Schloss Kalmar – Schlüssel zu Schweden

Einst Trutzburg, heute der besterhaltene Renaissance-Palast Nordeuropas und beliebtes Touristenziel thront das Schloss auf einer kleinen Halbinsel im Süden der Stadt Kalmar. „Schlüssel zum Königreich“, Gefängnis, Getreidespeicher, Schnapsbrennerei. Tragende Rolle in der skandinavischen Politik und Verfall. Am Ufer der Ostsee trotzen die Mauern Schloss Kalmars seit über 800 Jahren einer wechselvollen Geschichte.

Schloss Kalmar. Foto: Percita / flickr.com, (CC BY-SA 2.0)

Schloss Kalmar. Foto: Percita / flickr.com, (CC BY-SA 2.0)

Die lange Historie hat ihre Spuren an einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Schwedens hinterlassen. Seit dem 19.Jahrhundert dauern die Restaurierungsarbeiten an den Gemäuern, deren Ursprung im 12.Jahrhundert liegt, an.

Zu jener Zeit waren die östlichen Küsten Schwedens ständigen Angriffen und Raubzügen unter anderen durch Piraten und Dänen ausgesetzt. Unter Knut Eriksson wurden Schutzmaßnahmen gegen Feinde, die von der See die Häfen und Städte bedrohten, ergriffen. So entstand auch am Kalmarsund um 1180 ein Verteidigungsturm. Mit der Stadt Kalmar wuchs die Verteidigungsanlage. Ende des 13. Jahrhunderts entstand um den Verteidigungsturm eine Burganlage mit Ringmauer samt vier Rundtürmen. Diese Türme waren lange Zeit einzigartig in Skandinavien.

Fertiggestellt galt die mittelalterliche Festung als Schwedens stärkste. Zudem nahm die strategische Bedeutung aufgrund der Lage zu. Kalmar hatte eine Schlüsseposition in der Verteidigung Schwedens. Sowohl gegen Feinde aus dem südöstlichen Ostseeraum, als auch oft genug gegen die Dänen. Die standen praktisch vor der Haustür. Die Lage war es auch, die Kalmar als Treffpunkt für politische Verhandlungen empfahl.

Herausragendstes Ereignis in der Geschichte des heutigen Schlosses ist das Abkommen zur Vereinigung Dänemarks, Schwedens und Norwegens unter einem Regenten. Die Gründung der Kalmarer Union 1397. Auf Schloss Kalmar fanden die wichtigsten Treffen der Union statt. Bis zu deren Ende 1523.

Foto: Percita / flickr.com, (CC BY-SA 2.0)

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In diesem Jahr wurde Gustav Eriksson Vasa schwedischer König. Nach seiner Flucht aus dänischer Gefangenschaft fand er Zuflucht in der damals grenznahen Festung. An Gustav Vasa erinnern heute ein Brunnen und Monument in der Schlossanlage.

Gustav übernahm eine veraltete und vom Krieg gezeichnete Festung, die er wieder herrichten und gegen die aufkommende Artillerie schützen ließ. Seine Söhne setzten die Umbauten fort. In dieser Zeit, dem 16. Jahrhundert, schwand der mittelalterliche Charakter der Burg. Mit der Verpflichtung ausländischer Architekten durch Gustav und seine Söhne nahm die alte Burg ihr heutiges Antlitz an. Ein Schloss im Stil der Renaissance.

Nach Jahrzehnten des Krieges, Verwüstungen durch Feuer und der Verlagerung der schwedischen Grenze verlor Kalmar seine Schlüsselposition. Das einst mächtige Bollwerk und imposante Schloss verkam im ab dem ausgehenden 17. Jahrhundert zur Lagerhalle, Gefängnis, Destillerie. Die Anlage verfiel allmählich. Ein Bollwerk, das zwischen 1307 und 1611 24 Belagerungen standhielt.

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Niedergang gestoppt, der historische Wert erkannt. Die Restaurierung begann. Ein Zustand, der bis heute anhält. Nach und nach erstrahlen die Mauern im alten Glanz wieder. Eine Ahnung der früheren Bedeutung kommt beim Anblick auf, besonders von Seeseite. In Folge der Restaurierung zog neues Leben ins Schloss. Zwar wandeln heute Könige samt Gefolge nur zu ausgesuchten Anlässen durch die Säle und Kammern des „Schlüssels zum Königreich“. Dafür ist Schloss Kalmar mit archäologischem und ethnologischem Museum sowie Ausstellungen ein Anziehungspunkt für (weniger feindlich gesinnte) Besucher geworden.

Die Kapelle der früheren Festung steht Pärchen offen, die den Bund der Ehe schließen wollen.

Autor(in): Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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