Kubb: Wenn Wikinger in die Schlacht ziehen

© Karina / pixelio.de

Fast immer, wenn ich in diesem Sommer runter an den Strand gegangen bin, sind mir Menschen begegnet, die ein merkwürdig aussehendes Spiel spielten, das im Wesentlichen darin bestand, einen Holzklotz zu werfen und damit einen anderen umzuwerfen. Von außen betrachtet, schien mir diese Beschäftigung reichlich uninteressant, aber die Begeisterung, die in den Gesichtern aller Mitspielenden abzulesen war, sprach eine andere Sprache.

Heute weiß ich, dass dieses Spiel Kubb oder auch Wikingerschach heißt, seit über 100 Jahren in Skandinavien gespielt wird und sich in Deutschland einer immer größeren Beliebtheit erfreut. Zwei Mannschaften ziehen für ihren König in die Schlacht. Und auch wenn es langweilig aussieht, kann ich nur den Tipp geben, es auszuprobieren. Es besteht sowohl aus Strategie, als auch aus Geschicklichkeit. Ein Spiel, das der ganzen Familie Spaß macht!

Kubbspiele kann man käuflich erwerben, sie aber auch einfach selbst herstellen. Man benötigt sechs Wurfhölzer, ähnlich einem Stab beim Staffellauf, zehn kleinere Klötze (Kubb = Klotz) und einen größeren Klotz, der den König darstellen soll. Außerdem braucht man vier kleine Hölzer, um das Spielfeld abzustecken. Das funktioniert alternativ aber auch mit allen anderen Gegenständen, etwa mit größeren Steinen oder Schuhen.

Die zwei Mannschaften können jeweils aus 1-6 Spielern bestehen. Je nach Anzahl kann man dann das Spielfeld frei begrenzen. Traditionell hat es eine Größe von 5×8 Metern und ähnelt mit seinen Linien einem Volleyball- oder Tennisfeld. Genau auf der Mittellinie wird der König platziert. Jede Mannschaft erhält 5 Kubbs, die die Armee darstellen sollen. Sie werden in einer Reihe auf die hintere Grundlinie platziert. Es geht nun darum, dass man versucht, mit den Wurfhölzern erst die Kubbs und dann den König umzuschlagen. Das Team, welches das als erstes geschafft hat, ist der Sieger.

Für den eigentlichen Spielspaß es gibt dabei einige Regeln zu beachten:

  • Welches Team anfängt, das entscheidet nicht der Zufall, sondern die eigene Geschicklichkeit. Jede Mannschaft bekommt einen Wurfstock und muss versuchen, dem König auf der Mittellinie damit so nah wie möglich zu kommen, ohne ihn umzustoßen. Dem Team, welches das gelingt, darf beginnen
  • Die sechs Wurfstöcke werden auf alle Mitglieder einer Mannschaft verteilt. Jeder ist einmal an der Reihe, auf die gegnerischen Kubbs auf der hinteren Grundlinie zu zielen
  • Dabei gilt: Werden alle Kubbs getroffen, darf auf den König gezielt werden. Fällt auch dieser, dann hat das Team gewonnen
  • Wird der König getroffen, bevor alle Kubbs gefallen sind, ist das Spiel sofort beendet und die gegnerische Mannschaft siegt
  • Fallen nicht alle Kubbs, dann ist Team B an der Reihe
  • Die Klötze, die bereits am Boden liegen, werden von Team B in die gegnerische Hälfte geworfen. Team A muss sie dann exakt an der Stelle aufstellen, an welcher sie gelandet sind
  • Team B muss erst alle Kubbs auf dem Feld umstoßen, bevor es auf die eigentlichen Klötze auf der Grundlinie zielen darf
  • Gelingt es nicht, alle Feldkubbs umzuwerfen, darf Team A seine Grundlinie bis zu dem Kubb hochziehen, der dem König am nächsten ist
  • Es hat dadurch den Vorteil, dichter vorrücken- und damit besser zielen zu können
  • Einige Strategien bestehen darin, Kubbs sehr nahe nebeneinander zu werfen, damit man später mit einem Wurf jeweils zwei Klötze treffen kann, oder sie so weit, wie möglich an die Vorderlinie zu bringen, um besser zielen zu können. Dabei gilt jedoch auch, sie möglichst nicht in die Nähe des Königs zu setzen, damit dieser bei einem Wurf nicht versehentlich gekippt wird. Außerdem sollten die vordersten Kubbs als erstes umgeworfen werden, damit das gegnerische Team nicht den Vorteil bekommt, zu weit aufrücken zu dürfen

Na, da bekommt man doch glatt Lust, es einmal selbst auszuprobieren, oder?
Im Übrigen: Es gibt sogar eine Kubb-Weltmeisterschaft, an der wirklich jedes Team ohne Auflagen und Altersbeschränkungen teilnehmen kann. Wer würde sich nicht gern Weltmeister nennen wollen? Wer jedoch keine Gelegenheit hat, nach Gotland in Schweden zu reisen, kann auch an den deutschen Wettbewerben „German Kubb Masters“ in Berlin oder den „Kubb Open“ in Rostock teilnehmen.

Autorin: Nicole Schmidt – text.assistant@yahoo.de

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