Dschungel Schwedisches Gesundheitssystem Teil 3: Krankenhäuser

Das schwedische Gesundheitssystem gehört (wie übrigens auch das deutsche) zu den besten der Welt. Forscher des Stockholmer Karolinska Instituts sind regelmäßige Gäste in nationalen und internationalen Nachrichten. Die Ärzte, aber auch das Pflegepersonal haben einen extrem hohen Ausbildungsstand. Ich habe Leute von schwedischen Krankenhäusern schwärmen hören. Für mich ist das schönste Krankenhaus immer noch das, was ich nur von außen sehen brauche. Aber wenn ich schon ins Krankenhaus muss, dann möchte ich bitte in ein Schwedisches kommen. Womit wir beim Problem wären, beim „kommen“.

Und das in doppelter Hinsicht. Das Personal nimmt sich für die Patienten viel Zeit. Das bedeutet aber, dass man auf einen Termin auch länger warten muss. Für einen Termin, der kein Notfall ist, wartet man abhängig von Krankenhaus gerne mal seine zwei drei Monate. Hat man keine akuten Schmerzen, verlängert sich das schnell auf ein halbes Jahr.

Ist man ein Notfall, ergeht es einem aber auch nicht viel besser. Denn dann muss man die Pflegekraft am Notruftelefon erst mal davon überzeugen, dass man ein Notfall ist. Sie entscheiden, ob man ins Krankenhaus kann und ob man einen Krankenwagen geschickt bekommt. Es gibt zwei Nummern, die man wählen kann, wenn man krank ist: die allgemeine Hotline, für alle Belange (in Stockholm 08-320 100) , und die Notrufnummer 112, für alle Notfälle (ist die selbe Nummer für Polizei und Feuerwehr, also auf jeden Fall merkenswert).

Bei akuten Schmerzen ist es falsche Bescheidenheit, die erste Nummer zu wählen. Man bekommt keinen Krankenwagen! Man kann froh sein, wenn einem erlaubt wird, ins Krankenhaus zu fahren! Mein Tip, zweite Nummer wählen und schreien: ich sterbe. Oder falls man das noch irgendwie hin kriegt: auf die Straße gehen, dann anfangen zu schreien. Dann wird nämlich die Polizei gerufen, und die ihrerseits rufen direkt die Sanis. Hört sich umständlich an, ist aber einfacher als die am Telefon zu überzeugen, dass man jetzt wirklich Hilfe braucht.

Ist man dann aber endlich im Krankenhaus, ist man gut aufgehoben. Ich war hier bisher zweimal im Krankenhaus. Und kann nur Gutes berichten. Beide Male haben sich alle wirklich unglaublich viel Zeit für mich genommen, inklusive dem Anästhesisten, der mir haarklein erklärte, wie eine Betäubung funktioniert, und der Chirurgin, die mir mit einer Zeichnung verdeutlichte, was sie an welcher Stelle mit welchem Gerät tun wird. An keiner Stelle ist mir der Mentalitätsunterschied zwischen Deutschen und Schweden so sehr aufgefallen wie in den Krankenhäusern. Panik setzen sie Ruhe und Aufklärung entgegen. Die Schweden neigen nicht zur Gefühlsduselei, ihr Auftreten ist geschäftsmäßig, mit einer winzigen Prise schwarzen Humors – unvergessen die Narkoseschwester, als ich ihr sagte, ich hätte Angst weil ich noch nie eine Narkose bekommen habe „WIR haben das schon tausendmal gemacht, und SIE brauchen nichts zu tun als zu schlafen. Oder dieser Notfallarzt um vier Uhr morgens. Ich hab noch nie jemanden so fröhlich „Kidney Stones“ (Nierensteine) sagen hören, so, als wärs ne Gute Nachricht. OK, wars in dem Moment auch, bedeutete es doch „du stirbst heut Nacht doch nicht“.

Und mal ehrlich, in einem Krankenhaus ist DAS doch genau das, was man hören will!

Autor(in): Tina Skupin – tskupin32@gmail.com

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