Göteborg: Das Badehaus im Stadtteil Haga

Sven Renströms Erbe in Göteborg heute

Sven Renströms Erbe in Göteborg heute

Wohl jeder Spaziergang durch Göteborgs beliebten Stadtteil Haga führt Besucher zu einem alten Gebäude aus gelblichen Ziegelsteinen. Die Architektur wirkt nicht besonders schwedisch, und über den beiden Eingängen prangt der Schriftzug „Renströmska Bad- och Tvättanstalten“. Was hat es damit auf sich?

Sven Renström war im 19. Jahrhundert ein erfolgreicher Göteborger Geschäftsmann und Politiker. Sein Geld machte er unter anderem mit dem Export von Holz und Eisen. Er war Stadtvertreter und saß mehrere Jahre lang im schwedischen Reichstag. 1869 starb er und vermachte der Stadt Göteborg ein Vermögen von 1,5 Millionen Kronen. Das Erbe des Mäzens wurde in einem Fonds angelegt und diente in den folgenden Jahren zur Finanzierung verschiedener öffentlicher Einrichtungen. Den Anfang machte das Badehaus in Haga.

Mit der Industrialisierung entstanden auch in Göteborg große Wohnsiedlungen für die Arbeiter. Die hygienischen Verhältnisse waren – wie in anderen Großstädten auch – nicht gerade optimal. Ursprünglich stammte die Idee der Badehäuser für Arbeiter aus England, wo 1842 die erste öffentliche Einrichtung dieser Art eröffnet wurde.

1876 war es in Göteborg so weit. Das Badehaus in Haga öffnete seine Tore an der Södra Allégatan 3. Der Architekt Axel Kumlien, der u. a. das Grand Hotel in Stockholm entworfen hat, verwendete in dem Bau maurische Elemente. Das Innere des Badehauses war zweigeteilt. Einfache Wannenbäder standen für die weniger betuchte Kundschaft zur Verfügung, daneben gab es eine luxuriösere Abteilung mit römischem Bad und getrenntem Eingang für die zahlungskräftigeren Göteborger. Ein warmes Wannenbad in der „1. Klasse“ kostete 1876 eine Krone, während in der „2. Klasse“ schon für 50 Öre gebadet werden konnte. Am teuersten war der Besuch des römischen Bades (1,50 Kronen), am günstigsten der Besuch der Sauna (40 Öre).

Im Jahr 1903 zerstörte ein Brand das Badehaus. Erst 1906 erfolgte die Wiedereröffnung für weitere 50 Jahre, bevor es 1956 endgültig seine Pforten schloss. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Gebäudekomplex von unterschiedlichen Betrieben und Einrichtungen genutzt, z. B. Werkstätten und Theater. Nach dem Beschluss der Stadt Göteborg zur Renovierung und Wiedereröffnung befindet sich seit Ende der 1990er Jahre ein modernes Spa mit Fitnesscenter und Restaurant in dem Gebäude.

Autor(in): Christoph- c.baier@speedmail.se

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