Fröken Cecilia Lind, Vreeswijks Liebesballade

Cornelis Vreeswijk

Cornelis Vreeswijk. Foto: cornelisvreeswijk.se

„Du doftar så gott och du dansar så bra“ (deutsch: Du duftest so gut und du tanzt so schön), flüstert Fredrik Åkare in Cornelis Vreeswijks berühmtester Liebesballade zu der jungen Cecilia Lind, während seine Hand ihre schmale Taille umgreift und sie errötet. Beide tanzen im Vollmondschein zu Akkordeon und Bass. Die romantische Szenerie, die der holländisch-schwedische Lieddichter Vreeswijk in seiner Ballade malt, gewinnt noch an Spannung, als Cecilia am Ende des Tanzes bittet: „Nu vill jag bli kysst“ (Nun will ich geküsst werden).

Und doch, erfährt der aufmerksame Zuhörer am Liedende, handelt es sich nicht nur um ein romantisches Paar: In der fünften und vorletzten Strophe vergegenwärtigt sich Fredrik Åkare, dass er eigentlich ein „gamla karln“ (ein alter Kerl) sei und Cecilia „bara ett barn“ (nur ein Kind). Die 16-Jährige weiß dennoch, was sie will, und zerstreut die Zweifel mit dem Hinweis darauf, dass sie bald 17 werde. In der Schlussstrophe verführt sie den alten Fredrik Åkare: „Kyss mig igen“ (Küss mich nochmal) vor ihrer Haustür.

Der Song von Cornelis Vreeswijk stammt aus dem Jahr 1966, gesungen und eingespielt wurde er von vielen Sängern u.a. Marie-Louise Jangsved, Freddie Wadling und Anita Lindblom. Vreeswijk selbst veröffentlichte seine eigene Aufnahme in seinem Album „Grimascher och telegram“ (1966). Auch eine Parodie über den „Tag danach“ gibt es von Komiker Bengt Sändh. Die Melodie zum Text schrieb Vreeswijk allerdings nicht, sie stammt aus englischem Liedgut.

Ob mit der Figur des Fredrik Åkare, die in Vreeswijks Liedern wiederholt auftaucht, der Liedschreiber selbst gemeint ist oder ob mit dem Fazit „Kärlek är blind“ (Die Liebe ist blind) nur ein Allgemeinplatz die moralischen Zweifel vetreibt, das bleibt der eigenen Interpretation überlassen. Dass die Ballade von Fredrik Åkare und dem süßen Fräulein Cecilia Lind hingegen zu den schönsten der schwedischen Liedkultur gehört, finden die meisten.

Autor(in): Anna – text@annaengberg.de

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