Nautanen – Versteckt im Wald

Koskullskulle. Nicht etwa ein schwedisches Schimpfwort, sondern der Name eines kleinen Ortes, wenige Kilometer entfernt von Malmberget in der Gällivare Kommun. Der Einfachheit halber sagen wir hier oben auch nur Kulle (sprich: Külle). Zugegeben, Kulle ist nicht unbedingt der Nabel der Welt, aber der beste Ausgangsort, um nach Nautanen zu gelangen. Besonders im Winter. Dann braucht ihr zwar Schneeschuhe oder, besser noch, einen Snöscooter. Aber der Aufwand lohnt sich. Im Sommer reicht ein Paar guter Wanderschuhe oder das MTB. Und eine gute Landkarte.

Hinweisschilder – Ein Problem

Es gibt natürlich noch einen anderen Weg nach Nautanen.

E10/E45 Hinweisschild Nautanen

E10/E45 Hinweisschild Nautanen

Ein Hinweisschild führt euch von der E10 zwischen Gällivare und Kiruna links ab in den Wald. Den Waldweg könnt ihr beruhigt fahren, auch ohne Allradantrieb. Allerdings nur, wenn kein Schnee liegt. Ist schon Schnee gefallen, versucht es gar nicht erst. Der Waldweg wird nur bis zum letzten der wenigen Häuser am Anfang des Weges geräumt. Im Sommer könnt ihr den Waldweg natürlich mit dem Auto fahren. Müsst ihr aber nicht. In Sichtweite des erwähnten Hinweisschildes gibt es einen Parkplatz an der E10. Dort könnt ihr euer Fahrzeug abstellen und per Pedes oder per Mountainbike euren Weg fortsetzen. Ich möchte sogar behaupten, dass ihr ohne Auto schneller voran kommt. Die Entfernung bis Nautanen wird mit drei Kilometern angegeben. Es sind aber fast fünf Kilometer. Das bedeutet: Wenn ihr meint, ihr habt euch verlaufen oder verfahren, geht oder fahrt einfach weiter. Glaubt mir, det löser sig…

Die Schweden sparen an Hinweisschildern. Wenn also ein Schild euch den Weg zu einer Sehenswürdigkeit weist, dann folgt ihr diesem Schild. Und weicht von dem Weg nicht nach Links oder Rechts ab. Ihr erreicht dann irgend wann das Ziel, oder: Ein zweites Schild. Das kommt aber nur dann, wenn ihr radikal die Richtung ändern müsst. Auf dem Weg nach Nautanen gibt es kein zweites Schild.

Nautanen will gefunden werden

Der Weg von Kulle aus ist in etwa genau so lang. Ich kann euch als Ausgangsort das „Skogshotell“ empfehlen. Dort könnt ihr euer Fahrzeug abstellen. Und nach der Wanderung einen Kaffee trinken. Auch im Winter ist dies ein guter Startort, denn dort könnt ihr auch Snöscooter-Touren nach Nautanen buchen.

Transportmittel im Winter: Snöscooter

Transportmittel im Winter: Snöscooter

Ihr solltet euch dafür jedoch rechtzeitig anmelden. Genau genommen ist das Hotel im Winter der einzige vernünftige Startort. Auch deswegen, weil es von Kulle aus überhaupt keine Hinweisschilder gibt…

Nachdem ihr dann in Nautanen angekommen seid, besteht durchaus die Möglichkeit, dass ihr das gar nicht wisst. Denn obwohl der Hinweis an der E10 auf eine Sehenswürdigkeit hinweist, ist die Beschilderung am eigentlichen Tatort eher dürftig. Nautanen ist keine Siedlung oder Ortschaft, sondern eine ehemalige Kupfermine. Auch heute noch ist sie im Besitz der Minengesellschaft Boliden, die ganz in der Nähe im Tagebau Kupfer in der Aitik-Grube abbaut. Aitik bitte nicht verwechseln mit Ájtte. Ájtte ist ein schönes und lehrreiches Museum, Aitik nur ein riesengroßes Loch im Boden…

Im Sommer kann man in Nautanen gut die Überreste der ehemaligen Minenhäuser erkennen.

Ruine eines Hauses bei Nautanen. Westseite

Ruine eines Hauses bei Nautanen. Westseite

Im Winter ist dies schon sehr viel schwieriger. Oftmals sind leider nur die Fundamente und ein paar der ersten Steinreihen übrig geblieben. In der Blütezeit der Mine wohnten hier etwa 400 Menschen, 120 Grubenarbeiter mit ihren Familien.

