zentrum Gamla Uppsala.

Stadt der Kirchen

Wo sonst, als in dem Zentrum am Mälarsee sollte die erste Steinkirche der Region entstehen. Später – Sigtuna wurde 1060 Bischofssitz – entstand daraus die Domkirche. Daneben entstanden im frühen Mittelalter noch sechs oder sieben weitere Kirchen. Mitte des 13. Jahrhunderts kam ein Dominikanerkloster hinzu. Von der kirchlichen Pracht ist heute nur die Marienkirche erhalten. Von den anderen Gotteshäusern allenfalls (sehenswerte) Ruinen.

Sigtuna heute

Das "kleine Rathaus" in Sigtuna. Foto: Nosleeper (Roberto Terracciano) /flickr.com (CC BY 2.0)

Das „kleine Rathaus“ in Sigtuna. Foto: Nosleeper (Roberto Terracciano) /flickr.com (CC BY 2.0)

Bis ins ausgehende 13. Jahrhundert hielt Sigtuna seine herausragende Stellung. Trotz Zerstörung 1187 und Verlust des Bischofssitzes. Mit zunehmender Entwicklung von Uppsala und Stockholm sank die Bedeutung der Stadt. Die Reformation tat ihr Übriges. Die Stadt lag danieder. In der Literatur des 19.Jahrhunderts ist von einem gottvergessenen Ort mit romantischen, überwachsenen Ruinen die Rede.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam das Leben zurück. Sigtuna erhielt mehrere Schulen und staatliche Ausbildungsstätten. Olof Palme (der Ministerpräsident) verbrachte einige Jahre seiner Schulzeit in dem Städtchen. Zudem entdeckten Touristen den geschichtsträchtigen Ort. Die Nähe zur schwedischen Hauptstadt, auch der Flughafen Stockholm-Arlanda trugen zur neuen Blüte bei.

Dabei hat Sigtuna mit Häusern und Häuschen aus Holz aus dem 18. und 19. Jahrhundert sein Idyll bewahrt. Beispielsweise in der Stora Malmgatan oder am Marktplatz das Rathaus, wohl das kleinste in ganz Schweden.

Wie zur Gründungszeit Sigtunas verläuft heute noch die Stora Gatan. Nur bis zu drei Meter höher. Darunter liegt die Geschichte der Stadt. Bei Ausgrabungen fanden Archäologen mehrere Straßen übereinander. Schließlich kam ein ganzes Viertel zum Vorschein, an dem sich ablesen lässt, dass das alte Sigtuna nach einem regelmäßigem Plan entstand. Die Stadtplanung ähnelt der von Trondheim und Oslo, aber auch York und Dublin.

Einen Überblick, was es zu erleben und entdecken gibt, wie und wo die Tage in Sigtuna, der ältesten Stadt Schwedens, verbringen, bietet www.sigtuna.se.

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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