Karin Larsson – mehr als Carl Larssons Ehefrau

1859 – 1928
Die Frau von Carl Larsson, Karin Larsson, hat in Schweden einen genauso großen Namen und Ansehen, wie ihr berühmter Ehemann. Diese Frau ist Künstlerin und Vorreiterin in Mode, Möbelkunst, Kindererziehung und und und.
Das Ehepaar Larsson liebte sich innig und ehrlich. Das Paar bereicherte sich in ihren künstlerischen Arbeiten, wie kaum ein anderes Ehepaar. Schon gar nicht zu dieser Zeit.

Sie lernten sich in Frankreich kennen, beide waren Künstler und kamen aus völlig verschiedenen Gesellschaftskreisen. Carl stammt aus einer selbst für damalige Verhältnisse sehr armen Familie, ohne Liebe und Zuneigung im Armenviertel von Stockholm aufgewachsen, musste er sich seinen eigenen Weg erkämpfen. Karin Bergöö wuchs sehr behütet und liebevoll auf. Ihre Eltern stammten aus der erfolgreichen Mittelschicht und unterstützen ihre Kinder in ihren Interessen und Talenten. Es war damals durchaus nicht üblich seine junge Tochter allein nach Frankreich, um Kunst zu studieren, ziehen zu lassen. Aber Adolf Bergöö hatte Vertrauen zu seiner Tochter Karin und unterstütze sie wo er konnte. Zu ihrer Mutter hatte Karin ihr Leben lang ein sehr inniges Verhältnis, viele Briefe beweisen dieses, und sie waren sich stets eine Stütze.

Nach der Hochzeit verzichtete Karin auf das Malen, da ihr Mann sehr viel talentierter war und sie sich anderen Dingen ebenso gerne widmete. Sie lebten eine Zeit lang in Frankreich, wo ihre erste Tochter zur Welt kam und zogen später nach Stockholm. Karins Vater schenkte ihnen ein wunderschönes, aber einfaches Haus auf dem Land in Dalarna, „lilla Hyttnäs“ in Sundborn.
Erst war dieses Haus ein Ferienhaus und wurde anfangs, da die Larssons noch unbekannt und nicht sehr viel Geld hatten, sehr einfach und billig eingerichtet. Später, als der Erfolg sich einstellte, waren die finanziellen Mittel gegeben, um dieses Haus weiter auszubauen und so zu gestalten, wie es dem Künstlerpaar gefiel. Es war mit das ungewöhnlichste kleine Anwesen in Schweden und wurde bald ebenso berühmt, wie der Maler Carl Larsson selbst. Nicht nur, weil unzählige seiner Bilder in und um dieses Haus und den wunderbaren Garten entstanden, sondern auch weil Karin ein ungewöhnliches Talent hatte besonders praktisch, ungewöhnlich und für diese Zeit eigentlich unmodern, und doch ansprechend einzurichten. Alle Besucher, und es waren viele, denn die Larssons liebten Feste, Picknicks und Gesellschaften, waren von der Gemütlichkeit dieses Heimes beeindruckt. Es war farbenfroh und dekorativ, obwohl das Praktische immer im Vordergrund stand. Karin entwarf viele Möbel selbst und auch die Handwerker wurden während der vielen Arbeiten von ihr beauftragt. Nicht nur weil ihr Mann viel auf Reisen war, sondern auch weil die Entwürfe von ihr stammten und sie sehr pedantisch auf die Umsetzung achtete. Viele IKEA-Möbel und -Stoffmuster wurden hiervon kopiert.

Karin war im Gegensatz zu ihrem Mann, eine sehr ruhige und eher schüchterne Frau. Sie hatte aber ein starkes Durchsetzungsvermögen und Selbstbewusstsein. Sie fing bereits im frühen Alter an, ihre eigene Mode zu entwerfen und auch die Haare anders, als üblich, zu tragen. Auch ihre Mode ist besonders und sehr oft kopiert worden. Die damals in ein ungesundes Korsett gezwängte Taille der Frau war ihr zuwider und sie schneiderte weite Kleider. Das hing auch damit zusammen, dass sie acht Schwangerschaften durchlebte und sich während dieser Zeit nicht versteckte, wie viele Frauen zu dieser Zeit.

Das Ehepaar Larsson lebte ein Familienleben, wie es um die Jahrhundertwende nicht üblich war. Die Kinder wurden nicht nur akzeptiert und unterstützt, sondern sie waren stets der Mittelpunkt in der Familie. Sie durften überall im Haus spielen, Vater Carl liebte es, wenn seine Kinder und auch seine Frau in seinem Atelier spielten, Gemüse putzten oder seine Arbeiten kommentierten. Es gab kein „Schönzimmer“, ein Wohnzimmer, in dem alles ordentlich und für Besuch eingerichtet war. Bei Larssons wurde gelebt, überall. Auf seinen Bildern stellt Carl Larsson sein Heim oft mit unordentlich und unaufgeräumten Zimmern dar. Wie im wahren Leben.

Karins Kunstwerke waren im ganzen Haus zu finden. An den Wänden, Möbeln, im Garten und vor allen Dingen in den Textilien. Sie kreierte Vorhänge, Tischdecken, Kleider, Stuhlbezüge, Kissen und vieles mehr, das heute als wahre Kunst in Museen dieser Welt zu bestaunen ist. Sie schuf eine einfache Formgebung. Praktisch und trotzdem schön sollten ihre Kreationen sein. „Carl and Karin Larsson – Creators of the Swedish Style“ war eine Ausstellung in London 1997, die die Larssons als „am meisten Einfluss nehmend auf das 20. Jahrhundert in Funktionalität und Design“ beschrieben.

Autor(in): Katrin – katrinwegener8@hotmail.com

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