Infotafel an der ehemaligen Kupfermine in Nautanan

Infotafel an der ehemaligen Kupfermine in Nautanen

Es gab sogar eine eigene Bahnverbindung dorthin. Die Mine war zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Betrieb. Aber nur sehr kurz, denn der Betreiber, Nautanens Kopparfält AB, musste bereits 1908 Konkurs anmelden. Wenn das kein Glücksfall für die Natur war! Der weitaus interessanteste Teil der alten Mine ist aber der einzige heute noch immer frei zugängliche Stollen. Der Eingang ist nicht unbedingt sofort zu erkennen, also sucht nach einem Loch in der Felswand. Etwa mannshoch sollte es sein. Manchmal wird der Eingang durch eine einfache Holztür verdeckt, diese dürft ihr aber ohne Bedenken öffnen.

Eiszapfen am Boden

Wenn ihr den Stollen betretet, zieht den Kopf ein. Die immer noch scharfen Kanten an der Decke verursachen sonst möglicherweise Kopfschmerzen. Der Boden des Stollens ist mittlerweile durch Planken gesichert und begehbar.

Am Ende des Stollens: Die Höhle

Am Ende des Stollens: Die Höhle

Manchmal findet man am Eingang des Stollens eine starke, akkubetriebene Lampe. Die Betonung liegt hier auf „manchmal“. Es ist mir bis Heute nicht gelungen, heraus zu finden, wer diese Lampe dort abstellt und wieder auflädt. Ich vermute, dass diejenigen, die den Stollen in regelmäßigen Abständen kontrollieren, sich auch um diese Lampe kümmern. Sollte der Akku leer sein, die Lampe gar nicht erst vorhanden sein und ihr auch keine eigenen Lampen dabei haben, so ist das, vereinfacht gesagt, dumm gelaufen.

Das Tageslicht, welches durch den Stolleneingang in den Stollen fällt, sorgt nur für eine eher schummrige Beleuchtung und lässt deshalb nur erahnen, wo man sich gerade befindet.

Eiszapfen wachsen aus dem Boden

Eiszapfen wachsen aus dem Boden

Nach etwa zwanzig Metern endet der Eingangsstollen in einer Art Höhle, von der ein weiterer Stollen abzweigt. Der ist aber nicht weiter begehbar, weil durch ein Gitter abgesperrt.

Eiskristalle an der Decke des Stollens

Eiskristalle an der Decke des Stollens

In der Höhle findet ihr tatsächlich noch Überbleibsel aus der aktiven Zeit der Mine, auch wenn die kaum noch zu erkennen sind. Interessant ist diese Höhle im Winter. Dann bilden sich Eiskristalle an der Höhlendecke,

Zur Sicherheit: Eigene Lampe mitbringen!

Zur Sicherheit: Eigene Lampe mitbringen!

die dann im Licht der Lampen wie ein Sternenhimmel glänzen. Auch Eiszapfen wachsen sowohl an der Decke wie auch auf dem Boden. Im Laufe des Winters wachsen die Eiszapfen aufeinander zu. Und ist dieser Zeitraum lang genug, treffen sie sich irgend wann in der Mitte.

Neue Probebohrungen

Wie erwähnt, diese Mine ist seit über 110 Jahren nicht mehr in Betrieb. Der derzeitige Besitzer Boliden hat allerdings in den letzten Jahren immer wieder Probebohrungen im Gebiet um Nautanen herum durchgeführt. Neben lohnenswerten Kupfervorkommen wurden wohl auch Gold und Seltene Erden gefunden. Es ist also zu befürchten, dass es in absehbarer Zeit mit der Ruhe in Nautanen vorbei sein wird. Erste Arbeiten zur Erweiterung der „Aitik-Gruvan“ haben bereits begonnen…

Verschiedene Mineralien in der Decke des Stollens

Verschiedene Mineralien in der Decke des Stollens

Weitere Informationen und eine kleine Ausstellung zu Nautanen findet ihr im „Norbottens Museum“. Das ist allerdings nicht gerade um die Ecke, sondern in Luleá, etwa 250 Kilometer von Nautanen entfernt. Den Link zur Webseite des Museums findet ihr HIER . Aber wenn ihr schon einmal in Nautanen seid, die LKAB Minengesellschaft im nur wenige Kilometer entfernten Malmberget bietet ebenfalls Führungen in ihr Tunnelreich unter Tage an. Auch das „Gällivare Museum“ direkt in Gällivare ist einen Besuch wert. Klein, aber mit Liebe gemacht und informativ. Hier der Link zur Webseite. Ebenso kann man die „Aitik-Gruvan“ besuchen, etwa 15 Kilometer von Gällivare entfernt. Dort verschwindet ihr auch nicht unter Tage… Während man in den tiefen Gängen der LKAB in Malmberget höchstens verschüttet werden kann, besteht in der „Aitik-Gruvan“ eher die Gefahr des Ertrinkens, trotz Tagebau… Doch dazu mehr in einem anderen Beitrag in der Lappland-Serie.

(Text & Bilder: Jörg Solheid/Go North-The Beast)

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