Rolf Lassgård – der schwedischste aller schwedischen Schauspieler

Mittlerweile gibt es ja in Deutschland ein paar schwedische Schauspieler, die auch dem breiten Fernsehpublikum bekannt sind. Einer der ersten, oder vielleicht DER erste, der sich hierzulande einen Namen gemacht hat, ist allerdings Rolf Lassgård.

Bekannt wurde er durch die Kultfigur Kurt Wallander. Die Romane des schwedischen Autors Henning Mankell und deren Verfilmungen lösten einen regelrechten Schweden-Boom in Deutschland aus. Die Rolle war Lassgård geradezu auf den Leib geschrieben. Der Polizist, der persönlich mit einigen Schwächen und Problemen zu kämpfen hat, verbeißt sich in seine Arbeit im Polizeirevier Ystad. Im Anschluss an die Verfilmung der Romane entstand eine TV-Serie um die Figur Kurt Wallander. Diese Rolle ging aber an Krister Henrikkson, der einen ganz anderen Typen verkörperte. Auch eine britische Verfilmung der Wallander-Romane gab es, diese mit Kenneth Branagh in der Hauptrolle. Für die meisten Zuschauer in Schweden und in Deutschland gilt aber Lassgård als der einzig „wahre“ Wallander.

Wie so oft beginnt man nach einer so spektakulären Rolle, den Schauspieler genauer unter die Lupe zu nehmen und entdeckt dabei, dass man ihn durchaus zuvor schon gesehen hat. Nicht erst als Kurt Wallander erschien er auf den deutschen Mattscheiben. Eine etwas kleinere Polizistenrolle hatte er als Gunvald Larsson in der Verfilmung der Original Kommissar-Beck-Romane der Kultautoren Sjöwall und Wahlöö. In den später entstandenen „neuen Fällen“ ging diese Rolle in etwas spektakulärerer Form an Mikael Persbrandt. Einer der ersten schwedischen Spielfilme, die hierzulande im TV zu sehen waren, war Jägerna, die Jäger. Auch hier spielte Lassgård in der Hauptrolle einen Polizisten.

Doch wer ist Lassgård eigentlich? Der 1955 in Östersund geborene Schauspieler ist seit dreißig Jahren verheiratet und hat drei Kinder. Die Theaterschule besuchte er in Malmö und spielte später in klassischen Theaterstücken mit. Seit den 90ern steht er hauptsächlich vor der Kamera und erhielt erstklassige Rollen in so bekannten schwedischen und internationalen Produktionen wie „under solen“, „det enda rationella“, „sturm“, „den man älskar“, järnets änglar“, „efter bröllopet“, „tre solar“ und „gossip“. Dabei arbeitete er mit so erfolgreichen Kolleginnen und Kollegen wie Helena Bergström, Pernilla August, Sofia Ledarp, Jonas Karlsson, Mads Mikkelsen, Lena Endre, Mikael Persbrandt, Marie Richardson und Stina Ekblad zusammen. Für seine Rolle in „Min store tjocke far“ erhielt er 1993 den Guldbagge, den begehrten schwedischen Filmpreis, in der Kategorie bester männlicher Hauptdarsteller. Auch in deutschen Produktionen tauchte er auf. Sowohl im Afrika-Drama „Ellas Geheimnis“ als auch später in der Bella-Block-Folge „Das schwarze Zimmer“ spielte er neben Hannelore Hoger und unter Regisseur Rainer Kaufmann. Dabei wurde zweisprachig gedreht und Lassgård synchronisierte sich, obwohl er kein Deutsch kann, später selbst.

Das Theater hat Lassgård trotz aller Filmerfolge nie aufgegeben. Er spielte in so bekannten Stücken wie „Fröken Julie“, „Elling“ und „Bröderna Karamazov“ mit und hatte Engagements an vielen namhaften Theatern des Landes. Auch Kinder-CDs und Hörbücher standen für den Alleskönner auf dem Programm. Abgerundet wurde das Ganze durch eine Frauenrolle im Musical Hairspray.

Lassgård gilt, auch in Schweden, als der schwedischste aller schwedischen Schauspieler. Der 1,96 m große, kräftige Blonde gibt gerne den ruppigen Typ, der im Innern aber sensibel und manchmal auch komplexbeladen ist. Mit einem Strahlemann nach Hollywoodmanier hat er gottlob nichts gemein. Er fällt auf, wirkt aber authentisch und menschlich, mit allen Schwächen und Stärken.

 

 

 

Autor(in): Annette – a.biemer@t-online.de

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