In Skåne reicht Schulschwedisch nicht aus

Jaja, so kann es gehen: Da denkt man, man wäre mit seinem Volkshochschul-Schwedisch schon ganz gut im Hörverstehen. Und dann kommt man, etwa im Urlaub, nach Skåne – und scheitert an der erstbesten Gesprächssituation. Jemand spricht dich an, und du guckst nur wie ein Fragezeichen: „Vad sa du??“ Schlimmer wird’s, wenn dein Gegenüber das Gesagte noch wortreich umschreiben will. Alles, was du dann noch über die Lippen bringst, ist ein verzweifeltes „Tyvärr, jag förstår inte!“ Skånisch ist eben nicht wirklich schwedisch…

Der Comic-Künstler Humon nimmt die schwierige Beziehung zwischen Schweden und Schonen aufs Korn. Bild: http://satwcomic.com/

Der Dialekt im Süden des Landes unterscheidet sich vom „Reichsschwedisch“ (rikssvenska) vor allem in der Intonation, in Satzmelodie und -rhythmus. Das heißt, auch wenn die Worte dieselben sind, bringt ein skånischer Sprecher  sie völlig anders ‚rüber als ein Stockholmer es tun würde. In manchen Ohren klingt schonisch zudem, als würden ganze Wortteile verschluckt oder Pausen an den falschen Stellen gemacht.

„Skånska“ wird nicht zufällig als „ostdänischer Dialekt“ bezeichnet. Historisch war und ist „Skåneland“ stark von „Festland-Skandinavien“ beeinflußt. Bis 1658 gehörte die Landschaft zu Dänemark – es wurde zusammen mit der Kopenhagener Region sogar als Kernprovinz angesehen. Eine politisch angeordnete „Verschwedung“ im 17. Jahhundert brachte zwar den reichsschwedischen Wortschatz und die neue Schriftsprache in die südliche Region – aber ihre Aussprache ließen sich die Schonen nicht so schnell ummodeln. Noch heute hört man im Zug von Kopenhagen nach Malmö Dänen und Schonen miteinander plaudern: Sie verstehen einander offenbar ohne Probleme.

Das Skånische bedient sich so genannter Diphtonge – wie „au“, „ei“, „eu“. Außerdem werden die harten, stimmlosen Konsonanten regelmäßig „verweichlicht“: von „p“, „t“, „k“ zu „b“, „d“, „g“. Ganz charakteristisch ist in der südschwedischen Gegend auch das „r“: Es wird nämlich, wie der Sprach-James-Bond sagen würde, „gerieben, nicht gerollt“.

Wissenschaftler führen das auf den französischen Einfluß im 18. Jahrhundert zurück, wo das so genannte „Zäpfchen-r“ als vornehm galt. Manche Sprecher betonen das „r“ noch heute so stark, dass es fast ein bisschen affektiert klingt. Wer Beispiele hören möchte, kann auf diese Linguistikseite gehen und Sprechbeispiele aus verschiedenen skånischen Regionen abrufen.

Wer sein Hörverstehen testen will, sollte sich die schwedische Comedy-Sendung „Hipp Hipp“ anschauen, wo vor allem die Figur des „brandman“ nach bester, alter Weise skånisch parliert. In der Comicreihe des Künstlers Humon, von der wir unser Bild verlinkt haben, gibt es weitere Anspielungen auf die schwierige Beziehung zwischen Schweden und Skåne. Übliche Klischees werden in „Scandinavia and the world“ schonungslos gepflegt – sehr zur Freude der meist skandinavischen Humon-Fans.

Autor(in): Katja Singer – katja-singer@gmx.de

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