Nittsjö – Keramik aus Dalarna

Etwa 6 km von Rättvik am Siljansee entfernt liegt der kleine Ort Nittsjö auf einer Anhöhe mit ein paar Einwohnern und einer recht bekannten Keramikfabrik, die Nittsjö Keramik. Vor allem die typischen roten Nittsjö-Figuren und die weihnachtlichen Motive sind im ganzen Land bekannt. Es werden aber auch Geschirr, Kerzenständer, Vasen und diverse andere Teile angeboten. Nittsjö ist eine Firma mit langer Tradition, heute relative klein, produziert sie doch immer noch mit anhaltendem Erfolg.

Die Firma wurde 1843 von Carl Jacob Wettergren und R.A.C. Medén gegründet, damals als Ziegelfabrik. Bereits 1847 stellte man dann aber auch Terrakotta und Kachelöfen her. Die damals produzierten Töpferwaren und Kachelöfen dienten in erster Linie der Versorgung der eigenen Gemeinde, die Ziegel wurden jedoch auch in die umliegenden Ortschaften verschickt. 1895 wurde die Fabrik durch einen Brand größtenteils zerstört, ein Jahr später hat man die Gebäude jedoch bereits wieder neu aufgebaut und die Arbeit konnte wieder aufgenommen werden.

Nachdem Medén die Firma schon nach ein paar Jahren verlassen hatte, führte Wettergren die Geschäfte zunächst alleine weiter. Später gab es mehrfache Wechsel in der Geschäftsleitung und ein paar Mal stand Nittsjö auch vor dem Konkurs. Im Jahre 1917 kaufte Ruben Löfgren die ganzen Anlagen und wandelte sie in eine Aktiengesellschaft um, die Nittsjö Stenkärlsfabrik. Von da an begann man auch höherwertige Tonwaren herzustellen. Ruben Löfgren trug deutlich zum wirtschaftlichen Aufschwung von Nittsjö bei, die Firma wurde von Grund auf modernisiert.
Als erster Designer kam Erik Mornils in die Firma. Auch er brachte neue Ideen ein. Immer neue Produkte entstanden. Man nahm an verschiedenen Ausstellungen teil und erzielte auch diverse Auszeichnungen. 1933 wurde Jerk Werkmäster künstlerischer Leiter von Nittsjö. Er hatte an der Kunsthochschule in Stockholm studiert und an der Gestaltung viele Gebäude und Kirchen mitgearbeitet. Die Produktion stieg weiter und man benötigte ständig weitere Designer. Andere Namen, die mit Nittsjö in Verbindung stehen bzw. standen sind Thomas Hellström, Ingela Westergaard, Elaine Westh, Gerd Sjökvist, Mats Nyman, Johan Blomdell

1942 wurde das 25-jährige Jubiläum gefeiert, das Ruben Löfgren noch erleben durfte. Er starb jedoch zum Ende des Jahres und sein Sohn Åke Löfgren führte die Geschäfte weiter und setzte weitere Rationalisierungen durch. 1958 stellte er den Designer Thomas Hellström ein, der mit vielfältigen Ideen zu einem erneuten Aufschwung beitrug.

Zum 50-jährigen Jubiläum, 1967, wurden die Nittsjö-Produkte in vielen Städten Schwedens ausgestellt.
Wieder folgten Verbesserungen, die Holzöfen wurden renoviert und auch ein großer, mit Gas betriebener Ofen wurde eingebaut. 1980 übernahm Åke Löfgrens Sohn Per die Geschäfte. Der Designer Thomas Hellström verabschiedete sich langsam in den Ruhestand, dafür fand 1989 die Künstlerin Elaine Westh bei Nittsjö Arbeit.

Die Nachfrage nach Nittsjö Keramik nahm ständig zu. Von einem kleinen Tonwarenunternehmen hat sich die Firma zu einem angesehenen Unternehmen mit Tradition entwickelt. Heute ist der Name Nittsjö ein Begriff und man kann die Produkte in ganz Schweden und auch im Ausland kaufen.

Wenn man sich in der Region um den Siljansee befindet, lohnt sich wirklich ein Besuch dieser Keramikfabrik. Zu bestimmten Zeiten kann man den Künstlern bei der Arbeit zusehen und man kann die Gegenstände direkt ab Werk kaufen, oft als zweite Wahl und daher günstiger als im Handel.

Einige Teile haben schon Tradition, sie werden schon seit Jahren und immer wieder hergestellt. Neue Designs kommen jedoch ständig hinzu, bzw. alte Produkte werden im Laufe der Zeit immer wieder durch neue ersetzt.

Schauen Sie sich in dem netten, kleinen Laden, der auch ein paar Souvenirs anbietet, einfach um. Man findet immer wieder etwas, das zu Hause einen Platz in der Wohnung finden könnte oder das sich als Geschenk eignet. Motive sind häufig kleine Wichtel und Tomte zu Weihnachten oder auch Tierfiguren. Oder die Geschirrserien, Vasen, Kerzenständer, Schalen usw. Interessiert man sich für alte, nicht mehr produzierte Teile, so empfiehlt es sich auf Auktionen, Flohmärkten oder in Antiquitätengeschäften zu stöbern.

Das Geschäft in Nittsjö hat jeden Tag geöffnet, sonntags allerdings nur in den Sommermonaten Juni, Juli und August.
Die Familie Löfgren ist immer noch im Geschäft. Per Löfgren hat inzwischen die Firma an seine Kinder Anders, Pernilla und Robert übergeben. Fest angestellt sind heute noch 5 Personen, während es Mitte des 20. Jahrhunderts noch um die 60 Angestellte waren. Aber nichtsdestotrotz stellt die Firma mit diesen wenigen Leuten doch ein ganz ansehnliches Spektrum an schönen Keramik-Gegenständen her.

Autor(in): Heide – Heide.Walker@conductix.com

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