Rentiere – in Lappland zu Hause

Fast wie Santa mit seinem Rentier-Gespann... Foto: Staffan Widstrand/ imagebank.sweden.se

Fast wie Santa mit seinem Rentier-Gespann… Foto: Staffan Widstrand/ imagebank.sweden.se

Rentiere bringt man automatisch mit Lappland in Verbindung. Zu einem Urlaub in Lappland gehört es dazu, dass man auch Rentiere sehen möchte. Und das ist gar nicht so schwer.

Rentiere sind in den nördlichen Teilen sowohl Europas, Asiens als auch Nordamerikas weit verbreitet, die amerikanische Variante heißt jedoch Karibu, ein Begriff aus der Sprache der Indianer. Sogar auf den arktischen Inseln Grönland und Svalbard kommen Rentiere vor, allerdings ist die dortige Art etwas kleiner. Um der großen Kälte im Winter zu entgehen, unternehmen die Rentierherden große Wanderungen nach Süden, zum Teil über mehrere 1000 km.

Rentier in Lappland. Foto aus Wikipedia. Fotograf: Alexandre Buisse

Rentier in Lappland. Foto aus Wikipedia. Fotograf: Alexandre Buisse

Die Rentiere in Europa, also in Lappland und Nordostrussland, sind zum größten Teil domestiziert, oder genauer gesagt halbdomestiziert. Das heißt, sie sind halbwild und bewegen sich in freier Wildbahn, sind jedoch am Ohr gekennzeichnet und damit in Besitz der Samen, der Ureinwohner Lappland. Nur in der norwegischen Hardangervidda gibt es noch ein paar frei lebende Rentiere, die niemandem „gehören“.

Das Rentier, oder auch einfach nur Ren genannt, gehört zur Familie der Hirsche. Es sind Herdentiere, die sich während der großen Wanderungen im Frühjahr und Herbst in großen Herden zusammenfinden. Sie ernähren sich vorwiegend von Gräsern, Pilzen und Moosen und vor allem von der nach ihnen benannten Rentierflechte.

Und ewig grüßt das Rentier... Foto: Lola Akinmade Åkerström/ imagebank.sweden.se

Und ewig grüßt das Rentier… Foto: Lola Akinmade Åkerström/ imagebank.sweden.se

Die jungen Rentiere kommen im Mai oder Juni zur Welt. Die Größe der Tiere schwankt je nach Region, in der sie leben. Sie können eine Schulterhöhe bis 140 cm und ein Gewicht bis 300 kg erreichen. Die Farbe des Felles ist im Sommer dunkelbraun, im Winter kann es dagegen fast weiß werden. Das Fell ist sehr dicht und schützt durch die luftgefüllten Haare ideal vor Kälte. Auch tragen die Tiere einen dichten, stark isolierenden Unterpelz. Daher verwenden die Samen gerne das Fell der Rentiere als Decken zum Schutz gegen Kälte.

Als einzige Hirschart trägt bei den Rentieren auch das Weibchen ein Geweih. Die Männchen werfen ihr Geweih im Herbst ab, die Weibchen dagegen erst im Frühjahr. Rentiere werden durchschnittlich 12 bis 15 Jahre alt, teilweise aber auch älter. Ihre natürlichen Feinde sind Wolf, Luchs, Bär und Vielfraß. Nicht lebensgefährlich, aber doch sehr lästig für die Rentiere, sind die vielen Mücken in den Sommermonaten. Hierunter leiden die Rentiere nicht weniger als die Menschen.

Schon seit Urzeiten hat man in den nördlichen Regionen nicht nur Rentiere gejagt, sondern alles vom Rentier genutzt: etwa das Fell für Bekleidung, das Geweih und die Knochen zur Herstellung von Werkzeug. Und man begann schließlich auch die Tiere zu domestizieren. Welches Volk damit angefangen hatte, ist unbekannt. Für die Nenzen in Sibirien, aber auch für viele Samen in Lappland ist das Rentier die Lebensgrundlage. Früher hatten sie einzelne Rentiere als Last- und Zugtiere genutzt, später wurde die Rentierzucht intensiv mit großen Herden betrieben. Heute leben noch etwa 15 Prozent der Samen ausschließlich von der Rentierzucht, aber etwa ein Drittel aller Samen ist in irgendeiner Form mit der Rentierwirtschaft verbunden. Nach wie vor sind die Rentiere ein wichtiger Faktor der samischen Kultur.

Die halbdomestizierten Herden leben in freier Wildbahn, und die Samen folgen ihnen. Von Zeit zu Zeit werden sie zusammengetrieben, um die Kälber zu markieren und Tiere zum Schlachten auszuwählen. Dieses Zusammentreiben war früher sehr aufwändig, heute erfolgt es mit dem Motorschlitten bzw. dem Motocross-Motorrad und sogar mit dem Helikopter.

Rentiere sind also an Menschen gewöhnt, und häufig sieht man sie in Lappland am Straßenrand, ohne dass sie gleich fliehen, wenn sich ihnen ein Auto nähert. Verbreitet werden Rentiere auch in Gehegen gehalten. Sie sind mit den Menschen vertraut, man kann sich ihnen nähern und sie streicheln. Und im Winter bieten die Einheimischen häufig Rentierschlittenfahrten für Touristen an.

Durch die Jagd hat die Anzahl der Rentiere zwar abgenommen, aber es gibt weltweit noch etwa 4 Millionen wilde und etwa 3 Millionen domestizierte Rentiere, wobei die wilden hauptsächlich in Amerika leben, und die domestizierten in Lappland und Sibirien beheimatet sind. Viele Sami leben auch heute noch von der Rentierzucht und haben durch diese lange Tradition eigene Bezeichnungen für die Tiere: ein Rentiermännchen nennen sie „tjur“ oder „sarv“, ein kastriertes Männchen heißt „hierke“ oder „härk“, und ein Weibchen wird „ko“, „vaia“ oder „simla“ genannt.

Somit ist also ein Rentier kein wildes, seltenes oder kaum zu sehendes Tier wie etwa Wölfe, Luchse, Vielfraße oder Bären. Man bekommt die Rentiere in Lappland durchaus zu sehen, und das nicht nur in Tierparks oder Gehegen. Sie gehören in der lappländischen Natur zum Alltag.

Autor(in): Heide – Heide.Walker@conductix.com

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